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Alkoholismus bei Frauen

Ursachen und Folgen. Einige Untersuchungsergebnisse von geschlechtsspezifischem Trinkverhalten

Hausarbeit 2009 13 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Frauenalkoholismus allgemein

2. Untersuchungsergebnisse von sozio-demografischen Merkmalen und geschlechtsspezifischen Trinkverhalten bei Frauen

3. Einige Untersuchungsergebnisse und mögliche Ursachen für den Frauenalkoholismus
3.1. Untersuchungsergebnisse und mögliche Ursachen des Frauenal-koholismus
3.2. Polytoxikomanie

4. Geschlechtsspezifische Trinknormen und Trinkverhalten bei Frauen und Männern

5. Der Interrollenkonflikt als auslösender Faktor für Alkoholismus bei Frauen

Literaturverzeichnis

1. Frauenalkoholismus allgemein

Im Vergleich zum Alkoholismus und Alkoholkonsum von Männern unterliegt Frauenalkoholismus einigen Besonderheiten. Wenn es um Ursachen und Gründe für Alkoholabhängigkeit bei Frauen geht, wird es schnell deutlich, dass die Motivation von trinkenden Frauen tief in ihren gesellschaftlichen Lebensverhältnissen liegt, die wiederum durch patriarchale Bedingungen geprägt sind.

Im Gegensatz zu Männern wird der starke Alkoholkonsum von Frauen stark unter die Lupe genommen und gesellschaftlich bewertet. Obwohl Alkohol die Droge Nr. Eins in Deutschland ist und der Konsum als gesellschaftlich funktional und erwünscht gilt, wird eine scharfe Trennlinie gezogen, wenn es sich um Frauen handelt, die Alkohol missbräuchlich konsumieren. An dieser Stelle hören die Toleranz und das Verständnis des sozialen Umfeldes auf. In unserer Gesellschaft sind die Trinkformen für Männer und Frauen immer noch unterschiedlich. Mäßiger Alkoholkonsum wird bei Frauen toleriert und akzeptiert. Es gelten jedoch bestimmte Verhaltensregeln bezüglich der Beweggründe, Häufigkeit, Ort und Menge. Frauen werden nicht so viele Gründe zum Trinken zugestanden wie Männern. Die stark trinkende Frau wird schnell auffällig und als „unweiblich“ bezeichnet. Die moralische Verurteilung erfolgt fast automatisch. Verhalten, das bei Männern toleriert wird, können Frauen sich nicht erlauben. Die Alkoholabhängigkeit stellt bei ihnen eine Abweichung vom „normalen“ Verhalten dar.

In unserer Gesellschaft leben Frauen oft in vielfältiger Abhängigkeit. Es lässt sich beobachten, dass Frauen besonders abhängig von ökonomischen und patriarchalen Strukturen sind. Im Zusammenhang mit der Teilhabe an Erwerbsarbeit oder Macht ist die Situation, die Frauen in unserer Gesellschaft vorfinden, an das männliche Geschlecht gebunden. Nach wie vor sind Frauen meist ökonomisch abhängig und auf die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung bezogen, d.h. die zentrale „Arbeitsstelle“ der Frauen ist immer noch die Familien- und Hausarbeit. In Anbetracht dieser Tatsachen, scheint eine selbstbestimmte, ökonomisch gesicherte Lebensführung bei den meisten Frauen sehr erschwert bzw. nicht möglich zu sein. Wenn eine Alkoholabhängigkeit dazu kommt, erfahren sie eine doppelte Abhängigkeit. Der Kreis schließt sich dadurch und die betroffenen Frauen werden weiter in die Sucht gedrängt (vgl.: Bernhardt-Wolf, 2000, S. 79-80).

In meiner Arbeit stelle ich zuerst ausgewählte Untersuchungen und deren Ergebnisse von sozio-demografischen Merkmalen und geschlechtsspezifischem Trinkverhalten bei Frauen und Männern dar. Im weiteren Teil werde ich möglichst ausführlich einige Forschungsergebnisse beschreiben und dabei auf mögliche Ursachen für den Frauenalkoholismus eingehen. Weiterhin werde ich mich mit dem Phänomen Polytoxikomanie auseinandersetzen und beschreibe seine Muster. Zum Schluss werde ich mich mit dem auslösenden Faktor für Alkoholismus bei Frauen befassen, der häufig der Interrollenkonflikt genannt wird und der meiner Meinung nach, kritisch zu betrachten ist.

