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Gemeinwesenarbeit und Quartiersmanagement

Hausarbeit 2009 16 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die historische Entwicklung der GWA

3. Definitionen

4. Merkmale der GWA

5. Formen der GWA
Wohlfahrtstaatliche GWA
Integrative GWA
Aggressive GWA
Katalytisch/aktivierende GWA
Soziokulturelle GWA

6. Die Sechs Phasen der GWA

7. Intermediäre Funktion

8. Intermediäre Instanzen

9. Quartiermanagement

10. Bund-Länder-Programm "Soziale Stadt"
Leitfaden zur Ausgestaltung der Gemeinschaftsinitiative „Soziale Stadt“
Kurzcharakteristik der von der Gemeinschaftsinitiative erfassten „Stadtteile und Ortsteile mit besonderem Entwicklungsbedarf“
Gebietstypen
Ziele und Maßnahmen für die Entwicklung der Quartiere

11. Beschreibung des Stadtbezirks Chorweiler in Köln

12. Die Parea
Projektbeschreibung

13. Sportbezogenes Jugendsozialprojekt "Körbe für Köln e.V."
Projektbeschreibung

14. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Seit Mitte der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts ist Armut, Arbeitslosigkeit und deren zersetzenden Konsequenzen wieder zu einem der aktuellsten Themen für die Gesellschaft und die Politik geworden.

Bis zum Ende des 20. Jahrhunderts stieg die Arbeitslosenquote von 2 % auf 11 %. Der Anteil der Langzeitarbeitlosen stieg dabei ebenfalls drastisch an.

Diese Entwicklung führt zu einer Form von sozialen Ungleichheit, die mit Stichworten wie „neue Armut“, „neue Unterklasse“ und „Ausgrenzung“ gekennzeichnet ist.

Die Polarisierung von Arm und Reich schreitet immer weiter voran und ist am deutlichsten in Großstädten zu erkennen.

Zukünftig wird auch die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt besonders in den Großstädten immer schärfer. Die Vergabe entscheidet sich jedoch nur noch über Qualifikationen, womit einheimische Stadtbewohner, die niedrige Qualifikationen haben und vor allem Migranten auf der Verliererseite gefangen bleiben.

Dadurch, dass der Staat sich aus der Wohnungsversorgung zurückgezogen hat und die Haushalte mit stabilen Einkommen steigende Wahlmöglichkeiten haben, lösen sich die sozial gemischten Quartiere allmählich auf und eine stärkere Sortierung der Wohnbevölkerung nach Einkommen, Lebensstil und Nationalität nimmt den Platz ein.

Es entstehen so bestimmte Milieus mit Sozialisationseffekten. Die Bewohner haben dort mit schlechten Wohnverhältnissen, unzureichender Infrastruktur, fehlende positive, d.h. integrationsförderne Vorbilder für Heranwachsende und eine negative Etikettierung zu kämpfen. Durch diese Art der Stigmatisierung werden die Bewohner enorm in ihren Handlungsmöglichkeiten eingeschränkt. Beispielsweise werden Arbeitssuchende auf Grund der Angabe ihrer Adresse oder ihres Wohnortes abgewiesen.

Mit Blick auf diese Entwicklung wird die GWA auch zukünftig eine wichtige Funktion erfüllen.

(vgl. Häußermann/Siebel/Kronauer, 2004 S. 7-9; S. 29 - 32)

2. Die historische Entwicklung der GWA

Das Pfarrerehepaar Barnett gründete 1884 in London das erste Nachbarschaftszentrum (settlement) mit Wohnbereich, das sie „Toynbee Hall“ nannten.

In Toynbee Hall sollten verschiedene Gesellschaftsschichten zusammenleben. Diese Idee war damals sehr radikal, da die unterschiedlichen sozialen Klassen streng voneinander getrennt unter ihresgleichen lebten. Es wurden vor allem Universitätsstudenten und –absolventen motiviert mit den Armen und Arbeiterklassen zu leben.

