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Martin Luthers Papstkritik im Spiegel der Flugblätter

„Wider das Bapstum zu Rom vom Teuffel gestifft“ und die „Abbildung des Bapstums“

Hausarbeit (Hauptseminar) 2008 25 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Das illustrierte Flugblatt
2.1 Begriffsdefinition - Illustriertes Flugblatt
2.2 Aufbau der illustrierten Flugblatter
2.2.1 Illustration
2.2.2 Text S
2.3 Das illustrierte Flugblatt - Massenmedium der Fruhen Neuzeit?!

3. Martin LutheralsPublizist

4. Martin Luthers Papstkritik im Spiegel der Flugblatter
4.1 „Wider das Bapstum zu Rom vom Teuffel gestifft“ und „Abbildung des Bapstums“
4.2 Beschreibung der einzelnen illustrierten Flugblattern
4.2.1 „Geburt“
4.2.2 „Papstesel“
4.2.3 „Sauritt“
4.2.4 „Sackpfeiferesel“ S
4.2.5 „Konradin“
4.2.6 „Galgen“
4.2.7 „Hollenrachen“
4.2.8 ,,Bann“
4.2.9 „Tiara“
4.3 Der Anteil Luthers - Der Anteil Cranachs
4.4 WiederkehrderThematik S

5. Fazit

Abkurzungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„One way of looking at the Reformation in sixteen-century Germany is to regard it as a period when German lands were flooded with paper and print."1 Mitverantwortlich fur dieses Szenario war Martin Luther (*1483- f1546), dessen publizistische Tatigkeiten angesichts der Fulle seiner Publikationen deutlich zu Tage traten. Doch nicht nur in Flugschriften -z.B. ,,An den christlichen Adel deutscher Nation"- machte Luther seine Ideen der Offentlichkeit zuganglich. Auch in dem Medium der Fruhen Neuzeit, dem illustrierten Flugblatt -z.B.: ,,IN SVSPENDIVM PAPAE ELEGIA"2 - machte er immer wieder seine anti-klerikalen und anti-papstlichen Ansichten deutlich. Denn oft genug stand ,,der Einblattdruck als reformatorische Propaganda [...] das ganze Jahrhundert hindurch neben und in engstem Zusammenhang mit der Flugschrift"3, was besonders bei der Untersuchung von Luthers Publikationen deutlich wird. Mit der Herausgabe des ,,Passional Christi und Antichristi" (1521) begann Luther damit sich diesem ,,Arsenal geistiger Angriffswaffen"4 zu bedienen. Wie kam es dazu? Die katholische Kirche bot im Ausgang des Mittelalters durch ,,das glanzende Leben des papstlichen Hofes [...], Zuchtlosigkeit und Verweltlichung [...] ein [...] entschieden zu grower Reichtum, stark hervortretende Neigung zum Aberglauben, ubertriebener Kult vielfach unechter und ganz unbeglaubigter Reliquien und Heiligtumer, Verbreitung [von] Ablassen, [...] Wallfahrten und andere stark hervortretende Mangel [...] Anlaft genug fur satirische Angriffe"5 jeglicher Art. Aber gerade im letzten Lebensabschnitt Luthers schien sich der Hass gegen die Romische Kirche und den Papst ins unermessliche zu steigern. In der Flugschrift: ,,Wider das Bapstum zu Rom vom Teuffel gestifft" prangerte Luther scharf das Verhalten des Papstes an: ,,Er hette seinen Vater erwurget, Er hette Zeuberey, Simoney, und viel schendlicher laster getrieben"6. In diesem Zusammenhang entstanden auch eine Anzahl von illustrierten Flugblatter die als ,,Abbildung des Bapstums" bekannt geworden sind. Sie zeigten Darstellungen die einem ,,geradezu das Aufterste vor Augen [halten], wozu die Menschenseele und die Kunstlerhand fahig ist"7 und lassen die enge Verbindung der beiden Medienformen zu Tage treten.

Es sind mehrere unterschiedliche Exemplare der ,,Abbildung des Bapstums" bekannt. Einige beinhalten die Bilderreihe vollstandig oder fast vollstandig (7 Ex.), manche nur wenige Blatter (2-3 Ex.), und einige nur einzelne Blatter (4 Ex.).8 Andere Exemplare sind erst zu Beginn des 17. Jahrhunderts herausgegeben worden, stammen aber hochst wahrscheinlich von den original Holzstocken.9 So besitzt keine Bibliothek eine vollstandige Reihe der Bilder.10 Fur die vorliegende Untersuchung wurden die Exemplare verwendet, die in der Weimarer Ausgabe von Luthers Werken (Bd. 54) abgebildet sind.

