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Bullwhip-Effekt in Supply Chains

Gründe und Lösungsansätze

Hausarbeit (Hauptseminar) 2011 26 Seiten

BWL - Beschaffung, Produktion, Logistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung
1.3 Gang der Arbeit

2 Einführung in das Supply Chain Management
2.1 Veränderungen im Wettbewerb
2.2 Supply Chain
2.3 Supply Chain Management
2.3.1 Definition
2.3.2 Ziele
2.4 Kritische Faktoren in Supply Chains

3 Der Bullwhip-Effekt
3.1 Entdeckung und Namensgebung
3.2 Beschreibung des Bullwhip-Effektes
3.3 ‚Stille Post‘: Die Problematik des Informationsflusses
3.4 Ursachen und Lösungsansätze
3.4.1 Nachfrageprognosen (Demand Forecast Planning)
3.4.2 Losgrößenbildung (Order Batching)
3.4.3 Preisschwankungen (Price Fluctuation)
3.4.4 Rationierungen (Rationing and Shortage Gaming)

4 Umsetzungsmöglichkeiten und SCM-Konzepte
4.1 Vendor Managed Inventory (VMI)
4.2 Efficient Consumer Response (ECR)
4.3 Collaborative Planning, Forecasting and Replenishment (CPFR)
4.4 Beer-Distribution-Game

5 Fazit
5.1 Zusammenfassung
5.2 Empfehlung
5.3 Ausblick

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Die Grundstruktur einer Supply Chain

Abbildung 2 Bullwhip-Effekt

1 Einleitung

„Einigkeit bringt Stärke“

Äsop, griechischer Fabeldichter, 6. Jahrhundert vor Christus[1]

1.1 Problemstellung

Mit Beginn des neuen Jahrtausends hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass unternehmensübergreifende Betrachtungen und Optimierungen sowie aufeinander abgestimmte Prozesse Prozesssicherheiten bringen. Das gleichzeitige Streben nach höheren Renditen, geringeren Kosten oder kürzeren Lieferzeiten erfordert stärkere Kooperationen entlang der Lieferkette, der so genannten ‚Supply Chain’.[2] Die durch unternehmensübergreifende Kooperationen miteinander verflochtenen Unternehmen werden auch als Unternehmungsnetzwerke bezeichnet[3]. Diese Unternehmungs-netzwerke bekommen seit Jahren vermehrt Interesse und Aufmerksamkeit geschenkt, denn Sie erscheinen als besonders geeignet um rasche Anpassungen an die stetigen Veränderungen in der Unternehmensumwelt zu ermöglichen[4].

Das Problem in solchen komplexen Netzwerkstrukturen sind die unterschiedlichen Schnittstellen, die bei schlechterer Zusammenarbeit zu verlangsamten Material-, Informations- und Wertflüssen führen. Wenn lediglich lokale Optimierungen stattfinden und es zu einem Informationsmangel kommt, führt dies auf allen Stufen der Supply Chain zu ungenutzten Potentialen und negativen Auswirkungen. Eine dieser negativen Auswirkungen ist der in dieser Arbeit beleuchtete, so genannte ‚Bullwhip-Effekt‘.[5]

1.2 Zielsetzung

Ziel dieser Arbeit ist es, das Phänomen ‚Bullwhip-Effekt‘ zu erläutern und anhand der herausgestellten Ursachen Lösungsansätze aufzuzeigen. Des Weiteren werden Konzepte vorgestellt, mit denen dem ‚Bullwhip-Effekt‘ wirksam entgegengetreten werden kann. Zudem erhält der Leser einen kurzen Einblick in die Historie und erfährt u. a., wer den Bullwhip-Effekt entdeckt und welche weiteren Namensgebungen er im Laufe der Jahrzehnte erfahren hat.

1.3 Gang der Arbeit

Im Anschluss an diese Einleitung folgt eine kurze Einführung in das Thema Supply Chain Management, in der nach der Beschreibung der Supply Chain eine Begriffsdefinition folgt. Im Anschluss daran werden Ziele des Supply Chain Management vorgestellt und negative Folgen, wie beispielsweise der Bullwhip-Effekt, angesprochen. In Folge schließt das dritte Kapitel mit theoretischem Fokus auf den Bullwhip-Effekt an, in dem zunächst der Bullwhip-Effekt beschrieben und erläutert wird. Anschließend werden Ursachen und Lösungsansätze für den Bullwhip-Effekt näher beschrieben. Bevor diese Arbeit im fünften Kapitel mit dem Fazit abschließt, folgt im vierten Kapitel die Vorstellung von Supply Chain Management Konzepten und einem Trainings-Simulator zur Bekämpfung bzw. Vermeidung des Bullwhip-Effektes.