Das Ziel war es, dass der enge nachbarschaftliche Kontakt von Menschen unterschiedlicher Klassen und Lebensweisen zu gegenseitigen Respekt führt. Jedem Menschen wurden Entfaltungs- und Entwicklungsmöglichkeiten geboten und zur sozialen Gerechtigkeit verholfen. Toynbee Hall wurde als soziales Experiment berühmt und von Sozialreformern aus der ganzen Welt besucht.

Kurze Zeit später gründete Jane Addams 1889 in Chicago das „Hull House“, dass Anfangs eine wichtige Einrichtung für Einwanderer und Flüchtlinge war, welche immerhin 2/3 der Gesamtbevölkerung von Chicago ausmachte.

Hull House war die erste soziale Einrichtung in Chicago und galt als Ort für Forschungs- und politische Projekte. Addams war ernsthaft an den Lebensbedingungen der Immigrant/Innen, Arbeiter/Innen und Slumbewohner/Innen interessiert. Sie forderte eine Demokratisierung aller Lebensbereiche, wie Bildung, Wirtschaft, Familie und Kultur.

Jane Addams statuiert ein Exempel für die GWA. Sie integrierte individuelle nachbarschaftliche Hilfe mit fachpolitischem Engagement auf allen sozialen Ebenen.

(Vgl.: Bitzan, Maria. Klöck,. 1994, S.40)

In den frühen zwanziger Jahren wurden auch in Deutschland die ersten Nachbarschaftsheime eröffnet. Jedoch hatten sie auf Grund ihrer geringen Zahl und ihres begrenzten Einflusses bei der gesellschaftlichen und politischen Situation kein Mitspracherecht.

In den 30er Jahren besetzten die Nationalsozialisten alle Nachbarschaftshäuser und nutzten sie für praktische Hilfeleistungen für die durch den Krieg Not leidende Bevölkerung.

Ab 1947 bauten englische und amerikanische Vertreter neue Nachbarschaftsheime in Deutschland. Sie sollten zur Linderung der Kriegsfolgen und der Erziehung zur Demokratie dienen.

Erst im Folge der Studentenbewegung, Ende der 60er, wurde die GWA als zusätzliche Methode der Sozialen Arbeit aufgenommen. Sie integrierte sich besonders in Neubaugebieten, bei Sanierungsvorhaben und in Obdachlosen-Siedlungen. GWA trat oft in Verbindung mit Bürgerinitiativen auf.

Anfang der 80er entwickelte sich die GWA in Richtung „stadtteilbezogene Arbeit“ bzw. „sozial-kulturelle Arbeit“. Es sollte nicht mehr eine Strategie die Arbeit bestimmen, sondern eine pragmatische Kombination verschiedener Handlungsmöglichkeiten, welche die unterschiedlichen Lebenslagen ernst nehmen und bei der Alltagsbewältigung unterstützend tätig werden, zunehmend auch mit kulturellen Angeboten, Anregungen zur Selbstentfaltung und Begegnungen ermöglichen, ohne zu pädagogisieren.

Weiterhin haben sich gemeinwesenorientierte Arbeitsweisen auf andere gesellschaftliche Bereiche, wie beispielsweise Stadt- und Sozialplanung, in Gesetzgebung etc., ausgeweitet.

(Galuske 1998, S. 99; Höbel/Seibert 1973, S. 43)

3. Definitionen

„Gemeinwesenarbeit ist eine Methode, die einen Komplex von Initiativen auslöst, durch die die Bevölkerung einer räumlichen Einheit gemeinsame Probleme erkennt, alte Ohnmachtserfahrungen überwindet und eigene Kräfte entwickelt, um sich zu solidarisieren und Betroffenheit konstruktiv anzugehen. Menschen lernen dabei, persönliche Defizite aufzuarbeiten und individuelle Stabilität zu entwickeln und arbeiten gleichzeitig an der Beseitigung akuter Notstände (kurzfristig) und an der Beseitigung von Ursachen von Benachteiligung und Unterdrückung.“

(Karas/Hinte 1978)

„Der Begriff Gemeinwesenarbeit (…) bezeichnet einen Prozeß, in dessen Verlauf ein Gemeinwesen seine Bedürfnisse und Ziele feststellt, sie ordnet oder in eine Rangfolge bringt, Vertrauen und den Willen entwickelt, etwas dafür zu tun, innere und äußere Quellen mobilisiert, um die Bedürfnisse zu befriedigen, dass es also in dieser Richtung aktiv wird und dadurch die Haltung von Kooperation und Zusammenarbeit und ihr tätiges Praktizieren fördert.“

