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Die "Große Proletarische Kulturrevolution". Hintergründe, Verlauf und Folgen

Hausarbeit 2009 22 Seiten

Geschichte - Asien

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkurzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hintergrunde
2.1 Das maoistische Revolutionskonzept
2.2 Vorlaufer der Kulturrevolution

3. Ziele der ,,GroBen Proletarischen Kulturrevolution“

4. Historischer Verlauf der ,,GroBen Proletarischen Kulturrevolution“

5. Resultate und Auswirkungen der Kulturrevolution

Literaturverzeichnis

Abkurzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Mit dem Tod Mao Zedongs1 am 9. September 1976 endete fur China eine Ara. Mao war fur die ganze Welt zu einer Inkarnation Chinas erwachsen, mit ihm ist Chinas Aufstieg zur Weltmacht verknupft Trotz der seit den 80er Jahren offentlich diskutierten Fehler und Versaumnisse Maos und der Millionen Opfer, die mit seinem Namen in Verbindung stehen, liegt bis heute ein Schatten seines Ruhms uber der Volksrepublik2.

Die „GroBe Proletarische Kulturrevolution44 war die letzte ideologische und revolutionare Massenkampagne Mao Zedongs. ,,[Das Ende der Kulturrevolution] markiert zugleich das Ende der Ara Mao Zedong“3. Die „Kulturrevolution“ als das ,,letzte Aufbegehren44 Maos wird von Rainer Hoffmann folgendermafien beschrieben: „1966-1967 hat China der Welt ein seltenes Schauspiel geboten: Ein kommunistischer Staatsmann verbundet sich mitjugendlichen Rebellen und zerschlagt die Partei, die er in Jahrzehnten muhevoller Arbeit aufgebaut hat“4 5.

Mit dieser „Kulturrevolution“ beabsichtigte Mao Rivalen in der Partei- und Staatsfuhrung auszuschalten und sein radikales Revolutions- und Klassenkampfkonzept durchzusetzen. Im Rahmen dieser Hausarbeit soll gezeigt werden, inwieweit die Absichten und Ziele Maos und seiner Anhanger verwirklicht werden konnten. Dazu werden zunachst die Hintergrunde und vorrevolutionaren Ereignisse knapp erlautert, um die Geschehnisse der Kulturrevolution besser einordnen zu konnen. Daran anschliefiend sollen die Ziele der Kulturrevolution genauer beleuchtet werden, da sie den Sinn und die Vorgehensweise der Maoisten verstandlich machen.

Anschliefiend wird der historische Verlauf der Kulturrevolution in komprimierter Form dargestellt. Den Abschluss bildet ein Resumee im Hinblick auf die tatsachlichen Ergebnisse und Folgen der Kulturrevolution.

2. Hintergrunde

2.1 Das maoistische Revolutionskonzept

Um die Geschehnisse im Rahmen des zweiten maoistischen Radikalexperiments verstehen zu konnen, muss zunachst der Stellenwert einer Kulturrevolution im Rahmen des allgemeinen chinesischen Revolutionskonzepts erklart werden.

Nach Mao Zedong ist die ,,revolutionierende Kultur“ im Sinne des marxistischen Uberbaus als eine permanente kampferische „Berichtigungsbewegung“ zu verstehen. Dies bedeutet, dass die politischen, juristischen, philosophischen, religiosen, kunstlerischen und gesellschaftlichen Ideen sowie die gesamte Organisationsstruktur (Staat, Religionsgemeinschaften, Parteien) durch einen am Denken Maos orientierten Bewusstseinswechsel auf das Endziel des Kommunismus gelenkt werden sollen. Dieser Bewusstseinswechsel soll mittels standiger qualitativer Anderungen gesteuert werden. Eine permanenten Revolution bedarf demnach solange Mafinahmen zur Losung von Widerspruchen, bis es keine mehr gibt und das Stadium des Kommunismus erreicht wurde. Diese ,,Widerspruche im Volk“ konnen nach Mao nur in der offenen Diskussion beseitigt werden6.

