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Die reellen Zahlen

Seminararbeit 2001 8 Seiten

Mathematik - Zahlentheorie

Leseprobe

INHALT:

1 Einleitung

2 Weierstraß: Aggregate

3 Fundamentalfolgen

4 Dedekind: Schnitte

4 Hilbert: Die axiomatische Methode

5 Literatur

1 Einleitung

Heute fassen wir die reellen Zahlen als Elemente eines vollständig geordneten Körpers auf. Bis zum 5. vorchristlichen Jahrhundert noch beherrschte die Vorstellung, daß alle Dinge in ganzen Zahlen ausgedrückt werden können, das Weltbild. Dieses wurde von den Pythagoreern, einer einflußreichen mathematischen Schule, geprägt. Allerdings war es auch ein Pythagoreer, nämlich Hippasus von Metapont[1], welcher durch die Entdeckung inkommensurabler Streckenverhältnisse dieses Weltbild zerstörte und sich dafür die Strafe der Götter einhandelte. Er hat am Pentagramm, dem Ordenssymbol der Pythagoreer, festgestellt, daß hier zwei Strecken nicht kommensurabel sind, d.h. nicht in derselben Maßeinheit angegeben werden können.

Wagt man nun den Sprung ins 19.Jahrhundert, so muß man feststellen, daß in dieser Zeit nun zahlreiche Versuche zur Präzisierung des Begriffs der reellen Zahlen unternommen worden sind.

Einige dieser Präzisierungsversuche sollen nun in den folgenden Abschnitten näher besprochen werden.

2 Weierstraß: Aggregate

Cauchy formulierte 1821 das nach ihm benannte Konvergenzkriterium und setzte es mit den bekannten Rechengesetzen als evidente Eigenschaft der reellen Zahlen voraus. Ein Beweis dieses Konvergenzkriteriums, wie er zu einer strengen Begründung der Analysis gehört, ist aber nur mit Hilfe einer exakten Definition der reellen Zahlen zu führen. Mit K. Weierstraß (1815 – 1897) wurden die Überlegungen zur Begründung der reellen Zahlen in die mathematischen Grundvorlesungen aufgenommen. Leider sind uns heute davon nur zum Teil kritisch beurteilte Schülerschriften überliefert.

Ich möchte die nähere Untersuchung Weierstraß’ Theorie mit seinem Zitat Weierstraß’ beginnen:

„Die Arithmetik basiert nur auf dem Begriff der Zahl und bedarf weder des Postulats noch irgendwelcher Grundsätze.“

Dieses Zitat macht deutlich, daß mit der Definition des Begriffs „Zahl“ alle Regeln der Arithmetik herleitbar sein müssen. Dies macht dann ein Axiomensystem der Arithmetik überflüssig. Den Begriff „Zahl“ versucht Weierstraß dabei durch die Tätigkeit des Zählens zu verdeutlichen und schließlich zu definieren.

(2.1) Definition. Zählen ist eine Zusammenfassung von Einheiten.

(2.2) Beispiel. Für die Gültigkeit folgender Regeln

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

hat Weierstraß nur das Argument zur Verfügung, daß in beiden Summen dasselbe Quantum von Einheiten vorhanden ist.

Weierstraß geht mit seiner Definition des Zählens sogar noch weiter, indem er zuläßt, daß auch unendlich viele Einheiten in einer Zahl zusammengefaßt werden können. Man erhält somit folgende Erweiterung obiger Definition:

(2.3) Definition. Zählen besteht aus dem Herausgreifen gleichartiger Dinge bestimmter Beschaffenheit aus einem Aggregat ungleichartiger, die dann in der Vorstellung als bestimmte Vielheit zusammengefaßt werden.

Eine vollständige Anschauung des gesamten Aggregates erhält man, indem man diese Operation auf alle verschiedenen Arten von Dingen anwendet, die das Aggregat enthält. Weierstraß geht aber noch von einem weiteren zentralen Begriff aus:

(2.4) Definition. Unter einer Zahlgröße versteht man eine Zusammenfassung aller bestimmter Vielheiten unter sich gleichartiger Dinge, aus denen das Aggregat besteht. Treten mehrere Einheiten auf, so heißt die Zahlgröße komplex.

(2.5) Beispiel. Man kann beispielsweise [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] (an, bn ganze Zahlen) als eine Zahlgröße auffassen mit der Begründung, daß die Einheiten [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]jeweils in der Anzahl an vorkommen.

Nach diesen begrifflichen Klärungen beginne ich nun, Weierstraß’ Theorie der positiven reellen Zahlen vorzustellen, die Frage nach der Einordnung der negativen reellen Zahlen in diese Theorie ist sehr technisch und würde den Rahmen des Vortrages sprengen, so daß an dieser Stelle darauf verzichtet wird.

Weierstraß macht zu Beginn seiner Theorie zwei Grundvoraussetzungen:

(1) Alle in einer Zahlgröße auftretenden Einheiten sind positive rationale Zahlen.
(2) Alle auftretenden Anzahlen sind positiv.

Um jedoch den Begriff der „endlichen Zahlgröße“, der dem der reellen Zahl entspricht, einführen zu können, benötigt Weierstraß die folgende Definition:

(2.6) Definition. Eine Zahlgröße z heißt Bestandteil einer Zahlgröße a, wenn jedes Element von z auch Element von a ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Mit Hilfe dieses Begriffes ist nun folgende Definition möglich:

(2.8) Definition. Eine aus unendlich vielen Elementen bestehende Zahlgröße soll unendlich heißen, wenn jede beliebige, aus endlich vielen Elementen bestehende in ihr enthalten ist, endlich, wenn es eine Zahlgröße letzterer Art gibt, die nicht in ihr enthalten ist.

Für die oben definierten „endlichen Zahlgrößen“ werden dann, wie gewohnt, Rechenoperationen eingeführt, aus denen dann die Rechenregeln abgeleitet werden. Dabei ist diese Einführung der Operationen unabhängig davon, wie die betreffenden Zahlen eingeführt wurden, da die Operationen auf die entsprechenden Operationen und Regeln in der Menge der rationalen Zahlen zurückgeführt werden.

[...]


[1] ca. 500 – 450/ 440 v. Chr.

Details

Seiten
8
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638215725
Dateigröße
366 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v16848
Institution / Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen – Lehrstuhl A für Mathematik
Note
1,0
Schlagworte
Zahlen

Autor

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Titel: Die reellen Zahlen