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Die Kriegschuldfrage des zweiten Punischen Krieges

Seminararbeit 2003 16 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Kriegschuldfrage bei Polybios
2.1. Die Kriegsursachen nach Polybios
2.1.1. Der Römerhass bei den Barkiden
2.1.2. Die unrechtmäßige Annexion Sardiniens durch die Römer
2.1.3. Die Schaffung einer karthagischen Machtbasis in Iberien
2.2. Die Kriegsanfänge nach Polybios
2.2.1. Der Ebrovertrag
2.2.2. Die Saguntfrage

3. Die aktuelle Forschungsdiskussion
3.1. Die Forschungsdiskussion um den Ebrovertrag
3.2. Die Forschungsdiskussion um die Saguntfrage

4. Eigene Bewertung

5. Fazit

6. Quellenverzeichnis
Primärliteratur:
Sekundärliteratur:

1. Einleitung

Die Frage der Rechtfertigung eines Krieges hat gerade in diesen Tagen mit dem Krieg in Irak wieder erschreckende Aktualität gewonnen. Diese Frage ist aber kei­neswegs ein modernes Phänomen, denn schon in der Antike hatte die Frage nach den Anfängen, Ursachen und Verantwortlichkeiten eines Krieges einen sehr hohen Stellenwert. So titulierten die Römer jeden ihrer Kriege als einen gerechten Krieg. So war dies auch beim zweiten Punische Krieg der Fall. Dieser Krieg wurde von 218 bis 201 v. Chr. zwischen Karthagern und Römern ausgefochten und gehört wohl zu den bedeutendsten und bekanntesten Kriegen der Antike. Nach Beendigung dieses Krie-ges übernahm Rom, bis auf das afrikanische Kernland der Karthager, deren Gebiete oder verteilte es an Verbündete, wie beispielsweise in unmittelbarer Nachbarschaft der Karthager an die Numider. Damit wurde die Großmacht Karthago von Rom zu einem politisch und wirtschaftlich weitgehend irrelevanten von ihnen abhängigen Staat degradiert. Dieser Krieg war somit ein Meilenstein auf dem Wege Roms zu der wohl einflussreichsten Weltmacht der damaligen Zeit. Allerdings will ich mich in meiner Arbeit wie schon oben angedeutet nicht mit dem Kriegsverlauf selbst be-schäftigen, sondern vielmehr untersuchen, ob dieser Krieg wirklich von den Römern als gerecht bezeichnet werden darf. Ich werde mich also im Folgenden der Frage widmen, wer die Schuld am Ausbruch des zweiten Punischen Kriegs trägt. Die Beantwortung dieser Frage wird dadurch erschwert, dass kein Quellenmaterial von unmittelbaren Zeitzeugen vorhanden ist, ganz zu Schweigen von originalen Vertrags-texten oder karthagischen Quellen. Die Urteilsfindung wird zudem zusätzlich dadurch erschwert, dass spätere antike Autoren wie zum Beispiel Livius Appian, Cato und Polybios mehr oder weniger deutlich für Rom Partei ergriffen, also nicht als objektiv bezeichnet werden können. Angesichts dieser Tatsache will ich mich mit dem meiner Meinung nach noch am ehesten glaubwürdigen antiken Autor Polybios beschäftigen. Daher werde ich zuerst weitgehend unkommentiert die Antwort skizzieren, die Polybios in seinem Hauptwerk ,,Historiai" auf die Kriegschuldfrage gegeben hat. Im Anschluss daran werde ich die aktuelle, sehr mannigfaltige Forschungsmeinung zu diesem Thema darstellen, um dann abschließend am Ende meiner Arbeit eine eigene Bewertung zur Kriegsschuldfrage abzugeben.