Das Flugblatt, welches als „Fufttritt“ bezeichnet wird, und fur die Schrift ,,Papsttreue Hadriani IV und Alexanders III gegen Friedrich Barbarossa verubt 1545“ als Titelbild diente wurde bei der Untersuchung aufter Acht gelassen. Sowohl Grisar/Heege11, als auch Clemen12 vermuten, dass es sich hierbei, unter anderem wegen des andersartigen Layouts, um ein nachtraglich der Bilderreihe hinzugefugtes Flugblatt handelt.

Die fur die Untersuchung benutzte Literatur gliedert sich in zwei Bereiche. Zum einen die einfuhrende, allgemein auf Flugblatter bezogene Literatur die da waren: Cole, Messerli, Schilling usw.. Zum anderen die Literatur die sich direkt mit den hier untersuchten Quellen befasst, wobei auf Grisar/Heege das Hauptaugenmerk gelegt wurde. Es wurde auch direkt mit den Quellen - Flugblattern und Flugschrift - gearbeitet. Der Forschungsstand der ,,Luthers Kampfbilder“ (wie sie Grisar/Heege treffend bezeichneten) behandelt, ist durftig und nicht aktuell. Es scheint als wurden besonders die ,,Abbildung des Bapstums“ einen schwarzen Fleck in der Lutherforschung markieren. Der Forschungsstand zu Flugblattern und Flugschriften allgemein ist gut und besonders bei der aktuellen Sozialgeschichte stark im Kommen.

Die zuerst gegebene allgemeine Abhandlung, d.h. der theoretische Vorlauf zum Thema illustriertes Flugblatt soll zum besseren Verstandnis der spater vorgestellten Flugblatter dienen. Danach ruckt Martin Luther als erfolgreicher Publizist in den Fokus, da seine publizistische Tatigkeit und der Erfolg des Buchdrucks im Heiligen Romischen Reich Deutscher Nation eng miteinander verwoben zu sein scheinen. Der darauf folgende Teil beschaftigt sich mit dem direkten Vergleich beider Quellen (,,Wider das Bapstum“ und ,,Abbildung des Bapstums“) um konkrete Aussagen treffen zu konnen, welche sich zur Beantwortung der Fragestellungen eignen.

Aus der Beschaftigung mit dem Thema ergaben sich unter anderem folgende Fragen, die diese Untersuchung zu beantworten versucht:

- Waren die Abbildungen des Papsttums fur die Fruhe Neuzeit typische Flugblatter?
- Welche Absicht verfolgte Luther mit der Herausgabe derselben?
- Wie sind sie in der Offentlichkeit angekommen?

Warum hatte Luther mit ihnen Erfolg?

2. Das illustrierte Flugblatt

2.1 Begriffsdefinition - lllustriertes Flugblatt

Durch die inhaltliche Heterogenitat der Einblattdrucke, wie z.B. Andachtsbild, Mandat oder Kalender, und ihrer verwandten Formen, wie z.B. Flugschrift, Broschure oder Zeitung, bietet sich eine formale Definition des Begriffes „lllustriertes Flugblatt" an. Schilling definiert als illustriertes Flugblatt eine Gruppe von Einblattdrucken, die ein ausgewogenes Verhaltnis von Bild und Text aufweisen und aufter der Graphik auch Typendruck enthalten.13 Trotzdem sollte man die funktionale Dimension bei einer Definition nicht aussparen, obwohl sie auch die eben genannten anderen Formen teilweise mit einbezieht. So kann das illustrierte Flugblatt als unbuchmaftige Mitteilungsform beschrieben werden, das in Kurze eine moglichst verstandliche Darstellung der Angelegenheiten des offentlichen Lebens und des Tagesgeschehens wiederzugeben versuchte.14 Aber gerade da das illustrierte Flugblatt einen ,,Sitz im Leben"15 besaft und ein nicht weg zu denkender Bestandteil der Alltagskultur war,16 ist zu bemerken, dass sein Informationscharakter kein objektiver war.17 Obwohl Schottenloher sagte: ,,Das fliegende Blatt ist Mitteilung"18, ist dabei zu beachten, dass die Informationen auf illustrierten Flugblattern immer ein bestimmtes Ziel verfolgten. Denn die Urheber von Spottbildern waren nie unbeteiligte Personen19, die die Menschen nur zu informieren suchten. Eher stand die ,,Uberredung und Einwirkung auf den Willen der Leser"20 im Vordergrund.

