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Mensch und Menschenaffe

Über das, was uns zum Menschen macht und uns von unseren nahen Verwandten, den Menschenaffen, unterscheidet

Seminararbeit 2011 18 Seiten

Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Mensch und Menschenaffe. Über das, was uns zu einem Menschen macht und uns von unseren nahen Verwandten, den Menschenaffen unterscheidet
2.1 Die äußerliche Komponente
2.2 Werkzeugherstellung und Gebrauch
2.3 Moral
2.3.1 Selbstreflexion der Menschenaffen
2.3.2 Verfügen Menschenaffen über eine ausgebildete Sprache?
2.3.3 Besitzen die Menschenaffen ein moralisches Gefühl?

3. Schlusswort

4. Literatur- und Internetquellenverzeichnis

5. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Wir Menschen, oder auch Homo sapiens (sapiens) genannt, entwickelten uns vor etwas über 140.000 Jahren aus einer Vielzahl unserer biologischen Vorfahren, wie beispielsweise den Australopithecus, den Homo erectus oder den Neandertaler. Innerhalb der biologischen Entwicklung stammt der Mensch aus der Ordnung der Primaten, in der Unterordnung der sogenannten Trockennasenaffen, oder auch Haplorrhini genannt, und gehört dort zur Familie der Hominidae - der Menschenaffen.[1] Diese Familie der Menschenaffen untergliedert sich jedoch nicht nur in uns Menschen, sondern ebenso in die Menschenaffen, d.h. in jene Spezies der Affen, die mit uns am nahsten verwandt ist und eine enorme Intelligenz aufweist, zu denen die Orang-Utans, die Gorillas und die Schimpansen gehören. Wir Menschen und die Menschenaffen sind durch eine nahe Verwandtschaft verbunden, aber dennoch sind wir die herrschende Spezies über diesen Planeten. Während sich Menschenaffen noch immer Tag für Tag durch die Bäume hangeln und die Nacht über Schlafnester in Bäumen herstellen, leben wir in gigantischen Häusern und fliegen durchs Weltall. Warum wir diesen Planeten dominieren und nicht eben die Affen, so wie beispielsweise in Pierre Boulles fiktiven Roman ‚Planet der Affen‘, in dem Menschen und Affen die Rollen tauschen, muss darauf deuten, dass wir uns durch signifikante Unterschiede von den Menschenaffen abzeichnen. Um zu verstehen, was einen Menschen zu einem Menschen macht und einen Affen zu einem Affen, muss herausgestellt werden, welche Unterschiede zwischen uns existieren. Was macht uns Menschen aus?In einem Lexikonbeitrag heißt es zum Thema Mensch, dass sich dieser „[…] durch aufrechten Gang, steile, hohe Stirn [und] Herstellung u. Gebrauch von Werkzeugen […]“[2] auszeichnet. Aber stimmt dieser Lexikonbeitrag aus dem Jahre 1994 tatsächlich? Sind diese drei Merkmale jene, die uns zum Menschen machen und uns von den Menschenaffen abgrenzen? Charles Darwin, ein englischer Naturforscher des 19. Jahrhunderts[3], sagte, dass die signifikanteste Differenz zwischen dem Menschen und den Tieren das Gewissen und die Moral sei. Doch stimmt seine These tatsächlich? Besitzen nur wir und nicht einmal unser nahsten Verwandten eine Moral? Inwieweit diese Aussagen und weitere, wie beispielsweise von Aristoteles, im Laufe der wissenschaftlichen Entwicklung bis ins 21. Jhd.. noch aktuell sind, ob neue Erkenntnisse in den Unterschieden zwischen uns und dem Menschenaffen entstanden sind, und was uns nun letztlich zum Menschen macht, folgt nun in der anschließenden Hausarbeit.

2. Mensch und Affe. Über das, was uns zum Menschen macht und uns von unseren nahen Verwandten, den Menschenaffen unterscheidet

