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Das Transzendentale in Schopenhauers Preisschrift über die Freiheit des Willens

Essay 2007 50 Seiten

Philosophie - Philosophie des 19. Jahrhunderts

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Besprechung der Preisschrift über die Freiheit des Willens
2.1 Begriffsbestimmungen
2.2 Der Wille vor dem Selbstbewußtseyn
2.3 Der Wille vor dem Bewußtseyn anderer Dinge
2.4 Vorgänger
2.5 Schluß und höhere Ansicht

3 Besprechung der Auf lösung der kosmologischen Ideen von der Totalität der Ableitung der Welt- begebenheiten aus Ihren Ursachen
3.1 Möglichkeit der Kausalität durch Freiheit, in Vereinbarung mit dem allgemeinen Gesetze der Naturnotwendigkeit

4 Tranzsendental oder Urbewusstsein
4.1 Von der Quantenphysik zum Urbewusstein

5 Schluss

1 Einleitung

”Ichweißehrlichnicht,was Leutemeinenwennsie von Freiheit des menschlichen Willens sprechen. Ich habe zum Beispiel das Gefühl, dass ich irgend etwas will; aber was das mit Freiheit zu tun hat, kann ichüberhaupt nicht verstehen. Ich spüre, dass ich meine Pfeife anzünden will und tue das auch; aber wie kann ich das mit der Idee der Freiheit ver-binden? Was liegt hinter dem Willensakt, dass ich meine Pfeife anzünden will? Ein anderer Willens-akt? Schopenhauer hat einmal gesagt: ”DerMensch kann tun was er will; er kann aber nicht wollen was er will.”1

Mit diesem Zitat stimmt Einstein mit der Position Schopen- hauers überein und erläutert sie am Ende noch einmal. Scho- penhauer Argumentierte so zu der Frage der Willensfreiheit die Er der Königlichen Norwegischen Societät der Wissenschaf- ten zu Drontheim im Jahre 1839 übergab. Während Seiner Schrift gibt Schopenhauer genügend Darstellungen die uns an der Hand in Richtung der Antwort führen. Er antwortet auf die Frage der Willensfreiheit mit einem kategorischen Nein; Hielt aber dann vor einer moralische Verantwortungsfrage an, die Er mit der Freiheit des Seins löste, und rückte Sie ”hinaufin eine höhere, aber unser Erkenntnißnicht so leicht zugängliche Region: d.h. sie ist trasscendental“.2 Dieses Transzendentale in der Willensfreiheit wurde auch bei Kant in der dritten Antino- mie Aufgelöst, und von Schopenhauer am Ende seiner Analyse aufgenommen. Beide Philosophen haben auf einer Theorie der Willensfreiheit aufgebaut die ohne das Transzendentale nicht auskam und das nichts von der Erfahrung hatte, und auch in keine Erfahrung passte, sondern was schon vor jeder Er- fahrung als Bedingung der Erfahrung im Subjekt vorlag.3 Die

Darstellung von dem Transzendentalen bei Schopenhauer und der Bezug zu Kants Überlegungen ist Thema dieser Arbeit und wird auf Besprechungen der Preisschrift über die Freiheit des Willens von Arthur Schopenhauer und der Antinomie der reinen Vernunft dritter Widerstreit der transzendentalen Ide- en von Immanuel Kant gegründet sein. Ich werde auch kurz den aktuelle stand der Wissenschaft gegen über dem Thema Bewusstsein darstellen angesichts der Erkenntnis, dass Pro- zesse des bewussten Geistes den nichtlokalen physikalischen Phänomenen ähnlich sind und in direkter Wechselwirkung mit der Objektiven Wirklichkeit stehen. Darüber hinaus werde ich das Urbewusstsein besprechen und wie eine kontemplative Ein- sicht (vipasana) mit Freiheit des Willens gleich zu stellen ist. Ich schließe mit einer Persönlichen Stellungsnahme.

Kapitel 2 Besprechung der Preisschrift über die Freiheit des Willens

Schopenhauers PreisschriftBesprechung der Preisschrift über die Freiheit desÜber die Freiheit des Willens“ wurde 1839 von der Königlich Norwegischen Sozietät der Wis- senschaften zu Drontheim preisgekrönt, Sie ist die Summe ei- ner kritischen Freiheitsanalyse der Tradition und zugleich der Ausgangspunkt jeder neueren Freiheitstheorie, die wissenschaft- lichen Ansprüchen genügen will. Sie schließt an Kants Exposi- tion von 1781 an, ohne den Lösungsvorschlag der ”Kritikder reinen Vernunft“zu übernehmen, greift zurück auf Aristoteles bis Hobbes, und ist inzwischen für jede empirische Forschung zu einem Gemeingut geworden. Sie ist bislang nur eine Ab- handlung für Eingeweihte, da es immer noch einen tiefverwur- zelten Widerstand gegen Aufklärung in Sachen der Freiheit gibt. Die subjektive Interessennahme für eine fingierte ”Frei- heit des Willens“ist noch zu groß,Veritas odium paritt,und der Verzicht auf Freiheit erscheint 1978 für Ebeling in seiner Einleitung zu Schopenhauers Werken für noch zu entsetzlich um anerkannt zu werden.4

