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Die deutsche Bundesbank und das Europäische System der Zentralnotenbanken im Vergleich: Vorbildfunktion des deutschen Erfolgsmodells?

Hausarbeit 2010 16 Seiten

BWL - Wirtschaftspolitik

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

I. Einleitung

II. Die deutsche Bundesbank
1. Organisationsstruktur
2. Funktionen und Aufgaben
3. Ziele und geldpolitisches Instrumentarium
a) Ziel der Währungssicherung
b) Geldpolitisches Instrumentarium

III. Das Europäische System der Zentralnotenbanken
1.) Organisationsstruktur
2.) Funktionen und Aufgaben
3.) Ziele und geldpolitisches Instrumentarium
a) Ziel der Preisstabilität
b) Geldpolitisches Instrumentarium

IV. Die deutsche Bundesbank und das Europäische System der Zentralnotenbanken im Vergleich

V. Schlussfolgerungen

VI. Quellen- und Literaturverzeichnis

I. Einleitung

„Die einstmals mächtigste Zentralbank Europas [steht] nicht mehr im Rampenlicht.“ (Schabert 2007: 1). Andreas Schabert spricht damit das aus, was spätestens seit 1999 Wirklichkeit geworden ist: in der Europäische Union ist eine neue geldpolitische Ära eingeleitet worden.

Vor allem um weiterhin die europäische Wettbewerbsfähigkeit an den internationalen Finanzmärkten zu sichern, gründeten die Mitgliedsstaaten der EU die Wirtschafts- und Währungsunion (vgl. Manger-Nestler 2008: 577). Doch der Traum einer europäischen Wirtschafts- und Währungsunion ist keinesfalls eine Idee des späten 20. Jahrhunderts. Vielmehr ist er so alt wie die Europäische Gemeinschaft selbst (vgl. Marsh 1995: 294).

Mit der Einführung des Euro als gemeinsame Währung und der vollständigen Etablierung der Europäischen Zentralnotenbank, verloren die nationalen Zentralnotenbanken der teilnehmenden Länder analog viele ihrer Kompetenzen. So auch die 1957 gegründete Deutsche Bundesbank (vgl. Marsh 1995: 28). Sie fungiert nun als integraler Bestandteil des gegründeten Europäischen Systems der Zentralnotenbanken (ESZB), welches die vollständige Verantwortung für die Geldpolitik der an der Währungsunion teilnehmenden Länder trägt. Das „Herzstück“ des ESZB bildet die Europäische Zentralnotenbank mit Sitz in Frankfurt am Main.

Bei der Schaffung des Eurosystems wurde von vielen Seiten eine Übernahme der Struktur und der Bestimmungen des deutschen Erfolgsmodells „Bundesbank“ gefordert (vgl. Walter 1994: 13), da deren Kompetenz europaweit bekannt ist. Aus diesem Zusammenhang entwickelte sich eine weitreichende Diskussion, inwieweit die Deutsche Bundesbank dem neu zu schaffenden ESZB als Vorbild dienen könne.

Aus dieser Tatsache ergibt sich die Relevanz der vorliegenden Arbeit. In einem direkten Vergleich beider Systeme soll die Rolle der Deutschen Bundesbank als Vorbild für das ESZB genauer untersucht werden. Als Vergleichskategorien dienen dabei die Organisationsstruktur, die zentrale Aufgaben und Zielsetzungen, sowie das geldpolitische Instrumentarium beider Banken. Zu diesem Zweck erfolgt in Kapitel II. und III. zunächst eine konkrete Betrachtung der Deutschen Bundesbank, sowie des Europäischen Systems der Zentralnotenbanken entlang der gewählten Kategorien. Im Zentrum des sich anschließenden Kapitel IV. steht dann der direkte Vergleich beider Bankensysteme in Hinblick auf die Vorbildfunktion der Deutschen Bundesbank. In Kapitel V. soll abschließend auf dieser Grundlage die konkrete Beantwortung der dieser Arbeit zugrunde liegenden Fragestellung erfolgen. An dieser Stelle sollte erwähnt werden, dass sich diese Arbeit auf Grund mangelnden Platzes auf die wesentlichen Grundzüge beider Bankensysteme beschränkt und einen Versuch darstellt, dieses hoch komplexe Thema geeignet zu komprimieren.

II. Die deutsche Bundesbank

1.) Organisationsstruktur

Das einstufige Notenbanksystem in der Bundesrepublik Deutschland besteht aus mehreren ineinandergreifenden Gremien, die eng miteinander vernetzt sind und doch vielfältige Aufgaben auch unabhängig voneinander erfüllen.