2.2 Aufbau der illustrierten Flugblatter

Bild und Text auf den illustrierten Flugblattern waren sich einander erganzende Teile der Mitteilung, sind also in der Analyse eines illustrierten Flugblattes unbedingt zusammen zu untersuchen. Es lassen sich aber leider kaum allgemeine Aussagen zu Gestaltungsprinzipien machen,21 da nicht von einer einheitlichen Produktionsvorgabe gesprochen werden kann.22 Trotz das jedes illustrierte Flugblatt hinsichtlich seiner Gestaltung individuell analysiert werden muss, soll im Folgenden versucht werden einige allgemeine Aussagen zu treffen.

2.2.1 Illustration

Die Illustration war von erheblicher propagandistischer Bedeutung23 und diente besonders dazu auch nicht Lesekundigen die zu vermittelnde Information naher zu bringen. Eine Dominanz der Illustration ist besonders auf moralsatirischen, politischen oder religiosen Blattern anzutreffen, wo der Text nicht unbedingt zum Verstandnis diente.24 Die Illustration spielte besonders als Blickfang eine wichtige Rolle und wurde hinsich]tlich ihrer Publikumswirksamkeit gestaltet.25 Schilling bezeichnet die Illustration sogar ,,als Klingel, die beim Pawlowschen Betrachter Interesse und Geldfluft auslost."26 Sie diente also einer gewissen ,,Lesemotivierung und Einstimmung auf den Text".27 Bei Illustrationen die uber langere Zeitraume hinweg immer wieder abgedruckt wurden, ist ein Lernprozess hin zur Optimierung zu erkennen.28 Die Illustrationen waren meist so gestaltet, dass sie bei mehreren wiederkehrenden Auflagen uber langere Zeitraume hinweg mit zeitgeschichtlich neuen Inhalten wieder verstandlich gefullt werden konnten.29

2.2.2 Text

Viele Texte der illustrierten Flugblatter wurden in Versform verfasst.30 Ein Reim ist leichter zu merken und unterstreicht oftmals den polemischen Charakter des Flugblattes. Der Text diente dazu das Publikum zu fesseln, zu unterhalten, zu amusieren und zu informieren.31 Der Titel der Flugblatter, mit seinem ,,Schlagzeilen-Charakter"32 diente, wie die Illustration dazu den potentiellen Rezipienten zum Erwerb des Flugblattes zu bewegen. Die Sprache des jeweiligen Textes (Latein, Deutsch, Zweisprachig, etc.) richtete sich nach der potentiell angestrebten Leserschaft. Verallgemeinernd kann gesagt werden, dass ein Flugblatttext der ausschlieftlich in Latein verfasst war sich an ein gebildetes Publikum richtete. War er in Deutsch verfasst, richtete er sich meist an ein ungebildeteres Publikum. War der Text sowohl in Latein als auch in Deutsch aufeinem Flugblatt geboten, wurde so versucht ein moglichst breites Publikum zu erreichen.33

2.3 Das illustrierte Flugblatt - Massenmedium der Fruhen Neuzeit?!

Trotz der fortschreitenden Verbreitung des Buchdrucks war die Gesellschaft des 16. Jahrhunderts uberwiegend von oraler Kommunikation gepragt.34 Bevor eine Flugschrift o.a. gedruckt wurde, gab es meistens erst eine orale Initialzundung, z.B. eine Predigt, die danach in gedruckter Form erhaltlich war.35 Da jedoch viele Menschen nicht lesen konnten, wurden ihnen die Schriften, auch die Texte von illustrierten Flugblattern, vorgelesen. Den Verfassern von Druckmedien war dies wohl bewusst und fand in der Konzeption der Flugblatter Beachtung.36 So war der Autor stets um Verstandlichkeit seines Textes bemuht, wobei er darauf zu achten hatte, wenn er ein breites Publikum erreichen wollte, sowohl den gebildeten als auch ungebildeten Rezipienten anzusprechen.37 Den Inhalt - sowohl von Text und Illustration - markierte meistens eine schnelle publizistische Antwort auf Ereignisse oder andere vorangegangene Publikationen. Der Inhalt umfasste somit so gut wie alle Bereiche die von offentlicher und privater Interesse waren/38 Es ist zu erkennen, dass das Verhaltnis von mundlicher und gedruckter Mitteilung ein komplexes Geflecht bildeten die zur Informationsubertragung dienten. Das gedruckte Medium diente hierbei als Katalysator oder Hilfsmittel um Ideen und Gedankengut weiter zu tragen.39 Die Illustration als ein wichtiger Teil des illustrierten Flugblattes diente auch dazu die Ungelehrten und Analphabeten anzusprechen40 und in ihnen den Wunsch zu wecken sich den Text vorlesen zu lassen.41 Schlieftlich ist zu bemerken, dass ,,die illustrierten Flugblatter wie kein anderes gedrucktes Medium aufgrund ihrer Aufmachung, ihres Preises und ihres Vertriebs geeignet waren, die >Offentlichkeit des Gemeinen Mannes< zu erreichen"42. Zwar fallt es schwer den modernen Begriff des Massenmediums fur Flugblatter (und auch Flugschriften) der Fruhen Neuzeit anzuwenden, trifft aber inhaltlich zu.

