Lade Inhalt...

Rohstoffe als Anlageklasse und die Auswirkungen auf die Realwirtschaft

Bachelorarbeit 2010 50 Seiten

BWL - Bank, Börse, Versicherung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundlagen des Portfoliomanagements
2.1 Die Moderne Portfoliotheorie
2.2 Asset Allocation

3. Alternative Investments
3.1 Hedge Funds / Managed Futures
3.2 Private Equity
3.3 Währungen / Kunstgegenstände / Immobilieninvestments

4. Rohstoffe als Asset Klasse
4.1 Grundlagen des Rohstoffhandels
4.2 Marktteilnehmer
4.3 Rohstoffbörsen und -indizes
4.4 Terminmarktkurve, Contango und Backwardation
4.5 Investitionsmöglichkeiten und Trading-Strategien
4.5.1 Institutionelle Investoren
4.5.2 Private Investoren

5. Portfolio-Optimierung mit Rohstoffinvestments für Privatanleger
5.1 Portfolio-Optimierung im Kontext von Konjunkturzyklen.

6. Auswirkungen auf die Realwirtschaft

Anhang

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Effiziente Portfolios

Abbildung 2: Kapitalmarktgerade im CAPM

Abbildung 3: Dimensionen der Asset Allocation

Abbildung 4: Korrelation zwischen Aktien und alternativen Investments

Abbildung 5: Rohstoffklassifizierung

Abbildung 6: Bekannteste Rohstoffindizes

Abbildung 7: Forward-Kurve Rohöl in Contango

Abbildung 8: Forward-Kurve Kupfer in Backwardation

Abbildung 9: Handelsstrategien von Rohstoffinvestments

Abbildung 10: Berechnung des 3:2:1 Crack-Spread

Abbildung 11: Korrelationskoeffizienten zwischen den Renditen von Aktien Global, Renten und Rohstoffen

Abbildung 12: Intermarket-Korrealtion zwischen Rohstoffen und Aktien

Abbildung 13: Stilisiertes Asset Allocation Modell

Abbildung 14: Sharpe Ratio der Assetklassen

Abbildung 15: Wertentwicklung des Weltportfolio

Abbildung 16: Abgesicherte Treibstoffbedarf durch Finanzinstrumente

Abbildung 17: Explorationskosten Rohöl

Abbildung 18: WTI Futures Preise 2004-2008 und 2000-2004

Abbildung 19: Rollverluste bei Nearby Long Futures von 2000-2008

Abbildung 20: Forward-Kurve Heizöl in Bezug auf saisonale Effekte

Abbildung 21: Zusammensetzung GSCI und DJ AIG CI

Abbildung 22: Zusammensetzung des GSCI

Abbildung 23: Entstehung von Rollverlusten im Contango

Abbildung 24: Forward-Kurve Mais

Abbildung 25: Crack-Spread 3:2:1

Abbildung 26: Korrelationen zwischen Aktienindizes

Abbildung 27: Korrelation zwischen Renten und Rohstoffen

Abbildung 28: Stilisiertes Asset Allocation Modell

Abbildung 29: Konjunkturzyklus und Auswirkungen auf Aktien, Renten und Rohstoffe

Abbildung 30: Marktteilnehmer

Abbildung 31: Nettopositionen in Rohölkontrakte

Abbildung 32: Rohstoffentwicklungen 2000 - 2007

1. Einleitung

Die Finanzmarktkrise mit ihrem Höhepunkt im Jahr 2008 und den damit verbundenen massiven Kursstürzen an den Aktienmärkten hat Investoren und Anlegern gleichermaßen hohe Verluste beschert. Im Kontext der Portfoliotheorie nach Markowitz und der damit verbundenen Idee, Risiken bei gleichbleibender Rendite zu minimieren, sind die Überlegungen nach alternativen Investments zur Risikostreuung neu entfacht worden. Rohstoffe als alternative Assetklasse1 bieten aufgrund der niedrigen bis negativen Korrelation zu Anleihe- und Aktienmärkten sowie dem Inflationsschutz als Vermögenswert interessante Aspekte, die in dieser Arbeit näher untersucht werden. Seit mittlerweile zehn Jahren sind Rohstoffe als Assetklasse im Fokus von Investoren und erfreuen sich aufgrund positiver Renditen bis zum Jahr 2009 erhöhter Beliebtheit.

