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Erstellung eines Tierkrimis in einer 3. Klasse

Projektdokumentation einer Unterrichtseinheit

Projektarbeit 2011 23 Seiten

Didaktik - Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I: Projektdokumentation
1. Projektbeschreibung
1.1 Geplanter Projektverlauf in Kürze
1.2 Ziele des Projekts
2. Ausgangslage des Projekts
2.1 Räumliche und personelle Voraussetzungen
2.2 Fachliche Voraussetzungen
2.3 Motivationale Voraussetzungen
3. Theoretischer Hintergründe und methodisch-didaktische Entscheidungen
3.1 Die neuere Schreibdidaktik
3.2 Das Genre des Tierkrimis
3.3 Die Reise des Helden als roter Faden
3.4 Soziales Lernen
3.5 Schreiben in der Gruppe
3.6 Schreibkonferenzen – Textlupen
3.7 Die Einführung der wörtlichen Rede
3.6 Portfolio
3.7 Illustrationen
4. Realisierung und Schwierigkeiten Seite 9
4.1 Genre, Handlung, Personen
4.2 Gruppeneinteilung
4.3 Schreiben und Überarbeiten
4.4 Aufgetretene Schwierigkeiten
5. Reflexion Seite 13
5.1 Resultate
5.2 Erreichte Ziele
5.3 Möglichkeiten und Grenzen
5.4 Ausblick

II: Literaturangaben

III: Anhang
1. Kurze Zusammenfassung des entstandenen Tierkrimis
2. Kriterien für 2 exemplarische Charaktere des Buchs
3. Exemplarische Stundenskizze zweier Projektstunden
4. Exemplarisches Kapitel vor und nach der Überarbeitung

I: Projektdokumentation

1. Projektbeschreibung

Das Projekt „Erstellung eines Tierkrimis“ wurde im Zeitraum von den Sommerferien bis zu den Weihnachtsferien in einer dritten Klasse durchgeführt. Der Fokus lag dabei eher auf dem Schreiben und Überarbeiten des Buchs und weniger auf illustratorischen oder anderen redaktionellen Tätigkeiten.

Die Unterrichtssequenz ist unter anderem dadurch als Projekt gekennzeichnet, als dass es gemeinsam von mir und den Schülern[1] entwickelt wurde, der Prozesscharakter im Mittelpunkt steht und es zudem zu einem Produkt mit Gebrauchswert – einem Buch – geführt hat.[2] Außerdem wird auch die Kooperationsfähigkeit der Kinder erweitert.[3]

In diesen Kriterien liegt auch die Entscheidung für das Thema: Im klassischen Aufsatzunterricht werden die Texte meist wenig adressatenbezogen geschrieben. Die kreativen Möglichkeiten und damit auch der Spaß am Schreiben sind oft eingeschränkt.[4] Für mich war es eine viel motivierendere Möglichkeit, den Schülern klar zu machen, dass sie als Klasse in der Lage sind, ein ganzes Buch zu schreiben. Der Projektgedanke und das grobe Gerüst des Buchs sowie zahlreiche Impulse kommen zwar von mir, der Schreib- und Überarbeitungsprozess selbst liegt aber in Schülerhand: Die erwartete Motivation, das wachsende Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten[5] durch das entstehende Produkt Buch und der auf diese Art erlangte Lernzuwachs waren für mich trotz meiner Bedenken (siehe Kapitel 2) die ausschlaggebenden Punkte für die Entscheidung für dieses Projekt.