2 Einführung in das Supply Chain Management

2.1 Veränderungen im Wettbewerb

Heutzutage ändert sich der Wettbewerb unter Unternehmen dahin, dass vermehrt ganze Wertschöpfungsketten miteinander im Wettbewerb stehen[6]. Partnerschaften werden dabei immer wichtiger, denn keine Firma kann es sich noch dauerhaft leisten, allein zu wirtschaften[7]. Um die entstehenden Schnittstellen oder Grenzstellen sowie die Bruchkanten zwischen den Teilnehmern in diesen komplexen Netzwerken zu vermeiden, ist ein entsprechendes Management notwendig[8]. Das Supply Chain Management ist für eine dauerhafte Wettbewerbsfähigkeit und für das Erlangen einer Marktführerschaft unverzichtbar geworden[9].

2.2 Supply Chain

Eine Supply Chain oder Lieferkette stellt i. d. R. ein komplexes Geflecht aus mehreren beteiligten Unternehmen, vom Endkunden ausgehend, dar. Die Supply Chain unterscheidet sich von der Logistikkette dahingehend, dass nicht die einzelnen Teilnehmer und deren Entscheidungen betrachtet, sondern alle Teilnehmer mit den entsprechenden Güter- und Informationsflüssen, und auch die Bereiche After-Sale, Verwertung und Entsorgung mit eingebunden werden.[10] Statt von einer Chain, einer Kette, könnte man auch von einem Netzwerk sprechen, denn selbst in einfacheren Produkten, wie zum Beispiel der gefüllten Bierflasche, laufen mehrere Güterflüsse zur Herstellung zusammen (Bsp. Flasche, Hopfen und Etikett)[11]. Da in der Supply Chain die Nachfrage vom Kunden und nicht vom Lieferanten ausgeht, ist der Kunde Ausgangspunkt des Geschehens. Der Kunde stößt durch seine Bedarfe alle Bewegungen vom Händler bis zum Rohstofflieferanten an und bringt den Transformationsprozess zur Güterherstellung in Bewegung. Die Entwicklung der Nachfrage stellt somit ein wesentliches Element dar,[12] aktuelle Informationen sind eine wesentliche Voraussetzung für eine leistungsfähige Supply Chain[13].

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Die Grundstruktur einer Supply Chain[14]

Die Abbildung verdeutlicht den Ablauf einer einfachen Supply Chain in ihrer Grundstruktur. Der Fluss zwischen Lieferanten und OEM, dem Original Equipment Manufacturer, wird als Inbound, der Fluss vom OEM bis zum Endkunden wird als Outbound bezeichnet. Der OEM vertreibt Produkte in seinem Namen an den Endverbraucher.[15]

2.3 Supply Chain Management

Die Wurzeln des Supply Chain Managements liegen in den USA. Erste Untersuchungen gehen in die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts auf Jay Forrester zurück. Forrester entwickelte ein System, ‚Industrial Dynamics‘, mit dem Interdependenzen an unternehmensübergreifenden Logistikketten aufgedeckt werden können.[16] Weitere Untersuchungen an der Versorgungskette fanden in Folge in den frühen 1960er Jahren neben Forrester durch Burbidge statt[17]. Während Anfang der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts erstmals der Begriff des Supply Chain Managements durch Oliver und Webber verwendet wurde[18], festigten sich theoretische Begriffsdefinitionen gegen Ende der 1980er bis Mitte der 1990er Jahre. Erst Mitte der 1990er Jahre etablierte sich das Supply Chain Managements in Deutschland[19]. Als Wegbereiter des Supply Chain Management wird der Stanford-Professor Hau L. Lee zitiert. Lee hat Informationsstörungen entlang der Supply Chain untersucht und Lösungsmöglichkeiten, wie die zur Bekämpfung von Nachfrageschwankungen – dem Bullwhip-Effekt – aufgezeigt[20] und 1997 veröffentlicht[21].

