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Förderung moralischer Kompetenz durch Personalentwicklung

Hausarbeit 2011 25 Seiten

BWL - Personal und Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsklärungen

3. Zur Entwicklungsfähigkeit moralischer Kompetenz

4. Elemente moralischer Kompetenz
4.1 Kognitive Kompetenzen
4.2 Behaviorale Kompetenzen
4.3 Management-Kompetenzen

5. Förderung moralischer Kompetenzentwicklung
5.1 Inhaltliche Anforderungen
5.2 Zielgruppen
5.3 Analyse des Bildungsbedarfs
5.4 Maßnahmen der Personalentwicklung
5.4.1 Maßnahmen im Überblick
5.4.2 Maßnahmen im Fokus: Ethik-Training
5.4.2.1 Zielsetzungen
5.4.2.2 Methoden
5.4.2.3 Ablauf

6. Bedingungen der moralischen Kompetenzentwicklung

7. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Stufen der Moralentwicklung nach Kohlberg

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Die Debatte über Ethik und Moral hat Dauerkonjunktur. Kein Wunder, sorgen doch ständig wiederkehrende Unternehmensskandale für immer neuen Gesprächsstoff. Die Finanzkrise, die Ölpest im Golf von Mexiko, der Handel mit Gammelfleisch, der Spitzel- Skandal bei Lidl, Betrugs- und Korruptionsaffären bei Volkswagen und Siemens, die hohe Selbstmordrate bei der France Télécom - die Liste an Beispielen, die auf einen gravierenden Werte- und Moralverlust in der Wirtschaft hindeuten, ließe sich beliebig fortsetzen. Am Pranger stehen vor allem die Führungskräfte: Vorwürfe wie „Manager ohne Moral“, „Abzocker“ und „Egoisten“1 verleihen einem Verhalten Ausdruck, das nur noch von grenzenloser Profitgier und Verantwortungslosigkeit gegenüber Mensch und Natur gekennzeichnet zu sein scheint. Die gesellschaftliche Akzeptanz und die gute Reputation der Unternehmen stehen auf dem Spiel - dabei sind diese Faktoren für den wirtschaftlichen Erfolg der Unternehmen genauso wichtig wie die Qualität ihrer Produk- te und Dienstleistungen.2 Unternehmen beschäftigen sich deshalb zunehmend damit, wie sie Vertrauen zurückgewinnen und der Forderung nach mehr Anstand und Verant- wortung gerecht werden können. An Bedeutung gewinnt ein ethisch orientiertes Mana- gement, das nach wie vor gewinnorientiert arbeitet, aber dabei die Belange aller von der Geschäftstüchtigkeit des Unternehmens betroffenen Anspruchsgruppen in fairer und ausgewogener Weise berücksichtigt.3 Nach Maak/Ulrich ist dafür „nicht nur ein adäquates Moralbewusstsein, sondern auch - besonders bei Verantwortungsträgern - die Bereitschaft und Flexibilität zur Weiterentwicklung des eigenen ethischen Hori- zonts“4 erforderlich. Es gilt also, die moralische Kompetenz der Handelnden zu fördern, um zu einem verantwortungsvollen, nachhaltig erfolgreichen Unternehmertum zurück- zukehren.

Welchen Beitrag die Personalentwicklung als Träger der betrieblichen Weiterbildung leisten kann, um moralische Kompetenz zu fördern, steht im Mittelpunkt der vorliegen- den Arbeit. Zunächst stellt sich jedoch die Frage, ob moralische Kompetenz überhaupt entwicklungsfähig ist. Andernfalls wären entsprechende Maßnahmen der Personalent- wicklung obsolet. Welche Vielzahl an Teilkompetenzen sich hinter dem recht pauscha- len Begriff „moralische Kompetenz“ verbirgt, wird im Anschluss aufgezeigt. Schließlich gilt es zu wissen, welche konkreten Kompetenzen gefördert werden sollen, um adä- quate Maßnahmen ergreifen zu können. Diese werden im darauffolgenden Abschnitt vorgestellt. Unter welchen Bedingungen sich die Maßnahmen wirksam entfalten und tatsächlich zur moralischen Kompetenzentwicklung beitragen können, wird abschlie- ßend dargestellt.

