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Die Stellung der Frau im Mittelalter

Unter Berücksichtigung des Moriz von Craûn (anonymer Verfasser)

Seminararbeit 2010 15 Seiten

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Formen der Ehe im Mittelalter

3. Die Rolle der höfischen Frau im Mittelalter

4. Die Frau als Herrscherin

5. Der Bezug auf Moriz von Craûn

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das höfische Frauenbild des Mittelalters, das wir heutzutage haben, beruht wohl größtenteils auf Erfindungen der mittelalterlichen Dichter. Joachim Bumke schreibt dazu in Höfische Kultur. Literatur und Gesellschaft im hohen Mittelalter.: „Die Vorstellung, daß die adligen Herren zu den Frauen verehrungsvoll aufblickten, weil sie ihnen ihre ritterlichen Fähigkeiten und damit ihr gesellschaftliches Ansehen verdankten, verkehrte das Verhältnis der Geschlechter, wie es in Wirklichkeit bestand, ins Gegenteil“.1 Walther von der Vogelweide bringt es nach Bumke weiter auf den Punkt: „Sie will mich nicht ansehen! Sie, der ich doch solchen Ruhm verschaffte, daß sie jetzt derart hochgemut ist! Sie bedenkt wohl nicht, daß, verstummt mein Lied, auch ihr Ruhm zergeht!“2 Der Autor deutet hier an, dass in seinen Werken das Bild der Frau ein wenig aufgebessert wurde. Bei anderen Werken, wie bei Moriz von Craûn, können wir nur raten, inwiefern sie der Wirklichkeit entsprechen und ob es so etwas wie eine Minnebeziehung überhaupt gegeben hat.

In dieser Hausarbeit werde ich mich nach einer Präsentation der feudalen sowie der scholastischen Ehepraxis mit der Entwicklung der allgemeinen Stellung der Frau im Mittelalter und der Frau als Herrscherin beschäftigen und hierbei auch ihre Darstellung in der Literatur aufzeigen. Die Stellung der Bäuerinnen, Prostituierten, Zofen oder Konkubinen lasse ich hierbei heraus, da es über diese Personengruppen kaum Quellen gibt. Vielmehr wird sich die Arbeit um höfische Damen drehen. Als weiteren Punkt werde ich einen Bezug zu Moriz von Craûn herstellen und die Rollenverteilung sowie den Konflikt der Minne untersuchen (Wie ist es möglich, dass in der Minnetheorie ein Lohn vertraglich festgehalten ist, die Minne aber gleichzeitig unerfüllt bleiben muss?). Am Ende werde ich in einem Fazit meine Thesen zusammenfassen und einen letzten Vergleich zwischen Literatur und Wirklichkeit ziehen.

2. Formen der Ehe im Mittelalter

Im Mittelalter waren im weltlichen Recht zwei Formen der Ehe dominant: die Muntehe und die Friedelehe. Bei der Muntehe wurde der Ehevertrag vom Inhaber der väterlichen Gewalt und dem Bräutigam geschlossen. Die Braut ging auf diese Weise von der väterlichen Verfügungsgewalt in die des Mannes über, quasi in den ‚Munt‘ des Eheherren. Der Gegenstand des Vertrages war nicht die Frau an sich, sondern das personalrechtliche Gewaltverhältnis über die Frau. Der Ehemann besaß Rechte wie Verstoßung, Veräußerung und auch Verhängung der Todesstrafe. Ihm war die „Vielweiberei“ erlaubt, die Frau hingegen war zu Treue verpflichtet und Ehebruch wurde als Schwerverbrechen gewertet. In der Hochzeitsnacht musste Beischlaf stattfinden. Die Friedelehe, auch ‚muntfreie Ehe‘ genannt, hingegen beruhte auf einer Willensübereinstimmung zwischen Mann und Frau. Bei dieser Form konnte die Frau eine bessere rechtliche Position ihr Eigen nennen und ihren angestammten sozialen Status bewahren. Außerdem besaß sie das Recht auf Scheidung. Diese Ehe wurde oft von Frauen eingegangen, die es sich leisten konnten, wie zum Beispiel von Landesherrinnen. Die Kirche war allerdings mit beiden Formen nicht vollends einverstanden. Im 12. Jahrhundert begann sie, das Prinzip der gegenseitigen Zustimmung der Ehepartner (Eheschließung durch Konsens) durchzusetzen. Aber auch die Friedelehe war nicht im Sinne der Kirche, da durch Scheidung Polygamie gestärkt wurde. Die Kirche bevorzugte zwar die Muntehe, allerdings nur mit Einwilligung beider Ehepartner und ihrer Unauflöslichkeit. Im Gegensatz zu dieser scholastischen Ehepraxis sah die feudale Ehepraxis die Ehe als soziale Einrichtung an und war in erster Linie darum bemüht, Verwandtschaftsverbände miteinander zu verknüpfen. Die Ehe fand also aus politischen, dynastischen oder wirtschaftlichen Gründen statt und die sogenannte Hauspolitik befasste sich mit der Absicherung und Erweiterung des eigenen Herrschaftsbereiches. Eine Einheirat in einen höheren Rang war außerdem beliebt und gewünscht. Die Frau war qualitativ wertvoll, wenn sie Kinder (Söhne) gebären konnte. In der feudalen wie in der scholastischen Ehepraxis war der Geschlechtsverkehr nur zur Fortpflanzung gedacht und diente daher als Hauptzweck der ehelichen Vereinigung. Das Ideal der unberührten Jungfrau beherrschte dennoch in erster Linie die Sexualethik der alten Kirche. Die Ehe war also nur das Zweitbeste, für alle, die nicht die Kraft besaßen, gänzlich frei von allem Geschlechtlichen zu bleiben. Nach Paulus in Leah Otis-Cours Lust und Liebe. Geschichte der Paarbeziehungen im Mittelalter war es besser „zu heiraten als zu brennen“.3 Die Ehe wurde mit den drei Ehegütern gerechtfertigt: Nachkommenschaft, Treue und Sakrament. Die Zeugung von Kindern war immer ein teures Gut gewesen und die Treue galt als „Heilmittel[s] gegen Begehrlichkeit“4. Sakrament bedeutete, dass das Verhältnis des Mannes zur Frau auf „geheimnisvolle Weise das Verhältnis von Christi zur Kirche“ widerspiegelte.5 Die Liebe spielte aber in beiden Ehepraxen keine große Rolle, oft wurden die Kinder schon im Säuglingsalter miteinander verlobt.6 7