2. Untersuchungsergebnisse von sozio-demografischen Merkmalen und geschlechtsspezifischem Trinkverhalten bei Frauen

Untersuchungen die sich mit Frauenalkoholismus befassen, können in zwei Kategorien eingeteilt werden. Die erste Kategorie befasst sich mit der Frage, ob es Unterschiede im Trinkverhalten gibt. Darüber hinaus geht es hier um soziodemografische Unterscheidungsmerkmale. Die andere Kategorie von Untersuchungen beschäftigt sich mit der Analyse und Beschreibung von Persönlichkeitsmerkmalen, Konfliktbereichen und Verhaltensmustern bei alkoholabhängigen Frauen.

In diesem Kapitel stelle ich einige verschiedene Untersuchungen und deren Ergebnisse dar, die auf geschlechtsspezifische Unterschiede beim Trinkverhalten von Frauen zurückzuführen sind und sich mit sozio-demografischen Merkmalen befassen. Die Ergebnisse sind widersprüchlich und es lässt sich keine überwiegende Tendenz feststellen, wenn es um das typische Trinkverhalten bei Frauen geht.

- Alkoholikerinnen trinken eher zu Hause als an öffentlichen Orten (Auerbach, 1983)
- Alkoholikerinnen trinken eher alleine und bevorzugen Spirituosen (Mantek, 1979, Auerbach, 1983)
- Alkoholikerinnen trinken eher heimlich (Feuerlein, 1979, Finke, 1981)
- Die Herkunftsfamilien von Alkoholikerinnen sind überproportional solche, die Alko- holismus kennen. Bei Frauen ist diese Tendenz noch deutlicher als bei Männern (Reuband, 1983)
- Alkoholikerinnen weisen ein Persönlichkeitsbild auf, das stärker vom Normalprofil abweicht als das von männlichen Alkoholikern (Feuerlein,1998, Wanke, 1981)
- Polytoxikomanie ist bei Frauen signifikant häufiger als bei Männern zu beobachten (Feuerlein, 1998, Finke, 1981)
- Männliche Alkoholiker kommen signifikant häufiger aus unteren Schichten (Auer- bach, 1983), Alkoholikerinnen sind dagegen in höheren Schichten präsent und ha- ben eine geringere soziale Abstiegstendenz (Auerbach, 1983, Mantek, 1979)
- Die soziale Schicht scheint für den hohen Alkoholkonsum bedeutsam zu sein. Je höher die soziale Schicht, desto häufiger sind es Frauen, die den Gebrauch von Alkohol machen (Mantek, 1979)
- Die Entwicklung von Alkoholabhängigkeit scheint bei Frauen schneller zu verlaufen als bei Männern (Auerbach, 1983). Feuerlein (1979) berichtet von einem durch- chnittlichen Zeitraum des Alkoholkonsums von drei Jahren bei Frauen und 13,9 Jahren bei Männern
- Der Alkoholismus tritt bei Frauen im Durschnitt später auf als bei Männern (Auer- bach, 1983)
- Die Partnerbeziehungen werden häufig als ungünstig bezeichnet, darüber hinaus wird die Sexualität als unbefriedigend erlebt (Mantek, 1979)
- Die Hälfte der Alkoholikerinnen ist alleinstehend. Der Anteil an geschiedenen Frau- en ist dabei signifikant hoch (Auerbach, 1983, Wanke, 1981)
- Sorgen um Partnerschaft und Kinder werden von Frauen als belastend empfunden und werden oft als Ursache für das Trinkverhalten angegeben (Auerbach, 1983, Wanke, 1981, Mantek, 1979)
- Alkoholabhängige Frauen leben signifikant häufiger mit einem alkoholabhängigen Partner zusammen (Vogt, 1981)
- Bei Alkoholikerinnen lässt sich in der Kindheit oft die Kombination von Prostitution, Abhängigkeit und sexuellem Missbrauch feststellen (Ebbecke-Nohlen, 1996)
- Einige Ergebnisse deuten darauf hin, dass alkoholabhängige Frauen öfter einen alkoholabhängigen Vater haben, häufiger nicht bei beiden Elternteilen aufwachsen, die erlebte Familienatmosphäre negativer beurteilen und insbesondere den mütter- ichen Erziehungsstill als autoritärer und zurückweisend beschreiben (Scheller, Bal- kenhol, 1985)

3.Einige Untersuchungsergebnisse und mögliche Ursachen für den Frauenalkoholismus

3.1. Untersuchungsergebnisse und mögliche Ursachen des Frauenalkoholismus

Im Folgenden werde ich auf einige Untersuchungsergebnisse eingehen und daraus mögliche Ursachen für den Frauenalkoholismus ableiten.