1.1 Geplanter Projektverlauf in Kürze

Die Schüler überlegten sich mit meiner Unterstützung das Genre, die grobe Handlung und die Personen des Buches nach dem Prinzip der Reise des Helden. Dabei wurde demokratisch abgestimmt. Immer eine von mir eingeteilte Kleingruppe schrieb dann ein Kapitel, welches von allen Gruppen in Schreibkonferenzen unter bestimmten Aspekten überarbeitet wurde. Hierfür hatten die Schüler die Textlupen, die ihr Augenmerk auf ein bestimmtes Phänomen bzw. eine bestimmte Fehlerquelle lenken soll. Während der Schreibzeit lasen die anderen Schüler Tierkrimis, um das Genre besser kennenzulernen und unter Umständen neue Ideen herauszuziehen. Nach der Überarbeitungsphase wurden die Ergebnisse zusammengetragen, indem ich Satz für Satz vorlas und die Schüler mich an den überarbeiteten Stellen unterbrachen und ihre Vorschläge äußerten. Gemeinsam wurde entschieden, was geändert und in das Kapitel eingefügt werden sollte. Jeder Schüler schrieb in seinem Konzeptkapitel mit.

In der nächsten Stunde teilte ich dann den überarbeiteten computergeschriebenen Text aus. Die Texte wurden alle in einem Portfolio – der Krimimappe – gesammelt, welches von mir benotet wurde.

Das Projekt startete in der zweiten Woche nach den Sommerferien und endete vor Weihnachten. So konnte jede Gruppe 2 Kapitel schreiben. Insgesamt wurde ca. 2 Stunden pro Woche investiert.

1.2 Ziele des Projekts

Im Bildungsplan hat der Aspekt des Schreibprozesses von der Idee bis zur Überarbeitung in Schreibkonferenzen seine Verankerung. Die Schüler sollen diesen Prozess zunehmend eigenverantwortlich steuern und ihre Texte für reale Leser adressatenbezogen verfassen. Da sich die Schüler während des gesamten Projekts immer wieder demokratisch einigen mussten, spielt auch die Gesprächskultur eine große Rolle.[6] Neben dem Großziel der Bucherstellung folgern daraus die folgenden weiteren Ziele und angebahnte Kompetenzen. Die Schüler können im Lernbereich Schreiben

- … in der Klassengemeinschaft bzw. in ihrer Kleingruppe Schreibideen und Schreibziele entwickeln und nach Vorgaben (grobes Gerüst des Kapitels) schreiben bzw. ihre Schreibideen einbringen,
- … anderen konstruktive Hinweise zur Überarbeitung geben und die Texte zunehmend selbstständig überarbeiten,
im Lernbereich Sprechen
- … grundlegende demokratische Verhaltensweisen anwenden, indem sie eigene Meinungen äußern, zu anderen Meinungen Stellung nehmen und dabei die Gesprächsregeln beachten Und im Lernbereich Lesen/Umgang mit Texten und Medien
- …über die geschriebenen Texte nachdenken, zu Handlungen und Personen Stellung nehmen und sich passend dazu den weiteren Fortgang des Textes überlegen.

2. Ausgangslage des Projekts

2.1 Räumliche und personelle Voraussetzungen

Das Projekt fand an der Grundschule xxx statt. Die Schule hat nur 112 Schülern und 6 Klassen, somit besteht die Möglichkeit, ein Exemplar des Buchs in jede Klasse zu geben. In der Projektklasse befinden sich 26 Schüler, davon 10 Mädchen und 16 Jungen. Dieses Ungleichgewicht war vor allem bei der Abstimmung über Genre und Handlung des Buches spannend. Schüler mit nennenswerten sprachlichen Problemen finden sich nicht. Schwache Schüler sollten durch die Gruppenzusammensetzungen gefördert werden.

Ich unterrichte in dieser Klasse Deutsch und Englisch und hatte so die Möglichkeit, die Stunden flexibel zu halten und auch ggf. eine Englisch- mit einer Deutschstunde zu tauschen und so bis zu 3 Stunden am Stück pro Woche für das Projekt zu investieren.

Das Projekt fand ausschließlich im Deutschunterricht und im Klassenzimmer der 3. Klasse statt. Die Hufeisenform eignete sich gut für Diskussionen mit der ganzen Klasse, konnte aber schnell in Gruppentische umgewandelt werden.

