Lade Inhalt...

Lässt sich der Konflikt in Bosnien-Herzegowina durch Hartmut Essers Theorie der Mobilisierung ethnischer Konflikte erklären?

Hausarbeit 2009 23 Seiten

Medien / Kommunikation - Interkulturelle Kommunikation

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

EINLEITUNG

A. HARTMUT ESSERS THEORIE DER MOBILISIERUNG ETHNISCHER KONFLIKTE
1 ETHNIZITÄT UND MERKMALE ETHNISCHER GRUPPEN
1.1 Abgrenzende Merkmale ethnischer Gruppen
1.2 Spezifisches Kapital als Ressource ethnischer Gruppen
2 DIE STRUKTUR ETHNISCHER KONFLIKTE
2.1 Struktureller Hintergrund eines Konflikts
2.1.1 Primäre Zwischengüter
2.1.2 Die Positionsgüter Herrschaft und Definitionsmacht
2.2 Mobilisierung eines Konflikts
2.2.1 Bedingungen der Mobilisierung
2.2.2 Framing: Die ethnische Definition der Situation
2.3 Verbreitung, Pfadabhängigkeit und Beendigung eines Konflikts

B. DER KONFLIKT IN BOSNIEN-HERZEGOWINA
1 JUGOSLAWIEN VON 1918 BIS ZUM ZERFALL
1.1 Kommunistisches Jugoslawien
1.2 Nationalistische Bewegungen
1.3 Unabhängigkeitsbestrebungen
2 BOSNIEN-HERZEGOWINA
2.1 Geschichte
2.2 Bevölkerungsgruppen in Bosnien-Herzegowina
2.2.1 Konfession
2.2.2 Sprache
2. 3 Der Konflikt
2.3.1 Strukturelle Probleme
2.3.2 Gebietsansprüche
2.3.3 Politische Parteien und Nationalismus
2.3.4 Desintegration Bosnien-Herzegowinas und Ausbruch des Krieges

C. LÄSST SICH DER KONFLIKT IN BOSNIEN-HERZEGOWINA DURCH ESSERS THEORIE ERKLÄREN?
1 ETHNISCHE GRUPPEN IN BOSNIEN-HERZEGOWINA
1.1 Merkmale der Abgrenzung
1.2 Ethnische Ressourcen der Gruppen
2 STRUKTURELLER HINTERGRUND DES KONFLIKTES
3 ETHNIE VERSUS NATION: ETHNISCHES FRAMING EINES NATIONAL-STAATLICHEN KONFLIKTES

D. ZUSAMMENFASSUNG UND FAZIT

BIBLIOGRAPHIE

Einleitung

Lässt sich der Konflikt in Bosnien-Herzegowina der 1990er Jahre durch Hartmut Essers The­orie der Mobilisierung ethnischer Konflikte erklären? Dies ist die Frage, die in der vorliegen­den Arbeit beantwortet werden soll.

Dazu sollen in einem ersten Teil der Arbeit die Theorie Essers erklärt und die wichtigsten Punkte herausgehoben werden. Dabei wird erläutert, was Ethnizität bedeutet, bzw. durch welche Merkmale sich ethnische Gruppen voneinander abgrenzen lassen. Neben Tradition und Askription sind laut Esser vor allem die ethnischen Ressourcen in Form von spezifi­schem Kapital von Bedeutung. Danach soll thematisiert werden, welche Struktur ethnische Konflikte aufweisen und wie insbesondere das Mobilisierungsproblem überwunden werden kann.

Im zweiten Teil der Arbeit wird der Konflikt in Bosnien-Herzegowina beschrieben. Zu Be­ginn soll die Auseinandersetzung zwischen den Bevölkerungsgruppen in den historischen Kontext Jugoslawiens und Bosnien-Herzegowinas eingeordnet werden, um danach den Kon­flikt und seine Hintergründe zu beschreiben. Im Mittelpunkt steht dabei einerseits die Be­schreibung der Gruppen, die sich vor allem nach konfessionellen Merkmalen unterscheiden, und andererseits die nationalistischen Bewegungen und die damit verbundenen territorialen Ansprüche, die nach dem Zerfall Jugoslawiens gestellt wurden.