2. Die Kriegschuldfrage bei Polybios

Polybios beantwortet die Frage der Schuld am Ausbruch des zweiten Punischen Krieges, indem er zwischen den Anfängen und den tatsächlichen Ursachen des Krieges unterscheidet. Dabei versteht Polybios „unter Anfang die ersten Schritte und Handlungen zur Ausführung des bereits Beschlossenen, unter Ursachen aber etwas was den Beschlüssen und Entscheidungen vorangeht“.[1] Im folgenden will ich nun zuerst darauf eingehen, worin Polybios die Ursachen des Krieges sieht um anschlie­ßend auf die Punkte zu kommen, die nach Meinung Polybios, den Krieg auslösten.

2.1. Die Kriegsursachen nach Polybios

2.1.1. Der Römerhass bei den Barkiden

Nach Polybios muss man als erste Kriegsursache den Römerhass des Hamilkar Barkas betrachten. Dieser Hass war durch die Meinung Hamilkars begründet, dass der erste Punische Krieg nur wegen der Niederlagen im Seekampf verloren gegan­gen wäre, Hamilkar selbst aber im Landkampf auf Sizilien durchaus noch weiter ge­gen die Römer hätte kämpfen können. Deshalb blieb Hamilkar auch im folgenden zum Kampf gegen die Römer entschlossen und nur innere Unruhen hielten ihn davon ab Krieg zu beginnen.[2] Folgt man der Argumentation des Polybios ist der Hass des Hamilkar also durchaus nachvollziehbar, trotzdem verwundert es zunächst, dass Polybios als ersten Ursache gerade den Hass des Hamilkar Barkas, dem Vater Hannibals, anführt. Denn Hamilkar Barkas lebte beim Losschlagen Hannibals schon längst nicht mehr und konnte daher Hannibal in seiner Kriegsentscheidung nicht mehr beeinflussen. Diese Verwunderung weicht jedoch, wenn man weiter im Text ließt, denn wenig später berichtet Polybios, dass die Beeinflussung des Vaters schon zu Lebzeiten Hamilkars stattfand, indem er seinen Sohn schwören ließ: „ Niemals ein Freund der Römer zu werden“.[3] Auf diese Weise übertrug sich der Römerhass vom Vater an den Sohn und im zweiten Punischen Krieg bekam Hannibal nach Polybios die Gelegenheit „den vom Vater ererbten Hass in vollen Maße zu beweisen“.[4]

Eine Hauptursache für den Krieg war also für Polybios der Hass, den Barkiden gegen die Römer hegten.

2.1.2. Die unrechtmäßige Annexion Sardiniens durch die Römer

Als zweite und wichtigste Kriegsursache nennt Polybios die seiner Meinung nach unrechtmäßige Annexion Sardiniens durch die Römer. Bei dieser Annexion hatten die Römer die Notlage Karthagos, die durch einen Söldneraufstand[5] hervorgerufen worden war, ausgenützt. Die Vorwände unter denen die Römer die Karthager zwan­gen Sardinien zu räumen waren zum einen, dass die Karthager sich während des Aufstands an römischen Kaufleuten vergriffen hätten, zum anderen, dass sie die Auf­rüstung der Karthager, die das, während des Söldneraufstandes abgefallene, Sardinien zurück erobern wollten, als Rüstung gegen Rom darstellten. Den ersten Vorwand brandmarkte Polybios ganz klar als solchen, da dieser Vorwurf zum Zeit­punkt der Annexion schon längst gegenstandslos gewesen sei. Den zweiten Vorwurf der Aufrüstung gegen Rom entkräftet Polybios allerdings nur indirekt indem er be­richtet, dass die Karthager sich in ihr Schicksal begaben, weil sie zum damaligen Zeitpunkt nicht im Stande gewesen seien, Krieg gegen die Römer zu führen. Dieses ungerechtfertigte Verhalten der Römer verstärkte natürlich einerseits den Hass des Hamilkars auf die Römer andererseits war aber auch die karthagische Be­völkerung empört über das Fehlverhalten der Römer.[6]

