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Religiöse Erziehung und Sozialisation im Kindesalter

Essay 2010 11 Seiten

Didaktik - Theologie, Religionspädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die religiöse Familienerziehung

3. Kindergärten als Ort religiöser Erziehung

4. Die Kirche als Ort der religiösen Sozialisation
4.1. Der Kindergottesdienst
4.2. Die Gemeinde – ein weiteres religionspädagogisches Angebot

5. Religion in den Grundschulen

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Schon früh stellen sich auch kleine Kinder die grundlegenden Fragen unseres Lebens: „Woher kommt die Welt?“, Wohin gehen die Toten?“ Im Jugendalter verändern sich diese Fragen jedoch allmählich: „Worin liegt der Sinn meines Lebens?“, „Was ist gut und was ist böse?“ oder auch „Gibt es Gott wirklich?“. Wenn Kinder und Jugendliche versuchen diese Fragen zu beantworten, kommen sie unausweichlich mit Menschen in Kontakt, welche verschiedene religiöse Vorstellungen und Weltanschauungen haben.[1]

Es wird deutlich, dass einer Vermutung, welche davon ausgeht, dass religiöse Fragen, beziehungsweise die Religion, in der modernen Gesellschaft in den Hintergrund treten, entgegengetreten werden muss. Religion ist auch in unserer modernen und säkularisierten Welt ein Teil unserer Lebenswelt. Jeder kann in seinem Alltag religiöse Symbole, Gebäude, Rituale, Lebensweisen und Überzeugungen finden. Die Religion verschwindet also nicht, sie prägt unsere Kultur genau so, wie die Politik, Wirtschaft oder das Wissen.[2]

Für Kinder und Jugendliche, aber auch für Erwachsene, ist es allerdings nicht einfach, mit den Fragen des Lebens und der religiösen Pluralität in unserer Gesellschaft umzugehen. Deshalb ist es besonders wichtig, dass Kinder und Jugendliche einen Zugang zu religiösen Weltanschauungen und Lebensweisen entwickeln können. Gerade Kinder sind besonders offen für äußere Einflüsse, weshalb es sinnvoll ist schon früh mit einer religiösen Erziehung oder Sozialisation zu beginnen. Den Kindern kann somit dabei geholfen werden, einen eigenen Standpunkt und eine religiöse Toleranz zu entwickeln. So kann religiöse Erziehung und Sozialisation einen großen Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung und Weltanschauung leisten.[3]

Die religiöse Sozialisation vollzieht sich in verschiedenen Etappen. Die ersten religiösen Erfahrungen machen Kinder in der eigenen Familie. Später übernehmen aber auch die Kindergärten und Kirchen die Verantwortung, Kinder und Jugendlichen religiös zu sozialisieren. Später haben die Kinder dann die Chance in Grundschulen und weiterführenden Schulen Antworten auf ihre Fragen zu finden und Weiteres über Religion zu lernen.

Diese Arbeit hat das Ziel die eben genannten Etappen bei der religiösen Sozialisation und Erziehung zu beschreiben, damit die verschiedenen Arten von religiöser Erziehung deutlich werden.

2. Die religiöse Familienerziehung

Die religiöse Familienerziehung ist in der sozialwissenschaftlichen Familienforschung und in der Religionspädagogik ein vernachlässigter Bereich. Dies ist auch dadurch zu erklären, dass es bei der religiösen Familienerziehung weder eine feste Ausbildung, noch rechtliche oder institutionelle Vorlagen gibt. Trotzdem wird durch verschiedenste empirischen Untersuchungen deutlich, dass die religiöse Familienerziehung heute noch eine hohe Bedeutung hat.[4] Dafür spricht auch die Intensität der Weitergabe von religiösen Vorstellungen innerhalb der Familie.

