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Schizophrenie - Eine Gegenüberstellung der offiziellen Klassifikation und der subjektiven Wahrnehmung der Krankheit

Hausarbeit 2010 15 Seiten

Psychologie - Klinische u. Gesundheitspsychologie, Psychopathologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Ursachen und Pathogenese
2.1 Das Vulnerabilitäts-Stress-Modell
2.2 Die Theorie der angeborenen genetischen Stoffwechselstörung
2.3 Störung des dopaminergen Systems

3 Klassifikation und Krankheitsbild
3.1 Offizielle Kriterien und Symptome
3.2 Beobachten und Verstehen der Symptome
3.3 Die subjektive Wahrnehmung während einer schizophrenen Psychose

4 Behandlung
4.1 Neuroleptika
4.2 Psychotherapie

5 Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die Schizophrenie ist eine Krankheit, bei der die professionelle Klassifizierung mit ihrer reinen Beschreibung von Symptomen und Ursachen das persönliche Erleben der Betroffenen an vielen Stellen nicht ausreichend wiedergibt oder sogar einen falschen Eindruck davon vermitteln kann. Um aber mit Schizophreniepatienten auf einer möglichst vertrauensvollen Ebene arbeiten zu können, sollte man in der Lage sein, Verständnis für ihre Krankheit und die damit verbundenen Denkweisen aufzubringen und auszudrücken.

Inhalt dieser Arbeit ist die Gegenüberstellung der wissenschaftlichen und der subjektiven Sicht auf das Krankheitsbild der Schizophrenie.

Wenn ein Träumender in seinem wachen Leben so handelte und dächte, wie in seinen Träumen, dann wäre er schizophren. (Carl G. Jung)

2 Ursachen und Pathogenese

Der aktuelle Stand der Forschung lässt die Vermutung zu, dass es nicht eine einzelne Ursache für die Schizophrenie gibt, sondern eher eine Verkettung verschiedener Gründe bzw. eine multifaktorielle Genese (Arieti, 1985, Polininsky, 1996). Aufgrund dieser Annahme lassen sich verschiedene Modelle zur Pathogenese herleiten. Die Gängigsten sollen an dieser Stelle vorgestellt werden.

2.1 Das Vulnerabilitäts-Stress-Modell

Bei diesem Modell gilt die Annahme, dass durch bestimmte Erbanlagen eine erhöhte psychische Vulnerabilität besteht (vgl. z. B. Süllwold, 1983 oder Arieti, 1985). Erhärtet wird diese Annahme durch die Beobachtung eines vermehrten Auftretens schizophrener Erkrankungen innerhalb mancher Familien, während andere Familien gänzlich davon verschont bleiben.

Erbanlagen bieten natürlich keine Garantie für das Auftreten einer Krankheit, genau wie die Erbanlage zu musischer Begabung bei einem Kind nie ohne die
passenden Umwelteinflüsse zum Ausdruck kommen kann. Die Frage ist, inwiefern genetische Dispositionen von der Umwelt (Familie, Schule, Freunde) gefördert oder gehemmt werden. Hierauf kann z. B. auch der Erziehungsstil Einfluss haben.

Die genetischen Voraussetzungen und die fördernden oder hemmenden Umwelteinflüsse allein geben noch keine befriedigende Antwort auf die Frage, wie eine Schizophrenie ausgelöst wird. Das Vulnerabilitäts-Stress-Modell besagt deshalb, dass es einen Auslöser in Form einer bestimmten Belastung (Stress) geben muss, die der bereits verletzliche Mensch nicht ohne Weiteres bewältigen kann. Besonders interessant ist die Vermutung, dass diese Belastungen nicht immer durch negative Ereignisse, wie z. B. den Tod eines Angehörigen o.ä., ausgelöst werden müssen. Genauso sei es möglich, dass besonders positive kritische Lebensereignisse, wie z. B. die eigene Hochzeit, zum Auslöser werden. In der Folge reagiert der Organismus mit dem schizophrenen Krankheitssymptome als eine Art Bewältigungsstrategie, mit deren Hilfe er versucht, die auf positive oder negative Art veränderten Lebensumstände in den Griff zu bekommen. Dies ist besonders wahrscheinlich, wenn die belastenden Umstände längerfristig sind.

Auf dem Vulnerabilitäts-Stress-Modell basierend ist der Ansatz der Life-Event-Forschung. Dieser beschäftigt sich mit den Lebensumständen, die eine Krankheit ausgelöst haben könnten. Bei der Schizophrenie ist in diesem Sinne bemerkenswert, dass z. B. selbst bei eineiigen Zwillingen, deren Erbgut zu 100 Prozent identisch ist, in vielen Fällen nur ein Zwilling erkrankt (Polininsky, 1996). Wenn die Schizophrenie aber eine rein genetische Krankheit wäre, müsste sie immer bei beiden oder bei keinem Zwilling auftreten.

2.2 Die Theorie der angeborenen genetischen Stoffwechselstörung

Diese Theorie nimmt die erbliche Veranlagung als Grund für die Erkrankung an Schizophrenie an. Sie stützt sich auf die Beobachtung, dass Kinder schizophrener Eltern auch dann häufiger an Schizophrenie erkranken, wenn sie gleich nach der Geburt von ihren Eltern getrennt werden und bei Pflegefamilien aufwachsen (Polininsky, 1996). Es sei nachgewiesen worden, dass diese Kinder eine genetisch bedingte Störung der Informationsverarbeitung im Gehirn haben, und dass diese mit einer späteren schizophrenen Erkrankung stark positiv korreliere.

2.3 Störung des dopaminergen Systems

Als nachgewiesen gilt heute, dass schizophrene Menschen an einer zu hohen Konzentration an Dopamin bzw. an einer Überempfindlichkeit der Dopaminrezeptoren leiden (Polininsky, 1996). Denn einerseits scheint eine Behandlung der Patienten mittels der Herabsetzung ihres Dopaminspiegels durch Neuroleptika zu einer Besserung der schizophrenen Symptome zu führen und andererseits ist beobachtbar, dass Drogen, die den Dopaminspiegel anheben (wie z. B. LSD, Meskalin und Amphetamin), schizophrenieartige Zustände auslösen können. Da die Krankheit aber allein über den Dopaminhaushalt nicht erklärt oder geheilt werden kann, ist anzunehmen, dass es noch weitere Einflüsse gibt, z. B. durch andere Neurotransmitter.

Insgesamt sind sich auch die Forscher, die eine genetische Bedingtheit der Krankheit ausschließen, weitgehend einig, dass eine biochemische Komponente eine Rolle spielt (Arieti, 1985).

3 Klassifikation und Krankheitsbild

In der ICD-10 (International Classification of Deseases, WHO, 2005) sind die Schizophrenie und die schizotypen, wahnhaften Störungen im Kapitel F2 aufgeführt. Schizotype Störungen seien wahrscheinlich genetisch verwandt mit der Schizophrenie, wohingegen die wahnhaften Störungen vermutlich keine Verbindung mit der Schizophrenie haben. Alle drei seien aber, besonders in den Anfangsstadien, schwer zu unterscheiden.

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Details

Seiten
15
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640855506
ISBN (Buch)
9783640855612
Dateigröße
412 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v168481
Institution / Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung) – Psychologie
Note
1,7
Schlagworte
Schizophrenie Psychopathologie Stimmen hören Psychose Paranoia

Autor

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