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Prophetie im Alten Ägypten mit Fokus auf die Prophezeiung des Neferti

Analyse und Bemerkungen zum Aufsatz von Elke Blumenthal bezogen auf die Prophezeiung des Neferti

Hausarbeit 2011 18 Seiten

Theologie - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Allgemeines zur Prophetie im Alten Ägypten

2. Die Prophezeiung des Neferti
2.1. Rahmen und Unheilsweissagungen
2.2. Heilsweissagungen und Schlussformel

3. Funktion des Textes

Schlussbemerkung

Literatur

Appendix

Einleitung

Das Thema der Prophetie hat mich dieses Semester in zwei parallelen Veranstaltungen von Prof. Dr. begleitet. Anfängliche Langeweile schlug schnell in Inte resse um, nachdem mir klar wurde, dass beide Veranstaltungen (bedingt) miteinander zusammenhängen. Als ich mich in der beheimateten Veranstaltung zu dieser Hausarbeit bereit erklärte über die Prophetenfrage im Alten Ägypten zu referieren, fesselte mich die Prophezeiung des Neferti. Ich musste den Text einige Male lesen um zu verstehen, dass das Ereignis, welches prophezeit wird, bereits geschehen ist (sowohl historisch als auch literarisch). Andere Beispiele dieser Prophezeiungsform erweckten in dem Zu- sammenhang meine Aufmerksamkeit. Die Quellen und Literatur, die zu diesem Thema erhältlich ist, sind historisch abgeklärter Natur. Daher ist es, gerade für mich, schwer gewesen alle Publikationen und weiterführende Literatur zu berücksichtigen, da sich viele Publikationen in alten Zeitschriften und sonstigen Aufsätzen, meist als Hommage an den Herausgeber bzw. als Laudatio, befinden. Die Dissertation von Elke Blumenthal ist mir in diesem Zusammenhang als wichtiges Schriftstück leider verwehrt geblieben.

Als Hauptquelle dient mir der Aufsatz Elke Blumenthals über die Prophezeiung des Neferti, die überlieferte Prophezeiung liegt mir jedoch in der Übersetzung von Frank Kammerzell und Heike Sternberg vor - siehe Literaturverzeichnis. An dieser Stelle möchte ich jedoch betonen: Die Anmerkungen, Erläuterungen und die persönli- chen Übersetzungen verschiedenster Phrasen, die Blumenthal in ihrem Aufsatz ein- bringt, sind deutlich eleganter und poetischer als Kammerzells und Sternbergs Erläute- rungen - natürlich dieselben Textstellen betreffend. Die Eleganz zeichnet sich für mich dadurch aus, dass Blumenthal Poesie und Inhalt nicht durcheinander zu bringen vermag, daher die Komposition als solches deutlich einfacher zu lesen und dennoch besser zu verstehen macht. Umso mehr nervt mich die Tatsache, offen gesprochen, auf eine - meines Erachtens nach - schlechtere Übersetzung des Textes zurückgreifen zu müssen, wo doch Blumenthals eigene Übersetzung die schönere Ergänzung zu ihrem Aufsatz darstellen würde.

Als besonderen Zusatz führe ich im Appendix die Übersetzung der Prophezeiung von Frank Kammerzell und Heike Sternberg inklusive der Bemerkungen und Fußnoten an. Dies dient dem Zweck, dass Herr zukünftig Studentinnen und Studenten eine digitale und abgedruckte Form austeilen kann damit hoffentlich niemand denselben Problemen der Quellenbeschaffung gegenübersteht wie ich in diesem Fall.

1. Allgemeines zur Prophetie im Alten Ägypten

Um einen klaren Einblick und eine Abgrenzung der, hier vorzufindenden, Prophetie zu geben, ist eine genaue Definition nötig. Das Lexikon der Ägyptologie definiert Prophe- tie wie folgt: „Terminus der als das Voraussehen und Verkünden zukünftiger Ereignisse verstanden wird. […]Prophetie im biblischen Sinn ist das ungefragte Reden und Han- deln im Bewusstsein göttlicher Inspiration. […]Ähnlichkeiten in Aussage und Form lassen sich leicht herauskristallisieren und können damit als Einfluss in Erwägung ge- zogen werden, doch sollte jede Erscheinung dieser Art einzeln betrachtet werden, um die Frage zu klären, welche Bedeutung, Charakter und Wertigkeit Prophet und Prophe- tie in den einzelnen religiösen Vorstellungen erfahren“.1 Das Wort „Prophetie“ stammt vom altgriechischen prophetes was soviel bedeutet für „Sendbote“ respektive „Fürspre- cher“. Im Neuen Testament bedeutet propheteia zudem die Auslegung der Heiligen Schrift und die Deutung der Zukunft.2