2.2 Vorlaufer der Kulturrevolution Die ..Hundert-Blumen-Kampaqne“

Die sogenannte „Hundert-Blumen-Kampagne“ begrundet die grundsatzlich kulturrevolutionar gepragte Periode bis zum Tode Maos 1976.

Mao leitete die„Hundert-Blumen-Kampagne“ mit einer vierstundigen Rede ,,Uber die richtige Behandlung von Widerspruchen im Volk“ auf einer erweiterten Sitzung der ,,Obersten Staatskonferenz“ 1957 ein. Da ,,Widerspruche im Volk“, wie gerade erlautert, nur in der offenen Diskussion beseitigt werden konnen, animierte Mao in dieser Rede vor allem Nichtkommunisten dazu die Parteikader offen zu kritisieren7.

Die „hundert Blumen“ symbolisieren in diesem Zusammenhang das Aufbluhen kritischer Meinungen, die das System auf dem Weg zur vollkommenen kommunistischen Gesellschaft vorantreiben und eine kommunistische ,,Sozialisierung des Denkens“ der Bevolkerung hervorbringen sollten.

Die potentiellen Kritiker reagierten aufMaos Aufrufjedoch sehr zuruckhaltend. Daher rief die KPCh in einer Direktive des Zentralkomitees (ZK) die Mitglieder der Minderheitsparteien und Parteilose dazu auf, ihre Kritik in Diskussionsforen ohne Zuruckhaltung zu aufiern. Dies fuhrte dazu, dass die Kritik nun in hohem MaBe deutlich wurde. Der AufrufMaos zur Kritik an Einzelmissstanden weitete sich schlieBlich zu einer ganzheitlichen, oppositionellen Widerstandsbewegung aus, die das politische System Chinas in seinen Grundsatzen bedrohte. Um das System zu retten, musste die Bewegung gewaltsam abgebrochen werden8.

Mao reagierte mit einer Korrektur des Textes seiner Rede ,,Uber die richtige Behandlung von Widerspruchen im Volk“, indem er eindeutig die Grenzen der zu auBernden Kritik markierte. Der uberarbeitete Text wurde am 18. Juni 1957 uber die Nachrichtenagentur NCNA publiziert. Damit machte die Parteifuhrung deutlich, dass die vorangegangene Kritik zu weit gegangen und ein ,,Widerspruch zwischen dem Feind und uns“ entstanden sei, der mit den Mitteln der Diktatur und Zwangsgewalt gelost werden musse. Damit war der ,,Klassenkampf gegen die „bourgeoisen Rechtsabweichler“ eroffnet9. Bereits in der nachsten Sitzung des NVK am 26. Juni 1957 kam es zum ersten Tribunal uber die Spitze der Opposition. Den Ministern der nichtkommunistischen Minderheitsparteien wurden ihrer Amter abgesprochen und zahlreiche nichtkommunistische Intellektuelle zu demutigenden Selbstbezichtigungen vor dem Kongress gezwungen. Des Weiteren wurden drei Fuhrer der Studentenbewegung im August von einem „Massengericht“ zum Tode verurteilt. Bis Ende des Jahres 1957 wurden ca. 550 000 „Rechtsabweichler“ in einer groB angelegten Sauberungskampagne, der sogenannten ,,Erziehung durch Arbeit“, auf unbestimmte Zeit in Zwangsarbeitslager deportiert10.