Konflikte zwischen Kirche und Weltadel gab es außerdem hinsichtlich der Schließung von Ehen innerhalb der Verwandtschaft. Während dies in der feudalen Ehepraxis vorkam, gab es bei der Kirche ein strenges Verbot. Für die Kirche spielte die Scheidung gar keine Rolle, beim Adel hingegen konnte die Ehe aufgelöst werden, falls eine bessere Gelegenheit kam. Gab es in der feudalen Welt Mätressen und Konkubinen, beharrte die Kirche auf strikter Monogamie.8 Auch die Verheirateten selbst beharrten immer mehr auf Monogamie, wahrscheinlich um politische Bündnisse gleichzeitig mit zu stabilisieren.9

Seit dem Ende des 11. Jahrhunderts gewann die Kirche immer mehr Einfluss. Strittige Ehefragen wurden nur noch vor geistlichen Gerichten verhandelt und es wurden Priester eingesetzt, um die feierliche Einsegnung zu machen. Im 13. Jahrhundert gab es dann kaum noch Widerstand gegen die Kirche als Entscheidungsinstanz in Ehefragen.10 11 Der Adel wehrte sich anfangs gegen den Konsens, unter anderem mit der Androhung von Enterbungen. Heimliche Hochzeiten nahmen aber dennoch zu. Ein revolutionärer Gedanke bestimmte die Gesellschaft: Einverständnis und Gegenseitigkeit spielten eine immer größer werdende Rolle.12

3. Die Rolle der höfischen Frau im Mittelalter

Zur höfischen Rolle der Frau zählten Passivität, weibliche Schönheit und Tugendhaftigkeit. Diese Werte dienten dazu, den Mann zu erfreuen und anzuspornen.13 Ein Weg der politischen Einflussnahme war die sogenannte „Bettpolitik“, so finden wir es zumindest in der Literatur wieder. Diese Beeinflussung fand folgendermaßen statt: Die Kirche vermittelte der Frau ihre Meinung zu einem gewissen Thema und diese sollte sie in ruhigen Momenten, zum Beispiel abends im Bett, an ihren Ehemann weitergeben. Dies geschah auf diese Weise, da Frauen kirchlichen Mahnungen gegenüber aufgeschlossener waren als ihre Männer, „denn kein Priester kann das Herz eines Mannes so erweichen, wie es eine Ehefrau vermag“

[...]


1 Joachim Bumke: Höfische Kultur. Literatur und Gesellschaft im hohen Mittelalter. 12. Aufl. München 2008, S. 435.

2 Ebd., S. 454.

3 Leah Otis-Cour: Lust und Liebe. Geschichte der Paarbeziehungen im Mittelalter. Aus dem Englischen von Elisabeth Vorspohl. Frankfurt am Main 2000, S. 55.

4 Bumke: Höfische Kultur, S. 541.

5 Ebd.

6 Ebd.,S. 540-546.

7 Elisabeth Schmid: Spekulationen über das Band der Ehe in Chrétiens und Hartmanns Erec-Roman. In: Vom Mittelalter zur Neuzeit. Festschrift für Horst Brunner. Hg. von Dorothea Klein zusammen mit Elisabeth Lienert und Johannes Rettelbach. Wiesbaden 2000, S. 109-128, S. 116f.

8 Otis-Cour: Lust und Liebe, S. 57-62.

9 Ebd., S. 70f.

10 Bumke: Höfische Kultur, S. 540-546.

11 Schmid: Spekulationen über das Band der Ehe in Chrétiens und Hartmanns Erec-Roman, S. 116f.

12 Otis-Cour: Lust und Liebe, S. 186ff.

13 Bumke: Höfische Kultur, S. 470.

Details

Seiten
15
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640862733
ISBN (Buch)
9783640863334
Dateigröße
449 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v168605
Institution / Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel – Germanistisches Institut
Note
1,0
Schlagworte
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