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Analyse von Erich Fromms "Furcht vor der Freiheit"

Kapitel 2, 4 und 7

Hausarbeit 2008 22 Seiten

Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Erich Fromm - Biografie

3. Inhaltsangabe: „Furcht vor der Freiheit“

4. Inhaltsangabe: „Das Individuum im Widerspruch“

5. Kapitel
Vom Auftauchen der Individualität und dem Doppelsinn des Begriffs Freiheit
Primäre Bindung
Geistige Entwicklung
Individuationsprozess
Menschliche Existenz und Freiheit

6. Kapitel
Das Doppelgesicht der Freiheit und der moderne Mensch
Beeinflussung der Persönlichkeit durch die Reformationszeit und den Kapitalismus
Der Weg des Kapitalismus, sein Wirtschaftsystem und seine Vertreter
Opferbereitschaft und Egoismus, Freiheit im Widerspruch
Selbstliebe & Selbstsucht
Beherrschung der Natur & Zwischenmenschliche Beziehungen
Kapital und Macht
Werbung
Politische Propaganda
Ohmacht des Individuums

7. Kapitel 7.1 Freiheit und Demokratie
Individualität als Illusion
Verlust des Eigenständigen Denkens

8. Kapitel 7.2 Freiheit und Demokratie
Freiheit und Selbstbestimmung
Stärkung der Individualität

9. Hauptthesen und Struktur des Buches „ Furcht vor der Freiheit“

10. Reflexion
„Der Individualismus als leere Schale aufgrund der Furcht und der Flucht vor der Freiheit “

11. Literatur

1. Einleitung

In meiner Hausarbeit habe ich mich mit den Grundgedanken und Hauptthesen Erich Fromms in „Furcht vor der Freiheit“ auseinandergesetzt. Als Hilfestellung verwendete ich Literatur von

H.-E. Schiller: „Das Individuum im Widerspruch“, sowie Internetquellen zu seiner Biografie.

Durch Fromms Lebenslauf zeige ich seine Entwicklung aus seiner Jugend und Studienzeit in Deutschland, über seine Immigration in die USA, wo er seine ersten Werke veröffentlichte, die ihn zu einem populären Psychoanalytiker machten, bis hin zum Wirken in Mexiko und der Schweiz. Darauf hin werde ich eine Zusammenfassung der wichtigsten Ansichten der Kapitel Zwei, Vier und Sieben, zu Individuation und Freiheit wiedergeben, die Erich Fromm 1941 veröffentlicht hat. Ich erläutere die Grundstruktur und gehe auf die Hauptgedanken des Buches ein. Zum Abschluss beschäftige ich mich in einer Reflexion mit der Frage, ob der Individualismus aufgrund von Furcht und Flucht vor der Freiheit zu einer leeren Schale geworden ist.

2. Erich Fromm - Biografie

Erich Fromm wurde als einziger Sohn von Naphtali Fromm und seiner Frau Rosa, am 23. März 1900 in Frankfurt am Main geboren. Er stammte einer jüdisch-orthodoxen Familie ab.

Bereits mit 13 Jahren befasste sich Erich Fromm mit dem Talmud. Zu seiner Lektüre gehörten die Werke von Ernst Bloch. Er besuchte die Wöhler-Schule in Frankfurt und schloss mit Abitur ab. Ab 1918 studierte er an der Universität Frankfurt am Main Jura. Nach zwei Semestern verließ er Frankfurt und zog nach Heidelberg. Dort setzte er sein Studium in den Fächern Psychologie, Philosophie und Soziologie fort. Im Jahr 1920 war er an der Gründung des Freien Jüdischen Lehrhauses beteiligt.

In dieser Zeit entstand eine Zusammenarbeit mit Walter Benjamin. Daraufhin schloss er sein Studium ab und promovierte dort 1922 bei Alfred Weber über Das jüdische Gesetz.

Im Jahr 1926 heiratete er die Psychoanalytikerin Frieda Reichmann. In dieser Zeit wandte er sich auch vom orthodoxen Judentum ab.

