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Qualitätsmanagement bei kleinen Unternehmen am Beispiel des Betriebes Gassenschmidt Orthopädie

Projektarbeit 2009 27 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Abkürzungen

2. Einleitung (Problematik und Zielsetzung der Arbeit)

3. Kurzdarstellung der Situation orthopädischer Handwerksbetriebe und die Bedeutung des Qualitätsmanagements

4. Vorstellung des Betriebes „Gassenschmidt Orthopädie“

5. Entstehung, Geschichte und Entwicklung von Qualität und Normen

6. Die Entwicklung des QM- Handbuches bei „Gassenschmidt Orthopädie“

7. Systematische Umarbeitung des vorhandenen Handbuches nach den Bestimmungen der DIN EN ISO 13485

8. Integration von Umweltaspekten nach EMAS und DIN EN ISO 14001

9. Zusammenfassung und Ausblick

10. Literatur

11. Anhang I Daten des Unternehmens Gassenschmidt Orthopädie
11. Anhang Ia Prozesslandkarte Gassenschmidt Orthopädie
11. Anhang II Forderungen der ISO 9001:1994 in der ISO 9001:2000.
11. Anhang III Reinigungsblatt Podologie und Formblatt „Einlagen“
11. Anhang IV Unterschiede zwischen EMAS und ISO EN 14001

1. Abkürzungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2. Einleitung

In der Projektarbeit „Qualitätsmanagement bei kleinen Unternehmen am Beispiel des Betriebes Gassenschmidt Orthopädie“ soll der reale Umgang mit Normungsverfahren im Handwerk gezeigt werden.

Anlass hierfür war die im Frühjahr begonnene Umformulierung des schon vorhandenen Handbuchs der DIN EN ISO Norm 9002 auf die Bestimmungen der Norm 13485. Dieser Vorgang dauert noch an, es sollen aber erste Erfahrungswerte anhand von Beispielen verdeutlicht, mögliche Probleme oder Zeitfallen aufgedeckt, analysiert und Lösungsvorschläge aufgezeigt werden.

Die Schilderung der aktuellen Situation orthopädischer Handwerksbetriebe erläutert die Notwendigkeit eines Qualitätshandbuches, dessen Zertifizierung und gelebte Anwendung im Alltag. Ein kleiner Abriss der Historie des Qualitätsmanagements und der Normenfamilien DIN 9000 und 13485 leitet zum Firmenporträt von Gassenschmidt Orthopädie über, der als Vorreiterbetrieb der Handwerkskammer Karlsruhe, des itb und des BAuA nicht nur als erster Kleinhandwerksbetrieb nach DIN EN ISO 9002 Mitte der 90er Jahre zertifiziert wurde, sondern auch Preise und zahlreiche Auszeichnungen des Handwerks, Umwelt- und Arbeitsschutzes erhalten hat. Auf den Weg des aufstrebenden Unternehmens zu einem ausformulierten Qualitätshandbuch und seiner praktischen Anwendung soll ein besonderes Augenmerk gerichtet sein. Im Anschluss daran sollen die Neuerungen und aktiven Umsetzungen angesprochen werden, die die Umformulierung und Neuzertifizierung des Handbuchs nach den Richtlinien der 2003 grundsätzlich erneuerten und 2007 ergänzten Medizinproduktenorm hervorruft.

Ein Abgleich mit den Voraussetzungen und Bedingungen der momentan gültigen Umweltnormen soll klären, ob diese mit einbezogen ebenfalls auditiert werden könnten. Dies würde dann in Form der Verleihung des Gütesiegels EMAS oder die Zertifizierung nach 14001 Niederschlag finden.

Ziel ist es, dem Leser einen Eindruck über die Zertifizierung eines Kleinunternehmens aus dem Handwerk zu vermitteln, welcher ihm als Handreichung für seine eigene Zertifizierung dienen kann.