2.1 Begriffsbestimmungen

In seiner Preisschrift beginnt Schopenhauer mit einer syste- matischen Analyse der Hauptbegriffe, die für die Debatte über Freiheit relevant sind, und die er mit großer Genauigkeit durchführt. Zu Beginn wendet er sich der Frage zu, was tet.

Was heißt Freiheit?

”Freiheit“bedeu- Schopenhauer leitet seine Abhandlung mit einer theoreti- schen Bestimmung von Freiheit ein. Er bestimmt den Begriff der Freiheit als einen wesentlich negativer, d.h. ”inderAb- wesenheit alles Hindernden und Hemmenden“.5 So bedeutet Freiheit in seiner ganzen Erstreckung ein negatives Vermögen oder Kapazität, das sich uns jedoch, mittels seines positiven Effekts darstellt und stets der Wille der gehinderte ist. Er unterscheidet drei Subspezies von Freiheit:

(a) Die physische Freiheit
(b) Die intellektuelle Freiheit
(c) Die moralische Freiheit

Unter physischer Freiheit versteht Schopenhauer die Abwesen- heit aller materiellen Hindernisse. Und wenn dieser auf Lebe- wesen praktisch wird stellt er sich als Zensur dieser dar. Diese Lebewesen reagieren aus ihrem freien Willen heraus, werden frei genant und fühlen es auch so wenn kein materielles Hin- dernis ihre Reaktionen hindert. Diese Deutung des Begriffes als Zensur animalischer Wesen umfasst nicht nur Menschen, sondern auch Tiere und meint eine Freiheit die durch kei- nerlei materielle Hindernisse die durch Gesellschaft, Kerker, oder Lähmung, kurz kein physisch, materielles Hindernis ih- re Handlungen hemmt, und sie frei Agieren können. In dieser Hinsicht ist ein Wesen dann Frei wenn es aus seinem Wil- len handelt, also aus sich heraus fähig ist oder imstande ist angesichts fehlender Hindernisse. Wobei aber keine Rücksicht gemäß Einflüsse auf den Willen selbst genommen wird.6 Der o.g. Nachweis ist eine eindeutige populäre Begriffsdeutung der Freiheit und kann bis in die politische Freiheit ganzer Staa- ten gehen; Die Fleckenlosigkeit aber weicht, alsbald man sich einem philosophischen Sinne des Begriffs widmet. Die Intellek- tuelle Freiheit wird von Schopenhauer in diesem Kapitel nicht genaueres Erläutert, und verweißt auf den Anhang, in dem er der Vollständigkeit wegen und daher in Kürze wie folgt be- schreibt wird: Er bezeichnet das Intellekt, oder das Erkenntnis- vermögen al das Medium der Motive, durch welches hindurch sie auf den Willen wirken. Dieser ist der eigentliche Kern des Menschen. Nur wenn dieses Medium der Motive sich in ei- nem normalen gesunden zustande befindet, und die Motive der Außenwelt dem Wille unverfälscht und wie in der realen Situation dargestellt, kann der Wille gemäß seiner Natur d.h. dem individuellen Charakter des einzelnen Menschen ungehin- dert entscheiden und sich dann nach seinem Selbstständigen Wesen äußern. Dies ist für Schopenhauer die Definition eines Intellektuell freien Menschen. Wenn all dies zutrifft, sind sei- ne Handlungen das Resultat der Reaktion seines willens auf die klare Motive, die in der Außenwelt vorliegen. Hier erwähnt er dann dass demzufolge seine Reaktionen ihm moralisch und auch juridisch zuzurechnen sind.7