Zu Beginn wird eine kurze Einführung in die Grundlagen des Portfoliomanagements gegeben, um Rohstoffe als Teil der Portfolio-Bildung besser verstehen zu können. Die Asset Allocation, die sowohl strategisch als auch taktisch den Anlageschwerpunkt in Bezug auf Titel- und Länderauswahl der Portfoliobildung einnimmt, soll im folgenden Abschnitt erläutert werden.

In Kapitel 3 werden verschiedene alternative Assetklassen vorgestellt, bevor in Kapitel 4 Rohstoffe2 näher untersucht werden. Rohstoffe werden hauptsächlich auf Terminmärkten gehandelt und deren Preisbildung ist im Vergleich zum Aktien und- Anleihemarkt komplexer.

Hier sollen sowohl das Chance-Risiko-Profil, als auch verschiedene

Investitionsmöglichkeiten und Trading-Strategien untersucht und erläutert werden.

Verschiedene Studien und empirische Belege sollen in Kapitel 5 den Rahmen schließen und die Vorteile von Commodities als effiziente alternative Assetklasse in der Portfoliozusammensetzung verdeutlichen.

Da bei Rohstoffinvestments zwischen institutionellen und privaten Investoren aufgrund der verschiedenen Volumina und Regulierungen unterschieden werden muss, wird die Portfoliobildung für private Investoren in den Vordergrund gerückt. Die Möglichkeiten der institutionellen Investoren werden ausführlich in Kapitel 4.5 behandelt.

Aufgrund hoher Nettozuflüsse von Investorengeldern in den Bereich alternative Investments und insbesondere Commodities stellt sich oft die Frage, ob die Investments, Spekulationen und Arbitragegeschäfte direkten Einfluss auf die Preise und damit Auswirkungen auf die realwirtschaftliche Entwicklung haben. In der Fachpresse sind erste Stimmen zu hören, die befürchten, dass Rohstoffspekulanten doch dauerhafte Spuren an Rohstoffmärkten hinterlassen. Daher soll in Kapitel 6 untersucht werden, ob und wie Finanzinvestoren durch Preisbeeinflussung, Auswirkungen auf die Realwirtschaft haben.3

2. Grundlagen des Portfoliomanagements

2.1 Die Moderne Portfoliotheorie

Das Portfoliomanagement ist die angewandte Portfoliotheorie, die auf Harry Markowitz zurückgeht. Demnach stehen Rendite, Risiko und vor allem die Diversifikation bei Finanzinvestments im Fokus einer gelungen Portfoliobildung. In Aufsätzen aus den Jahren 1952, 1956 und 1959 publizierte Markowitz seine „Portfolio-Selection“.4 Auf diesen Bausteinen entwickelte sich in den 60er-Jahren die Neue Portfoliotheorie mit Einflüssen von Sharpe, Tobin und Roy. Sie brachen mit den traditionellen Annahmen und setzten auf eine quantitative Denkweise, die auf verschiedenen Variablen beruht.5

Renditen werden als Zufallsvariablen betrachtet, die durch Erwartungswert, Standardabweichung und Korrelation beschrieben werden. Die Investoren betrachten Erwartungswert und Standardabweichung der Portfoliorendite. Eine hohe Rendite und eine geringe Standardabweichung als Volatilitätsmaß sind Ziel des Investors. Anhand von Modellen, Wahrscheinlichkeitsrechnungen und mathematischen Werkzeugen soll so durch Diversifikation eine Überrendite erzielt werden. Markowitz ging von einer summierten Rendite der Einzel-Assets im Portfolio aus, wobei das Risiko des Portfolios unter dem kumulierten Risiko der Einzel-Assets liegt. Dies wird anhand unterschiedlicher Korrelationen der einzelnen Assets zueinander erreicht. Die erwartete Portfoliorendite:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten6