3. Kurzdarstellung der Situation orthopädischer Handwerksbetriebe und die Bedeutung des Qualitätsmanagements

Die Luft wird dünner für die Vielzahl der kleinen Handwerksbetriebe, die in Deutschland im Bereich der Orthopädietechnik tätig sind. Das flächendeckende Netz an Orthopädieschuhmachern und Orthopädietechnikern sowie Sanitätshäusern sucht seinesgleichen weltweit. Dieses Alleinstellungsmerkmal möchte die Bundesregierung im Rahmen der Gesundheitsreform aus Kostengründen ausmerzen. Ziel ist es, in wenigen Gesundheitszentren kostenreduziert und branchenübergreifend, also Ärzte und Kliniken betreffend, Know-How und Service anzubieten. Seit dem 01. April 2007 wurde deshalb die „Gesundheitsreform“ stufenweise in Kraft gesetzt. Ein wesentlicher Teil stellt das GKV- Wettbewerbs-Stärkungsgesetz dar, welches die Vergabepraxis der Krankenkassen bezüglich Hilfsmittel wesentlich vereinfachen und dem Kunden oder Patienten eine hochwertige und leistungsgerechte Behandlung und Versorgung sichern soll1. Dem Gesetz2 nach sollen durch Rabattverträge und Ausschreibungen der Krankenkassen bei Hilfsmitteln die Preise gesenkt und die Qualität gesichert werden. Dieser Wunsch kann als klassischer Interessenkonflikt angesehen werden, denn dadurch werden so weder der faire Wettbewerb gefördert noch Qualitätsstandards gesichert. Wenn ein Handwerksbetrieb Vertragspartner werden will, muss er demnach mit Tiefstpreisen in den Angebotswettkampf mit großen Sanitätshäusern treten und seine Qualität mit einer Zertifizierung nach DIN EN ISO 13485 nachweisen. Ein Versuch im Kampf gegen die Windmühlen der Großbetriebe sollte der Rahmenvertragsabschluss des Zentralverbandes für Orthopädieschuhtechnik mit der Barmer- und Technikerkrankenkasse im April 2008 sein, in dem vereinbart wurde, dass jeder Innungsbetrieb beitreten könne.

Voraussetzung hierfür jedoch ist eine gültige Zertifizierung unter Beachtung des MPG3. Ein trojanisches Pferd offerierte die DAK im Juni den Motivierten des Interessenverbandes, indem sie ein Vertragswerk vorlegte, das bar jedes sittlichen Rechtsverständnisses war. Die nichts Böses ahnenden Handwerker sollten einen Vertragspassus unterschreiben, der beinhaltete, dass sich die Angestellten Krankenkasse jegliche Preisgestaltung vorbehielt und Änderungen des Vertragswerkes ohne Rücksprache vornehmen könne, dem Unterzeichnenden keinerlei Mitspracherecht eingeräumt wurde und er sich zwei Jahre an diese Bedingungen zu halten hätte. Das schwache Entgegnen der Bundesvereinigung auf diesen mittlerweile als rechtswidrig erklärten Vertrag veranlassten schließlich die Innungsverbände Bayerns und Nordrhein- Westfalens sich abzuspalten und selbst mit den Krankenkassen zu verhandeln.

Die Zerrüttung der einstmals so starken Innung dieses Handwerks und die stetig schwindende Auftragssicherheit durch Krankenkassenpatienten zwingen die Betriebe zum Strategiewechsel. Chancen ergeben sich hierbei im Erschließen neuer Marktsegmente und Kundenkreise wie zum Beispiel den Sportlerbereich, die Versorgung von Schmerzpatienten und Präventivmaßnahmen für Kinder und Jugendliche.

Da das Konsumentendenken jedoch noch stark von der „Behandlung auf Rezept“ geprägt ist, müssen die Geschäfts- und Werkstattinhaber nicht nur schlagkräftige Argumente für ihre Produkte hervorbringen, sondern beweisen, dass ihr handgemachtes individualisiertes Erzeugnis einzigartig und stets von höchster Güte ist.