Er begann ein Studium in Psychologie und Psychiatrie in München. Unter anderem war er Schüler von Karl Landauer, einen deutschen Psychoanalytiker, der sich überwiegend mit Psychosen und den Fragen des Narzissmus gefasste. Im Jahr 1929 beendete er das Studium am Psychoanalytischen Institut in Berlin. Er gründete mit anderen das Süddeutsche Institut für Psychoanalyse mit Sitz in Frankfurt am Main. Er folgte einem Ruf Max Horkheimers an das Frankfurter Institut für Sozialforschung. Dort ergab sich eine Zusammenarbeit mit Theodor W. Adorno und Herbert Marcuse. Im Jahr 1941 trennte er sich von seiner Frau, 1942 wurden sie geschieden. Fromm erkrankte an Tuberkulose und begab sich im Jahr 1932 für knapp ein Jahr nach Davos in die Schweiz. Nach der Machtübernahme Hitlers emigrierte er in die USA und siedelte nach New York über, wohin auch das Institut für Sozialforschung emigrierte. Dort betrieb Fromm eine Praxis für Psychoanalyse.

In der Zeit von 1934 bis 1939 lehrte er an der Columbia Universität in New York.

Als Adorno im Jahr 1939 als Vollmitglied dem Institut für Sozialforschung beitreten wollte, erklärte Fromm seinen Austritt. Im Jahr darauf wurde er US-amerikanischer Staatsangehöriger.

Sein Werk mit dem Titel „Die Furcht vor der Freiheit“ wurde im Jahr 1941 veröffentlicht.

Es zeichnet ihn zum etabliertesten Repräsentanten der Neo-Psychoanalyse aus. Sie steht im Unterschied zu Siegmund Freuds Psychoanalyse und legt ihren Schwerpunkt auf gesellschaftliche Aspekte sowie auf andere Triebe.

Ab dem Jahr 1941 hatte Fromm eine Professur für Psychologie in Vermont inne. Nach seiner Scheidung heiratete Fromm im Jahr 1944 Henny Gurland. Drei Jahre später erschien seine Abhandlung „Psychoanalyse und Ethik“.

Im Jahr 1949 verließ er die USA und zog nach Mexiko. Dort gründete er in Mexico City eine Praxis. Zwei Jahre später war er außerordentlicher Professor für Psychoanalyse an der dortigen Universität. Im Jahr 1952 starb seine Frau. Im Jahr darauf heiratete er Annis Freemann.

Sein Werk „Die Kunst des Liebens“ erschien im Jahr 1956. Die Arbeit bekam nicht nur von der Fachwelt positive Kritiken, sondern wurde auch von einer breiten Öffentlichkeit wohlwollend aufgenommen. Er schloss sich im Jahr 1957 der amerikanischen Friedensbewegung an und äußerte sich gegen das politische Atomwaffenengagement der USA.

1950 organisierte er die UNAM (Universidad Nacional Autónoma de México) durch die Graduiertenschule, die von Dr. José Zuzaya geleitet wurde, Kurse für Spezialisten in Psychiatrie und Psychoanalyse. Zur Leitung der Kurse für Psychoanalyse lud die Universität Erich Fromm ein, der seit einiger Zeit Mexiko besuchte. Nachdem er diese Aufgabe im Jahre 1950 übernommen hatte, organisierte und leitete Erich Fromm die Ausbildung für Psychoanalyse. Er wohnte seither in Mexiko.

Zwei Jahre später erfolgte seine Emeritierung. Im gleichen Jahr entstand das Gemeinschaftswerk „Humanist Socialism“, an dem unter anderem Herbert Marcuse und Ernst Bloch als Autoren auftreten.

Im Jahr 1974 verließ er Mexiko und siedelte wieder nach Europa über.

Dort ließ er sich in Muralto im Schweizer Tessin nieder. Im Jahr 1976 wurde sein Werk „Haben und Sein“ veröffentlicht. 1979 Verleihung der Frankfurter Goethe-Plakette.

Erich Fromm starb am 18. März 1980 im Alter von 79 Jahren in Muralto bei Locarno in der Schweiz.

