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Soziale Netzwerke von Jugendlichen und Rauchen als Einflussfaktor

von Julius Hahn (Autor)

Hausarbeit 2011 30 Seiten

Medien / Kommunikation - Forschung und Studien

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

Einleitung

1. Fragestellung und Relevanz:

2. Stand der Forschung:
2.1. Tabakkonsum und Trends des Rauchens
2.2. Anwendung des Sozialkapital Konzepts

3. Netzwerkbefragung als Erhebungsinstrument für Schulklassen
3.1. Validität, theoretische und praktikable Grenzen des Netzwerks

4. Methodik
4.1. Semantische Analyse
4.2. Grundgesamtheit
4.3. Stichprobenziehung und Erhebung
4.4. Erhebungsinstrument
4.5. Pretest

5. Resultate
5.1. Beschreibung der Stichprobe und Visualisierungen der Netzwerkbeziehungen .
5.2. Vergleich relationaler Einbindungen zwischen Rauchern und Nichtrauchern
5.3. Familiäre Einflüsse auf den Tabakkonsum
5.4. Gesundheitliche Einflüsse auf den Tabakkonsum

Schlusswort

Bibliographie

EINLEITUNG

Netzwerkforschung, Beziehungsdimensionen und Sozialstrukturen, dies sind die leitenden Begriffe die Sie als Leser durch diesen Forschungsbericht begleiten werden. Ein Netzwerk wird im sozialwissenschaftlichen Sinne als eine Darstellung mathematischer Modellierung verstanden und so auch hier aufgefasst. Der zentrale Aspekt ist hierbei die Beziehungen von Schülern, die in ihrer Schulklasse ein Netzwerk bilden. Untersucht wird dieses Netzwerk auf die sozialen Bindungen, die Schüler eingehen. Der interessierende Einflussfaktor ist das Rauchen. Prägt das Rauchen das soziale Umfeld eines Schülers, bzw. ergeben sich andere soziale Strukturen eines Rauchers im Gegensatz zu einem Nichtraucher in einer Klasse; und darüber hinaus? Die erhobene Netzwerkstudie geht davon aus, dass das soziale Umfeld der Schüler, die an und nach der Schule rauchen, durch den Faktor Rauchen geprägt wird. Kurz: Raucher haben eine enge Beziehung zu Rauchern und Nichtraucher zu Nichtrauchern.

Diese Arbeit soll nun einleitend mit der interessierenden Fragestellung und der zugrunde liegenden soziologische Relevanz zunächst den aktuellen Stand der Forschung aufzeigen. Wohin führt der gesellschaftliche Trend des Rauchens? Auch sollen die sozialpädagogischen Hintergründe betrachtet werden. Mit Erkenntnissen durch derzeitige wissenschaftliche Studien soll des Weiteren explizit auf das Phänomen der Netzwerkanalyse eingegangen werden. Wieso ist es sinnvoll eine derartige Analyse einer klassischen Befragung vorzuziehen und welche unvorhersehbaren Schwierigkeiten treten mit dieser Erhebungsmethode (Netzwerkforschung) auf? Darauf aufbauend werden die aus der Stichprobe gewonnenen Erkenntnisse dargestellt. Das primäre Interesse liegt hier wiederum darauf Raucher und Nichtraucher auf Ihre sozialen Beziehungen hin zu analysieren und aufzuzeigen wie stark oder schwach das Rauchen eines Schülers durch sein soziales Umfeld geprägt wird.

Mit den gewonnenen Erkenntnissen sollen zum einem die aktuellen Forschungsergebnisse bestätigt und verstärkt werden. Zum anderen sollen auch neue Erkenntnisse dazu genutzt werden bisherige Erkenntnisse gegebenenfalls zu revidieren.

Das Forschungsprojekt konnte an der Sekundarschule B. in W. mit freiwilliger, sympathischer und hilfsbereiter Teilnahme der Schüler und Lehrer realisiert werden. Dafür sind wir im Voraus sehr dankbar.