(Ross 1968)

Gemeinwesenarbeit ist „die zusammenfassende Bezeichnung verschiedener, vor allem nationaler und im Laufe der Entwicklung der letzen Jahrzehnte unterschiedlicher Arbeitsformen, die auf die Verbesserung der soziokulturellen Umgebung als problematisch definierter, territorial oder funktional abgegrenzter Bevölkerungsgruppen (Gemeinwesen) gerichtet ist. Diese Verbesserung soll in methodischer Weise unter fachkundiger Begleitung durch theoretisch und praktisch ausgebildete Sozialarbeiter und unter aktiver Teilnahme der (entsprechenden) Bevölkerung(sgruppen) durchgeführt werden. Es geht hierbei um eine Anpassung der Problemgruppe an die Umgebung, um eine Veränderung der (Einstellungen, Verhaltensweisen der) Umgebung und um die gemeinsame Erarbeitung von, gemäß den entsprechenden kulturellen Normen, notwendigen Fertigkeiten oder Institutionen.“

(Ludes 1977)

4. Merkmale der GWA

Die GWA bezieht sich auf großflächige soziale Netzwerke. Diese sind:

- territorial (Stadtteil, Nachbarschaft, Gemeinde, Wohnblock, Straßenzug)
- kategorial (bestimmte ethnische, geschlechtsspezifisch, altersbedingt abgrenzbare Bevölkerungsgruppen)
- funktional (d.h. im Hinblick auf bestimmte inhaltliche bestimmbare

Problemlagen wie Wohnen, Bildung etc. abgrenzbar)

Soziale Konflikte bzw. geteilte soziale Probleme innerhalb eines sozialen Netzwerkes sind zumeist der Ausgangspunkt der Institutionalisierung von Gemeinwesenarbeitsprojekten.

- Die Probleme der Klienten werden immer im Kontext regionaler Bedarfs- und Bedarfsausgleichsstrukturen wahrgenommen.
- Gemeinwesenarbeit ist trägerübergreifend, sie ist orientiert an der Koordination, aber auch Kooperation, von und zwischen verschiedensten Anbietergruppen sozialer Dienstleistungen innerhalb eines Gemeinwesens.
- Gemeinwesenarbeit arbeitet methodenintegrativ, d.h. sie bedient sich der notwendigen Formen sowohl von der Einzelfallhilfe als auch von der Gruppenarbeit.
- Das Ziel ist es die Bevölkerung innerhalb ihres Gemeinwesens zu aktivieren, so dass sie gemeinsam die soziale Problemlage bearbeiten.
- Um die Bevölkerung zu aktivieren sind Qualifizierungs- und Bildungsprozesse notwendig, um die Individuen in eine Gemeinschaft zu verwandeln, damit sie gemeinsam ihre Probleme selbst in die Hand nehmen können.

(vgl. Oelschlegel 1983, 1992)

(Oelschlegel aus Galuske 1998, S. 102)

5. Formen der GWA

Wohlfahrtstaatliche GWA

Das Ziel der Wohlfahrtstaatlichen GWA ist die Verbesserung des Dienstleistungsangebotes in sozial problematischen Räumen. Weiterhin wird überprüft, ob die bestehenden Dienstleistungen wirksam sind oder ob sie verbesserungswürdig sind, wie beispielsweise die Kommunikation zwischen Betreiber und Nutzer eines speziellen Angebotes.

Jedoch ist festzustellen, dass die wichtigen Entscheidungen noch allein von den großen Wohlfahrtsverbänden bestimmt werden.

(Vgl.: Karas, aus Galuske 1998, S. 103)

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Details

Seiten
16
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640910403
ISBN (Buch)
9783640909797
Dateigröße
521 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v168158
Institution / Hochschule
Fachhochschule Düsseldorf
Note
2,0
Schlagworte
gemeinwesenarbeit quartiersmanagement

Autoren

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Titel: Gemeinwesenarbeit und Quartiersmanagement