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Vergleichende Analyse von Theodor Fontanes "Irrungen, Wirrungen" mit einem Sachtext von Walter Hettche

Referat / Aufsatz (Schule) 2008 8 Seiten

Didaktik - Deutsch - Literaturgeschichte, Epochen

Leseprobe

1)

Der vorliegende Textausschnitt stammt aus dem Roman „Irrungen, Wirrungen“, des Schriftstellers Theodor Fontane. Er gilt als Meisterwerk des poetischen Realismus und wurde von Fontane im Jahr 1888 veröffentlicht.

In seinem Buch beschreibt Fontane die Liebesbeziehung von Botho und Lene, zweier Menschen, die unterschiedlichen Ständen der damaligen Zeit angehören.

Zum Handlungszeitpunkt des Textausschnittes leben Botho und Lene bereits getrennt voneinander, nachdem sie die Beziehung aufgrund der Standesunter- schiede und den aus ihren Ständen resultierenden Pflichten beenden mussten. Der Ausschnitt beginnt an einer Stelle die dem Leser zeigt, dass Botho gerade von sei- nem Besuch am Grab der alten Frau Nimptsch zurück gekehrt ist. Er ist froh, allein zu sein, und denkt zunächst an seine Frau Käthe und ihr stets heiteres, teils übertriebenes Wesen. Dann jedoch „holt ihn seine Vergangenheit ein“ und er muss an seine Zeit mit Lene zurück denken. Er entschließt sich die Briefe und Blumen, die er als Andenken an Lene aufbewahrt hat, zu verbrennen, um so seiner Seele endgültig Ruhe vor der Vergangenheit zu verschaffen.

Fontane nutzt seine realistische Erzählweise in vielen Bereichen, um auf die sich verändernde Stimmung Bothos im vorliegenden Ausschnitt hinzuweisen. Er beginnt damit, dass er die Wohnung Bothos als einen stillen, verlassenen Ort beschreibt: „in seiner Wohnung war alles still, selbst die Dienstboten fort“. Fontane nutzt diesen ersten „Raum“ um eine klare Trennung zum ersten Teil des Kapitels herzustellen. Dort ist Botho auf dem Friedhof eher in einer aufge-wühlten Stimmung und nun ist ihm die Stille und Einsamkeit zunächst „lieb“ (Seite 129, Zeile 31)

Fontane nutzt diesen plötzlichen Wechsel, um Botho zunächst in eine ausgeglichene Gemütslage zurück zu bringen.

Botho bleibt nicht lange in der Wohnung sondern begibt sich auf den Balkon, wo er nach dem Heraufziehen der Marquise die frische Luft genießen möchte. Auf dem Balkon stehend, blickt er in die Ferne und denkt an die dort verlau-fende Bahnstrecke, auf der er seine Frau Käthe vermutet.

Der Ortswechsel vom Wohnungsinneren hinaus auf den offenen Balkon bietet Fontane die Möglichkeit in Botho eine Entspannung „auszulösen“. Botho tut die frische Luft gut und er vergisst seine Stimmung vom Besuch auf dem Friedhof und kann seine Gedanken „schweifen“ lassen. Zunächst kann Fontane also auf diese Weise dem Leser den Eindruck vermitteln, dass es Botho schon viel besser zumute sein muss.

Diesen Eindruck wandelt Fontane jedoch im weiteren Verlauf des Geschehens. Bothos Gedanken schweifen wieder ab zu vergangenen Erlebnissen mit Lene. (Seite 130, Mitte)

Nachdem Botho zunächst an Käthe gedacht hat, entsinnt er sich seiner gemein- samen Erlebnisse und seiner Andenken an Lene und wechselt wieder seinen Auf- enthalt. Er geht in sein Arbeitszimmer, welches eine genau gegenteilige Lage zum Balkon aufweist.

Das Arbeitszimmer liegt zum Innenhof hin. (S.130, Zeile 34) Es ist somit keine freie Sicht mehr durch ein Fenster in die Ferne möglich. Auch ein erfrischender Luftzug kann durch den Innenhof schwerlich im gleichen Maße aufkommen wie auf dem freiliegenden Balkon und auch die Helligkeit des Raumes wird im Arbeitszimmer gegenüber dem Balkon geringer.

Fontane möchte durch diese „Innenkehrung“ der Örtlichkeiten die plötzlich auftretende „Innenkehrung“ von Bothos Gemütszustand wiederspiegeln. Botho begibt sich, wenn er in sein Arbeitszimmer geht, wieder zurück in die „Welt des Versteckten und Geheimen“ welche er, aufgrund der ihm aufgelasteten Standesschranken, auch früher stets mit Lene aufsuchen musste, um mit ihr ab-seits des öffentlichen Lebens glückliche, gemeinsame Stunden verbringen zu können.

Ein weiteres Mittel, welches Fontane in seiner Erzählweise nutzt, ist die Gestaltung der zeitlichen Abläufe.

Im vorliegenden Abschnitt behandelt er zum Einen einen kurzen Zeitzwischen- raum, gleichzeitig jedoch auch einen sehr langen Zwischenraum der die Monate der Liebesbeziehung zu Lene wieder in Erscheinung treten lässt. Fontane weist die Leser darauf hin, dass Botho in der Nachmittagssonne auf dem Balkon seine Gedanken schweifen lässt.

[...]

Details

Seiten
8
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640849475
ISBN (Buch)
9783656669920
Dateigröße
423 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v168119
Institution / Hochschule
Hanse-Kolleg, Lippstadt
Note
1,3
Schlagworte
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Titel: Vergleichende Analyse von Theodor Fontanes "Irrungen, Wirrungen" mit einem Sachtext von Walter Hettche