2. Begriffsklärungen

Moral, Ethik, Kompetenz - zentrale Begriffe dieser Arbeit, die zum besseren Verständ- nis der nachfolgenden Ausführungen zunächst geklärt werden sollen. Moral und Ethik werden im Alltag oft synonym verwendet. In der Literatur hingegen wird zwischen bei- den Begriffen unterschieden: „Moral“ ist die Gesamtheit der individuellen Werte, Nor- men und Prinzipien, auf die der Mensch sein Denken und Handeln begründet.5 „Ethik“ ist die Theorie von der Moral und beschäftigt sich mit dem Nachdenken über Werte und Normen. Sie ist ein Teilgebiet der Philosophie und somit eine wissenschaftliche Disziplin.6 Die Definitionen des Begriffs „Kompetenz“ sind mannigfaltig und teilweise inkonsistent. In dieser Arbeit wird unter Kompetenz die Fähigkeit verstanden, „fachlich, situativ und/oder sozial angemessen mit einer Aufgabe, Situation oder Person umzu- gehen“.7 Die Begriffe „moralische Kompetenz“, „ethische Kompetenz“ oder „Ethikkom- petenz“ werden in der Literatur und deshalb auch in dieser Arbeit synonym verwendet. Diese Bezeichnungen sind Sammelbegriffe für verschiedene Teilkompetenzen, die unter Punkt 4 beschrieben werden.

3. Zur Entwicklungsfähigkeit moralischer Kompetenz

„Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.“8 Für die Erziehung zu Anstand und moralischem Verhalten seien die Eltern zuständig, ist eine weit verbreitete Ansicht. Wer in seiner Kinder- und Jugendzeit keine Werte vermittelt bekommen habe, lerne es später auch nicht mehr. Diese „Kinderstuben-These“ ist jedoch nur insoweit richtig, als dass die originäre Prägung des Menschen für sein Moralbewusstsein tatsächlich von hoher Relevanz ist.9 Die moralische Entwicklung ist jedoch nach der Kinder- und Ado- leszenzphase längst nicht abgeschlossen. Sie setzt sich auch im Erwachsenenalter fort, insbesondere vor dem Hintergrund immer neuer ethischer Herausforderungen im Familien- und Berufsleben. Um diesen Entwicklungsprozess zu beschreiben, wird in der Literatur stets das Stufenmodell von Lawrence Kohlberg herangezogen. Gemäß diesem Modell durchläuft die Moralentwicklung einen sechsstufigen Reifeprozess:10

Die erste Stufe bildet das Niveau eines Kleinkindes ab, das sich aus Angst vor Strafe rein opportunistisch verhält. In der zweiten Stufe kommt die egoistische Perspektive dazu: Moralisches Handeln erfolgt dann, wenn es für einen selbst nützlich ist. Kohlberg bezeichnet diese beiden Stufen als präkonventionelle Phase.

In der dritten Stufe entwickelt sich eine Moral, die sich an sozialer Zustimmung und Wertschätzung orientiert. Ziel ist, von seinem sozialen Umfeld als „nette“ Person wahr- genommen zu werden. In der vierten Stufe lösen Recht und Ordnung die sozialen Normen der vorherigen Stufe ab. Moralisches Handeln heißt jetzt, sich an Gesetze und Regeln zu halten und seine Pflicht zu tun. Diese beiden Stufen fasst Kohlberg als kon- ventionelle Moral zusammen.

Der mündige Erwachsene kann die fünfte Stufe erreichen, in der erlernte Konventionen ihre fraglose Geltung verlieren und sich das moralische Urteil an den Werten und Prin- zipien orientiert, die für die Gesellschaft vorteilhaft sind. Es gilt das Nützlichkeitsprinzip des Utilitarismus, nach dem jede Handlung „das größte Glück der größten Zahl“ bewir- ken sollte. In der sechsten und letzten Stufe geht es schließlich um mehr, als nur den größtmöglichen Nutzen für alle zu erzielen. Es geht vielmehr darum, sein Urteilen und Handeln an allgemeingültigen, ethischen Prinzipien zu auszurichten. Die Vorstellung von der wechselseitigen Anerkennung als Mensch gleicher Würde mit den gleichen Grundrechten wird hier zum universalen Prinzip zwischenmenschlicher Achtung, zum „Moral Point of View“. Erst mit den letzten beiden Stufen wird die postkonventionelle Ebene der Moral erreicht, in der moralisches Urteilen und Handeln auf Grundlage der ethischen Prinzipien der zwischenmenschlichen Anerkennung und Gerechtigkeit und unabhängig von gesellschaftlichen Erwartungen erfolgt. Ziel von Maßnahmen zur mo- ralischen Kompetenzentwicklung sollte deshalb stets das Erreichen des postkonventi- onellen Moralbewusstseins sein.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Stufen der Moralentwicklung nach Kohlberg 11