1. FRAGESTELLUNG UND RELEVANZ

Das Rauchen einer Zigarette konnte im historischen Kontext schon vielen Kulturen und Bevölkerungsschichten aus unterschiedlichsten Gründen, Motivationen und Inspirationen zugeschrieben werden. Heute müssen wir trotz kosmopolitischer Tendenz der Gesellschaft Raucher aufgrund Ihrer Kultur und besonders auch aufgrund Ihres Alters unterscheiden. In dieser Arbeit soll der Fokus auf jugendliche Raucher zwischen 12 und 16 Jahren in der Schweiz gelegt werden. Darauf aufbauend soll nicht primär das Gesundheitsempfinden untersucht werden, sondern vielmehr in welchen sozialen Kontext jugendliche Raucher zu jugendlichen Nichtrauchern stehen; und andersrum.

Vorweg gilt es die Eigenschaften des Rauchens, zunächst aus medizinischer Sicht, unter Jugendlichen etwas genauer zu betrachten. Prof. Dr. Klaus-Michael Keller schreibt von verschieden Episoden des Rauchen. So haben die Mehrzahl der Raucher vor dem 20. Lebensjahr mit dem Rauchen begonnen, meist in jungen Jahren und ohne Kenntnis der suchterzeugenden Wirkung des Nikotins. Das jugendliche Rauchverhalten läuft nun in verschiedenen Stadien ab: Vorbereitung, Experimentierphase, regelmässiges Rauchen, Nikotinabhängigkeit (vgl. 2005, 55). Zusätzlich kann der soziale Druck eine wichtige Rolle spielen, mit dem Rauchen anzufangen bzw. auch aufzuhören. Diese sozialen Zustände, die oft mit Druck und Cliquenbildung einhergehen, sind Grundlage der in dieser Arbeit diskutierten Netzwerkanalyse.

Zu diesem Zweck wurde eine Netzwerkstudie an einer schweizer Sekundarschule durchgeführt, die untersuchen sollte, inwiefern sich innerhalb von Schulklassen Gruppendynamiken entwickeln. Immer wieder wird behauptet, dass gerade das Rauchen bei Jugendlichen ein Phänomen ist, das aufgrund von Gruppendruck zustande kommt. Das Themenfeld bezieht sich auf die Gründe und den Einfluss von Gruppen, die bei Jugendlichen bewirken, dass sie mit dem Rauchen beginnen.

Der Umfang dieser Netzwerkstudie beträgt 56 Schüler zweier Schuljahrgänge aus einer Sekundarschule in Wohlen. Die Schüler waren in drei Klassen unterteilt und sollen in dieser Studie getrennt, aber auch vergleichend betrachtet werden. Für diese Studie ist relevant, dass Schüler in einem intersubjektiven Kontext einer geschlossen (extern zusammengeführten) Gruppe stehen. So kann man von einem relativ geschlossenen und stabilen Netzwerk ausgehen, was eine relativ klare Grenzziehung ermöglicht1.

Hypothese: Jugendliche, die einen Freundeskreis besitzen, in dem viele Personen rauchen, tendieren eher dazu, ebenfalls zu rauchen. Kontr ä r dazu besteht die Annahme, dass Nichtraucher eher mit Nichtrauchern engeren Kontakt pflegen!

Die soziologische Relevanz besteht nun darin, dass durch eine solche Untersuchung gezeigt werden könnte, ob Gruppenzugehörigkeiten Jugendliche dazu animieren, mit dem Rauchen zu beginnen, oder ob dies komplett unabhängig davon geschieht. Erkenntnisse in diesem Bereich könnten weiterführend auch dazu verwendet werden, beispielsweise Präventionskampagnen aufgrund dieser neuen Feststellungen neu auszurichten und damit effizienter zu machen.

2. STAND DER FORSCHUNG:

Nach einleitender Darstellung der Fragestellung und der soziologischen Relevanz dieser Arbeit soll nun die allgemeine gesellschaftliche Situation anhand von zwei Indikatoren betrachtet werden: Zum einen gilt es nun die gegenwärtige Situation des Rauchverhaltens statistisch zu analysieren, zum anderen sollen latente Faktoren wie soziale Zugehörigkeit und Sozialkapital betrachtet werden.

