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Karl Marx' und Friedrich Engels' Manifest der Kommunistischen Partei - Inhaltszusammenfassung und Kritik

Essay 2009 11 Seiten

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Leseprobe

1. Einleitung

Im Jahr 1847 trafen sich die führenden Köpfe der Kommunistischen Bewegung, um ihre Weltanschauungen und Ziele zu formulieren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Das dabei entstandene, dreißig Seiten lange Manifest der Kommunistischen Partei drückte den Standpunkt geknechteter Arbeiter aller Nationen aus und diente als Leitfaden für eine sich global ausbreitenden Revolution. Es wurde ins Französische, Englische, Dänische und Russische übersetzt. Nach etlichen Niederlagen und Rückschlägen der Arbeiteraufstände und mit der 1864 neu erwachten Internationalen Arbeiterassoziation verlor das Manifest jedoch an Aktualität und drohte gänzlich ins Vergessen zu geraten.

Der vorliegende Essay soll eine Zusammenschau der Inhalte und Ziele der Kommunistischen Partei bieten und diese im Anhang kritisch reflektieren.

2. Inhaltszusammenfassung

I.) Bourgeois und Proletarier

Seit der Auflösung des „uralten Gemeinbesitzes an Grund und Boden“ steht jede Epoche der Menschheitsgeschichte unter den Machtkämpfen ihrer jeweiligen Klassen. Es heischten Patrizier und Plebejer, Sklaven und Freie, Leibeigene und Barone oder Bürger und Adelige um die eigene Vormachtstellung in der Gesellschaft. Die Teilung der Gesellschaft und die so entstehenden höheren und minderen Menschenklassen werden einzig und allein von den ökonomischen Produktionsverhältnissen bestimmt. Seit jeher versuchten Unterdrückte sich aus den Fesseln der Unterdrückenden zu befreien. Erlangten diese unterdrückten Klassen ihre Befreiung, so war die Folge keine Befreiung aller Menschen, sondern eine bloße Neuordnung der Macht mit ihr an der Führungsspitze. Diesen Entwicklungslauf der Geschichte durchlief auch die Bourgeoisie-Klasse. Aus der Leibeigenschaft zum Pfahlbürgerin, zur Städtebürgerin mit eigenen Gesetzen und Waffen; vom unterworfenen, steuerpflichtigen dritten Stand zur reichen Welthandelbetreiberin und nun zur Großindustriellen, erkämpfte sich die Bourgeoisie ihre jetzige Herrschaft und Staatsgewalt. Sie schaffte es, die jahrhundertealten, feudalen Strukturen zu sprengen, indem sie neue Produktivkräfte anhand neuer Technologien schuf, mit ihnen neue, materielle Bedürfnisse weckte, ferne Kontinente und Nationen eroberte, fremde Kulturen assimilierte, diese in ihr Handelssystem einsaugte und so den bestehenden Weltmarkt erzeugte. Das alte Feudalsystem, seine Produktions- und Handelsverhältnisse und die daraus folgenden Hierarchien konnten diesen enormen Handelskapazitäten nicht mehr standhalten und mussten der Entfaltung der bürgerlichen Gesellschaft freien Lauf lassen.

Politisches Resultat der neuen Produktionsverhältnisse war die vollendete Zentralisierung der Staatsgewalt. Die Bourgeoisie war in den vergangen hundert Jahren mächtig geworden und konzentrierte das Eigentum in ihren wenigen Händen. Sie lockte die Landbevölkerung in die Städte um in ihren Fabriken zu arbeiten und schuf Großstädte noch nie da gewesenen Ausmaßes. Kleinindustrielle, Kleinhändler und Zunfthandwerker gingen zwischen den modernen, billigen Massenwaren unter, konnten der Konkurrenz nicht mehr standhalten, ihr Handwerk verlor an Wert und sie strömten massenweise als Fabrikarbeiter unter das Joch der Bourgeoisie. Der zentralistische Staat unter der Herrschaft der Großindustrie war zum Instrument der Verwaltung und Aufrechterhaltung der Produktionsverhältnisse geworden. Im Gegensatz zur Provinzialität der feudalen Herrschaft galt nun ein Gesetz für eine Nation, welche das Interesse einer Klasse vertrat.

Eine weitere Folge dieser hierarchischen und wirtschaftlichen Umkrempelung war der Verfall der feudalen, patriarchalischen, an Werte und Gott gebundenen Hierarchiebeziehungen zwischen Unterdrücker und Unterdrückten. Stattdessen schafft die Bourgeoisherrschaft nackte, unverzerrte Machtbeziehungen ohne Mystik, Religion und Glauben. Die Gesellschaft dieser Epoche ist das ungeschminkte Konstrukt von Industrie, Handel, Kapital und seiner Maximierung, Konsum, Produktion, Arbeit und Ausbeutung. Der Mensch dieser Gesellschaft hat nichts zu sehen und an nichts zu glauben als an diese Realitäten. Er sieht die Welt mit „nacktem Auge“.

Der bereits oben erwähnte Strom an Arbeitern bildete die neue, unterste soziale Klasse, das Proletariat. Das Proletariat bildet die Grundlage der industriellen Produktion und entwickelt sich unvermeidlich mit ihr fort. Der Proletarier ist eine Handelsware. Er ist das Zubehör der modernen Maschine und ein kleiner, ersetzbarer Teil im mechanischen Produktionsablauf einer Manufaktur. Er ist ersetzbar, da seine Arbeit mit den Maschinen keine Geschicklichkeit erfordert, wie es das zünftige Handwerk tat. Er kann ohne große Lohnsprünge durch Frauen und Kinder ersetzt werden. Die Arbeiterklasse bildet eine unspezialisierte, gesichtslose Masse an Homogenität. Sie ist ohne Eigentum, ihr Lebensinhalt und ihr Lebensunterhalt ist voll und ganz in den Händen der Fabrikbesitzer. Sie lebt nicht, wie der Bourgeois, unter den Gesetzen, der Moral und den Werten der bürgerlichen Nation; sie lebt einzig und allein im Namen des Kapitals. Das Proletariat kennt kein Vaterland und keine Nation, wie sie die Bourgeois kennen. Das Vaterland der Bürger ist nicht seines. Es sind nicht seine Gesetze, die darin walten. Es ist auch nicht sein Kapital, sein Eigentum, das darin erzeugt wird, es gehört allein dem Bourgeois. Der Proletarier lebt und schafft für das Kapital, denn das vermehrte Kapital schafft ihm wiederum Lohnarbeit und die Lohnarbeit ist seine einzige Lebensgrundlage. Der Lohn setzt sich aus jenen Mitteln zusammen, die notwendig sind, um das pure Überleben eines Arbeiters zu garantieren. Der Arbeiter hält keinen „Reinertrag“ und keinen Gewinn in seinen Händen.

Details

Seiten
11
Jahr
2009
ISBN (Buch)
9783640876020
Dateigröße
357 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v169254
Institution / Hochschule
Universität Wien
Note
1
Schlagworte
marx engels manifest der kommunistischen partei

Autor

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