4. Elemente moralischer Kompetenz

Die Fähigkeiten, die es zu fördern gilt, um die postkonventionelle Ebene der Moral zu erreichen, werden in der Literatur unterschiedlich ausgeführt. Maak/Ulrich nennen drei Kompetenzen, die ein fortschrittliches Moralbewusstsein umfasst: Reflexionsfähigkeit, moralische Vorstellungskraft und moralischen Mut.12 Göbel nennt vier andere: Moralische Sensibilität, moralische Urteilskraft, moralische Motivation und Verständigungskompetenz.13 Zu einem differenzierteren Bild kommt Rossouw: Er identifiziert drei Kategorien von Kompetenzen, die die Bandbreite der moralischen Teilkompetenzen aufzeigen, die es im Rahmen von Bildungsmaßnahmen zu berücksichtigen gilt.14 Diese werden nachfolgend eingehender beschrieben.

4.1 Kognitive Kompetenzen

Die Förderung kognitiver Kompetenzen dient dazu, ethisch relevante Problemstellun- gen im Unternehmen zu identifizieren und sie analysieren, bewerten und beurteilen zu können. Unter den kognitiven Kompetenzen werden folgende Fähigkeiten subsu- miert:15

a) Moralisches Bewusstsein ( „ moral awareness “ )

Um die ethischen Dimensionen wirtschaftlichen Handelns erkennen zu können, muss ein entsprechendes Bewusstsein entwickelt werden. Dieses beinhaltet ein Verständnis für die moralischen Verpflichtungen und Verantwortlichkeiten, die mit wirtschaftlicher Tätigkeit einhergehen sowie ein dazugehöriges Bewusstsein für die üblichen moralischen Fragen und Dilemmata, die in diesem Rahmen auftauchen.

b) Moralisches Verst ä ndnis ( „ moral understanding “ )

Für den Umgang mit ethischen Fragestellungen bedarf es eines intellektuellen Instrumentariums aus Theorien, Modellen und Konzepten, das das Wissen und das Vokabular für den moralischen Diskurs liefert.

c) Moralische Urteilskraft ( „ moral reasoning “ )

Um verschiedene ethische Sichtweisen vergleichen, abwägen und bewerten zu kön- nen, ist die Fähigkeit zu einer unabhängigen und begründeten Stellungnahme mit Hilfe des genannten intellektuellen Instrumentariums erforderlich. Mit der Fähigkeit, ein mo- ralisches Urteil fällen zu können, wird die Teilnahme am kritischen moralischen Diskurs erst möglich.

d) Moralische Entscheidungsfindung ( „ moral decision-making “ )

Diese Fähigkeit umfasst das Verstehen von Prozessen und Problemen, die mit morali- schen Entscheidungen verknüpft sind. Dies erfordert auch das Verstehen, um welche Art ethischer Konflikte es sich handelt, und die Kenntnis von Ansätzen, Verfahren und Techniken, die zur moralischen Entscheidungsfindung eingesetzt werden können.

e) Moralische Toleranz ( „ moral tolerance “ )

Moralische Unklarheiten und moralische Sichtweisen, die von der eigenen abweichen, aushalten zu können, ist eine weitere Kompetenz. Diese Fähigkeit hängt nicht nur von dem eigenen Wissen über Ethik ab, sondern erfordert auch die Entwicklung der Eigenschaft, weiterhin nach moralischer Klarheit trotz Unklarheiten und anscheinend nicht vergleichbarer moralischer Konflikte zu suchen.

