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Erläuterung zu Kant: Untersuchung über die Deutlichkeit der Grundsätze der natürlichen Theologie und der Moral

Erste Betrachtung: Allgemeine Vergleichung der Art zur Gewißheit im mathematischen Erkenntnisse zu gelangen mit der im Philosophischen

Seminararbeit 2006 15 Seiten

Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)

Leseprobe

Inhalt

I Einleitung

II Kurze Übersicht

III Darstellung der ersten Betrachtung

IV Darstellung der ersten Betrachtung

V Darstellung der ersten Betrachtung

VI Darstellung der ersten Betrachtung

VII Kritische Würdigung

VIII Anhang

IX Quellenverzeichnis

I Einleitung

Im Juni des Jahres 1761 veröffentlichte die Königliche Akademie der Wissenschaften zu Berlin eine Preisfrage, „ob die metaphysischen Wahrheiten überhaupt, und besonders die ersten Grundsätze der theologiae naturalis, und der Moral, eben der deutlichen Beweise fähig sind, als die geometrischen Wahrheiten (es sind)…“,[i] für dessen Beantwortung den Teilnehmern zwei Jahre Zeit gewährt wurde. Die uns zur Bearbeitung vorliegende Preisschrift, wurde zum spätest möglichen Termin, erst am 31. Dezember 1762, eingereicht und bekam nach der Gewinnerschrift von Mendelssohn den zweiten Preis verliehen. Obwohl Kant selbst bemerkt haben soll, dass die Arbeit weit davon entfernt sei, ein fertiges Produkt zu sein,[ii] reichte es hin die Jury derart zu überzeugen, dass sie veranlassten, obwohl ursprünglich nicht vorgesehen, auch diese Schrift zusammen mit der Arbeit Mendelssohns im Jahre 1764 zu veröffentlichen.

Die Arbeit Kants gliedert sich in eine Einleitung, vier Betrachtungen und eine Nachschrift, wobei ich mich lediglich mit der ersten Betrachtung befassen werde. Für die allgemeine Orientierung, will ich zuerst die gesamte Arbeit kurz skizzieren, wonach ich versuchen werde die Argumentation Kants anschaulich wiederzugeben, um zum Schluss meiner Arbeit diese kritisch zu reflektieren.

II Kurze Übersicht

Die Fragestellung läuft daraufhin aus, dass man vergleichend erörtere, ob die Metaphysik zu „deutlichen Beweisen“, also somit zu sicheren Erkenntnissen fähig sei. Zu so sicheren Erkenntnissen nämlich, „als die geometrischen“, also die mathematischen es sind. Und wenn dem so ist, wie sind diese beschaffen und welches sind die Methoden diese zu erlangen?

Gleich in der Einleitung stellt Kant fest, dass, wenn „die Aufgabe gehörig aufgelöset wird, die höhere Philosophie eine bestimmte Gestalt bekommen muß“[iii]. Gelingt es zudem auch die Methode fest zu bestimmen, so führe das zu einer Revolution in dieser Wissenschaft, ähnlich der, die nach der Einführung der Methode Newtons in den Naturwissenschaften stattgefunden hat, wonach „anstatt des ewigen Unbestands der Meinungen und Schulsecten eine unwandelbare Vorschrift der Lehrart die denkenden Köpfe zu einerlei Bemühungen vereinbaren“[iv] würde. Um dieses zu erreichen, will er nicht versuchen die Metaphysik durch die Metaphysik zu erklären, da es zu nichts führt und hernach „alles verloren“ ist, sondern er will seinen Anfang von einfachen Erfahrungssätzen nehmen und „die daraus gezogene unmittelbare Folgerungen den ganzen Inhalt (seiner) Abhandlung sein lassen“.[v]