2.1. TABAKKONSUM UND TRENDS DES RAUCHENS

Ein Grossteil der Raucher hat bereits in jungen Jahren mit dem Rauchen begonnen. Laut dem statistischen Bundesamt für Gesundheit (vgl. Krebs et al. 2010) rauchten in der Schweiz 2001 31% der Jungendlichen, 2009 betrug die Zahl der jugendlichen Raucher dagegen nur noch 22%. Ebenso gilt dies für die Gesamtbevölkerung; 2001 rauchten 24% täglich, 2009 dagegen nur noch 19%. Diese Ergebnisse präsentiert eine Studie, die von 2001 bis 2009 vom Psychologischen Institut der Universität Zürich durchgeführt worden ist. Betrachten wir allerdings nun konkret die interessierende Altersgruppe. 14- 19 Jährige verstärken den allgemeinen Trend des Nichtrauchens, wobei die Zahl der männlichen Raucher von 33% auf 23% um 10 Prozentpunkte gesunken ist und die prozentuale Verringerung der weiblichen Raucher von 28% auf 20% sank.

Wir können also einen deutlich negativen Trend der gesamten Wohnbevölkerung erkennen. Jugendliche Raucher weisen bei beiden Geschlechtern einen negativen Trend auf. Da besonders junge Raucher sich in der ersten Episoden des Rauchens2 wiederfinden, kann man daraus folgende Aussage schliessen: Wenn Jugendliche generell eine starke Tendenz zum Nichtrauchen aufzeigen, kann man davon ausgehen, dass der zukünftige Trend weiter negativ sein wird. Die Begründung liegt darin, dass ein Grossteil der Raucher vor dem 20. Lebensjahr mit dem Rauchen beginnt.

Betrachten wir weiter das Rauchverhalten der Jugendlichen. Lediglich 8% der Jugendlichen gaben an, ihre Tabakwaren nicht selbst zu kaufen; wobei bei den Selbstkäufern der Kiosk mit grossem Abstand als Bezugsquelle gilt. Trends, die besagen, dass aufgrund schärferer Gesetzte mehr Jugendliche unter 16 Jahren ihre Tabakware von anderen Bezugsquellen erhalten, konnten nicht gezeigt werden.

Der jugendliche Raucher, ob weiblich oder männlich, raucht in der Experimentierphase überwiegend im sozialen Umfeld von Freunden. Alleine oder zu Hause konsumieren Jugendliche kaum Tabakwaren.

Betrachtet man die konkrete Bereitschaft aufzuhören, so ist kein eindeutiger Trend in den letzten acht Jahren zu verzeichnen. Erstaunlich ist aber, dass 30% der jungen Raucher bereits planen mit dem Rauchen aufzuhören bzw. schon einmal den Versuch unternommen haben.

Die statistischen Daten, um den aktuellen Stand des Rauchverhaltens aufzuzeigen, stammen vom psychologischen Institut der Universität Zürich3 von Sozial- und Gesundheitspsychologe Prof. Dr. Rainer Honung und dem Kommunikations- und Publikumsforscher Hans Krebs.

Dass der negative Trend des Rauchens auf stärkere Präventionsmassnamen wie schärferer Alterskontrolle, Anti-Raucher Kampagnen und Informationsveranstaltungen an Schulen zurückgeführt werden kann, ist nur bedingt möglich. Ein massgebender Anteil zu diesem Trend ist diesen Faktoren sicher zuzuschreiben. Unabhängig vom negativen Trend gibt es aber auch einen weiteren Faktor, den es im Bezug auf den Tabakkonsum zu beachten gilt. Konkret ist damit der Einbezug verschiedener finanzieller, kultureller und institutioneller Gesellschaftsschichten gemeint.