In einem letzten Teil sollen die ersten beiden Teile miteinander verbunden werden, um her­auszuarbeiten, ob sich der Konflikt in Bosnien-Herzegowina anhand Essers Theorie ethni­scher Konflikte zumindest ansatzweise erklären lässt. Es wird noch einmal darauf eingegan­gen, inwiefern man von ethnischen Gruppen sprechen kann und welche Rolle das ethnische Framing bei der Mobilisierung des Konfliktes gespielt hat.

Eine Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse und ein Gesamtfazit sollen die vorlie­gende Arbeit abrunden.

Als Quelle werden drei Texte von Esser (vgl. Bibliographie) verwendet. Ein weiterer Text wurde gelesen (Esser 1996b), da sich dieser aber praktisch mit den anderen Ausarbeitungen Essers deckt, wurde darauf verzichtet, diesen zu zitieren. Als Grundlage für den zweiten Teil diente insbesondere das Buch von Calic (1995), andere Quellen wurden ergänzend dazu ge­nommen.

A. Hartmut Essers Theorie der Mobilisierung ethnischer Konflikte

Laut Esser (1996a: 65) sind ethnische Konflikte „Konflikte[1] zwischen Gruppen, die sich ge­genseitig nach >ethnischen< Merkmalen abgrenzenSeine Grundhypothese lautet, dass eth­nische Konflikte ein Spezialfall von sozialen Bewegungen sind, wobei die Besonderheit dar­in besteht, dass „die Vorgänge hier unter einer >ethnischen< Rahmung stattfinden“ (Esser 1999: 246).

Esser wendet eine Rational-Choice Erklärung an, um die Entstehung und den Ablauf von ethnischen Konflikten zu erklären. Dabei können laut Esser vier Konstellationen und Kon­fliktfelder untersucht werden, die in einem späteren Kapitel genauer dargestellt werden sol­len: Der strukturelle Hintergrund des Konflikts, Problem der Mobilisierung, ethnisches Fra­ming und die situationslogische Eigendynamik (ebd.: 246):

“Es werden also nicht grundlegend neue empirische Phänomene beachtet, jedoch versucht, den Vorgängen eine explizit erklärende Grundlage zu geben und dadurch die >Situations- logik< des Geschehens mit der nötigen Logik zu versehen [...]. “(ebd.: 246, Hervorhebung im Original)

Es geht Esser also nicht darum, ethnische Konflikte zu beschreiben, sondern zu erklären, wie sie entstehen.

1 Ethnizität und Merkmale ethnischer Gruppen

Laut Esser (1996a: 65, 1997: 876f) dient das Merkmal der Ethnizität vor allem der Abgren­zung von Gruppen und der Klassifikation von Trägern eines bestimmten Merkmals in Typen von Akteuren. Eine ethnische Gruppe beruft sich dabei auf eine gemeinsame Abstammung, die Unterschiede zu anderen Gruppen werden herausgehoben und die eigene Einmaligkeit und Eigenwertigkeit wird betont (Esser 1996a: 65, 1997: 876f.). Dabei gibt es aber „kein spezifisches Merkmal, das fest mit der Bildung von ethnischen Gruppierungen verbunden wäre“ (ebd.: 66) Als abgrenzende Merkmale können beliebige äußere Eigenschaften wie zum Beispiel Rasse, Hautfarbe, Religion, Sprache oder ein gemeinsames Territorium dienen (Esser 1996a: 65,1997: 877). Allerdings weisen ethnische Gruppen meist drei typische Merkmale auf, die ihnen zur Grenzziehung dienen: Tradition, Askription und ethnische Res­sourcen in Form von spezifischem Kapital (1997: 878).

1.1 Abgrenzende Merkmale ethnischer Gruppen

Traditionen sind kulturelle und gedankliche Modelle wie Wissen, Werte, Emotionen und Handlungsprogramme und sind mit bestimmten Markierungen und Symbolen verbunden (Esser 1996a: 66). Auch der bereits vorher erwähnte subjektive Glaube an eine gemeinsame Abstammung gehört zu den Traditionen einer ethnischen Gruppe (ebd.: 65).