3. Martin Luther als Publizist

Mit seinen Schriften schaffte es Martin Luther sich eine Plattform zu schaffen mit der er breite Volksschichten erreichen konnte und die seine Popularitat schnell wachsen lieft. ,,Er nimmt die Vorstellungskraft seiner Leser gefangen durch eine Fulle plastisch vorgefuhrter

[...]


1 Cole, Reformation Pamphlet, S. 139.

2 Harms, Illustrierte Flugblatter 2, S. 4-5

3 Scribner, Flugblatt und Analphabetentum, S. 72.

4 Grisar/Heege, Kampfbilder I, S. IX.

5 Grisar/Heege, Kampfbilder I, S. 1-2.

6 Luther,WerkeBd.54,S.210.

7 Grisar/Heege, Kampfbilder I, Vorrede.

8 Grisar/Heege, Kampfbilder IV, S. 37.

9 Grisar/Heege, Kampfbilder IV, S. 37.

10 Luther, Werke Bd. 54, S. 358.

11 Grisar/Heege, Kampfbilder IV, S. 63-66.

12 Luther, Werke Bd. 54, S. 358.

13 Schilling, Bildpublizistik, S. 3.

14 Schottenloher, Flugblatt und Zeitung, S. 16-17.

15 Schilling, Bildpublizistik, S. 2.

16 Ebd. S. 2.

17 Harms, Flugblatt in Verstandigungsprozessen, S.17-18.

18 Schottenloher, Flugblatt und Zeitung, S.21.

19 Grisar/Heege, Kampfbilder I, S. 3.

20 Schottenloher, Flugblatt und Zeitung, S. 19.

21 Schilling, Bildpublizistik, S. 53.

22 Harms, Flugblatt in Verstandigungsprozessen, S. 20-21.

23 Scribner, Flugblatt und Analphabetentum, S. 71.

24 Schilling, Bildpublizistik, S. 53-54.

25 Ebd. S. 62.

26 Ebd. S. 71.

27 Messerli, Flugblatt ein Massenlesestoff?, S.28.

28 Schilling, Bildpublizistik, S. 65.

29 Hoffmann, Bildsatire, S. 206.

30 Scribner, Flugblatt und Analphabetentum, S. 69.

31 Schilling, Bildpublizistik, S. 75.

32 Ebd. S. 76.

33 Schilling, Bildpublizistik, S. 84; Harms, Flugblatt in Verstandigungsprozessen, S.16.

34 Scribner, Flugblatt und Analphabetentum, S. 66.

35 Cole, Reformation Pamphlet, S. 145; Moeller, Predigten, S. 261 & S. 262.

36 Scribner, Flugblatt und Analphabetentum, S. 67; Rossing-Hager, Nicht-lesekundige Rezipienten, S. 77.

37 Rossing-Hager, Nicht-lesekundige Rezipienten, S. 78.

38 Harms, Illustrierte Flugblatteraus den Jahrhunderten der Reformation, Einleitung.

39 Scribner, Flugblatt und Analphabetentum, S. 69.

40 Ebd. S. 71.

41 Harms, Illustrierte Flugblatteraus den Jahrhunderten der Reformation, Einleitung.

42 Schilling, Bildpublizistik, S. 166.

Details

Seiten
25
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640849857
ISBN (Buch)
9783640849550
Dateigröße
500 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v168097
Institution / Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn – Institut für Geschichtswissenschaft
Note
1,0
Schlagworte
Martin Luther Flugblattpublizistik

Autor

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