SchlieBlich gewann die Parteifuhrung die Kontrolle uber das Land zuruck und konnte den Zusammenhalt der oppositionellen Krafte zum Erliegen bringen. Trotzdem konnen die oben beschriebenen Ereignisse nicht daruber hinwegtauschen, dass die Fuhrung nicht mehr auf den Konsens wesentlicher Fuhrungsgruppen vertrauen konnte. Daher wurde die Tendenz zu einem radikalen innenpolitischen Wechsel immer deutlicher. Wurde bis dahin groBer Wert auf eine schrittweise wirtschaftliche und gesellschaftliche Umgestaltung, die sich in Anerkennung der ,,objektiven Bedingungen“ vollziehen sollte, gelegt, sollte nun eine auf die Massenmobilisierung von Arbeitskraften grundende, energische Beschleunigung des Entwicklungstempos wieder ein kommunistisches Bewusstsein in der Bevolkerung wecken11.

Per ,, GroBe Sprung nach vorn “

Den Weg in die „GroBe Proletarische Kulturrevolution44 ebnete erst die zweite Massenkampagne. Der „Grofie Sprung nach vorn“ stellt einen Wendepunkt in der Phase des ,,sozialistischen Aufbaus44 dar. Die Kampagne beabsichtigte den „Sprung“ in die kommunistische Gesellschaft anzubahnen, ihre radikale Politik sturzte Chinajedoch in eine tiefe Wirtschaftskrise. Der „GroBe Sprung“ wurde sowohl aus wirtschaftlicher als auch aus sozialer Sicht zum opferreichsten Experiment in der Geschichte der Volksrepublik12.

Mao war uberzeugt, dass nur eine Reihe wirtschaftlicher „Sprunge“ zu einem kommunistischen Bewusstsein der Bevolkerung fuhren konnte. Da das Programm, das die kommunistische Gesellschaftsordnung schnellstmoglich vorbereiten sollte, scheiterte, erwuchsen aus den Debatten um eine innen- und wirtschaftspolitische MaBigung innerhalb der KPCh schlieBlich die Richtungskampfe, die den Weg in die Kulturrevolution bahnten. Der ,,GroBe Sprung, mundete in den Hungersnoten der „Drei bitteren Jahre“13, die etwa 30 Millionen Chinesen den Tod brachten14.

Neben dem ideologischen Hintergrund war insbesondere der zunehmende Verlust an Unterstutzung in der KPCh Grund fur die ,,GroBe Proletarische Kulturrevolution44. Die von Mao mobilisierte „Weisheit der Massen“ sollte die intellektuelle Opposition verstummen lassen und den Trend zur Revision des maoistischen Entwicklungskonzepts fur die chinesische Gesellschaft einstellen. Die Mobilisierung der Massen fuhrte im Zuge der ,,GroBen Proletarischen Kulturrevolution“jedoch beinahe zum Zusammenbruch des politischen Systems Chinas15.

Die oben beschriebenen Ereignisse bildeten das „Vorspiel“ der Kulturrevolution. Dieser Zeitraum kennzeichnet sich vor allem durch einen inneren Kampf in der Partei (zwischen Mao und der Parteiburokratie) um Macht und eine bestimmte Politik. Die inneren Kampfe in der Partei erklaren moglicherweise auch den etappenweisen Verlauf der Kulturrevolution16, auf den ich weiter unten naher eingehen werde.

Die Ziele und Motive, die mit der Initiierung der „Grofien Proletarischen Kulturrevolution“ verfolgt wurden, lassen sich aus zwei verschiedenen Perspektiven analysieren, der ideologischen und der pragmatischen.

Aus dem ideologischen Blickwinkel der Maoisten beabsichtigen Kulturrevolutionen im weiteren Sinne einen neuen Menschen in einer kommunistisch gepragten Gesellschaft zu erschaffen. Sie sind so lange notwendig, bis keine gesellschaftlichen Widerspruche mehr vorhanden sind.

Nach Oskar Weggel17 diente die Kulturrevolution im engeren Sinn insbesondere drei Aufgaben. Sie beabsichtigte die ,,Leute in Machtpositionen, die den kapitalistischen Weg gehen“ und damit die Gesellschaft auf ihrem Weg in den Kommunismus hinderten, zu bekampfen und zu uberwaltigen; die ,,reaktionare“ burgerliche Ideologie zu kritisieren und Erziehung, Literatur, Kunst, Wirtschaftsorganisationen und alle Elemente des Uberbaus, die nicht der sozialistischen Basis entsprachen, umzuwandeln18.

