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Übersetzungen von Turgenev ins Deutsche im Vergleich

Hausarbeit 2008 14 Seiten

Russistik / Slavistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Kurze Einführung in die Theorie der literarischen Übersetzung
2.2 Übersetzungen im Vergleich

3. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das I860 veröffentlichte Werk Turgenevs, „Otcy i deti“, das die Väter-Söhne Beziehung und damit verbundene Konflikte verkörpert, steht im Mittelpunkt dieser Analyse. Ein Vergleich zweier Übersetzungen von Turgenevs „Otcy i deti“ in die deutsche Sprache ist Gegenstand dieser Arbeit. Einleitend wird die Theorie der literarischen Übersetzung erläutert. Dabei soll erklärt werden, was eine gelungene Übersetzung ausmacht. Angesprochen wird der Unterschied zwischen freiem und wörtlichem Übersetzen. Es wird außerdem auf den Stil und die Ausdrucksabsicht eingegangen. Anschließend werden die verschiedenen Texttypen erwähnt, wie inhalts-, form- und appellbetonte Texte, denen verschiedene Übersetzungsmethoden zugeordnet sind.

Im weiteren Verlauf der Arbeit soll „Otcy i deti“ anhand des Epiloganfangs im Kapitel 28 näher unter die Lupe genommen werden. Das Original soll Stück für Stück erst mit der Übersetzung Harry Burcks und Dieter Pommerenkes und danach mit der Übersetzung von Frida Rubiner verglichen werden. Dies geschieht meist anhand von zwei bis drei Sätzen, um den Überblick leichter aufrechterhalten und mehr ins Detail gehen zu können. Dabei werden bestimmte Auffälligkeiten im Text markiert und es wird aufdiese näher eingegangen. Ob die Übersetzungen gelungen sind, wird an der Nähe zum Original festgestellt. In diesem Zusammenhang soll untersucht werden, ob genau, das heißt unter Wahrung der mitgeteilten Gegenstände und Sachverhalte, übersetzt wurde. Desweiteren wird auf die Transliteration geachtet. Die Satzzeichen sollten ebenso Beachtung finden.

Bei der Untersuchung der Übersetzungen im Rahmen einer Proseminararbeit ist eine erschöpfende Darstellung weder angestrebt noch möglich.

2. Hauptteil

2.1 Kurze Einführung in die Theorie der literarischen Übersetzung

Bevor die Übersetzungen miteinander verglichen werden können, muss geklärt werden, nach welchen Kriterien, eine Übersetzung als gelungen beurteilt werden kann. Im folgenden Abschnitt sollen diese bestimmt werden.

Als erstes soll der Unterschied zwischen freiem und wörtlichem oder treuem Übersetzen veranschaulicht werden. „Ein alter deutscher Sinnspruch fordert vom Übersetzer, er habe bei seiner Tätigkeit „so treu wie möglich, so frei wie nötig“ zu verfahren.“1 Die Linguistin Judith Macheiner alias Monika Doherty behauptet: „Wir dürf[t]en beim Übersetzen nicht einfach weglassen, was weglaßbar ist, sondern nur das, was weglaßbar ist und stört und was auf keine andere Weise in eine zielsprachlich angemessene Form zu bringen ist.“2 Von der syntagmatischen Wörtlichkeit kann man beispielsweise bei Aufzählungen abweichen. Somit ist es möglich zuerst gewichtigere Elemente zu nennen und dann weniger auffällige, oder man setzt den Schwerpunkt der Information „rechts“, das heißt an letzter Stelle. Selten entspricht ein bedeutungshaltiges Element einer Sprache genau demjenigen einer anderen. Trotz dieser Tatsache sollte vom Prinzip der syntagmatischen und paradigmatischen Wörtlichkeit nur aus rein sprachlichen Gründen abgewichen werden. Laut Jörn Albrechts Werk, „Literarische Übersetzung“, stellen Abweichungen vom Wortlaut in vielen Bereichen des modernen Übersetzungsbetriebs jedoch überhaupt kein Problem mehr dar.

Desweiteren soll auf den Stil und die Ausdrucksabsicht eingegangen werden. „Der Stil ist ein Variationsphänomen, das sich innerhalb zweier Grenzen bewegt: Auf der einen Seite befinden sich die Regeln der Sprache, die nur bis zu einem gewissen Grad verletzt werden dürfen, auf der anderen Seite steht die Ausdrucksabsicht, das Mitgeteilte.“3 Der Inhalt und Stil eines Textes müssen erhalten bleiben. Verschiedene Sprachregister, wie beispielsweise die Lautmalerei, also die lautsymbolische Wirkung, sprachliche Varietäten, wie beispielsweise Dialekte, oder Soziolekte, die Vulgärsprache sowie die Gaunersprache, stellen dabei eine Herausforderung für den Übersetzer dar.

Abschließend sollten die verschiedenen Texttypen erwähnt werden, denen laut Jörn Albrecht verschiedene Übersetzungsmethoden zugeordnet werden:

- Wenn die Darstellungsfunktion überwiegt ist der Text inhaltsbetont. Solche Texte müssen genau, das heißt unter Wahrung der mitgeteilten Gegenstände und Sachverhalte übersetzt werden.
- Wenn die Appellfunktion im Vordergrund steht ist der Text appellbetont. Diese Texte müssen wirkungsäquivalent, das heißt unter Wahrung der Wirkung auf den Leser übersetzt werden.
- Wenn die Ausdrucksfunktion überwiegt ist der Text formbetont. Diese Art von Texten muss stilistisch äquivalent, das heißt unter Wahrung der spezifischen Ausdrucksweise des Autors übersetzt werden.