Der Zentralbankrat verfügt als oberstes Leitungsorgan sowohl über rechtssetzende als auch über exekutive Befugnisse. Er setzt sich aus dem Präsidenten und dem Vizepräsidenten der Deutschen Bundesbank, den übrigen Mitgliedern des Direktoriums, sowie den Präsidenten der neun Landeszentralbanken zusammen (vgl. Galahn 1996: 178). Gemäß § 7 Abs. 1 BBkG bestimmt der Zentralbankrat über die Währungs- und Kreditpolitik der Bank und ist zudem für die Festlegung allgemeiner Richtlinien für die Geschäftsführung und Verwaltung zuständig (vgl. Galahn 1996: 178). In Einzelfällen ist er befugt dem Direktorium und den Vorständen der Landeszentralbanken Weisungen zu erteilen, wobei diese „nicht nur währungspolitische, sondern auch verwaltungsorganisatorische Angelegenheiten betreffen können“ (Walter 1994: 118). In der Regel tagt der Zentralbankrat alle zwei Wochen und fasst seine Beschlüsse gemäß § 6 Abs. 3 BBkG mit einfacher Mehrheit der abgegebenen Stimmen.

Das Direktorium stellt das zweite Gremium der Deutschen Bundesbank dar und fungiert als Administrativorgan, bzw. Exekutivorgan der Bank. Es leitet und verwaltet deren Angelegenheiten, soweit diese nicht in der Zuständigkeit der Vorstände der Landeszentralbanken liegen (vgl. Galahn 1996: 178). Gemäß § 11 Abs. 1 BBkG vertritt das Direktorium die Deutsche Bundesbank sowohl gerichtlich, als auch außergerichtlich. Das Gremium setzt sich zusammen aus dem Präsidenten und dem Vizepräsidenten der Bank, sowie bis zu sechs weiteren Mitgliedern, welche ebenfalls mit Stimmenmehrheit entscheiden, sich im Falle von Stimmengleichheit jedoch der Stimme des Präsidenten beugen müssen (vgl. Galahn 1996: 179).

Als drittes Organ führen die Vorstände der Landeszentralbanken jene Angelegenheiten durch, die in ihren Verwaltungs- und Zuständigkeitsbereich fallen. Dies erfolgt selbstständig und in eigener Verantwortung (vgl. Walter 1994: 121). Somit fungieren die Landeszentralbanken nicht nur als bloße Zweigniederlassungen der Bundesbank, sondern werden auch als deren Hauptverwaltungen bezeichnet. Trotzdem besitzen sie keine juristische Selbstständigkeit und Rechtsfähigkeit, sondern bilden neben der zentralen Ebene der Bundesbank eine zweite, regionale Ebene (vgl. Walter 1994: 120).

Als letztes Gremium der Deutschen Bundesbank sind die Beiräte der Landeszentralbanken zu nennen. Sie dienen dazu, den Kontakt mit der regionalen Wirtschaft und dem Kreditgewerbe aufrechtzuhalten und haben die Aufgabe, über Fragen der Währungs- und Kreditpolitik, sowie die Durchführung der im Bereich der Landeszentralbank liegenden Aufgaben zu beraten (vgl. Walter 1994: 123). Somit fungieren sie als Bindeglied zwischen der Deutschen Bundesbank und den Landeszentralbanken, haben jedoch lediglich beratende Funktionen inne.

2.) Funktionen und Aufgaben

Die zentralen Aufgaben der Deutschen Bundesbank ergeben sich aus dem § 3 BBkG.

Danach fungiert sie zum ersten als „Bank“, regelt also alle üblichen Bankgeschäfte, und zum zweiten als Währungsbank, die für die optimale Versorgung der Volkswirtschaft mit Geld zu sorgen hat. So organisiert sie mit Hilfe ihrer geldpolitischen Befugnisse den Geldumlauf und die Kreditversorgung der Wirtschaft und wirkt damit auf das Ziel der Währungssicherung hin (vgl. Galahn 1996: 181). Zudem steuert sie die „bankenmäßige Abwicklung des Zahlungsverkehrs im Inland und mit dem Ausland“ (vgl. Galahn 1996: 181).

Zum dritten fungiert die Deutsche Bundesbank als Notenbank und hat gemäß § 14 BBkG das alleinige Recht inne, Banknoten auszugeben bzw. zur Einziehung aufzurufen. Sie ist somit die einzige Instanz in der Bundesrepublik, die offizielle Währungsreserven hält und in diesem Zusammenhang die Liquidität des Staates international gewährleistet (vgl. Galahn 1996: 183).

Des Weiteren erhält die Deutsche Bundesbank als letzte Refinanzierungsquelle der Kreditinstitute die Bezeichnung als „Bank der Banken“. Diese Qualifikation liegt in der Funktion der Bundesbank als zentrales Refinanzierungsinstitut begründet, welches die gesamte Kreditversorgung der Volkswirtschaft regelt (vgl. Walter 1994: 133).

Dennoch ist die Deutsche Bundesbank nicht nur „Bank der Banken“, sondern fungiert gleichzeitig als „Bank des Staates“. In diesem Zusammenhang nimmt sie die Stellung einer Hausbank des Bundes und zudem, in eingeschränktem Maße, der Länder ein (vgl. Walter 1994: 134).

[...]

Details

Seiten
16
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640849963
ISBN (Buch)
9783640850280
Dateigröße
391 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v168079
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden – Politikwissenschaft
Note
2,0
Schlagworte
bundesbank europäische system zentralnotenbanken vergleich vorbildfunktion erfolgsmodells

Autor

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