Nun führt Kant zur Beantwortung dieser Frage vier Betrachtungen an, wobei zuerst die „Art zur Gewissheit im mathematischen Erkenntnisse zu gelangen mit der im philosophischen“ allgemein verglichen wird. Hernach geht Kant in der zweiten Betrachtung auf die Methode der Erkenntnisgewinnung in der Metaphysik ein. Laut Überschrift sei dies „die einzige Methode zur höchstmöglichen Gewissheit in der Metaphysik“ zu kommen. Welcher Art die Natur der metaphysischen Erkenntnis sei, wird in der dritten Betrachtung dargelegt. Stets im Vergleich mit der Natur der mathematischen Erkenntnisse. Schlussendlich wird die „Deutlichkeit und Gewissheit, deren die erste Gründe der natürlichen Gottesgelahrtheit und Moral fähig sind“ besprochen, wobei Kant keine eindeutig bejahende oder verneinende Antwort gibt, sondern eher eine kritisch distanzierte. Denn, indem er sagt, dass „in Ansehung dessen der Mangel der praktischen Weltweisheit[vi] noch größer als der speculativen ist“[vii], könne durchaus „die metaphysische Erkenntniß von Gott sehr gewiß sein“[viii], aber bemerkenswerter Weise wird gleich im zweiten Paragraphen der vierten Betrachtung schon in der Überschrift behauptet, dass „die ersten Gründe der Moral nach ihrer gegenwärtigen Beschaffenheit noch nicht aller erforderlichen Evidenz fähig“[ix] seien.

III Darstellung der ersten Betrachtung. §1.

Eine Erkenntnis von etwas haben, heißt einen Begriff von etwas haben. Ist mein Begriff von diesem etwas jedoch schwach bestimmt, so ist dementsprechend auch meine Erkenntnis davon schwach und mithin nicht „sicher“. Einen Begriff bestimmen heißt ihn definieren. So fängt auch Kant seine Betrachtungen an, indem er gleich zu Anfang aufzeigt, auf welche Weise man zu Definitionen gelange:

„Die Mathematik gelangt zu all ihren Definitionen synthetisch, die Philosophie aber analytisch.“[x]

Was nun aber heißt es zu den Definitionen „synthetisch“, oder eben „analytisch“ zu gelangen? Kant geht nicht dahin diese Begriffe näher zu erläutern, sondern berührt sie in nur einem Satz, wo er kurz anführt, dass man auf allgemeine Begriffe entweder auf dem Wege der „willkürlichen Verbindung der Begriffe“[xi] komme, welches dann die synthetische Methode wäre, oder aber auf dem analytischen Wege der Zergliederung der Begriffe in seine Bestandteile und die anschließende „Absonderung“[xii] von diesem Erkenntnis. Da diese Arbeit ja ursprünglich eine Preisschrift war und nur dem kritischen Urteil der Fachleute standhalten musste, ist es verständlich, dass Kant nicht gerade die größte Mühe in die „Sorgfalt, Abgemessenheit und Zierlichkeit“[xiii] seiner Ausführungen legte, zumal er unter Zeitdruck stand, wofür er sich in der Nachschrift ja durchaus auch entschuldigt. Unsere Zwecke erfordern jedoch, dass man diese Begriffe näher erläutere, zumal ihr Verständnis von großer Bedeutung für die weiteren Ausführungen ist.

Kurz gesagt ist die synthetische Methode die Methode der Verbindung. Hierbei gelangen wir zu einem allgemeinen Begriff, indem wir zwei voneinander verschiedene einzelne Begriffe miteinander derart verknüpfen, dass sie nun zusammen einen neuen Begriff bilden. Kant führt zwei Beispiele zur Erläuterung der synthetischen Begriffsbestimmung an, wobei wir uns den ersten anschauen wollen:

„Man gedenkt sich z.E. willkürlich vier gerade Linien, die eine Ebene einschließen, so dass die entgegenstehende Seiten nicht parallel sind, und nennt diese Figur ein Trapezium. Der Begriff, den ich erkläre, ist nicht vor der Definition gegeben, sondern er entspringt allererst durch dieselbe.“[xiv]

Mit der Synthese kommt man also auf komplexe, mithin allgemeine Begriffe, indem man zwei einfache zusammenführt. Wie in diesem Beispiel der Begriff der geraden Linien zu dem der Nicht- Parallelität hinzugefügt wurde, um somit das Trapez zu erhalten, welches ja ersichtlich beide Begriffe umfasst. Man hat also nicht eher den Begriff des Trapezes, als man ihn durch Zusammenführung der anderen Begriffe bildet, welche man nun, wenn man gefordert ist das Trapez zu definieren, einfach anzeigen muss, um den Begriff hinreichend bestimmt zu haben. Derart also seien die mathematischen Definitionen.