2.2 Übersetzungen im Vergleich

Mit Hilfe der bereits erwähnten Gesichtspunkte soll nun das Original von Ivan Turgenev „Otcy i deti“ mit „Väter und Söhne“, einer Übersetzung von Harry Burck und Dieter Pommerenke und einer Übersetzung von Frida Rubiner, verglichen werden. Im Folgenden wird das Original von Turgenev mit „T“, die Übersetzung von Harry Burck und Dieter Pommerenke mit „B & P“ und die Übersetzung von Frida Rubiner mit „R“ bezeichnet.

Ausgesucht wurde dieses Kapitel, weil es eine Art Resümee des Werkes darstellt und teilweise etwas in die Zukunft blicken lässt. Aus diesem Grund scheint es inhaltlich gesehen besonders interessant. Abgesehen davon, lassen sich die Unterschiede beider Übersetzungen gut daran veranschaulichen. Im Folgenden werden die untersuchten Stellen im Text hervorgehoben.

Kapitel: XXVIII4

T

„Прошло шесть месяцев. Стояла белая зима с жестокою тишиной безоблачных морозов, плотнымм скрипучим снегом, розовымм инеем на деревьях, бледно- изумруднымм небом, шапками дыма над трубами, клубами пара из мгновенно раскрытых дверей, свежими, словно укушенными лицами людей и хлопотливым бегом продрогших лошадок.“5

Kapitel: 286

В&Р

„Sechs Monate waren vergangen. Über allem lag die gnadenlose Stille wolkenlosen Frostwetters, über allem lag der Winter mit seinem dichten, knirschenden Schnee, dem rosigen Reif auf den Bäumen, dem blaß smaragdenen Himmel, den Rauchhauben über den Schornsteinen, den Dunstschwaden vor kurz geöffneten Haustüren, den frischen menschlichen Gesichtern, die aussahen, als hätte man in sie hineingebissen. und dem hurtigen Traben durchfrorener Pferde.“7

Kapitel: 288

R

„Sechs Monate waren verstrichen. Es kam der weiße Winter mit der grimmigen Stille wolkenloser Fröste, mit knirschendem Schnee, rosigem Reif auf den Bäumen, blaßsmaragdgrünem Himmel, Rauchkappen über den Schornsteinen, mit knäuelartigen Dampfgebilden, die aus plötzlich geöffneten Türen entweichen, mit frischen Gesichtern wie zum Anbeißen und mit dem raschen Dahintraben der frierenden Pferde.“9

Beide Übersetzungen sind gelungen, jedoch ist R näher am Original. Die zwei Varianten unterscheiden sich ziemlich im Wortlaut, was deswegen hervorgehoben wurde. Trotzdem wurde in beiden Fällen genau, das heißt unter Wahrung der mitgeteilten Gegenstände und Sachverhalte, übersetzt. Turgenevs Stil wurde beibehalten. Die Satzzeichen stimmen ebenfalls mit dem Original überein.

T

„Январский день уже приближался к концу; вечерний холод еще сильнее стискивал недвижимый воздух, и быстро гасла кровавая заря. В окнах Марьинского дома зажигались огни; Прокофьич, в черном фраке и белых перчатках, с особенною торжественностию накрывал стол на семь приборов.“10

В&Р

„Ein Januartag ging zur Neige; die Abendfröste ballten die starre Luft noch fester zusammen, und das blutige Abendrot erlosch rasch. Die Fenster des Herrenhauses von Marino waren hell erleuchtet.

[...]


1 Jörn Albrecht, „Literarische Übersetzung“, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1998, S. 62

2 Jörn Albrecht, „Literarische Übersetzung“, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1998, S. 63

3 Jörn Albrecht, „Literarische Übersetzung“, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1998, S. 92

4 И. С. Тургенев, „Отцы и дети“, Школьная библиотека, Кишинев 1980, S. 201

5 И. С. Тургенев, „Отцы и дети“, Школьная библиотека, Кишинев 1980, S. 201

6 Iwan Turgenew, „Gesammelte Werke in Einzelbänden“ 5 (Bd.), Klaus Dornacher (Hg.) Aufbau­Verlag, Berlin und Weimar 1994, S. 390

7 Iwan Turgenew, „Gesammelte Werke in Einzelbänden“ 5 (Bd.), Klaus Dornacher (Hg.) Aufbau­Verlag, Berlin und Weimar 1994, S. 390

8 Iwan Turgenew, „Väter und Söhne“, Peter Thiergen (Hg.) Philipp Reclam, Stuttgart 2003, S. 240

9 Iwan Turgenew, „Väter und Söhne“, Peter Thiergen (Hg.) Philipp Reclam, Stuttgart 2003, S. 240

10 И. С. Тургенев, „Отцы и дети“, Школьная библиотека, Кишинев 1980, S. 201

Details

Seiten
14
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640877706
ISBN (Buch)
9783640877850
Dateigröße
441 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v169396
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – Slavische Philologie
Note
1,3
Schlagworte
Ivan Turgenev Otcy i deti Übersetzungen Deutsch Russisch Vergleich Theorie der literarischen Übersetzung Literarische Übersetzung Übersetzung

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