Folglich sagt Schopenhauer das diese Intellektuelle Frei- heit aufgehoben wird wenn dass Medium der Motive in irgend einer Hinsicht zerrüttet wird oder das äußere Umstände im Einzellfall die Motive verfälschen. Ein Bespiel des Ersteren wäre Wahnsinn oder Delirium und des letzteren wenn man unwissend Gift statt Arznei eingießt oder den Diener mit ei- nem Räuber verwechselt und erschießt. Also eine Verwechs- lung der Motive die dem Intellekt falsch dargestellt wurden. Hier meint Schopenhauer dass diese dann auch nicht straf- bar sind.8 In dem vorherigen Beispiel ist der Wille nicht frei, da man ihn nicht lenken konnte und durch die Motive unter- worfen und genötigt war zu Reagieren. Der Intellekt konnte nicht die unverfälscht wahre Außenwelt aufnehmen und auf den Charakter wirken lassen.9 Schopenhauer geht weiter und legt auf den Affekt oder den Rausch auch eine verminder- te oder partielle Unfreiheit des Willens auf, in dem er Ar- gumentiert dass der Affekt eine plötzliche heftige Erregung des Willens durch eine von außen eindringende, zum Motive werdende Vorstellung ist die eine so große Lebhaftigkeit hat, dass sie allen anderen die als Gegenmotive wirken könnten unterdrückt und nicht in das Bewusstsein kommen lässt. Der Rausch ist ein Zustand der wiederum zu Affekte]n disponiert die die Lebhaftigkeit der anschaulichen Vorstellungen erhöht, das Denken (Intellekt) dagegen schwächt aber dabei die Ener- gie des Willens steigert. Also im Allgemeinen sind als unter Abwesenheit der intellektuellen Freiheit begangene Aktionen des Willens unfrei.10 Schopenhauer wendet sich wie folgend auf die moralische Freiheit zu, Er fragt: Ist ein Mensch frei wenn er augenscheinlich keine physische Hindernissen unter- legen, aber dennoch unter Versprechungen, Drohungen und dergleichen ist? Kann ein Motiv stärker wiegen als ein phy- sisches Hindernis? Er sagt dazu, dass im Gegensatz zu einem sondern immer noch möglicherweise durch ein stärkeres Ge-genmotivüberwogen werden könne...“.11 Dieses Gegenmotiv müsse auch vorhanden sein und das Wesen durch dieses auch bestimmbar sein. Die Motive können im Einzellfall wie bei Selbstmörder oder im Gegenteil zur Erhaltung des Lebens wie bei Folter nicht als objektiv fassbare sondern ganz individu- ell und subjektiv sein. Schopenhauer fragt dann: Ist der Wille selbst frei?12 Nun geht er von dem Können auf das Wollen. Bedient man sich der empirischen Sichtweise auf den Begriff der Freiheit so formuliert er: ”Freibinich,wennichthunkann was ich will“13 und aus der sicht des Wollens: ”Kannstduauch wollen was du willst?“14 diese frage treibt er bis ans unend- liche: ”Kannstduauchwollen,wasduwollenwillst?“15 und bleibt dann letztendlich par reductio ad absurdum bei “kannst du wollen?”16 Um die anwendung der Freiheit auf den Willen anwenden zu können, muss man den Begriff der Freiheit ab- stracter fassen, indem man ihn, im allgemeinen nur als Abwe- senheit aller Notwendigkeit versteht. Also behält er seinen an- fangs dargestellten negativen Karakter. Und was ist Notwen- dig? Schopenhauer schreibt“nothwendig ist, was aus einem gegebenen zureichenden Grund erfolgt”.17 Aus dieser antwort folgt die Frage ob es entsprechend der physichen und mathe- matischen Nothwendigkeit auch eine moralische gibt? Scho- penhauer gibt folgend ein Mathematisches und eine Physiches beispiel von dieser Notwendigkeit und folgert: wenn wir etwas als Folge einer Ursache bzw. eines gegebenen Grundes begei- fen, dann, erkennen wir es als notwendig:“denn alle Gründe sind zwingend”. Wenn man dieses“dann”auf die freiheit des Willens anwendet, so würde ein freier Wille durch keinerlei Uhrsachen oder zureichende Gründe bestimmt. Denn wenn ein Willensakt die Folge einer Ursache ist, so wäre die Re- aktion des Willens notwendig und daher nicht frei. Schopen- hauer macht uns hier auf Kant aufmerksam in dem er seine Definition aufnimmt, nach welcher Freiheit das vermögen ist, eine Reihe von Veränderungen ”vonselbst“anzufangen.Er setzt diese Definition dann gleich mitUrsache“und ”ohnevorhergegangene ”ohneNothwendigkeit“.18 EinFreierWillealso wäre einer, der nicht durch Gründe oder Ursachen bestimmt würde; dessen einzelnen Willensakte ganz ursprünglich, ex nihili aus ihm selbst hervorgingen, ohne durch vorgängige Bedingungen notwendig herbeigeführt zu sein. Doch an dieser stelle meint Schopenhauer das uns das Denken ausginge ”weilder Satz vom Grunde, in allen seinen Bedeutungen, die wesentliche Form unseres gesamten Erkenntnisvermögens ist, hieraber aufgegeben werden soll.