4.2 Behaviorale Kompetenzen

Die kognitive Kompetenz allein führt nicht notwendigerweise zu der Bereitschaft, sich auch tatsächlich moralisch zu verhalten. Statt auf die intellektuellen Fähigkeiten legt der Bereich der behavioralen Kompetenzen den Fokus auf den moralischen Charakter, der sich im konkreten Verhalten widerspiegelt. Er beschäftigt sich entsprechend mit den Fähigkeiten, die für ein moralisches Verhalten erforderlich sind. Dazu zählen:16

a) Moralische Sensibilit ä t ( „ moral sensitivity “ )

Diese Fähigkeit beinhaltet die Sorge um die Konsequenzen des unternehmerischen Handelns für andere. Dazu ist wichtig zu wissen, wessen Belange die geschäftlichen Aktivitäten berühren, und sich um die Betroffenen zu kümmern. Damit einher geht die Verpflichtung, die negativen Auswirkungen für andere möglichst gering zu halten. Zent- ral für die Fähigkeit der moralischen Sensibilität ist es, sich in die Lage der Betroffenen hinein versetzen zu können.

b) Moralischer Mut ( „ moral courage “ )

Um moralisches Verhalten in der Wirtschaft zu verbessern, ist die Entwicklung von Zivilcourage nötig. Moralisches Handeln erfordert zwar, sich an universalen ethischen Prinzipien des gerechten Zusammenlebens zu orientieren, doch ist es wichtig, in be- stimmten Fällen eine kritische Distanz einzunehmen und die herrschenden morali- schen Konventionen auf ihre Gültigkeit hin zu überprüfen. Zivilcourage ist erforderlich, auch eine Haltung entgegen der landläufigen moralischen Meinung einzunehmen.17 Dazu bedarf es der Entschlossenheit, auf Grundlage eigener moralischer Überzeugun- gen zu handeln, auch wenn dies unangenehm ist und keinen Eigennutz verspricht.

[...]


1Vgl. Burger/Vogelsang: Werte schaffen Wert - Warum wir glaubwürdige Manager brauchen. München, 2004, S. 15

2Vgl. Ulrich: Worauf kommt es in der ethikbewussten Unternehmensführung grundlegend an? Integrative Unternehmensethik in fünf Thesen. In Ulrich/Wieland (Hrsg.): Unternehmensethik in der Praxis. Impulse aus den USA, Deutschland und der Schweiz. Bern, Stuttgart, Wien, 1998, S. 16

3Vgl. Ulrich: „Unternehmen dürfen keine Gewinnmaximierung betreiben“, Interview in DAS INVESTMENT.COM, 13.07.2009, URL: http://www.dasinvestment.com/investments/ gruenes-geld/news/datum/2009/07/13/unternehmen-duerfen-keine-gewinnmaximierung- betreiben

4Vgl. Maak/Ulrich: Integre Unternehmensführung. Ethisches Orientierungswissen für die Pra- xis. Stuttgart, 2007, S. 473

5Vgl. Rebstock: Organisation und Ethik. Zur Entwicklung und Umsetzung individueller morali- scher Kompetenz in Unternehmen. Frankfurt a.M., 1992, S. 31

6Vgl. Noll: Wirtschafts- und Unternehmensethik in der Marktwirtschaft. Stuttgart, Berlin, Köln, 2002, S. 11 ff.

7Vgl. Domsch/Harms/Sticksel: Bildungsbedarfsanalysen. Studienbrief PE0520 des Studien- gangs Personalentwicklung, Technische Universität Kaiserslautern, Kaiserslautern, 2008, S. 37

8Sprichwort

9 Vgl. Maak/Ulrich, a.a.O., S. 473

10 Ebd., S. 477 ff.

11 Eigene Darstellung in Anlehnung an Maak/Ulrich, a.a.O., S. 477 und Noll, a.a.O., S. 31

12 Vgl. Maak/Ulrich, a.a.O., S. 481 ff.

13 Vgl. Göbel: Unternehmensethik. Stuttgart, 2010, S. 265

14 Vgl. Rossouw: Three approaches to teaching business ethics. In: Teaching Business Ethics, Volume 6, Number 4, 2001, p. 411-433

15 Ebd.

16 Ebd.

17 Vgl. Maak/Ulrich, a.a.O., S. 482 f.

Details

Seiten
25
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640887156
Dateigröße
471 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v168964
Institution / Hochschule
Technische Universität Kaiserslautern
Note
1,0
Schlagworte
moralisch ethisch Personalentwicklung Kompetenz Ethik Moral

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