setzt sich somit aus dem Anteil der Wertpapiere [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] im Portfolio und dem Erwartungswert [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] der einzelnen Assets zusammen. Die Portfoliovarianz [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] hingegen misst das Risiko der einzelnen Assets im Portfolio und lässt sich aus der Summe der Anteile und ihrer Kovarianzen [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] zwischen den Renditen der einzelnen Wertpapiere ermitteln.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das heißt, es kann mit einer Kombination von verschiedenen Investmentanlagen, die schwach miteinander korrelieren, ein Portfolio aufgebaut werden, das bei gleichem Ertrag ein niedrigeres Risiko ausweist.7 Darauf aufbauend kann man ein effizientes Portfolio konstruieren, wenn bei gleicher Erwartung ein geringeres Risiko, bei gleichem Risiko eine höhere erwartete Rendite oder bei einer höheren erwarteten Rendite ein geringeres Risiko vorhanden ist. Ein effizientes Portfolio besteht, wenn kein anderes Portfolio existiert, welches dieses anhand gleicher Rendite bei geringerem Risiko oder gleichem Risiko und höherer Rendite übertrifft.8 Ersichtlich wird dieser Zusammenhang anhand der Effizienzkurve. Portfolien, die als effizient bezeichnet werden, liegen wie in Schaubild zu sehen auf der Effizienzkurve.

Abbildung 1: Effiziente Portfolios

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: KnowHow (2007).

2.2 Asset Allocation

Die moderne Portfoliotheorie, die erweitert um die Ansätze von Markowitz den Grundstein der Asset Allocation bildet, bestimmt auch heute noch die Anlage- und Investmentstrategien der Portfoliomanager. Nach Rudolph bezeichnet man die Asset Allocation als „…die optimale Aufteilung (Allocation) eines gegebenen Anlagebetrages auf die zur Anlage in Frage kommende Vermögensgegenstände (Assets)“.9 Damit ist gemeint, dass unter Beachtung von persönlicher Risikopräferenz der Anleger von Portfoliomanagern Geld in verschiedene Vermögenswerte investiert wird. In der Portfoliotheorie geht man hier von einem Marktportfolio und einer risikolosen Anlage am Geldmarkt aus. Der Investor kann je nach Risikofreudigkeit entweder einen großen Teil in die risikolose Anlage und den Rest in das Marktportfolio investieren. Oder er kann bei risikofreudigen Entscheidungen sich am Kapitalmarkt zum Zinssatz r verschulden und mehr in das Marktportfolio investieren. Die Zusammensetzung des Marktportfolios bleibt in der Gesamtheit jedoch unverändert und es ist nur die Frage, welcher Betrag investiert wird.

Abbildung 2: Kapitalmarktgerade im CAPM

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Dennin (2009), S. 63.

Im Vordergrund steht eine Gewichtung von Ländern, Branchen und Regionen. Die Asset Allocation bildet somit den Rahmen des Portfoliomanagements.10

In der klassischen Portfoliotheorie geht Markowitz von einer Diversifikation über Aktien, Bonds und Cash aus. Zunehmende Bedeutung finden jedoch aufgrund einer Zunahme an Anlagemöglichkeiten auch immer mehr alternative Investments. Eine Dimension der Asset Allocation, die sich über die strategische, taktische und dynamische vs. statische Allokation bestimmt, ist in Abbildung 3 ersichtlich.11

Abbildung 3: Dimensionen der Asset Allocation

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Dichtl/Kleeberg/Schlenger (2003), Vorwort.

In der Literatur werden hauptsächlich zwei Investmentstrategien besprochen. Zum einen die bereits oben erwähnte strategische Asset Allocation12, die auf einer breiten Diversifikation von Asset Klassen beruht, also einem Top-down-Prinzip folgt. Zum anderen die taktische Asset Allocation13, die nachgelagerte Entscheidungsprozesse verbindet und eher einem Bottom-up-Prinzip folgt. Die strategische Ausrichtung verfolgt einen längerfristigen Anlagehorizont, wohingegen die taktische Ausrichtung kurzfristiger und vor allem flexibler gestaltet werden muss.14

Ausgehend von einem effizienten Portfolio besteht das Ziel, mit einer breiteren Diversifikation höhere Renditen bei gleichbleibendem Risiko oder gleichbleibende Erträge bei geringerem Risiko zu erzielen. In der Literatur finden demnach Alternative Investments einen beachtlichen Stellenwert, um das Risiko des Gesamtportfolios zu minimieren. In dieser Arbeit wird also die strategische Asset Allocation die Grundlage sein.

