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Grundprinzip der Valenzgrammatik - Verbvalenz

Hausarbeit 2010 16 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition und Begriff ‚Valenz‘

3. Quantitative Valenz
3.1. Unterscheidung: Ergänzung und Angabe
3.2. Komplemente

4. Qualitative Valenz
4.1. Ergänzungen
4.2. Alternative Anschlüsse

5. Selektionale Valenz

6. Schluss

7. Literaturangaben

1. Einleitung

Im Vordergrund der Valenzgrammatik steht die Valenz des Verbs (Verbvalenz). Gerade im Bereich ‚DaF - Deutsch als Fremdsprache‘ kann man die Verbvalenz sinnvoll einsetzen. Anhand von Beispielen wird erläutert, mit wie vielen Leerstellen man ein Verb besetzen muss, damit der Satz grammatikalisch korrekt ist. Da die jeweiligen Grammatiken von Land zu Land unterschiedlich sind, ist es für Nichtmuttersprachler immer schwierig, in einem grammatikalisch korrekten Deutsch zu sprechen. Die Valenzgrammatik versucht dieses Problem mittels eines kategorisierten Systems zu mindern.

Im Folgenden soll das Grundprinzip der Verbvalenz geschildert und anhand von Beispielen verdeutlicht werden. In einem ersten Schritt steht die Frage nach dem Begriff ‚Valenz‘. Hier findet sich bereits eine Vielzahl an Definitionen. Im zweiten Schritt werden die drei großen Untersuchungsbereiche der Verbvalenz ausführlich geschildert: Quantitative Valenz, qualitative Valenz und selektionale Valenz.

2. Definition und Begriff ,Valenz‘

Betrachtet man den Begriff ‚Valenz‘, so erkennt man eine Vielzahl von Definitions- und Bedeutungsmöglichkeiten. Ursprünglich stammt der Begriff aus der Chemie und beschreibt ganz allgemein die Wertigkeit. Also die „Zahl der Elektronen eines Atoms, die es bei einer Reaktion mit einem anderen Atom aufnehmen, abgeben oder mit dem Reaktionspartner gemeinsam haben kann.“ (Bertelsmann, 2000: 435). Den Begriff ‚Valenz‘ findet man allerdings auch im Bereich der Psychologie („Aufforderungscharkater, den Objekte der Wahrnehmung besitzen (bei Tieren)“) oder in der Ökologie („Ausmaß der Wirkung eines Umweltfaktors auf den pflanzlichen oder tierischen Organismus“) (Duden Fremdwörterbuch 2001: 1027). In der germanistischen Linguistik wird unter Valenz die „Eigenschaft der Wörter definiert, eine bestimmt Umgebung zu fordern.“ (Nikula 1976: 7). „Als Vater des modernen Valenzbegriffes gilt allgemein der französische Linguist Lucien Tesnière, der in seinen 1959 erschienenen „Eléments de syntaxe structurable“ als erster eine systematisch umfassende Klassifikation der Verben vorgeschlagen hat.“ (Eisenberg 1989: 74). In Anlehnung an den Sprachwissenschaftler Engel, lässt sich ‚Valenz‘ auch nach folgendem Muster definieren: „Bestimmte Elemente einer Subklasse fordern bzw.

lassen bestimmte Ergänzungen zu und schließen andere Ergänzungen aus.“ (Incekan 2005: 5). Nach Wilfried Kürschner hat das Verb die Fähigkeit, „seine syntaktische Umgebungen vorzustrukturieren, indem es Satzgliedern bzw. Attributen Bedingungen bezüglich ihres Vorkommens und ihrer grammatischen Eigenschaft auferlegt. (Kürschner 2008: 81).

Aus all diesen Definitionen kann man festhalten, dass bei der Valenz etwas gefordert wird. Im Mittelpunkt der Valenzbetrachtung steht das Verb. Das Verb fordert also bestimmte Ergänzungen. Diese sind nicht beliebig, sondern müssen sich erschließen. Erst wenn die Ergänzung zum Satzmittelpunkt, dem Verb, passt, lässt sich der Sinn eines Satzes in vollem Maße erkennen. Innerhalb der Verbvalenz analysiert man folgende drei Aspekte: Quantitative Valenz (Wie viele Leerstellen eröffnet das Prädikat?), qualitative Valenz (Welche formalen Eigenschaften fordert das Prädikat für die Füllung der einzelnen Leerstellen?) und selektionale Valenz (Welche inhaltlichen Eigenschaften verlangt das Prädikat für die Füllungen der einzelnen Leerstellen) (vgl. Heringer 1989: 115).

3. Quantitative Valenz

Wie oben bereits erwähnt, betrachtet man bei der quantitativen Valenz die Leerstellen eines Prädikates: „Wie viele Leerstellen eröffnet das Prädikat?“ (Heringer 1989: 115). Die meisten deutschen Verben benötigen verschiedene Ergänzungen, damit man den Sinn versteht. Liest oder hört man nur „ Er gibt “ stellt sich sofort die Frage: „ Wer gibt wem was? “. Man unterscheidet zwischen Komplementen (Ergänzungen) und Supplementen (Angaben).