Prophetie wird in der Regel als religiöses Phänomen dem Judentum und Christen- tum, weniger häufig aber auch dem Islam, zugeschrieben. In den meisten Prophetie- Erlebnissen (des Alten Orients/Ägyptens) sind wiederkehrende Strukturen zu finden. Als Beispiele wären zu nennen, dass die Sprecher bzw. Propheten sich meist im Umfeld des Königshofes bzw. zentraler Staatskulte angesiedelt sind, die Prophetie selbst ergeht mündlich und wird schriftlich fixiert und umfasst nicht nur Zukunftsereignisse sondern in vielen Fällen Kritik an der Vergangenheit und Gegenwart (gerichtet an die jeweiligen Adressaten). Gerade altorientalische Texte enthalten einen weiteren, besonderen, As- pekt: Sie dienten oftmals dem Zweck, eine Dynastie oder Regierungsherrschaft nach- träglich als gottgewollt zu legitimieren und den Usurpator als Auserwählten bzw. Beru- fenen darzustellen. Man spricht in diesem Zusammenhang von einem vaticinium ex eventu (lateinisch: „Weissagung vom Ereignis her“). Hiermit ist die Einbettung einer Prophezeiung in einen Text oder eine Schrift gemeint, bei dem der Autor mit dem ei- gentlichen Ereignis vertraut ist. Die Prophezeiung steht, in dieser Komposition, vor dem Auftreten des Ereignisses in chronologisch richtigem Ablauf des Textes.3 Als konkretes Beispiel ist der Hauptgegenstand dieser Arbeit zu nennen: Die Prophezeiung des Nefer- ti. Ähnliche Erscheinungen wären Texte aus Mari und Mesopotamien.

Um die Prophetie des Alten Ägyptens herrschte ein bestimmtes Weltbild, welches sich als immer wiederkehrender Kreislauf bzw. Zyklus folgendermaßen darstellen lässt:4

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Abbildung - bezogen auf die Prophetie - veranschaulicht, dass die Funktion der ägyptischen Prophetie eingeengt ist, denn sie sagt Vergangenes eigentlich nur mit neuen Vorzeichen heraus. Weiter findet sich eine Einschränkung in ihrer Gebrauchsweise, die sich nur auf politische Ereignisse bezieht. In ihrem Mittelpunkt stehen gewisse Erwartungen und Zielsetzungen, die einen bestimmten Vorgang untermauern sollen, nämlich die Thronbesteigung eines Herrschers oder Königs. Das sind, zweifelsohne, Elemente einer Königsideologie, auf die ich näher eingehen möchte.

Die Königsideologie ist als geschichtliches Handeln als ständige Wiederholung zu betrachten. Kultische und politische Handlungen sind nach diesem Konzept vorpro- grammiert. Vor diesem Hintergrund wären konkrete Merkmale beispielsweise das Auf- treten chaotischer Zustände nach dem Ableben eines Königs, Beseitigung dieser Zu- stände durch den Nachfolger5, die Vereinigung der beiden Länder Ober- und Un- terägypten, die Welt der Klagen und die Schilderungen von einer verkehrten Welt.

Abschließend ist zu sagen, dass die Gattung der prophetischen Schriften eine ei gene literarische Gruppe umfasst, die nach einem bestimmten Muster verfasst wurde. Es existieren einige Vorläufer, wie beispielsweise die Erzählung des Papyrus Westcar, in der ein Weiser die ersten drei Könige der 5. Dynastie vorhersagt. Die Handlung ist gebettet in eine Rahmenerzählung (eine oder mehrere Erzählungen, die die Glaubwürdigkeit der Aussage unterstreichen und tiefere Wahrheit erwecken soll). Die Rede ist von einer Tendenzschrift: Sie soll einen Vorgang vorbereiten und untermauern, die Legitimation eines Königs, der den Thron usurpiert hat.

2. Die Prophezeiung des Neferti

Die Prophezeiung des Neferti befindet sich vollständig und in einem recht gut erhaltenen Zustand auf dem Rekto (Vorderseite der Papyrusrolle) eines hieratischen Papyrus unbekannter Provenienz. Sie entstammt der Regierungszeit Amenophis II. - diese ist darierbar auf 1439-1413 v. Chr. Heute ist sie zu finden in Leningrad (St. Petersburg) und ist ca. 1,25m lang mit einer jetzigen Höhe von ca. 15,6 bis 15,8cm.

Die Prophezeiung des Neferti ist in zwei Hauptteilen verfasst worden, einer Rahmenerzählung - diese dient nur als eine Art Einteilung und wird später nicht wieder aufgenommen - und einem Hauptteil, einem Korpus von Sprüchen, die eigentliche Prophetenrede. BLUMENTHAL stellt den Aufbau in folgender Gliederung dar:6

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


1 LEXIKON DER ÄGYPTOLOGIE (1975-1992) unter dem Stichwort Prophetie.

2 Vgl. A GREEK-ENGLISH LEXICON (1996), S. 1539f.

3 Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Prophezeiung_des_Neferti, zuletzt abgerufen am 18.03.2001 um 23.02 Uhr.

4 Selbsterstellte Grafik, einsehbar in meiner Powerpoint-Präsentation zur Veranstaltung.

5 An jeden Nachfolger werden feste Erwartungen und Hymnen herangetragen - hierbei dient im Judentum und Christentum der Erretter bzw. Messias als Veranschaulichung.

6 BLUMENTHAL (1982), S. 1f.

Details

Seiten
18
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640877362
ISBN (Buch)
9783640877317
Dateigröße
428 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v169391
Institution / Hochschule
Universität Bremen – Institut für Religionswissenschaft
Note
1,9
Schlagworte
prophetie alten fokus prophezeiung neferti analyse bemerkungen aufsatz elke blumenthal

Autor

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