Frauen trinken heimlich. Der Grund dafür ist sicherlich der, dass exzessives Trinken bei Frauen weniger toleriert bzw. stärker tabuisiert wird als bei Männern. In Bezug auf das Trinkverhalten unterliegen Frauen einer repressiveren Rollenerwartung als Männer. Deshalb sind die Verheimlichungsstrategien intensiver. Viele Frauen sind nicht berufstätig, daher ist es nachvollziehbar, dass Frauen eher im häuslichen Bereich trinken. Der Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit z.B. in Kneipen oder Gasstätten ist nur in Begleitung von Männern toleriert.

Die Untersuchungsergebnisse zeigen, dass bei Alkoholikerinnen meist bereits in der Herkunftsfamilie hoher Alkoholkonsum bei einem Elternteil zu beobachten war. Die Ursache dafür liegt vielleicht daran, dass Frauen in ihrer Sozialisation stärker zu Hause angebunden sind und dadurch stärker den familiären Verhaltensmustern unterliegen. Reuband (1983) meint, „möglich ist auch, dass bei Frauen die Bereitschaft, abweichenden Umgang mit Alkohol zu entwickeln, erst dann zur Geltung kommen kann, wenn das Ausmaß an sozialer Stützung für diese Form der Abweichung groß ist, man sich innerhalb der engeren Umwelt also konform verhält“ (ebenda, S. 17).

Hinzu kommt noch, dass „Frauen in ihrem Verhaltensrepertoire eingeengter sind, dass ihnen ein geringeres Spektrum an Handlungsmustern zur Verfügung steht und dass sie dadurch viel eher gezwungen sind, von familiären Verhaltensbildern zu lernen“ (Bernhardt-Wolf, 2000, S. 61).

Wenn es um die Häufigkeit depressiver Verstimmungszustände bei alkoholabhängigen Frauen geht, kann man vermuten, dass die Ärzte, deren Einstellung zum Ausdruck kommen konnte, eher geneigt sein könnten, entsprechende Diagnosen zu stellen. Auerbach (1983) meint, dass es sich hier „um eine Gruppe jüngerer möglicherweise häufiger nicht berufstätiger Frauen handelt, die durch ihre sozial vereinsamte Situation, fixiert auf die Rolle als Ehefrau und Mutter über anfängliches Entlastungstrinken schnell in die Phase süchtigen Trinkens geraten. Ausgeprägte Depressivität und hohe Suizidraten weisen darauf hin, wie sehr sie zum Zeitpunkt der stationären Aufnahme unter dem Eindruck der den Mißbrauch auslösenden Situation standen. (…) Hieraus ergeben sich Anhaltspunkte für eine eng an die gesellschaftliche Rolle der Frau geknüpfte und damit möglicherweise geschlechtsspezifische Entwicklungsform der Alkoholabhängigkeit“ (ebenda, S. 33).

Scheller und Balkenhol berichten, dass alkoholabhängige Frauen sich häufiger an eine Alkoholabhängigkeit ihrer Väter erinnern, als Frauen die nicht alkoholabhängig waren. Die Auskünfte könnten in Zweifel gezogen werden. „So könnten alkoholabhängige Töchter in ihren Vätern möglicherweise deshalb vorschnell Alkoholiker sehen, um ihr eigenes Versagen zu rechtfertigen (Scheller, Balkenhol, 1985, S. 15)“. Alkoholikerinnen gaben signifikant öfter an, nicht bei beiden Eltern aufgewachsen zu sein. Hier könnte die längerfristige Entbehrung eines Elternteils eine gewisse Relevanz haben, wenn es um die Alkoholabhängigkeit der Tochter geht. Scheller berichtet, dass 30% der alkoholabhängigen Frauen ihre Kindheit und Jugend nicht bei beiden Elternteilen verbracht haben. Von diesen Frauen waren zwei Drittel bei einem Elternteil aufgewachsen, das verbleibende Drittel bei den Großeltern. Dieser Befund steht in Widerspruch zu der Auffassung, dass weibliche Alkoholabhängige häufig in Heimen oder von Pflegeeltern erzogen würden (vgl.: ebenda, S.16).

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Details

Seiten
13
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640865819
ISBN (Buch)
9783640866250
Dateigröße
420 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v168747
Institution / Hochschule
Hochschule RheinMain – Sozialwesen
Note
2,0
Schlagworte
alkoholismus frauen ursachen folgen einige untersuchungsergebnisse trinkverhalten

Autor

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Titel: Alkoholismus bei Frauen