Im Jahr 1981 wurde ihm posthum die Goetheplakette der Stadt Frankfurt am Main verliehen.

(Vgl. Rainer Funk, Erich Fromm, Rowohlt Taschenbuch Verlag, 6 Auflage, 1995)

(Vgl. http://psydok.sulb.uni-saarland.de/volltexte/2004/252/pdf/Millan_1992.pdf)

(Vgl. http://www.erich-fromm.de/d/index.htm?/d/play.php?shownews=10)

(Vgl. http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/FrommErich/index.html)

3. Inhaltsangabe: „Furcht vor der Freiheit“

In dem Buch „Furcht vor der Freiheit“ von 1941, geht Fromm die These an, dass Freiheit ein psychologisches Problem darstellt. Er stellt den Doppelsinn der Freiheit und das Auftauchen der Individualität an erster Stelle. Er nennt die Begriffe der „primären Bindungen“, „Ich-Bezogenheit“ und den Prozess des Individualismus. Er stellt die Ansicht auf, dass die menschliche Existenz und Freiheit nicht trennbar sind. Sein Hintergrund findet er im Mittelalter und der Befreiung vom Feudalsystem, sowie das Individuum in der Renaissance. Die Reformation sieht Fromm als ein Wendepunkt in der Bildung des individuellen Selbst. Ein Bruch zwischen Natur und Mensch findet statt. Durch eine Beeinflussung der Persönlichkeit durch den Kapitalismus und die der Reformationszeit, trennte sich der Freiheitsbegriff in zwei Seiten. Er entwickelt daraus die zwei Aspekte der Freiheit, die das Individuum dazu bringen von der Freiheit in das Autoritäre und Destruktive zu fliehen. Er beschreibt diese als Fluchtmechanismen. Er zeigt autoritäre Tendenzen auf, den Zerstörungstrieb und die automatische Anpassung. Fromm wendet sich hierbei sowohl gegen die Ansicht, dass der Nationalsozialismus ein Ergebnis der ökonomischen Dynamik ist. Er ist gegen ein Versuch den Faschismus rein psychologisch zu betrachten. Er analysiert die Wechselwirkung zwischen psychologischen und politischen oder ökonomischen Perspektiven. Für ihn ist der Nazismus ein ökonomisches Problem und mit psychologischen Gründen zu erklären. Daraus entwarf Fromm den „Gesellschaftscharakter“. Durch die Beobachtungen an den Fluchtmechanismen, weist er nach, dass sie in der Demokratie kaum vorhanden sind und dass sie ein Abgleiten in ein totalitäres System zur Folge haben. Politische und gesellschaftliche Kräfte sind angewiesen, neue Bindungen zu ermöglichen, um eine positive Entwicklung für das Individuum zu schaffen. Durch Spontanität gewinnt der Mensch an Sicherheit und kann sich frei entfalten. Fromm selbst hat über seine Arbeit folgendes geschrieben:

„Wenngleich dieses Buch eher eine Diagnose als eine Prognose – eher eine Analyse als eine Lösung – bietet, kommt es doch zu Ergebnissen, die unser Handeln beeinflussen können, denn nur wenn wir die Gefühle für totalitäre Flucht vor der Freiheit erkennen, können wir uns so verhalten, dass wir die totalitären Kräfte besiegen.“

(vgl. Fromm, Furcht vor der Freiheit, Europäische Verlaganstalt, 1966)

4. Inhaltsangabe: „Das Individuum im Widerspruch“

Das Buch „Das Individuum im Widerspruch“ von Prof. Dr. Hans-Ernst Schiller ist ein sozialphilosophischer Beitrag zur Diskussion über Individualisierung. Das Spannungsfeld von Eigeninteresse, Autonomie und Selbstverwirklichung ist ein leitender Gesichtspunkt, der die Widersprüche des modernen Individuums aufzeigt: das Ineinander von Selbstverantwortung und Ohnmacht, von Emanzipation und Selbstpreisgabe, von Rationalität und Hinnahme des Gegebenen, von Subjektivismus und Konformismus.