3. Alternative Investments

Vor allem in den neunziger Jahren war in den Portfolien vieler Anleger ein zu hoher Aktienanteil, was durch das Platzen der Internetblase zu einem hohen Verlust bei institutionellen und privaten Anlegern führte. Dadurch wurde das Risikobewusstsein vieler Anleger gestärkt.15 Mit dem Eintritt der Finanzmarktkrise und den dadurch bedingten massiven Kursverwerfungen bei vielen Assetklassen, ist die Suche nach einer breiteren Diversifikation, also Risikostreuung, verstärkt worden. Alternative Assetklassen beschreiben Vermögensgegenstände, die keine traditionelle Assets wie Aktien oder Anleihen darstellen. Im Vergleich zu traditionellen Assetklassen sind alternative Investments häufig weniger stark reguliert und weisen eine geringere Liquidität auf. Nach Boido und Fasano (2009) lassen sie sich durch folgende Punkte charakterisieren:

1. Geringe Korrelation zu traditionellen Anlageklassen wie Aktien- und Anleihenmärkten.
2. Die Assetklasse bietet eigenständige Rendite- und Risikoeigenschaften.
3. In der Regel sind nur erfahrene Anleger investiert.
4. Es ist ein vertieftes Detailwissen von Finanzintermediären für jeden Sektor einer alternativen Anlageklasse erforderlich.16

Vorteile sind die unterschiedlichen Chancen-Risiko-Profile und vor allem die geringe bis negative Korrelation zu traditionellen Assetklassen.17

Abbildung 4: Korrelation zwischen Aktien und alternativen Investments

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Fischer/Lind-Braucher (2009), S.483.

Als Alternative Investments gelten im Finanzbereich Hedge Funds/Managed Futures, Währungen, Private Equity, Kunstgegenstände, Immobilieninvestments und Commodities.

3.1 Hedge Funds / Managed Futures

Hedgefunds verfolgen eine Absolute-Return-Strategie. Das bedeutet, dass sie versuchen, unabhängig von der Wertentwicklung der Märkte eine positive Rendite zu erzielen. Mit verschiedenen Strategien wie Absolute-Return-Investment, Spekulation, Arbitrage und Leverage, erzielen Hedge Funds häufig eine Rendite, die weit über der Marktrendite liegt.18 Die schier unbegrenzten Anlagevarianten, die Möglichkeiten der Verschuldung und der Einsatz aller Finanzinstrumente lässt Hedge Funds zur „Königsdisziplin“ der Kapitalanlage aufsteigen. Gerade die Unabhängigkeit von Marktzyklen macht sie als alternatives Investment für eine breitere Diversifikation interessant. Nach Bessler, Drobetz und Henn sollen demnach fünf Prozent des Portfolios in Hedge Funds gehalten werden.19 In Deutschland steht diese Assetklasse Privatanlegern seit dem 1. Januar 2004 zur Verfügung. Mögliche Investments können in Zertifikaten, Genussscheinen, Optionsanleihen und Aktien erfolgen.20

Jedoch sind Hedge Funds wie Private-Equity hierzulande teilweise verrufen und ihnen haftet aufgrund politischer Äußerungen der Ruf als „Heuschrecken“ an. Ein Statement von Dr. Edgar Meister, ehemaliges Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank, aus dem Jahr 2004 stellt Hedge Funds zwar als stabilisierendes Element und effizienzerhöhendes21 Anlagevehikel in der Finanzindustrie dar, jedoch deutet Meister auch auf „…Quellen erhöhten systematischen Risikos…“ hin.22

3.2 Private Equity

Im Gegensatz zu Hedge Funds stellt Private Equity eine Form der externen Eigenkapitalfinanzierung dar. Unternehmen, die einen erschwerten Zugang zum Kapitalmarkt haben, nutzen oft die Möglichkeiten, die ihnen Private Equity gibt. Es handelt sich hierbei um eine meist kurz-mittelfristige Kapitalüberlassung, die den Investoren eine überdurchschnittliche Rendite verspricht. Hierbei sind insbesondere sogenannte Buy-outs23 zu beachten, die in Deutschland 65,1 Prozent der Mittelzuflüsse von Private-Equity- Finanzierungen ausmachen.

