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„Ist die menschliche Kultur des Menschen Untergang?“

Hausarbeit 2007 20 Seiten

Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)

Leseprobe

Gliederung

1. Über „die Entstehung“ der Kultur

2. Was ist die menschliche Kultur?

3. Das Verhältnis des Menschen zur Natur
3.1 Die Natur aus Sicht des Menschen
3.2 Das Mängelwesen Mensch
3.3 Der „homme sauvage“

4. Das Verhältnis des Menschen zur Kultur
4.1 Die Kultur als Rettung für den Menschen
4.2 Die Kultur als Gefahr für den Menschen
4.2.1 Die Gefahr durch die Entfremdung von der Natur
4.2.2 Die Gefahr durch die Entfremdung von der Kultur als Werk

5. Lösungsversuche
5.1 Zurück zur Natur?
5.2 Das Ich und das Du

6. Auswertung

7. Literaturverzeichnis

1.Über „die Entstehung“ der Kultur

„Wie aber Epimetheus doch nicht ganz weise war, hatte er unvermerkt schon alle Kräfte aufgewendet für die unvernünftigen Tiere; übrig also war ihm noch unbegabt das Geschlecht der Menschen, und er war ratlos, was er diesem tun sollte. In dieser Ratlosigkeit nun kommt ihm Prometheus, die Verteilung zu beschauen, und sieht die übrigen Tiere zwar in allen Stücken weislich bedacht, den Menschen aber nackt, unbeschuht, unbedeckt, unbewaffnet, und schon war der bestimmte Tag vorhanden, an welchem auch der Mensch hervorgehen sollte aus der Erde an das Licht. Gleichermaßen also der Verlegenheit unterliegend, welcherlei Rettung er dem Menschen noch ausfände, stiehlt Prometheus die kunstreiche Weisheit des Hephaistos und der Athene, nebst dem Feuer (…) und so schenkte er sie dem Menschen.“ (Platon, Protagoras, S. 62).

In der bekannten Prometheussage wurde dem Menschen die Kultur, in der Form der Weißheit und des Feuers, geschenkt. Doch ist diese rettende Gabe auch zugleich mit dem Fluch des Diebstahls behaftet und mit der bekannten Bestrafung des Prometheus. Die folgende Darlegung soll zeigen, ob die menschliche Kultur tatsächlich ein Segen oder doch ein Fluch für die Menschheit ist.

Zunächst wird der Begriff der Kultur im Punkt Zwei geklärt werden. Die beiden sich anschließenden Abschnitte, Drei und Vier, charakterisieren das Verhältnis des Menschen zur Natur und zur Kultur näher, wobei es vor allem in Punkt 4 um mögliche Gefahren, die die Kultur beinhaltet, gehen soll. Abschnitt Fünf bietet für diese Gefahren Lösungswege an. Der Sechste und Letzte Punkt beinhaltet eine Zusammenfassung und eine kritische Wertung des Problems und bildet den Schluss der Arbeit.

2.Was ist die menschliche Kultur?

Kultur (lat. cultura) ist die „…Gesamtheit der erlernten Verhaltensweisen und der übernommenen Einstellungen, Wertesysteme und Kenntnisse (…), die von Mitgliedern einer Großgruppe geteilt und tradiert werden. ‚Kultur’ ist sowohl Ausdruck als auch Bedingungsstruktur für das Verhalten der Mitglieder einer bestimmten Gesellschaft.“ (Weggel Oskar, S. 22). Solche und ähnliche Definitionen des Kulturbegriffs findet man in einer Vielzahl von Lexika und anderer Literatur. Jedoch decken die meisten Festlegungen nur Teilbereiche der menschlichen Kultur ab, wie etwa materielle Aspekte (z.B. Herstellung von Werkzeugen) oder geistige Hervorbringungen (z.B. Schrift).

Aufgrund der Vielfalt der menschlichen Kulturerzeugnisse ist eine exakte Definition nur schwer möglich. Eine recht gelungene Begriffsbestimmung findet sich bei Herbert Schnädelbach:

Die „…wichtigste Unterscheidung zwischen der traditionellen und der modernen Rede von Kultur betrifft den zwischen Singular und Plural.“ (Schnädelbach, S. 510). Von der Kultur im Singular spricht man, sofern ein Gebiet mit Begriffen die die gleichen Merkmale aufweisen, gemeint ist, wie z.B. die Kunst. Dagegen ist die Rede von Kultur en, wenn man die verschiedenen Ausprägungen von Kultur in den verschiedenen Völkern der Erde betrachtet.

Die Kultur(en) kann (können) natürlich wertend und wertfrei betrachtet werden. Dies schließt ein, dass „…auch andere Kulturen ein Existenzrecht haben, die anderen Normen folgen als den unsrigen und deswegen eine wertfreie Annäherung verlangen…“ (ders., S. 511).

Zuletzt beleuchtet Schnädelbach den Aspekt des materialen und des formalen Kulturbegriffs. Man formalisiert, „…wenn man fragt, welche Merkmale ein Gegenstand oder Phänomen aufweisen muß, um als kulturelles (…) zu gelten.“ (ders., S. 513). Der materiale Kulturbegriff hingegen gibt Leistungen an, die eine Kultur zum Überleben ihrer Mitglieder benötigt. (vgl. ders., S. 513).

Die nun folgende Darlegung beschäftigt sich vor allem mit dem Kulturbegriff im Sinne einer Abgrenzung des vom Menschen Geschaffenen zur Natur – also einem materiellen, im Singular verwendeten Kulturbegriff, der zudem auch eine Wertung enthält.

3.Das Verhältnis des Menschen zur Natur

Seitdem der Mensch anfing seinen, dem Tier überlegenen, Verstand zu nutzen und auf die Natur zuzugreifen, d.h. mit Dingen aus der Natur eigene Werke zu schaffen, stellt er dieser eine Kulturwelt gegenüber. Im folgenden Abschnitt soll gezeigt werden, in welchem Verhältnis der Mensch zur Natur steht und ob es ihm möglich ist, sich ihr gegenüber ohne die Kultur, oder nur mit primitiven kulturellen Mitteln zu behaupten.

3.1 Die Natur aus Sicht des Menschen

Natur (lat. natura) bezeichnet alles was den Menschen umgibt und nicht von ihm geschaffen wurde, so z.B. das Tier- und Pflanzenreich, das All und geografische Formen. Die Natur tritt mit der menschlichen Kultur in Beziehung. So gilt sie einerseits als „…das Richtige und Gesunde, Weise und Vollkommene...“, welches die Kultur nicht erreichen kann, aber nach dem sie strebt (Schnädelbach, S. 519). Andererseits wird sie auch als die „rohe Natur“ bezeichnet (vgl. Gehlen Arnold, S. 2). Dieser muss der Mensch mit seiner geschaffenen Kultur trotzen und in erster Linie in ihr überleben können. In jedem Fall steht der Mensch, und somit seine Kultur, in einer Beziehung zur Natur und kann sich nicht losgelöst von ihr betrachten.

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Details

Seiten
20
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640853151
ISBN (Buch)
9783640853403
Dateigröße
488 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v168375
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden – Institut für Philosophie
Note
2,00
Schlagworte
Kultur Natur Schnädelbach Prometheus

Autor

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Titel: „Ist die menschliche Kultur des Menschen Untergang?“