Was uns Menschen von den Tieren unterscheidet, ist laut des Lexikoneintrages, der bereits in der Einleitung genannt wurde, dass der Mensch einen „aufrechten Gang [sowie] eine steile, hohe Stirn“[4] besitzt, Werkzeuge herstellt und verwendet und seine „erworbene Erfahrung“[5] an weitere Generationen und Mitmenschen überliefert. Der Artikel sowie das Lexikon selbst wurden im Jahre 1996, d.h. vor fünfzehn Jahren, veröffentlicht. Aber nicht nur der Lexikoneintrag unterscheidet den Menschen vom Menschenaffen durch diese Aspekte. Wissenschaftler und Philosophen beschäftigen sich bereits seit mehreren Jahrhunderten mit der Frage nach den signifikanten Unterschieden, aus denen resultiert, dass wir Menschen die dominante Spezies geworden sind und nicht die Menschenaffen. Auch der schwedische Naturwissenschaftler Carl von Linné setzte sich mit den Merkmalen des Menschen, im Gegensatz zum Affen auseinander und sagte, der Mensch unterscheidet sich durch „die aufrechte Haltung, die Haarlosigkeit des Körpers [und] das große Gehirn“[6] von den Tieren. Der Philosoph Aristoteles stellte bereits zu seinen Lebzeiten[7] eine Theorie auf, die den Aussagen im Lexikon sowie der von Linné deutlich ähneln: Nach Aristoteles gibt es Merkmale, die die Affen nicht besitzen und uns demzufolge eigen sind: „der Mangel des Schwanzes […], den aufrechten Gang des Menschen […].“[8] Die Differenz zwischen Mensch und Menschenaffe, die Aristoteles, Darwin, Linné und auch die Autoren des Lexikons herausgefunden zu haben scheinen, sind jedoch schon einige Jahre bzw. Jahrhunderte alt. Wir Menschen streben stets nach neuem Wissen und neuen Erkenntnissen, hat sich demzufolge bis ins 21. Jhd. an jenen Erkenntnissen über das, was uns zum Menschen und Affen zu Affen macht etwas verändert? Es ist sehr fraglich, ob die genannten Unterschiede, die sowohl oberflächlich als auch zu kurz gehalten sind, tatsächlich die Differenz schlechthin bilden und den Auslöser für unsere Zivilisation gegeben haben. Alle genannten Personen beschränken sich im Großteil auf eine äußerliche Komponente, die uns vom Menschenaffen unterscheidet.

2.1. Die äußerliche Komponente

In beinah jedem der genannten Aussagen über die Unterschiede wird darauf eingegangen, dass wir einen aufrechten Gang besitzen. Das stimmt voll und ganz, aber Menschenaffen haben ihn ebenfalls, wenn auch nicht weitläufig verbreitet, sondern in Ausnahmefällen. In der N24 Dokumentation „Von Affen und Menschen“[9], welche im vergangenen Jahr ausgestrahlt wurde, befassten sich Wissenschaftler mit der Frage nach den signifikanten Unterschieden zwischen Affen und Menschen. Sie arbeiteten dort, um neue Erkenntnisse zu entwickeln, u. A. auch mit Bonobos, auch „Zwergschimpansen“[10] genannt und haben im Laufe ihrer Experimente und Forschungen herausgefunden, dass sich Bonobos häufig auf die Hinterbeine stellen und ebenso wie Menschen laufen.[11] Auch veröffentlichten erst kürzlich Zoobesucher des Tierparks Kent in England eine Videoaufnahme eines Gorillas, der aufrecht als dominierendes Männchen der Gorillagruppe durch das Gehege läuft und sein Gang dabei sehr dem eines Menschen ähnelt.[12] Es gibt also durchaus Menschenaffen, die unseren aufrechten Gang teilen, auch wenn sie nicht fortdauernd in dieser menschenähnlichen Haltung verharren. Aber dadurch, dass bewiesen wurde, dass auch Menschenaffen sich dieser Haltung bedienen, eventuell weil sie selbst wahrnehmen, dass man durch diese Haltung mehr Überblick über die Umgebung besitzt, kann dieses Merkmal folglich nicht mehr als das genannt werden, was uns zum Menschen macht, denn Bonobos sind Bonobos und keine Menschen, auch wenn sie einen aufrechten Gang benutzen.

Dieses Merkmal ist, auch wenn verhältnismäßig wenig Menschenaffen dem entsprechend, nicht ausreichend, um es auf den Menschen zu fixieren.