Der Beweis, dass Management, Herstellung, Mitarbeiter, Logistik und Service nach System und Kontrolle verlaufen, vermittelt dem Käufer ein Sicherheitsgefühl, welches nicht unerheblich zu seiner Kaufentscheidung beitragen kann.

Die gern zitierten Argumente „Qualitätsmanagement ist nur etwas für (Massen)produzierendes Gewerbe“, „kostet nur Geld und erzeugt Papier“ können für das Handwerk nicht hervorgebracht werden. Wer sonst, wenn nicht das Handwerk mit seiner langen Tradition und seinen Innungen und Zünften, die schon im Mittelalter Maße und Gewichte „genormt“ haben, soll das Arbeiten mit Spitzenergebnissen und vergleichsweise wenigen Mitteln für sich festlegen und mit Hingabe danach leben?

Die Zertifizierung der Handwerksbetriebe und Sanitätshäuser sollte demnach nicht als Zwang von Regierungswegen her angesehen werden, sondern als Chance, die Betriebe in ihrer systematischen Struktur nach außen hin darstellen zu können. Wenn die Inhaber und Meister selbst die Kontrolle in wirtschaftlichen, handwerklichen, personellen und innovativen Dingen behalten, können sie schneller mögliche Potenziale in Kompetenzerweiterung und Kundenbindung entdecken und umsetzen.

4. Vorstellung des Betriebes „Gassenschmidt Orthopädie“

Das inhabergeführte Kleinunternehmen wurde von Hubert Gassenschmidt 1991 in Baden- Baden-Lichtental gegründet. Das Absolvieren der Meisterprüfung 1984 und die ihm kurz darauf übertragene Leitung der Werkstätten der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg motivierten den begabten Handwerker seine Selbstständigkeit anzustreben. Mit einem Studium der Betriebswirtschaft an der Bildungsakademie des Handwerks in Karlsruhe bereitete er die Betriebsgründung in seiner Heimatstadt optimal vor. Als (orthopädischer) Schuhmacher in der dritten Generation führte er in den darauffolgenden Jahren mit einem stetig wachsenden Kunden- und Mitarbeiterstamm das junge Unternehmen zur Blüte. Mit Preisen als bester Existenzgründer Deutschlands, zahlreichen Auszeichnungen im Umwelt- und Arbeitsschutzbereich bewies er Innovationswillen im traditionellen Handwerk. So war der Schritt zur Teilnahme an einem europäisch organisierten Pilotprogramm Handwerksunternehmen nach DIN ISO Normen auszurichten und zu zertifizieren naheliegend. Als bundesweit erster Handwerksbetrieb im Bereich Orthopädie wurde Gassenschmidt 1996 das Zertifikat nach DIN EN ISO 9002 verliehen.

Das sonst beschauliche Flüsschen Oos der Kurstadt zerstörte 1998 mit einem überraschenden Hochwasser das Vorreiterunternehmen in einer Nacht. Maschinen, Arbeitsplätze und Materiallager wurden weitgehend überflutet und waren großenteils unbenutzbar. Diese Erfahrungen bewogen den Handwerksmeister eine neue Heimat für seinen Betrieb zu suchen und diese Stätte entsprechend aufzubauen. Mit der Gründerzeitvilla in der Ludwig – Wilhelm Straße 22 im Baden-Badener Hotel- und Kurviertel wurde ein ungewöhnliches Objekt gefunden, welches die Firmenphilosophie4 mit erweiterten Aspekten als Kompetenzzentrum der Fußgesundheit repräsentiert. Nach aufwändigen Restaurierungsarbeiten des Hauses widmete sich Hubert Gassenschmidt im neuen Jahrtausend einer weiteren Berufsausbildung zu, nämlich der des Podologen, welche sein Angebotsspektrum erweitert hat. Der Wiederaufbau des Betriebes und die Neugestaltung der Werkstatt mit modernsten Maschinenprototypen haben dem Handwerksmeister weitere Preise in den Bereichen Umwelt –und Arbeitsschutz als auch Publikationen bei der BAuA und dem itb beschert. Um neue Marktsegmente anzusprechen, wurden im letzten Jahr ein Gang- und Laufanalysesystem angeschafft, sowie ein mobiles Fußscangerät, als auch ein Dorsoscanner, mit dem die Körperhaltung und die Strukturen des Rückens ohne Röntgenstrahlen oder sonstigen schädlichen Einflüssen erfasst werden können. Die Investitionen in moderne Analysesysteme sollen die Position der Unternehmung am lokalen Markt stärken, der von einem starken Konkurrenz- und Preisdruck geprägt ist.