Nachdem die Einleitung den Rahmen des Themas vermessen und die begriffliche Entwicklung bis zu Leibniz und Herder skizziert hat, werden in vier Teilen moderne Theoretiker des Individuums wie Kant, Fichte und Hegel; Humboldt, Marx und Mill; Horkheimer, Adorno und Fromm, schließlich Bloch, Mead und Sartre dargestellt und diskutiert. Erich Fromms kritische Sozialpsychologie wird aus verscheiden Blickwinkeln betrachtet. Das Individuum wird als anthropologische Kategorie beschrieben. Seine Triebe und Bedürfnisse werden zu und durch seine Handlungen und Gedanken geleitet. Der Begriff des Charakters wird aus der gesellschaftlichen und individuellen Sicht gezeigt. Gesellschaftscharakter ist ein Typus, der durch seine Funktionalität bei der Reproduktion des ökonomischen und kulturellen Systems bestimmt wird. Ein Individueller Charakter erfüllt eine weitere Funktion. Veranschaulicht wird eine geschichtliche Dimension, die eine Entwicklung der Freiheit im Doppelsinn zeigt. Der Kapitalismus wird aus der Sicht der Marketing-Charakter analysiert, der die Anerkennung und den Selbstverkauf dominiert und wie Triebnatur und Vernunft auf ein Individuum einwirken. Den Abschluss bilden Überlegungen zum Individualismus als Ideologie, z.B. Medizinethik und die aktuelle Sozialgesetzgebung.

(vgl. Schiller, Das Individuum im Widerspruch, Frank&Timme, 2006)

5. Kapitel 2

Vom Auftauchen der Individualität und dem Doppelsinn des Begriffs Freiheit

Primäre Bindung

Fromm stellt sich die Frage, was Freiheit für den Menschen bedeutet. Es herrscht die Auffassung, dass Freiheit ein charakteristisches Merkmal für das Menschentum an und für sich darstellt. Der Sinn der Freiheit verändert sich entsprechend der Vorstellung, dem Begriff, den der Mensch von sich selbst als unabhängigen, persönlichen Wesen gewinnt.

„Der soziale Mensch und seine Geschichte beginnt mit seinem Emportauchen aus dem Zustand des Eins-Sein mit der Naturwelt, mit der Erkenntnis, dass er sich von seiner Umwelt als ein gesondertes Wesen sieht.“(Fromm, 1966, 31)

Die Individuation, welche aus einer ursprünglichen Bindung entsteht, erreichte ihren Höhepunkt in der Neuzeit. Von den Epochen der Reformation bis in die Gegenwart Fromms.

Er geht auf die „primären Bindungen“ ein, die dem Individuum einen Schutz geben, damit es sich in seiner Umwelt zurechtfindet. Fromm beschreibt die Bindungen als organisch. Beim Kind sind diese Verbindungen wie eine Nabelschnur zur Mutter. Sie geben dem Kind Sicherheit und ein Zugehörigkeitsgefühl und bilden eine Vorstufe zur seiner Persönlichkeitsbildung. Solche Bindungen umklammern ein primitives Wesen an die Natur, Clan oder Sippe. Die Menschen des Mittelalters an die Kirche oder den Stand und Zunft.

Sie blockieren aber auch die volle menschliche Entwicklung. „Sie stehen der Entfaltung seiner Vernunft und seiner kritisch unterscheidenden Fähigkeiten im Wege. Sie lassen ihn sich selbst und seine Mitmenschen nicht anders erkennen als mittels seiner, oder ihrer, Zugehörigkeit zu einen Clan, seiner Sippe, einer sozialen oder religiösen Gemeinschaft – und nicht als selbständigen Menschen. Kurz, sie sperren seine Entwicklung zur freien, selbstherrlichen, Werte schaffenden Persönlichkeit.“ (Fromm, 1966, 42/43)

(vgl. Fromm, Furcht vor der Freiheit, Europäische Verlaganstalt, 1966, S. 31-33)

Geistige Entwicklung

Ist diese Stufe der Voll-Individuation erreicht und der Mensch frei von den primären Bindungen, beginnt eine neue Aufgabe für ihn: sich in die Welt hineinzuleben, sich zurechtzufinden und auf anderen Weg Sicherheit und Schutz zu finden. Freiheit hat nun eine andere Bedeutung für das Lebewesen als in der vor der Erreichung dieser Entwicklungsstufe.