Die Askription (Zuschreibung) dient zur Klassifikation von Personen und bedeutet, dass die Zugehörigkeit zu einer Gruppe - und damit verbundene Merkmale wie Sprache, Habitus oder Religion - weder abgelegt, noch durch individuelle Anstrengung erworben werden kann (1996a: 65, 1997: 878).

Ein drittes Merkmal von ethnischen Gruppen sind ethnische Ressourcen in Form von spezi­fischem Kapital. Diese sind laut Esser (1996a: 66, Hervorhebung im Original) deshalb sozio­logisch von Bedeutung, weil sie einerseits „für die Akteure im Alltag essentiell wichtig sind, gleichzeitig aber auch die Grenzziehung über den bloßen Glauben an die Gemeinsamkeit hinaus objektivieren.“

1.2 Spezifisches Kapital als Ressource ethnischer Gruppen

Esser geht davon aus, dass die meisten ethnischen Gruppen vorwiegend über spezifisches Kapital verfügen und generalisiertes Kapital nur einen kleinen Teil der ethnischen Ressour­cen ausmacht (1997: 877).

Generalisiertes Kapital hat einen universellen Wert und wird auch außerhalb der Gruppe nachgefragt. Dazu zählen zum Beispiel (Bürger-)Rechte, ökonomisches Kapital wie Geld, Vermögen oder materielle Güter und Humankapital in Form von Bildungsabschlüssen und Prestigemerkmalen (Esser 1996a: 69, 1997: 877). Diese Art von Kapital ist in allen sozialen Bereichen gefragt und wird überall verwendet (Esser 1996a: 69).

Im Gegensatz dazu ist spezifisches Kapital außerhalb der Gruppe entweder nichts wert oder zumindest nicht ohne weiteres nutzbar. Es sind „Ressourcen, deren Brauchbarkeit zwingend an die Existenz dieser Gruppe gebunden ist“ (Esser 1997: 877, Hervorhebung im Original). Spezifisches Kapital kann in Form von moralischem, kulturellem, sozialem oder politischem Kapital vorhanden sein und ist die wichtigste Grundlage für die Lösung der Alltagsprobleme von Akteuren in einer ethnischen Gruppe. Es dient zur ethnischen Definition der Gruppe, wobei nicht immer alle Kapitalsorten vorhanden sein müssen. (ebd.: 68)

- Das kulturelle Kapital beinhaltet Formen der alltäglichen Lebensgestaltung der Gruppe wie Sprache, Habitus, Alltagswissen und Relevanzsysteme für typische Problembereiche (1996a: 67, 1997: 877). Dabei handelt es sich überwiegend um askriptive Merkmale, denn sie sind nicht ohne weiteres neu erlernbar oder ablegbar. Sie dienen außerdem zur Klassifikation von Akteuren, denn „sie sind als Merkmale der Person gut identifizierbar und erlauben eine leichte und zweifelsfreie Typisierung der Akteure“ (1996a: 67).
- Das moralische Kapital resultiert größtenteils aus der ethnischen Grenzziehung und be­steht „in der Verteilung wertender und solidarischer Gefühle “ (1996a: 66). Im Sinne einer moralischen Gemeinschaft beinhaltet es nach innen moralische Verpflichtungen, sowie Ver­trauen und Hochwertung der eigenen Gruppe und eine abwertende Distanz und Misstrauen nach außen. Diese moralischen Gefühle müssen im Alltag immer wieder neu produziert wer­den. (ebd.: 66)

Laut Esser (1996a: 67) grenzt sowohl das kulturelle, als auch das moralische Kapital eine ethnische Gruppe nach außen ab. Das moralische Kapital stellt dabei die subjektiven, das kulturelle Kapital die objektiven Grenzen der jeweiligen Gruppe dar.