Es muss allerdings deutlich gemacht werden, dass sich die religiöse Familienerziehung kaum an kirchlichen Vorgaben oder Erwartungen orientieren. Vielmehr wird die religiöse Erziehung an den eigenen Bedürfnissen der Familie gerichtet. Deshalb kann auch von einer Individualisierung innerhalb der religiösen Familienerziehung gesprochen werden: in religiösen Fragen sollen jedes einzelne Familienmitglied selbst entscheiden können – auch schon im Kindesalter.[5] Durch die religiöse Familienerziehung sieht sich das Kind in der Lage, sein eigenes Gottesbild zu entwickeln, welches jedoch stark an dem Gottesverständnis der Eltern orientiert ist. Später lernt das Kind sein eigenes Gottesbild von dem seiner Eltern zu differenzieren, sodass es nach und nach sein eigenes Gottesbild entwickeln kann.[6] Neben der Individualisierung der religiösen Familienerziehung ist auch eine Pluralisierung der familiären Religionserziehung im Hinblick auf die vermehrte Anzahl der konfessionsverschiedenen Ehen zu erkennen. Die konfessionsverschiedene Familienzusammensetzung hat direkte Auswirkungen auf die religiöse Erziehung innerhalb der Familie: Religion und religiöse Erziehung wird hier häufig als Streitthema angesehen, weshalb religiöse Fragen in der familiären Kommunikation ausgegrenzt werden.

Die Einstellung heutiger Eltern gegenüber einer religiösen Familienerziehung kann anhand der steigenden Zustimmungen für die Kindertaufe deutlich gemacht werden: Hier kann eine Offenheit der Eltern gegenüber religiöser Fragen und einer familiären Religionserziehung nicht unentdeckt beleiben, zumal es sich bei der Entscheidung für die Taufe des eigenen Kindes um eine gut überlegte Entscheidung handeln sollte.[7]

Obwohl eine zunehmende Zustimmung für die Kindertaufe zu beobachten ist, darf nicht ganz außer Acht gelassen werden, dass sich Eltern heute auch ganz bewusst gegen eine religiöse Erziehung entscheiden. Hierbei spielen Glaubenunsicherheiten oder auch religiöse Sprachlosigkeit eine große Rolle. Ebenfalls werden Entscheidungen gegen eine familiäre Religionserziehung aufgrund einer Distanz zum Glauben und der Kirche getroffen. Manche Eltern treffen diese Entscheidung auch bewusst, weil sie die spätere Entscheidungsfreiheit gegenüber religiöser Einstellungen ihres Kindes nicht einschränken wollen. Hierbei übersehen die Eltern allerdings oft, dass sich ihre Kinder später nur bewusst gegen etwas entscheiden können, was sie auch besser kennen gelernt haben. Eine mangelnde religiöse Familienerziehung darf nicht nur allein auf fehlendes religiöses Interesse der Eltern reduziert werden. Vielmehr neigen manche Eltern dazu, die religiöse Erziehung ihrer Kinder „Fachleute“ anzuvertrauen.[8]

Weiterhin muss festgehalten werden, dass es nur wenige organisierte religionspädagogische Angebote für Eltern und Familien gibt. Im Folgenden sollen exemplarische Beispiele für solche Angebote aufgeführt werden.

Zunächst ist hier eine Religionspädagogik im Umkreis der Taufe zu nennen. Da es hierbei auch um die Bereitschaft der Eltern für eine christliche Erziehung ihrer Kinder geht, sollten in vorbereitenden Taufgesprächen religiöse Fragen und Aspekte eine Rolle spielen. Dies sollte auch in speziellen Einrichtungen, wie die Familienbildungsstätten, weitergeführt werden. Hierbei sollte an ein Bildungsangebot für Eltern und Familien angedacht werden, um die religionspädagogischen Kompetenzen der Eltern zu stärken und fördern. Auch eine seelsorgerische Begleitung, wie die Erziehungsberatung oder die Familientherapie, sollte für religionspädagogische Fragen offen bleiben, damit auch hier Familien und Eltern in einer religiösen Erziehung unterstützt werden können.[9]

Außer Acht darf auch nicht die Wirkung von Kinderbibeln oder religiösen Kinderbüchern auf die religiöse Familienerziehung gelassen werden. Hier bedarf es allerdings eine Unterstützung der Eltern bei der Auswahl von geeigneten und theologisch angemessenen Büchern.