Zu Linnés Aussage, dass wir Menschen uns durch unsere Haarlosigkeit auszeichnen, haben die Wissenschaftler der N24 Dokumentation ebenfalls etwas herausgestellt: Denn auch wenn oberflächlich betrachtet, wir einem Affen nicht ähneln, da dieser dichtes und dunkles Fell besitzt, haben wir, wenn wir unsere Haut näher betrachten, ebenso viele Haare wie die Menschenaffen. Der einzige Unterschied zwischen denen und uns ist, dass unsere Haare dünner und kürzer sind und dadurch in den meisten Fällen nicht so auffällig sind, wie die dunklen Haare des Affen. Aber die Wissenschaftler haben bewiesen, dass sowohl Affe als auch Mensch im Durchschnitt fünf Millionen Haare haben.[13] Aber nicht nur hier ähneln wir uns sehr mit den Menschenaffen, denn auch im Mutterleib ähnelt sich der menschliche Embryo mit dem des MenschenaffenAbb.00. Heinrich Schmidt sagte hierzu „Die äußerliche Aehnlichkeit der Menschen- und Affenembryonen ist schlagend. […] Sie ist so groß, daß nur erfahrene Zoologen nicht dadurch getäuscht werden.“[14]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die anderen genannten Aussagen, wie beispielsweise in dem Lexikoneintrag beschrieben, dass wir eine hohe Stirn besitzen, stimmt natürlich, und bei Affen ist sie nicht so stark, wie beim Menschen ausgeprägt, doch ist das meiner Ansicht nach kein signifikantes Kriterium für die Beschreibung des Menschen, weil es ein äußerliches Merkmal ist, was nicht nur wir Menschen besitzen. Linné sagte außerdem, was uns Menschen ausmacht, im Gegensatz zum Menschenaffen, sei unser großes Gehirn. Auf diesem Bild lässt sich sehr gut erkennen, inwieweit sich das menschliche Gehirn von dem des Gorillas unterscheidet. Linnés Aussage stimmt tatsächlich, denn unser Gehirn ist definitiv größer als das eines Menschenaffen. Aber dennoch sieht man auf dem Bild ebenso, dass unser Gehirn im Gegensatz zu dem eines Elefanten recht klein ist. Linnés Aussage, dass das große Gehirn uns Menschen ausmacht, ist ebenfalls nicht ausreichend, meiner Meinung nach. Wäre es in der Evolution nur um die Größe des Gehirns gegangen, wären nicht wir dominant auf diesem Planeten, sondern die Elefanten. Viel mehr müsste es heißen, dass uns Menschen auszeichnet, dass wir zwar ein kleineres Gehirn haben als ein Elefant und ein größeres als die Menschenaffen, wir aber im Stande sind, unser Gehirn angemessen zu verwenden. Der einzige tatsächliche äußerliche Unterschied zwischen Menschenaffe und Mensch, den Aristoteles anspricht, scheint zu sein, dass wir keinen Schwanz besitzen. Wissenschaftler führen das Fehlen unseres Schwanzes darauf zurück, dass wir Menschen permanent in aufrechter Haltung durch die Welt gehen, anstatt wie die Affen durch die Wälder zu klettern und zu schwingen. Da der Schwanz als Balanceorgan fungiert,[15] brauchen wir Menschen ihn nicht, da wir in aufrechter Position gehen und in den seltensten Fällen tatsächlich klettern. Daher besitzen wir keinen Schwanz, da wir ihn seit langer Zeit nicht mehr benötigen. Aber besitzen die Menschenaffen im Gegensatz zu den anderen Affenarten ebenfalls, ebenso wie wir, keinen Schwanz.[16] Die Schwanzlosigkeit kann dementsprechend auch kein signifikantes Merkmal sein, welches uns vom Menschenaffen unterscheidet.

[...]


[1] Bauer- Jonis, S. 555.

[2] Ebenda.

[3] Bauer Jonis, S. 173.

[4] Bauer- Jonis, S. 555.

[5] Ebenda.

[6] Schmidt, S. 10.

[7] Aristoteles lebte in den Jahren 384 bis 322 v. Chr. In: Bauer- Jonis, S. 46.

[8] Schmidt, S. 6.

[9] Die Dokumentation „Von Affen und Menschen“ besteht aus zehn Teilen, da sie innerhalb der Hausarbeit im Vordergrund stehen wird, werde ich, wenn sie erwähnt wird, nur angeben aus welchem Teil die Information stammt und aus welcher Minute. Die Links zur Dokumentation befinden sich im Internetquellenverzeichnis am Ende der Hausarbeit.

[10] „Von Affen und Menschen“, Teil 7, siebte Minute.

[11] Vgl. Ebenda.

[12] Vgl. http://www.bild.de/BILD/news/2011/01/28/youtube-gorilla/ganzer-kerl-auf-zwei-beinen.html (Zugriff: 12.02.2011)

[13] Vgl. „Von Affen und Menschen“, Teil 1, fünfte Minute.

[14] Schmidt, S. 52.

[15] Vgl. Bauer- Jonis, S. 9.

[16] Vgl. URL: http://www.menschenaffen.info/Menschenaffen.html (Zugriff: 12.02.2011).

Details

Seiten
18
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640879380
ISBN (Buch)
9783640879182
Dateigröße
636 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v169539
Institution / Hochschule
Universität Erfurt
Note
3
Schlagworte
Evolution Ethik Mensch Affe

Autor

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Titel: Mensch und Menschenaffe