Ein Kind ist nach der Trennung vom Mutterleib als eigene Einheit zu sehen, ist aber noch sehr stark abhängig von der Mutter, die ihn nährt, pflegt und schützt. Mittels eigenen Tuns – physisch und geistig – erlebt es die Welt außerhalb seiner selbst.

Durch Erziehung wird die Individuation gefördert. Dadurch entstehen Verbote, Einschränkungen und Täuschungen, die mit der Person der Mutter andere Absichten mitbringen die mit dem Kind im Widerspruch stehen. Man muss sagen, dass die Atmosphäre der Unterdrückung, ein Gefühl von Machtlosigkeit entsteht und das Kind Feindschaft entwickelt. Es gehört zum Entwicklungsprozess, dass sich ein kämpferischer Gegensatz bildet, dass ein Unterschied zwischen „ICH“ und „DU“ prägt und verschärft.

Je mehr das Kind heranwächst und die primären Bindungen durchschnitten werden, umso stärker wird das Verlangen nach Freiheit und Unabhängigkeit. Der Vorgang der Individuation ist in zwei Gesichtspunkten zu betrachten.

(vgl. Fromm, Furcht vor der Freiheit, Europäische Verlaganstalt, 1966, S. 33-35)

Individuationsprozess

Erstens: - das Kind wird stärker, körperlich sowie geistig.
- In diesen Sphären entstehen Spannungen und Regsamkeit des Gefühlslebens.
- Ein geordnetes Gefüge herrscht durch wachsenden Willen und durch die
zunehmende Vernunft des Individuums.
- Die Wachstumsgrenzen des Selbst und die der Individuation sind zum Teil durch die individuellen Lebensbedingungen und durch soziale Verhältnisse gekennzeichnet.
Zweitens: - es entsteht eine zunehmende Einsamkeit. Primäre Bindungen bilden Sicherheit und eine Einheit mit der äußeren Welt.
- Durch Lostrennung von seiner Welt, entsteht ein Gefühl der Ohnmacht und Angst - - Sobald das Individuum Verantwortung des persönlichen Handels erfährt, steht er der Welt mit gefährlichen und überwältigenden Aspekten gegenüber.

(vgl. Fromm, Furcht vor der Freiheit, Europäische Verlaganstalt, 1966, S. 36)

Laut Fromm entstehen dadurch Süchte, Impulse und Versuchungen, die die eigene Persönlichkeit zur Aufgabe zwingen, um die Gefühle der Ohnmacht und der Einsamkeit in der äußere Welt loszuwerden. Durch diese Impulse entwickeln sich andere Bindungen, die nicht wie die primären Bindungen sind. „Ein Kind kann nicht wieder zurück in den Mutterleib sowie die Individuation nicht rückgängig gemacht werden kann, (…) da sie einen Charakter der Unterwerfung annehmen“. „Das Ergebnis der Unterwerfung ist das Gegenteil von dem, was es sein sollte.“ (Fromm, 1966, 37)

Diese Unterwerfung vermehrt die Unsicherheit des Kindes, wodurch Auflehnung und Feindseligkeit entfaltet wird. Jedoch ist Unterwerfung nicht der einzige Weg zur Vermeidung von Einsamkeit und Beängstigung. Es ist der Weg der freiwilligen Bindung mit Mensch und Natur. Es ist eine Beziehung, die den Menschen mit der Welt im Zusammenhang bringt, ohne die Persönlichkeit auszuschalten. Die Art dieser Verbindung basiert auf der Reinheit und Kraft – Liebe und Arbeit – der ungeteilten Persönlichkeit.