Verschiedene Strategien von Private Equity spielen in Zusammenhang mit Geschäftsführung und Leverage-Effekt24 eine wichtige und tragende Rolle. Zum einen beteiligen sich Private- Equity-Firmen an hochverschuldeten Unternehmen und nutzen dadurch den geringen Eigenkapitaleinsatz zur überdurchschnittlichen Eigenkapitalrendite. Zum anderen wird ein Ansatz des Managements Buy-in gewählt, der das bisherige Management durch externes Management der Private Equity Kapitalgeber ablöst. Buy-outs sind Übernahmen von Unternehmen, bei denen sich das bisherige Management durch Eigenkapitalanteile am Unternehmen beteiligt. Eine dritte Strategie sind die Sanierungs- und Turnaround-buy-outs.

Investoren sind hier meist Versicherungen, Pensionskassen und Banken, die einen langfristigen Anlagehorizont aufweisen. Interessant ist dieses alternative Investment im Hinblick auf die niedrige Korrelation zu traditionellen Assetklassen und weil sich für die Investoren Anlagemöglichkeiten ergeben, die am Finanzmarkt nicht replizierbar wären. Jedoch sind die hohen Risiken aus potenziellen Totalausfällen ausreichend zu beachten.25

3.3 Währungen / Kunstgegenstände / Immobilieninvestments

Weitere Alternative Investments wie Währungen, Immobilieninvestments und Kunstgegenstände sollen hier nicht weiter beachtet werden, jedoch eignen auch sie sich für eine breite Diversifikation. Ein gesteigertes Interesse an Währungsumsätzen kann man aus den aktuellen Marktpreisen ableiten. So haben sich zum Beispiel die täglichen Durchschnittswerte der Währungsumsätze in Großbritannien von 637 Mrd. US-Dollar im Jahr 1998 auf 1359 Mrd. im Jahr 2007 mehr als verdoppelt.26 Rohstoffe als Assetklasse und die Beimischung in ein Gesamtportfolio soll in den folgenden Kapiteln erörtert werden.

4. Rohstoffe als Asset Klasse

4.1 Grundlagen des Rohstoffhandels

Rohstoffe lassen sich primär in Erzeugnisse aus Landwirtschaft und Bergbau/Minenindustrie einteilen. Unter dem Begriff versteht man jedoch auch Waren, die erst durch eine Weiterverarbeitung entstanden sind.27 Die Einteilung der verschiedenen Rohstoffe oder Commodities lassen erfolgt zum einen in Hard Assets und zum anderen in Soft Assets. Innerhalb dieser zwei Kategorien werden weitere fünf Untergruppen gebildet. Charakteristisch stehen Soft Assets für Rohstoffe, die verderblich, jedoch stetig nachwachsen und unbegrenzt verfügbar sind. Hard Assets zeichnen sich dadurch aus, dass sie nur begrenzt zur Verfügung stehen und nicht nachwachsen.28 Die folgende Grafik soll dies verdeutlichen.

Abbildung 5: Rohstoffklassifizierung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Mankiewicz (2009), S. 3.

Früher war der Rohstoffhandel nur für Marktteilnehmer gedacht, die physisch mit Waren handeln. Historisch gesehen geht der Handel mit Rohstoffen bis ins Mittelalter zurück, als in großem Umfang mit Holz, Gewürzen, Weizen und Feldfrüchten gehandelt wurde. Die wohl bekanntesten Ursprünge des Rohstoffterminmarktes stellt Holland. Im 17. Jahrhundert avancierte Holland mit der Tulpe als Statussymbol zum Inbegriff des Terminmarktes, als noch nicht verkaufsfähige Tulpen gehandelt wurden. Der erste Börsencrash 1636 war die Folge übertriebener Preis- und Spekulationsgeschäfte.29 Damals wurden Rohstoffe jedoch vorwiegend physisch gehandelt.