2.3.1 Definition

In der Literatur werden diverse Begriffsdefinitionen für das Supply Chain Management aufgeführt[22]. Dieser Arbeit soll die von Arndt veröffentlichte Definition zu Grunde gelegt werden:

„Supply Chain Management ist die unternehmensübergreifende Koordination und Optimierung der Material-, Werte- und Informationsflüsse über den gesamten Wertschöpfungsprozess von der Rohstoffgewinnung über die einzelnen Veredelungsstufen bis hin zum Endkunden mit dem Ziel, den Gesamtprozess unter Berücksichtigung der Kundenbedürfnisse sowohl zeit- als auch kostenoptimal zu gestalten.“[23]

2.3.2 Ziele

Als Hauptziele des Supply Chain Managements können die Orientierung und die Ausrichtung an den Bedürfnissen des Endkunden, die Steigerung des Serviceniveaus und der Kundenzufriedenheit, die Senkung der Kosten, insbesondere der Transaktionskosten entlang der Wertschöpfungskette, sowie reibungslose Lieferabläufe innerhalb des Netzwerkes festgelegt werden. Daneben werden in der Literatur weitere Ziele genannt:

- Verbesserung des Informationsflusses
- Reduzierung der Bestände
- Reduzierung der Gesamtdurchlaufzeit
- Nutzung von Synergie Effekten im Netzwerk
- schnellere Reaktion auf Marktveränderungen
- höhere Liefertreue
- reibungsloserer und schnellerer Güterstrom
- Schnittstellen- bzw. Grenzstellenreduzierung
- Vermeidung von ‚out-of-Stock‘-Situationen
- Effizientere unternehmensübergreifende Produktionssteuerung und Kapazitätsplanung[24]

2.4 Kritische Faktoren in Supply Chains

Wie bereits in Kapitel 2.2 angesprochen, liegt das Hauptaugenmerk in der Supply Chain und im Supply Chain Management auf dem Kunden. Insbesondere Informationen über die Nachfrage und den Verbrauch der Kunden sind wesentliche Steuerungselemente der Supply Chain.[25] Unternehmen, die in der Supply Chain ihre individuelle Leistungsoptimierung in den Vordergrund stellen und bei Entscheidungen die vor- und nachgelagerten Unternehmen nicht entsprechend berücksichtigen und informieren, tragen dazu bei, dass es zu ungenutzten Potenzialen und negativen Folgen entlang der Supply Chain kommt[26]. Einer dieser problematischen Folgen ist der Bullwhip-Effekt[27].

[...]


[1] Thonemann (2010), S. 8.

[2] Vgl. Niemann (2002), S. 395 f; http://www.economics.phil.uni-erlangen.de/bwl/lehrbuch/kap3/scm/ scm.PDF.

[3] Vgl. Corsten/Gössinger (2008), S. 1.

[4] Vgl. Corsten/Gabriel (2002), S. 8.

[5] Vgl. Niemann (2002), S. 396.

[6] Vgl. Arndt (2008), S. 48.

[7] Vgl. http://www.harvardbusinessmanager.de/heft/artikel/a-621606.html.

[8] Vgl. Corsten/Gössinger (2008), S.97.

[9] Vgl. Syska (2006), S. 34.

[10] Vgl. Jehle (2005), S. 35.

[11] Vgl. Günther/Tempelmeier (2007), S. 319.

[12] Vgl. Corsten/Gössinger (2008), S. 98.

[13] Vgl. Böhnlein/Lünemann (2007), S. 40.

[14] Vgl. Brumme/Schöter/Schröter (2010), S. 13.

[15] Vgl. Brumme/Schöter/Schröter (2010), S. 13 f.

[16] Vgl. Berndt (2003), S. 13.

[17] Vgl. Corsten/Gabriel (2002), S. 6.

[18] Vgl. Berndt (2003), S. 13.

[19] Vgl. Werner (2008), S. 3 ff.

[20] Vgl. http://www.harvardbusinessmanager.de/heft/artikel/a-621606.html.

[21] Vgl. Thonemann (2010), S. 450.

[22] Vgl. Böhnlein/Lünemann (2007), S. 27.

[23] Arndt (2008), S. 47.

[24] Vgl. http://www.economics.phil.uni-erlangen.de/bwl/lehrbuch/kap3/scm/scm.PDF; Corsten/Gössinger (2008), S. 107; Werner (2008), S. 5; Berndt (2003), S.15 f.

[25] Vgl. Corsten/Gössinger (2008), S. 98.

[26] Vgl. Niemann (2002), S. 393.

[27] Vgl. Becker/Schütte (2004), S. 701.

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Titel: Bullwhip-Effekt in Supply Chains