2.1.3. Die Schaffung einer karthagischen Machtbasis in Iberien

Als dritte und letzte Ursache für den Krieg nennt Polybios die Unterwerfung weiter Teile Iberiens durch die Karthager unter Führung der Barkiden. Diese Unterwerfung diente Polybios zu Folge allein dem Zweck, „dort die Hilfsmittel für den Krieg gegen die Römer zu gewinnen“.[7] Dabei wurde die Iberienpolitik der Barkiden dadurch erleichtert, dass sich die Römer zur gleichen Zeit im Kampf mit den Kelten[8] befanden und da sie die Gefahr, die durch die Kelten ausging als dringender einschätzen, als die Gefahr, die durch die Eroberung Iberiens durch die Karthager ausging, be­schränkten die Römer das Ausgreifen der Karthager in Iberien, indem sie mit Hasdrubal einen Vertrag schlossen,[9] auf den ich im folgenden Kapitel genauer eingehen werde.

Polybios vermittelt dem Leser also den Eindruck, dass die Unterwerfung Spaniens durch die Karthager allein der Kriegsvorbereitung diente.

2.2. Die Kriegsanfänge nach Polybios

2.2.1. Der Ebrovertrag

Wie bereits erwähnt wurde auf Initiative der Römer der Ebrovertrag geschlossen. Die einzige Bestimmung des Vertrages war laut Polybios, dass „die Karthager den Ebro nicht in kriegerischer Absicht überschreiten sollten. Dagegen stand vom übrigen Iberien kein Wort“.[10] Diese Vereinbarung klingt nun einfach und eindeutig, dennoch kam es zum Streit zwischen Römern und Karthagern vor allem in der Frage der Rechtsgültigkeit des Vertrages. Der karthagische Rat sah nämlich „die Vereinbarun­gen mit Hasdrubal als entweder gar nicht abgeschlossen oder, wenn dies der Falls sei, als unverbindlich für sie selbst, da sie ohne ihre Einwilligung getroffen seien“.[11] Die Karthager argumentierten also damit, dass der Ebrovertrag wenn überhaupt ein Privatvertrag Hasdrubals gewesen sei, der von Seiten Karthagos aber nie ratifiziert worden sei. Zur Untermauerung ihrer Argumente berufen sie sich auf den Lutatius-Vertrag, der auch von Lutatius als Person vollzogen worden war, aber dann vom römischen Volk abgelehnt wurde.[12] Folgt man dieser Argumentation wäre der Vertrag also nur für die Zeit Hasdrubals gültig gewesen, aber nicht mehr nach seinem Tode.

Die Römer widersprachen jedoch entschieden der karthagischen Argumentation, da es im Ebrovertrag im Gegensatz zum Lutatius-Vertrag keine Klausel gegeben hätte, die eine Ratifizierung des Vertrages durch Karthago verlangt hätte. Damit sei der Vertrag mit Hasdrubal mit unbeschränkter Gültigkeit abgeschlossen worden.[13]

[...]


[1] Polybios III 6, 6

[2] vgl. Polybios III, 9, 6 - 9

[3] Polybios III, 11,7

[4] Polybios III, 12, 4

[5] Zum Söldneraufstand kam es unmittelbar nach dem ersten Punischen Krieg, als sich die Karthager weigerten ihren Soldaten den zugesagten Lohn auszuzahlen. Dieser Aufstand stürzte Karthago in eine schon fast Existenz bedrohende Krise.

[6] vgl. Polybios I 88,8; III 10, 3; III 15, 10; III 28, 1; III 30,4

[7] Polybios III 10, 6

[8] Die Angriffe der Kelten waren wohl durch die Besiedlung des ehemaligen keltischen Gebiets, des ager Galicus durch den plebejischen Konsul Gaius Flaminius begründet.

[9] vgl. Polybios II 13; II 22

[10] Polybios II 13, 7

[11] Polybios III 21, 1

[12] vgl. Polybios III 21, 2

[13] vgl. Polybios III 29, 2

Details

Seiten
16
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638216012
ISBN (Buch)
9783668104761
Dateigröße
394 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v16894
Institution / Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen – Institut für Alte Geschichte
Note
1
Schlagworte
Kriegschuldfrage Punischen Krieges Proseminar Zeitalter Gracchen

Autor

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