Anfang der 1980er-Jahre war ein lang anhaltender Preisverfall an den Rohstoffmärkten ersichtlich. Gründe waren die nachlassende Nachfrage der Industrienationen und die höheren Renditen an den Anleihe- und Aktienmärkten. Dadurch fehlten lange Zeit die Investitionen in neue Förderkapazitäten, was mit einem Anstieg der Nachfrage aus den Schwellenländern und einem knappen Angebot, zu höheren Preisen und damit zu besseren Renditechancen führte.30 Da es sich bei Soft Assets um nachwachsende Rohstoffe handelt, ist der Preis oft saisonalen Schwankungen ausgesetzt. Auf dieses Phänomen kommen wir in Kapitel 4.5 Trading-Strategien zu sprechen.31

Beim Rohstoffhandel gibt es bestimmte Voraussetzungen, die erfüllt werden müssen. Zum einen sind Preis, Vertragszeitraum, Anzahl, Qualität und Güte, sowie Ort der Lieferung zu bestimmen. Die Preise im Rohstoffsektor sind teilweise sehr volatil. Sie unterliegen verschiedenen Risiken wie saisonalen Effekten32, Klimaanomalien, Weltbevölkerungsdruck und Konsumentenverhalten bei begrenzter Anbaufläche.33

Der Grund, weshalb Commodities in den 90er-Jahren noch recht selten in der Finanzindustrie gehandelt wurden, liegt an ihren speziellen Eigenschaften. So sind viele Rohstoffe generell in einem Bullenmarkt. Wissenschaftliche Studien als Prebisch-Singer Hypothese untersuchten tausendfach diesen Markt und analysierten, dass die realen Rohstoffpreise in den letzten 140 Jahren jedoch um 1,3 % pro Jahr gesunken seien. Das Interessante an Rohstoffinvestments ist die Entwicklung der Preise, die sich innerhalb kurzer Zeit verdoppeln34 oder verdreifachen, um dann wieder abrupt abzustürzen.35

Des Weiteren gilt es beim Rohstoffhandel, den Spot Market, also den Kassa-Handel und den Terminmarkt (Forward-Markt) zu beachten.36 Jedoch ist festzustellen, dass es nicht unbedingt auf die Forward-Kurve Einfluss nehmen muss, wenn zum Beispiel der Spot-Preis bei Weizen aufgrund saisonaler Effekte stark steigt, der Terminkurs sich aber kaum verändert. Das liegt an den langfristigen Erwartungen bzgl. Lagerbeständen und Angebot- Nachfrage-Situation in der Zukunft. Ein weiterer Aspekt bei der Betrachtung von Spot- und Terminmarkt ist die Angebotsseite. So sind die größten Rohstoffvorkommen in Entwicklungs- und Schwellenländer zu finden, deren politische Stabilität nicht immer gegeben ist.37

Als Anlageinstrument interessant machen Rohstoffe die positive Korrelation38 zu Inflation und die niedrige bzw. negative Korrelation zu Aktien und Anleihemärkten.39 Hierauf gehen wir in Kapitel 5 ausführlich in der Betrachtung von Rohstoffen zur Portfolio-Optimierung ein.

An Rohstoffen kann über drei Ertragsquellen partizipiert werden; den Spot Yield, den Roll Yield und den Collateral Yield. Wenn bei physischen Rohstoffen wie Goldbarren oder Münzen Kurszuwächse am Spot Market entstehen, spricht man von Spot Yield. Die inflationsbereinigten Renditen sind hier jedoch nicht rentabel. Der Wert des ältesten öffentlichen Kassamarktindex ist von 1947 bis 2005 um 73 Prozent gefallen.

Daher legen gerade Finanzinvestoren einen großen Blick auf Roll Yield und Collateral Yield. Erträge aus diesen beiden Quellen können nur mit dem Forward-Market realisiert werden. Der Roll Yield wird in Verbindung mit Investment-Strategien in Kapital 4.4 näher erläutert, da er in den letzten 20 Jahren eine überdurchschnittliche Rendite im Vergleich zu den anderen Ertragsquellen erzielt hat und das „Rollen“ ein wesentlicher Faktor für den Erfolg in Rohstoffinvestments darstellt. Der Collateral Yield ist der Ertrag, den Rohstoffteilnehmer am Markt über einen zusätzlichen Zinsertrag generieren. Festverzinsliche Wertpapiere, die als Sicherheiten für Rohstoffterminkontrakte hinterlegt werden müssen stellen für den Investor Zinserträge dar.40

[...]