Die Philosophie aber gelangt zu ihren Definitionen analytisch. Das will sagen, dass „hier der Begriff von einem Dinge schon gegeben, aber verworren und nicht genugsam bestimmt“[xv] ist. Des Philosophen Aufgabe ist nun diese Verwirrung aufzulösen, indem er den gegebenen Begriff in seine Bestandteile zerlegt, um später die „abgesonderten Merkmale zusammen mit dem gegebenen Begriffe in allerlei Fällen (zu) vergleichen und diesen abstracten Gedanken ausführlich und bestimmt zu machen“[xvi]. Einen Begriff analysieren heißt also kurz gesagt, ihn in seine Merkmale zerlegen und diese anschließend miteinander vergleichen. An dem Beispiel des Begriffs der Zeit führt Kant nun vor, wie man analytisch korrekt vorzugehen habe, um auf eine klare Definition zu kommen; das Ergebnis jedoch wird einbehalten.

Dem Einwand, dass auch Philosophen zuweilen synthetisch erklären, wenn sie z.B. „eine Substanz mit dem Vermögen der Vernunft sich willkürlicher Weise gedenk(en) und sie einen Geist nenn(en)“[xvii] und dass mithin auch die Mathematiker durchaus analytisch operieren, wie z.B. Wolff, der versucht war den Begriff der Ähnlichkeit mathematisch zu erklären, wird begegnet, dass erstens solche Definitionen niemals philosophische sein können, sondern wenn schon, dann seien es nur „grammatische“[xviii]. Was zweitens das analytische Vorgehen der Mathematik anbelangt, wird zwar zugestanden, dass dieses möglich sei, aber es sei „auch jederzeit ein Fehler gewesen“[xix]. Denn es könne zwar „als die Definition der Ähnlichkeit der Figuren angesehen werden“[xx], aber der allgemeinen Definition der Ähnlichkeit, woran es dem Philosophen ja gelegen ist, trage es mit nichts bei.

Letztlich sei es die Aufgabe der Philosophie, verworrene Begriffe zu zergliedern und zu bestimmen, wonach erst die Mathematik schauen könne, was aus diesen gegebenen Begriffen gefolgert werden kann.

[...]


[i] Kühn, Manfred, Kant. Eine Biographie, S. 165

[ii] Ebd., S. 165/ 166

[iii] Immanuel Kant, Vorkritische Schriften bis 1768, Band II, S. 743

[iv] Ebd., S. 743

[v] Ebd., S. 743

[vi] Mit „Weltweisheit“ ist die Philosophie gemeint.

[vii] Ebd., S. 773

[viii] Ebd., S. 769

[ix] Ebd., S. 770

[x] Ebd., S. 744

[xi] Ebd., S. 769

[xii] Ebd., S. 744

[xiii] Ebd., S. 773

[xiv] Ebd., S. 744

[xv] Ebd., S. 744

[xvi] Ebd., S. 744

[xvii] Ebd., S. 745

[xviii] Ebd., S. 745

[xix] Ebd., S. 745

[xx] Ebd., S. 745

Details

Seiten
15
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640869237
ISBN (Buch)
9783640869527
Dateigröße
466 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v168860
Institution / Hochschule
Technische Universität Berlin – Institut für Philosophie, Wissenschaftstheorie, Wissenschafts- und Technikgeschichte
Note
1,0
Schlagworte
Kant Logik Sprache Ethik Moral theologie Philosophie

Autor

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Titel: Erläuterung zu Kant: Untersuchung über die Deutlichkeit der Grundsätze der natürlichen Theologie und der Moral