5. Entstehung, Geschichte und Entwicklung von Qualität und Normen

Der Begriff Qualität, stammt aus dem Lateinischen und wird folgend übersetzt5: qualitas, atis (f) - (charakteristische) Beschaffenheit, Zustand, Art, Weise, Eigenart

Bezogen auf diese Bedeutung muss der Begriff Qualität in den Bereichen Normung und Managementsystemen verstanden werden. Das landläufige Verständnis von Qualität als eine Merkmalsbeschreibung für hochwertige, solide und verlässliche Waren oder Dienstleistungen ist eine Folge erstgenannter Definition und deren Anwendung auf die Herstellung. Streng definiert bedeutet Qualität: Objektiv messbare Eigenschaft6.

Handbücher7 und Nachschlagewerke führen bei historischen Abhandlungen über das Wesen von Qualität und das Bewusstwerden dieser als ein notwendiger Teil von Arbeit den Codex Hammurapi an, wo Bestrafungen und Löhne für bestimmte Tätigkeiten festgelegt wurden und öffentlich in Stein gemeißelt, jedem Bürger des babylonischen Volkes vor 4000 Jahren bekannt waren.

Die Anfänge des Qualitätsgedankens unserer Kultur sind im Mittelalter zu finden, welches mit seinen in den Himmel emporragenden Kathedralen von Baumeistern und Handwerkern eine komplexe Planung, Organisation und Koordinierung verlangt hat. Ein Beispiel für diese Herausforderung ist der Bau des Münsters in Freiburg. Während der gedrehte Achteckturm eine architektonische Meisterleistung darstellt, muss der östliche Chorabschluss wahrlich als Fehlkonstruktion betrachtet werden. Kunsthistoriker haben bis in die 80er Jahre des letzten Jahrhunderts gerätselt, was es mit der Verengung der Spitzbogengrundflächen auf sich hat.

Thomas Flum hat in seiner Dissertation 20018 nachgewiesen, dass der Baumeister sich schlicht verrechnete oder das falsche „Maß“ nahm. Das Volk hat, wie historische Quellen belegen, nach Fertigstellung der Abschlussfenster seinem Ärger über den augenscheinlichen Fauxpas Luft gemacht und den Bauhüttenleiter aus der Stadt gejagt.

[...]


1 Orthopädie Schuhtechnik Sonderheft „Perspektiven“ 2007, S. 6f.

2 GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz - GKV-WSG. Siehe Sozialgesetzbuch V, § 130a, Absatz 8.

3 Orthopädie Schuhtechnik Sonderheft „Qualität in der Hilfsmittelversorgung“ 2008, S. 10f.

4 Siehe Anhang 11, I.

5 J.M. Stowasser, Lateinisch – deutsches Schulwörterbuch, (Auflage 1994) Seite 421.

6 Brockhaus Enzyklopädie, Bd. 22, Seite 341 (21. Auflage).

7 Hans-Dieter Zollondz, Grundlagen Qualitätsmanagement Seite 42 ff.

8 Thomas Flum, Der spätgotische Chor des Freiburger Münsters. Diss. (2001) Neue Forschungen zur Dt. Kunst Bd. V, Rüdiger Becksmann (Hrsg.) Seite 21ff.

Details

Seiten
27
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640862726
ISBN (Buch)
9783640863181
Dateigröße
2.7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v168575
Note
1,2
Schlagworte
KMU Qualitätsmanagement; DIN EN ISO 13485 DIN EIN ISO 9002

Autor

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