2.2. ANWENDUNG DES SOZIALKAPITAL KONZEPTS

Ein wesentlicher Aspekt ist hier bisher ausser Acht gelassen worden; die Unterscheidung sozialer Schichten und das daraus resultierende Empfinden, zu einer bestimmten sozialen Schicht zu gehören. Auch wenn nach erlangter Erkenntnis über den Trend des Rauchverhaltens eine Regression zutage tritt, so muss, mit Fokus auf jugendliche Raucher, die soziale Zugehörigkeit bestimmt werden. Daraus können Erkenntnisse über die Motivation, überhaupt mit dem Rauchen zu beginnen, gewonnen werden. Die leitende Frage ist hier, in wie weit die Zugehörigkeit zu einer Bevölkerungsschicht oder einem Milieu zur Einstellung gegenüber dem Rauchen beiträgt.

„Das Gesamt-Kapital, das die einzelnen Gruppenmitglieder besitzen, dient ihnen allen gemeinsam als Sicherheit und verleiht ihnen im weitesten Sinne des Wortes - Kreditwürdigkeit [Hervorh. d. Verf.]. Sozialkapitalbeziehungen können nur in der Praxis auf der Grundlage von materiellen und/oder symbolischen Tauschbeziehungen existieren, zu deren Aufrechterhaltung sie beitragen. Sie können auch gesellschaftlich institutionalisiert und garantiert werden, und zwar sowohl durch die Übernahme eines gemeinsamen Namens, einer Familie, einer Klasse, einem Stamm oder auch einer Schule, einer Partei usw. kennzeichnet.“

(Bourdieu 1976, 217)

Bourdieu stellt soziales Kapital somit als individuelle Ressource dar. Gleichzeitig sind diese Sozialkapitalverhältnisses in ein Geflecht von Ungleichheiten eingebettet, was Individuen dazu veranlagt sich individuell in sozialer Differenz zu anderen zu sehen. Beispiel: Jugendliche Raucher sehen sich (individuell) in einem Antagonismus zu Mitschülern und beginnen zu rauchen.

Anthony Giddens bezeichnet soziales Kapital hingegen als ein Netzwerk welches durch Identifizierung mit Gleichgestellten zustande kommt.

„Social capital refers to trust networks that individuals can draw

upon for social support, just as financial capital can be drawn upon to be used for investment.”

(Giddens 2000, 78)

Bezogen auf das Beispiel tritt der jugendliche Raucher nicht als Antagonist,sondern als zugehöriger eines sozialen Netzwerkes auf. Dieses Netzwerk von Schülern sieht sich in einer Differenz zu anderen Schülern einer Klasse.

Beide Positionen vertreten relevante Aspekte. Einbettung, Zugehörigkeit und Vertrauen sind Ressourcen auf die sich Jugendliche im Alltag sehr stark berufen. Für das Interesse, Sozialkapital als Differenzierungsindikator zu verwenden, können wir nun also von folgendem Konzept des Sozialkapitals ausgehen: Schichtindikatoren und sozioökonomischen Status können als Grundlage der Sozialkapitalkonzepts dienen. Ob und in wie fern nun Sozialkapital Einfluss auf das Rauchen hat, zeigt eine aktuelle Studie: Es wurde gezeigt, dass Rauchen mit zunehmenden Einkommen und höherer Bildung abnimmt. In unteren sozialen Schichten treten erhöhte Belastungen durch Passivrauchen auf, da Eltern von Haupt- und Realschülern häufiger Rauchen als Eltern von Gymnasiasten (vgl. Monika Jungbauer-Gans 2004, 14).

[...]


1 Siehe dazu auch Kapitel 4.1 Validität, theoretische und praktikable Grenzen des Netzwerks

2 siehe dazu die Klassifizierung der Raucherstadien in Kapitel 1: Vorbereitung, Experimentierphase, regelmässiges Rauchen.

3 erhoben wurden diese Daten von dem Markt- und Sozialforschungsinstitut LINK.

Details

Seiten
30
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640874965
ISBN (Buch)
9783640875184
Dateigröße
935 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v169256
Institution / Hochschule
Universität Luzern
Note
5,5
Schlagworte
Netzwerk Rauchen Kommuikation Jugendliche

Autor

  • Julius Hahn (Autor)

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