Weiterhin beschreibt Fromm den dialektischen Prozess, der aus fortschreitenden Individuation und der zunehmenden Freiheit entsteht. „Der Vorgang der Individuation ist ein Prozess wachsender Kraft und Vervollkommenheit seiner ureigenen Persönlichkeit.“ (Fromm, 1966, 38) So kann es vorkommen, dass auf der anderen Seite ein Kind, sein ursprüngliches Selbst verliert. Durch diese Ansonderung kann sich eine Isolierung entwickeln. Sie kann zur Verzweiflung, Unsicherheit und zu Angstzuständen führen. Sie kann sich aber auch zu neuer Beständigkeit und Geschlossenheit entwickeln. Ein Individuationsprozess vollzieht sich automatisch, wodurch ein Wachstum des Selbst durch soziale und persönliche Gründe beeinflusst wird. Durch die hier entstehende Spaltung, entsteht ein Gefühl des ohnmächtiges Alleinseins, das in Fluchtmechanismen endet.

„Der Mensch befreit sich von Instinkten. Je niedriger eine Entwicklungsstufe ist, je mehr wird sein Handeln durch instinktive Reflexhandlungsmechanismen bestimmt und je höher die Stufe ist, besitzt ein Wesen mehr Möglichkeiten zum Tun und Lassen. Seine Anpassung an die Natur beruht hauptsächlich auf dem, was er lernt und nicht durch Instinkte. Dieser Instinkt ist bei höheren Gattungen, besonders beim Menschen eine verschwindende Eigenschaft. Mit anderen Worten: Mensch-Sein und Frei-Sein sind von Anbeginn untrennbar verbunden.“ (Fromm, 1966, 40)

Freiheit wird in zwei Aspekten unterschieden. „Die Freiheit zu“ im positiven Sinn und „die Freiheit von“ im negativen Sinn. Beim letzteren wird die „Freiheit von“ als Handlung durch Instinkte beschrieben. Für Fromm hat der Begriff Freiheit zwei Seiten. Der Mensch ist anders als ein Tier, nicht auf Instinkte angewiesen. Er ist viel länger auf die Hilfe des Ernährers abhängig. Dadurch entwickeln sich seine Reaktionen und Handlungen in einen größeren Zeitraum und alle Gefahren und Schrecken geht er ohne Gegenwehr voraus. Es entsteht eine Hilflosigkeit, die zu einer menschlicheren Entwicklung führt. Seine biologische Schwäche, den Abbau von Instinkten, ist eine Bedingung der menschlichen Kultur.

(vgl. Fromm, Furcht vor der Freiheit, Europäische Verlaganstalt, 1966, S. 40)

Menschliche Existenz und Freiheit

Ein weiterer Aspekt liegt in der Wahl von verschiedenen Möglichkeiten zum Handeln. Das Tier handelt durch eine „ununterbrochene Kette“ an Reaktionen, die von Reizen, wie z.B. Hunger gesteuert wird. Der Ablauf endet in der Befriedigung des Bedürfnisses. Beim Menschen ist die Kette unterbrochen. Das heißt, er kann zwischen verschieden Möglichkeiten wählen. Er gewinnt zu denken und ist nicht an vorbestimmte Instinkthandlungen gebunden. Er verändert seine Einstellung zur Natur. Der Mensch wird „aktiv“ und somit „produktiv“. Er begreift, dass er ein Teil der Natur ist, aber über ihr hinaus zu mehr fähig ist. Es vollzieht sich eine Trennung von ihr. Fromm gibt hierzu ein Beispiel aus der biblischen Mythologie und der Vertreibung aus dem Paradies. Durch den Bruch mit Gott und durch die Entfremdung von der Natur, ist der Mensch allein und frei, aber trotzdem machtlos und furchtsam. Diese neu gewonnene Freiheit ist eine Freiheit v o n allen guten Grenzen des Paradieses aber nicht die Freiheit z u einer Selbstbestimmung.

(vgl. Fromm, Furcht vor der Freiheit, Europäische Verlaganstalt, 1966, S. 41)

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Details

Seiten
22
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640853786
ISBN (Buch)
9783640853854
Dateigröße
632 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v168367
Institution / Hochschule
Fachhochschule Düsseldorf
Note
1´5
Schlagworte
analyse erich fromms furcht freiheit kapitel

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