- Die Mobilisierbarkeit sozialer Beziehungen stellt das soziale Kapital einer ethnischen Gruppe dar (1997: 877) und hat einen besonderen Wert, da es in ein ganzes Netzwerk sozia­ler Beziehungen eingebettet ist (1996a: 67). Die Grundlage dieses Netzwerkes bilden die familiären und verwandtschaftlichen Beziehungen innerhalb von ethnischen Gemeinschaften dar. Im Zusammenhang mit ethnischen Konflikten ist das soziale Kapital deshalb von Bedeu­tung, weil es Vertrauen in die Verlässlichkeit von anderen Akteuren schafft und somit auch riskante kollektive Handlungen durchgeführt werden können. (ebd.: 67)
- Eine letzte ethnische Ressource ist politische Kapital, das Produkt einer Gruppenspezifi­schen Organisation ist (1997: 877). Es stellt die spezielle Basis der Organisation einer Grup­pe dar und kann zum Beispiel die Form von Interessenverbänden oder politischen Parteien annehmen. Das politische Kapital dient einer Gruppe als Basis für die Mobilisierung einer sozialen Bewegung. (1996a: 68)

2 Die Struktur ethnischer Konflikte

Esser (1997: 876) sieht ethnische Konflikte als Spezialfall von sozialen Bewegungen, die ein starkes gemeinsames Schicksal erzeugen. Der Ausgangspunkt aller ethnischen Konflikte ist „der Wettlauf um die Definitionsmacht für den Wert eines spezifischen Kapitals, insbesonde­re den des jeweiligen kulturellen Kapitals“ (96a: 70f). Es handelt sich dabei stets um einen Nullsummenkonflikt, da das, was die eine Gruppe gewinnt, immer zu Lasten der anderen Gruppe geht. Die Hoffnung auf eine friedliche Lösung besteht dann nicht mehr, weil „jede Gruppe [...] in dieser Situation versuchen [muss], die Oberhand zu gewinnen, weil sie an­sonsten um ihr Leben fürchten muss“ (96a: 73).

Es können vier typische Stadien eines ethnischen Konfliktes beschrieben werden: (1) Der strukturelle Hintergrund, (2) das Problem der Mobilisierung und das ethnische Framing einer Situation, (3) die Verbreitung und die Pfadabhängigkeit eines Konflikts und (4) die Beendi­gung der Auseinandersetzung. Nicht jede soziale Bewegung durchläuft alle diese Stadien, meist scheitert es schon an der Mobilisierung und auch danach kann ein Konflikt zu jedem Zeitpunkt abgebrochen werden. (1997: 879)

Esser (1997: 881) erklärt, dass ethnische Gruppen Eigenschaften aufweisen, „die an ver­schiedenen Stellen dieses Vorgangs besonders ’günstige’ Bedingungen für die Überwindung des jeweiligen Problems bilden“ (ebd.: 881). Welche diese Bedingungen sind, soll im Fol­genden für jedes Stadium einzeln geklärt werden.

2.1 Struktureller Hintergrund eines Konflikts

Der strukturelle Hintergrund der Auseinandersetzung ist die „Gefährdung des Wertes des spezifischen, insbesondere des kulturellen Kapitals einer bestimmten, zunächst nicht unbe­dingt auch schon ’ethnisch’ definierten Gruppe“ (1997: 882, Hervorhebungen im Original). Ausgangspunkt ist ein struktureller Antagonismus, der aus der Auseinandersetzung zwischen abgrenzbaren (ethnischen) Gruppen über die Verfassung einer Gesellschaft besteht (1997: 878). Dabei geht es insbesondere „um die Etablierung bestimmter grundlegender Regeln der Be­wertung bestimmter Lebensweisen und dem damit verbundenen kulturellem (sic!) Kdpitdl" (1999: 246, Hervorhebungen im Original). Es handelt sich dabei um einen Nullsummenkon­flikt, da die „eine Gruppe von der Geltung einer bestimmten Verfassung in dem Maße profi­tiert, wie die andere Gruppe davon Nachteile erleidet oder auf Vorteile verzichten muss“ (1997: 878).