3.1. Unterscheidung Ergänzung und Angabe

„Ergänzungen sind Wörter oder Wortgruppen, die Leerstellen besetzten, die ein Verb je nach seiner Valenz um sich herum eröffnet. Sie sind spezielle Elemente und können nur mit bestimmten Elementen einer Wortklasse vorkommen.“ (Incekan 2005: 6). Im Gegensatz dazu gibt es die Angaben: „Angaben sind Elemente, die keine Leerstellen besetzen und die von vielen Elementen einer Wortklasse abhängen können.“ (Incekan 2005: 6). Zur besseren Unterscheidung kann man die Begriffe ,Ergänzung‘ und ‚Angabe‘ auch dahingehend definieren, „dass Ergänzungen als notwendige, obligatorische und Angaben als weglassbare, fakultative Elemente bezeichnet werden.“ (Incekan 2005: 6).

Zur Veranschaulichung betrachten wir nun folgenden Satz:

Die Mutter gibt dem Sohn das Buch eines Freundes.

In diesem Fall ist: ‚Die Mutter‘, ‚dem Sohn‘ und ‚das Buch‘ als Ergänzung (Komplement) anzusehen. Diese Informationen sind für die inhaltliche, als auch die grammatikalische Bedeutung des Satzes unerlässlich. Der Leser muss schließlich wissen: wer (die Mutter) gibt wem (dem Sohn) was (das Buch)? ‚Eines Freundes‘ ist in diesem Beispiel nebensächlich und als Angabe (Supplement) zu sehen. Diese Angabe ist nicht zwingend notwendig. Lässt man diese wegfallen, ist der Satz immer noch grammatikalisch korrekt:

Die Mutter gibt dem Sohn das Buch.

Das Verb ‚geben‘ fordert in unserem Beispiel drei Komplemente. Man bezeichnet es daher auch als dreiwertig. Es fordert ein Subjekt (Die Mutter) und zwei Objekte (Dativobjekt: dem Sohn ; Akkusativobjekt: das Buch).

3.2. Komplemente

Ein erster wichtiger Aspekt für den Satzbau ist nun, „wie viele Komplemente das jeweilige Prädikat fordert.“ (Heringer 1989: 115). Grundsätzlich kann ein Prädikat 0 bis n Leerstellen eröffnen. Die Regelfälle liegen allerdings bei ein-, zwei- und dreiwertigen Verben.

Nullwertige (avalente) Verben findet man häufig in Ausrufen (Imperativ): Beispiel: ; Komm! ‘

Hier wird kein Komplement gefordert. Steht der Ausruf ,Komm! ‘ alleine, so ist er grammatikalisch korrekt. Supplemente lassen sich natürlich wahlweise hinzufügen, sind aber nicht zwingend notwendig (‚Komm Ina !‘). Einwertige (monovalente) Verben fordern ein Subjekt, damit ihr Sinn erschlossen werden kann (Eisenberg 1989: 75): Beispiel: ‚ Das M ä dchen spielt. ‘

Das Prädikat ‚spielen‘ gibt hierbei an, wer (das Mädchen) spielt. Liest man das Verb ‚spielt‘ alleine, so fragt man direkt nach der handelnden Person (Aktant). Für die Sinnerschließung des Satzes ist das Subjekt unerlässlich. Auch hier lässt sich wieder ein Supplement hinzufügen (‚Das Mädchen spielt im Sandkasten.‘). Dies ist allerdings nicht zwingend erforderlich.

Zweiwertige (bivalente) Verben fordern ein Subjekt und ein Objekt (Eisenberg 1989: 75): Beispiel: ‚ Lisa schneidet den Braten. ‘

In diesem Fall werden zwei Komplemente gefordert. Zum einen muss man wissen, wer (Lisa) etwas (den Braten) schneidet. Lässt man ein Komplement weg, ist der Satz grammatikalisch nicht mehr korrekt.

‚ Lisa schneidet. ‘ (Was schneidet Lisa?)

‚ schneidet den Braten. ‘ (Wer schneidet den Braten?)

Zur genaueren Bestimmung lässt sich in diesem Beispiel auch ein Supplement einfügen: , Mithilfe eines Messers schneidet Lisa den Braten.‘

Dreiwertige (trivalente) Verben fordern ein Subjekt und zwei Objekte (Eisenberg 1989: 76):

Beispiel: ,Er gibt mir das Buch. ‘

Der Leser möchte beim Verb ‚geben‘ wissen, wer (Er), wem (mir), was (das Buch) gibt. Für das Verständnis und der Grammatik sind diese Komplemente notwendig. Lässt man eines wegfallen, so entstehen Verständnisprobleme.

[...]

Details

Seiten
16
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640878079
ISBN (Buch)
9783640878680
Dateigröße
462 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v169425
Institution / Hochschule
Universität Trier
Note
2,3
Schlagworte
Valenz Valenzgrammatik Verb Quantitative Valenz Qualitative Valenz Selektionale Valenz

Autor

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Titel: Grundprinzip der Valenzgrammatik - Verbvalenz