Ideologisch lasst sich das Handeln Maos und seiner Anhanger als eine Reaktion auf die drohende ,,revolutionare Stagnation“ durch die stark rational und technisch orientierte ,,Neue Rechte“, begrunden. Somit erforderte die aktive Rolle des Uberbaus in der maoistischen Theorie quasi den ,,kulturellen“ Kampf um eine bedingungslose Anpassung der sozialen Verhaltnisse an das propagierte Bild einer guten Gesellschaft19.

Aus der pragmatischen Perspektive war die Kulturrevolution vor allem machtpolitisch motiviert. Nachdem die Politik des „Grofien Sprungs nach vorn“ gescheitert war, musste Mao deutlich an Unterstutzung seiner Partei einbuBen. Es kam zu einem klaren Richtungskampf um die Innen- und Wirtschaftspolitik zuungunsten Maos radikaler Linie. Aus pragmatischer Sicht musste Mao daher eine Revolution der ,,Kultur“ bzw. des ,,Uberbaus“ einleiten, um seine Macht zu sichern20.

Da sich die beiden Sichtweisen nicht widersprechen, lasst sich vermuten, dass die Kulturrevolution nicht nur einseitig, sondern sowohl ideologisch als auch machtpolitisch motiviert war21.

Aus den bereits genannten Motiven entwickelten sich konkrete Ziele der ,,Linken“, die in der Kulturrevolution realisiert werden sollten. Ein wesentliches Ziel war es, den Trend zur Revision des maoistischen Entwicklungskonzepts von 1958 einzustellen.

[...]


1 Auch: Tse-tung.

2 Vgl. Schmidt-Glintzer, Helwig: Das neue China. Von den Opiumkriegen bis heute. 3. akt. Auflage. Munchen 2004, S. 88.

3 Zingraf, Evi: Die "Grofie Proletarische Kulturrevolution" - Hintergrunde, Verlauf und Auswirkungen. http://www.chinafokus.de/nmun/2_iii_b.php (20.02.2009, 9:37 Uhr).

4 Hoffmann, Rainer: Maos Rebellen. Sozialgeschichte der chinesischen Kulturrevolution. In: Bernd Martin u.a. (Hrsg.): Reihe Historische Perspektiven 8. Hamburg 1977, S. 7.

5 Vgl. Zingraf 2009.

6 Vgl. Zingraf 2009.

7 Vgl. Zingraf 2009.

8 Vgl. Zingraf 2009.

9 Vgl. Zingraf 2009.

10 Vgl. Zingraf 2009.

11 Vgl. Zingraf 2009.

12 Vgl. Bundeszentrale fur Politische Bildung (Hrsg.): Volksrepublik China. Informationen zur politischen Bildung, Nr. 289, Bonn 2005, S. 7.

13 1959-1961

14 Vgl. Zingraf 2009.

15 Vgl. Zingraf 2009.

16 Vgl. Bianco, Lucien / Superieure, Ecole Normale: Das moderne Asien. Frankfurt am Main 1969, S. 240-243.

17 Vgl. Weggel, Oskar: GroBe Proletarische Kulturrevolution. In: Wolfgang Franke (Hrsg.): China Handbuch, Dusseldorf 1974, S. 460-461.

18 Vgl. Zingraf 2009.

19 Vgl. Zingraf 2009.

20 Vgl. Zingraf 2009.

21 Vgl. Zingraf 2009.

Details

Seiten
22
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640871315
ISBN (Buch)
9783640871421
Dateigröße
482 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v168992
Institution / Hochschule
Universität Vechta; früher Hochschule Vechta – Institut für Geschichte und Historische Landesforschung
Note
1,0
Schlagworte
proletarische kulturrevolution“ hintergründe verlauf folgen

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