Der Gruppentisch im hinteren Bereich des Zimmers ermöglichte der schreibenden Gruppe in Ruhe das Kapitel verfassen zu können. Die Tierkrimis befanden sich auf einem Bücherregal und wurden in der freien Lesezeit gelesen.

Meine Bedenken waren, dass die Gruppen sich während der Überarbeitungsphase gegenseitig stören könnten. In dieser Phase musste miteinander kommuniziert und diskutiert werden, was nicht immer im Flüsterton stattfinden kann. Sollte sich eine Gruppe sehr gestört fühlen, bestand die Möglichkeit, zusätzliche Tische auf dem Flur zu nutzen.

2.2 Fachliche Voraussetzungen

Das Projekt wurde zu Beginn des dritten Schuljahres durchgeführt. Den Schülern waren die Kriterien des Aufsatzschreibens wie Gliederung, wechselnde Satzanfänge, wörtliche Rede, Präteritum etc. also noch relativ unbekannt. Selbstverständlich war ihnen auch der Aufbau eines Buches nicht geläufig. Somit konnten die Kompetenzen des Bildungsplans zum Ende der zweiten Klasse vorausgesetzt werden. Bezogen auf das Aufsatzschreiben sind das die Entwicklung von Schreibideen; das Schreiben kurzer Texte mit Beachtung der zeitlichen Abfolge und die Überarbeitung der Texte anhand konkreter Fragen bzw. bei nicht stimmigen Stellen. Auch das Beachten der Gesprächsregeln sowie freie Lesezeiten waren bekannt.[7]

Das Überarbeiten mit den Textlupen wurde während der Themenfindung des Projekts (Genre, Personen, Handlung) kurz eingeführt, vor allem bezogen auf wechselnde Satzanfänge und Wortwiederholungen. Bei der wörtlichen Rede wurden mehrere Unterrichtsstunden zur Einführung und Übung gehalten. Angewendet und vertieft wurde sie dann beim Schreiben des Buchs.

Die anderen Punkte mussten also während und anhand des Projekts erarbeitet und eingeübt werden. Dies geschah ohne gesonderte Übungen und für die Schüler relativ unbewusst. Auf die Einführung des Präteritums wurde verzichtet, da es selbstverständlich auch möglich ist, ein Buch im Präsens zu schreiben und so das Schreiben nicht zusätzlich erschwert werden musste.

Meine Bedenken bei den vielen Neuerungen waren, dass die Klasse von den vielen neu zu erlernenden Aspekten überfordert ist und das Gefühl hat, insbesondere in der Überarbeitungsphase, zu viel falsch zu machen. Dies versuchte ich dadurch zu vermeiden, dass jeder einmal in die Rolle des Schreibers und Überarbeiters inne hatte sowie durch das Gesamtergebnis, welches zeigte, dass die Korrekturen notwendig waren und alles dennoch immer noch ein gemeinsames Projekt ist.

2.3 Motivationale Voraussetzungen

Motivation ist beim Schreiben eines Textes ein wichtiges Kriterium, besonders wenn man ihn aus Interesse oder zumindest aus Spaß verfasst und damit intrinsisch motiviert ist.[8] Da die Klasse für Neues gut zu begeistern ist, ging ich davon aus, dass die Ankündigung des Projekts auf Freude und Tatendrang stoßen würde. Ich erwartete außerdem, dass dies während der gesamten Schreibzeit erhalten bleibt bzw. sich sogar steigert, wenn die Schüler sich in ihre Geschichte eingefunden haben. Verstärkt habe ich dies, indem ich den Schülern bei der Genrefindung und der groben Handlung weitestgehend freie Hand ließ. Natürlich wurden aber immer wieder Impulse und Anregungen von meiner Seite eingegeben, damit die Kinder ihre Gedanken weiterentwickeln konnten und nicht an der Aufgabe scheiterten und auch die Motivation damit gedämpft würde.[9]