”...undderNamedafür”liberi arbitrii indifferentiae“.D.h. einem damit begabten Individuo, ist die Möglichkeit gegeben, zwei entgegengesetzte Handlungen gleich zu machen.19 Die hier kurz angeschprochene Definition Kants wird u.a. in Kapitel 3 dieser arbeit in näherem betracht genommen. Nachdem er die Frage der Freiheit in angriff ge- nommen hat folgt er mit dem Selbstbewusstsein: Was heißt Selbstbewußtsein? In diesem abschnitt gibt uns Schopenhauer eine präzise antwort die er in den folgende Kapiteln gründliche darstellt. Er unterscheidet zwischen zwei Arten von Bewusstsein. Zum einen das Bewusstsein des das Bewusstsein ”eigenenSelbst“undzumanderen ”AndererDinge.“ImletzterensoSchopen- hauer, handelt es sich um die Erkenntnis möglicher zustände von Dinge, die sich uns in der Form von z.B. Zeit, Raum, Kau- Besprechung der Preisschrift über die Freiheit des 12 Willens salität darstellen und ihr Dasein für uns Objektiv ist. Er denkt es sei irrelevant ob diese form der Erkenntnis in uns selbst liegt da diese uns nur zur Hilfe dient andere Dinge als solche bewusst zu machen, und unsere Beziehung zu diesen, klar- zustellen zu können. Daher obwohl sie in uns liegt nicht zum Selbstbewusstsein gehört sondern zu dem Bewusstsein anderer Dinge, und uns dadurch die objektive Erkenntnis dieser din- ge ermöglicht.20 Dieses Bewusstsein anderer Dinge macht den größten Teil des Bewusstseins aus, dieses Erkenntnisvermögen ist mit allen seinen Kräften, nach außen gerichtet und ist dem- zufolge der Schauplatz der realen Außenwelt dem es sich, Ana- lysierend verhaltend, und die aufgenommene Information wie- derkäuend zu Begriffen verarbeitet, und so das Denken ent- steht.21 Also ist durch Abzug, der kleinere Teil des Bewusst- seins, das Selbstbewusstsein, und dadurch sollten die beweise einer Willensfreiheit hier zu finden leichter sein. Als das Glied des Selbstbewusstseins stellt Schopenhauer den Inneren Sinn auf. Aber dies sei nur Bildlich gemeint, da das Selbstbewusst- sein unmittelbar ist. Der Mensch wird sich durch sein eige- nes Wollen seines eigenen Selbsts unmittelbar bewusst. Unter diesem Terminus der eines Befriedigten oder Unbefriedigten Willens folgt, können Unterbegriffe wie das Wünschen, Hof- fen, oder Verlangen aber auch negative Verabscheuende Affek- tionen in verschiedener Intensität aufträten. Die Affektionen träten dem Willen gemäß in unser Selbstbewusstsein ein, und werden somit unser eigenen Leibes nur durch diese Wirkung des Willens bewusst. Also alle die Reaktionen des Willens, das schwankende Wollen und Nichtwollen, welches in seinem beständigen auf und ab den alleinigen Gegenstand des inne- ren Sinnes ausmachen, stehen in einem engen und ständigem Kontakt mit der Erkannten Außenwelt. Folglich stößt es mit dem Gebiet des Bewusstseins anderer Dinge an ein von der Aussenwelt völlig abgeschlossenen und im finstern Innern des Selbstbewusstseins eingesperrten Willenübrig be- hielte“.22 In den folgenden zwei Abschnitte wird das Selbstbewusstsein näher besprochen.

[...]


1 Albert Einstein: Ich vertraue auf Intuition, S.176

2 A. Schopenhauer, Preisschrift über die Freiheit des Willens, S. 135

3 Ebeling Hans, Selbsterhaltung und Selbstbewustsein, S. 116

4 Ebeling, Hans, Einleitung: Schopenhauers Theorie der Freiheit, in: A. Schopenhauer. 1978, S. VIII

5 A. Schopenhauer, Preisschrift über die Freiheit des Willens, S. 3 (V- VI)

6 ibid. S.40

7 ibid. s.136

8 ibid. s.136

9 ibid. s.136

10 ibid s.137ff

11 ibid s.41

12 ibid s.42

13 ibid s.42

14 ibid s.42

15 ibid s.42

16 ibid s.42

17 ibid s.43

18 ibid s.44

19 ibid s.44

20 ibid s.45

21 ibid s.45

22 ibid s.48

Details

Seiten
50
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640896639
ISBN (Buch)
9783640896844
Dateigröße
617 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v169089
Institution / Hochschule
Universität Osnabrück – Institut für Kognitionswissenschaft
Note
1,3
Schlagworte
Freiheit des Willens Phenomenon Noumenon quantenphysik meditation bewusstsein

Autor

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Titel: Das Transzendentale in Schopenhauers Preisschrift über die Freiheit des Willens