1 Für den Begriff Anlageklasse wird der Begriff Assetklasse verwendet.

2 In dieser Arbeit wird für Rohstoffe häufig der englische Begriff Commodities verwendet.

3 Vgl. Braunberger (2010), S. 16.

4 Vgl. Markowitz, (1952), S. 77-90.

5 Vgl. Spremann (2006), S. 53.

6 ܺ ݐ݂ ݐ ݐ݌ ݌

7 Vgl. Bruns/Meyer-Bullerdiek (2000), S. 66.

8 Vgl. Poddig/Brinkmann/Seiler (2004), S. 79.

9 Vgl. Rudolph (1992), S. 10-23.

10 Vgl. Kaiser (2004), S.371.

11 Vgl. Dichtl/Kleeberg/Schlenger (2003), Vorwort.

12 Die strategische Asset Allocation bildet den Rahmen für eine weitere Vorgehensweise. Demnach werden Länder, Branchen oder volkswirtschaftliche Aussichten erörtert und bewertet.

13 Die taktische Asset Allocation folgt dem Einzelwertprinzip und sucht anhand fundamentaler, technischer und statistischer Analysen nach lukrativen Investments, in dem von der strategischen Assel Allocation gesetzten Rahmen.

14 Vgl. Dichtl (2001), S. 26.

15 Vgl. Junker (2007), S. 24.

16 Vgl. Boido/Fasano (2009), S. 75.

17 Vgl. Bretzler/Rudolph (2004), S. 2-3.

18 Die Strategien der Hedge Funds sind nicht eindeutig klassifiziert. Zur weiteren Verdeutlichung der Strategien ist das Handbuch Hedge Funds von Dichtl/Kleeberg/Schlenger aus dem Jahr 2005 sehr empfehlenswert.

19 Vgl. Bessler/Drobetz/Henn (2005), S. 4.

20 Vgl. Berg (2004), S. 39-42.

21 Durch das Ausnutzen von Arbitrage-Möglichkeiten fördern Hedge Funds die Effizienz des Kapitalmarktes, weil sie die Ineffizienzen bei der Informationsversorgung in der Realität ausnutzen. Vgl. Bessler/Drobetz/Henn (2005), S. 9.

22 Vgl. Schwarz (2008) S. 35.

23 Buy-outs werden anhand der Finanzierungsstruktur, der Transaktionsform oder der Unternehmenssituation näher klassifiziert. Vgl. Brettel et al. (2008), S. 12-14.

24 Der Leverage-Effekt führt zu einer attraktiven Eigenkapitalrendite bei überdurchschnittlich verschuldeten Unternehmen, die durch den Einsatz von geringerem Eigenkapital von der erhöhten Fremdfinanzierung profitieren.

25 Vgl. Brettel et al. (2008), S. 16.

26 Vgl. Hilpold/Kaiser (2010), S. 212

27 Vgl. Schofield (2007), S. 70.

28 Vgl. Füss/Kaiser (2006), S. 497-498.

29 Vgl. Huszar (2008) S. 2.

30 Vgl. Bretzler/Rudolph (2004) S. 50.

31 Vgl. Holz (2008), S. 177-179.

32 Saisonale Effekte treten zum Beispiel bei Heizöl auf, das verstärkt in den Wintermonaten nachgefragt wird und daher dort höhere Preise generiert. Siehe dazu Abbildung 20 im Anhang.

33 Vgl. Holz (2008), S. 179.

34 Palladium plus 140%, Platin plus 50% und Eisenerz plus 100% in einem Jahr. Vgl. Gatermann (2010), S. 116.

35 Vgl. Krämer (2002), S. 8.

36 Vgl. Seidel/Ginsberg (1983), S.12-16.

37 Vgl. Holz (2008), S. 180.

38 Da Rohstoffe Sachwerte sind, geht die herrschende Meinung davon aus, dass auch Rohstoffe in Inflationszeiten teurer werden. Dies ist jedoch nicht bei allen Rohstoffen der Fall. Siehe dazu Weizen, Aluminium und Gold.

39 Vgl. Single/Bachofer (2006), S. 208.

40 Vgl. Metzger/Single (2006), S. 415-417.

Details

Seiten
50
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640854615
ISBN (Buch)
9783640854783
Dateigröße
1.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v168447
Institution / Hochschule
Universität Hohenheim
Note
1,7
Schlagworte
Rohstoffe Assetklassen Gold Öl Markowitz Portfolio-Theorie Konjunkturzyklen Realwirtschaft Alternative Investments Trading-Strategien Terminmarktkurven

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Rohstoffe als Anlageklasse und die Auswirkungen auf die Realwirtschaft