Genauso hätte aber mangelnde bzw. sinkende Motivation aufgrund der hohen Schreibarbeit, Überforderung oder der langen Dauer des Projekts auftreten können. Für diesen Fall hätte ich die Arbeit am Buch auf mehrere Rollen verteilt. So hätte beispielsweise eine stark motivierte Gruppe schreiben können, eine eher künstlerisch ausgeprägt Gruppe illustrieren und andere Kinder möglicherweise die Texte am PC abtippen und layouttechnisch bearbeiten können. Zwar wäre die Identifikation mit dem Inhalt der Geschichte nicht mehr für alle gegeben gewesen, die Identifikation mit dem Produkt Buch jedoch immer noch genauso stark.

3. Theoretische Hintergründe und methodisch-didaktische Entscheidungen

3.1 Die neuere Schreibdidaktik

Das Verfassen von schriftlichen Texten ist noch immer eine der Hauptaufgaben des Deutschunterrichts. Im Gegensatz zu dem früheren, weitestgehend produktorientierten Unterricht steht heute allerdings der Prozesscharakter der Schreibleistungen im Mittelpunkt.[10] Ziel ist nicht das Einüben von Aufsatzformen, sondern die Entwicklung und Ausbildung des Schreibvermögens der Schüler.[11] In einem solchen Unterricht muss den einzelnen Teilprozessen mehr Eigengewicht zugesprochen werden. Nicht nur das Schreiben, sondern auch das Planen und Überarbeiten eines Textes ist wichtig. Dabei muss beachtet werden, dass Schreibanfängern dies noch schwer fällt – unter anderem weil sie die Defizite von Texten noch nicht identifizieren können und häufig die Leserbedürfnisse außer Acht lassen.[12] Dies kann durch die Arbeit in der Klasse bzw. in Gruppen erleichtert werden, da die gegenseitigen Impulse und Anregungen den Schülern eine große Hilfe sein können. Auch werden Überprüfungen dadurch für die Kinder sinnvoll und notwendig, wenn es für sie einen einsehbaren Schreibzweck und interessierte Leser wie in diesem Schreibprojekt gibt.[13]

Die traditionellen Aufsatzformen können zum Beispiel durch Schreibprojekte ergänzt bzw. abgelöst werden, die lebensnahe und für tatsächliche Leser geschriebene Texte hervorbringen können.[14] Ein solches Beispiel ist das hier durchgeführte Projekt.

3.2 Das Genre des Tierkrimis

Die Wahl der Kinder bei der Abstimmung für ein Genre fiel auf einen Tierkrimi. Das Ergebnis überrascht insofern nicht, als dass sowohl das Tierbuch als auch der Krimi die am häufigsten gelesenen Kinderbücher sind.[15]

[...]


[1] Im Folgenden werde ich zur besseren Lesbarkeit die männliche Form „Schüler“ verwenden, gemeint sind sowohl Schüler als auch Schülerinnen

[2] Vgl. Meyer, 171

[3] Vgl. Abraham, 62

[4] Vgl. Beckmann und Schäfer, 13

[5] Vgl. Bildungsplan, 43

[6] Vgl. Bildungsplan, 45f

[7] Vgl. Bildungsplan, 48f.

[8] Vgl. Lankes, 76

[9] Vgl. Beckstein und Schäfer, 15

[10] Vgl. Frilling, 55

[11] Vgl. Baurmann und Ludwig, 13

[12] Vgl. Frilling, 55

[13] Vgl. Baurmann und Ludwig, 19

[14] Vgl. Abraham 26

[15] Vgl. Lange, 532

Details

Seiten
23
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640876129
ISBN (Buch)
9783640876211
Dateigröße
592 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v168549
Note
2,0
Schlagworte
erstellung tierkrimis klasse projektdokumentation unterrichtseinheit

Autor

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