2.1.1 Primäre Zwischengüter

Mit dem Konzept der sozialen Produktionsfunktionen lässt sich laut Esser (1997: 882) erklä­ren, weshalb insbesondere das kulturelle Kapital für eine ethnische Gruppe von so großem Wert ist. Danach besteht das Handeln von Menschen darin, primäre Zwischengüter zu pro­duzieren, welche physisches Wohlbefinden und soziale Wertschätzung ermöglichen. Sie de­finieren Präferenzen von Akteuren und „erhalten ihren Wert durch eine institutionelle Defi­nition“ (ebd.: 883) und können als Kapital angesammelt werden. Da die Verfassung einer Gesellschaft festlegt, welche Hautfarbe, Sprache oder welcher Lebensstil angesehen ist, kön­nen primäre Zwischengüter durch die Veränderung der gesellschaftlichen Verfassung an Wert verlieren. Das Interesse am Erhalt des Wertes des eigenen spezifischen und vor allem des kulturellen Kapitals führt insbesondere zu Zeiten des gesellschaftlichen Wandels zu Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen (ethnischen)Gruppen. (1999: 246f.)

2.1.2 Die Positionsgüter Herrschaft und Definitionsmacht

Der strukturelle Hintergrund eines ethnischen Konflikts ist also die Auseinandersetzung um den Erhalt des Wertes von spezifischem Kapital und primären Zwischengüter, gleichzeitig geht es auch um Positionsgüter. Dies sind nach Esser (1996a: 74) Ressourcen, die knapp und nicht vermehrbar sind und ihren Wert dadurch erhalten, dass die eigene Gruppe sie besitzt und andere davon ausgeschlossen werden.

In ethnischen Konflikten besteht eine Auseinandersetzung um das Positionsgut Herrschaft. Bei Herrschaft handelt es sich um ein typisches Positionsgut, da sie nur derjenigen Gruppe dient, die sie zuerst kontrolliert (1999: 247). Dabei geht es insbesondere um die Definitions­macht über den Wert spezifischer Ressourcen, da Herrschaft die Fähigkeit zur Bestimmung einer Verfassung darstellt. Diese ist für eine ethnische Gruppe besonders dann von Bedeu­tung, wenn die Ab- oder Entwertung ihrer ethnischen Ressourcen droht. (ebd.)

Das strukturelle Motiv ethnischer Konflikte ist somit laut Esser die Verbindung der Gefähr­dung des spezifischen Kapitals und der Wettlauf um die Definitionsmacht des Wertes dieser Ressourcen. (1996a: 74)

2.2 Mobilisierung eines Konflikts

Damit eine latente Auseinandersetzung über den Wert von spezifischem Kapital zu einem gewalttätigen Konflikt wird, muss die Mobilisierung von Ressourcen und Gruppen erfolgen. Laut Esser scheitern die meisten kollektiven Bewegungen an dem Mobilisierungsproblem: Die Kosten der Teilnahme sind für das einzelne Individuum relativ hoch, der eigene Beitrag gering und der Erfolg der Bewegung unsicher. Außerdem besteht ein free-rider-Problem: Falls die Bewegung erfolgreich ist, profitieren auch diejenigen davon, die nicht teilgenom­men haben. Dies stellt ein so genanntes Kollektivgutproblem dar, was bedeutet, dass nie­mand (zumindest nicht aus der eigenen Gruppe) vom Konsum ausgeschlossen werden kann, wenn das ’Gut’ - in diesem Fall der Erhalt des Wertes des spezifischen Kapitals - erst einmal produziert wurde. (1996a: 75-77)

Eine Mobilisierung entsteht laut Esser (1996a: 63, Hervorhebung im Original) nur, „wenn ganz bestimmte, nicht sehr verbreitete soziale Bedingungen erfüllt sind“. Esser ist der Mei­nung, dass ethnische Gruppen diese Bedingungen mit größerer Wahrscheinlichkeit erfüllen, als andere kollektive Akteure. (1996a: 75, 1997: 876)

[...]


[1]Der Autor der zitierten Quellen ist immer Hartmut Esser. Es wird deswegen darauf verzichtet, in der Quellen­angabe immer den Namen zu nennen.

Details

Seiten
23
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640866717
ISBN (Buch)
9783640866496
Dateigröße
507 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v168739
Institution / Hochschule
Universität Osnabrück
Note
2,0
Schlagworte
Ethnische Konflikte Hartmut Esser Migrationsforschung Soziologie Bosnien-Herzegowina

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Lässt sich der Konflikt in Bosnien-Herzegowina durch Hartmut Essers Theorie der Mobilisierung  ethnischer Konflikte erklären?