Da die Tendenz immer größer wird, religiöse Fragen und Erziehung im privaten Raum zu belassen, scheint auch die Öffentlichkeitsarbeit ein immer wichtigerer Punkt zu werden. Die Kirche steht hier vor der Aufgabe, die Plausibilität der religiösen Familienerziehung auch im öffentlichen Raum darzustellen.[10]

3. Kindergärten als Ort religiöser Erziehung

In den sozialwissenschaftlichen und erziehungswissenschaftlichen Studien wird der Bereich der Kindergärten so vernachlässigt, wie es auch in der religiösen Familienerziehung der Fall ist. Ein Interesse in diesem Bereich könnte allerdings geweckt werden, wenn man sich vor Augen führt, dass die Kinder sich hier außerhalb ihrer Familie mit der Religion auseinandersetzen und etwas über sie lernen. Interessant wäre ebenfalls die Frage nach dem Verhältnis, welches die Kindergärten zu ihren Trägerschaften haben. Sicher ist, dass in Westdeutschland traditionell etwa 75% der Kindergärten in Freien Trägerschaften waren, wobei hiervon die meisten in kirchlichen, evangelischen oder katholischen Trägerschaften waren. Trotzdem kann nicht von einer kirchlichen Trägerschaft auf eine religiöse Erziehung geschlossen werden.[11] Gründe hierfür könnte die multi-religiöse Zusammensetzung in den Grundschulen sein, aber auch die schlechte Zusammenarbeit zwischen den Kindergärten und den kirchlichen Trägerschaften. Für das Problem der multi-religiösen Zusammensetzung der Kindergartengruppen gibt es bis jetzt keine bewährte Lösung. Deshalb ist es besonders wichtig, durch weitere Erfahrungen und Auswertungen der religiösen Pluralität in den Kindergärten zu vernünftigen und tragfähigen Modellen zu kommen.[12] Um eine bessere Vernetzung zwischen Gemeinde und Kindergärten zu gewährleisten, wird ein verstärktes Engagement auf beiden Seiten vorausgesetzt, wobei nicht mehr von einer Bringschuld seitens der Kindergärten ausgegangen werden kann. Durch ein verstärktes Engagement der Kirche könnte so eine bessere Verbindung zwischen der Kirche und den Kindergärten hergestellt werden.

[...]


[1] Argumente für den Religionsunterricht an öffentlichen Schulen! Religion in der Schule. Eine Initiative der katholischen Kirche, S. 2.

[2] Ebenda.

[3] Der Religionsunterricht vor neuen Herausforderungen (Die deutschen Bischöfe 80), hrsg. vom Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, Bonn 2005, S. 5.

[4] Friedrich Schweitzer: Religionspädagogik. Lehrbuch Praktische Theologie Bd. 1, Gütersloh 2006, S. 201.

[5] Ebenda, S. 202.

[6] Friedrich Schweitzer: Lebensgeschichte und Religion. Religiöse Entwicklung und Erziehung im Kindes- und Jugendalter, München 1987, S. 203.

[7] Friedrich Schweitzer: Religionspädagogik, S. 202.

[8] Der Religionsunterricht vor neuen Herausforderungen, S. 13-14.

[9] Friedrich Schweitzer: Religionspädagogik, S. 204.

[10] Ebenda, S. 205.

[11] Friedrich Schweitzer: Religionspädagogik, S. 206.

[12] Ebenda, S. 209.

Details

Seiten
11
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640854738
ISBN (Buch)
9783640854912
Dateigröße
429 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v168476
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
1,0
Schlagworte
religiöse erziehung sozialisation kindesalter

Autor

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Titel: Religiöse Erziehung und Sozialisation im Kindesalter