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Aristoteles: Ist der Mensch ein politisches Lebewesen?

Hausarbeit 2009 9 Seiten

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Leseprobe

I. Einleitung

Nicht nur die modernen Denker unserer Zeit haben Einfluss auf die politische Theorie der Gegenwart, sondern vor allem auch die Philosophen vergangener Epochen. Aristoteles als einer der wirkungsmächtigsten antiken Denker gilt bis heute als Begründer der politischen Wissenschaft und darf trotz einiger überholter Ansichten, zum Beispiel der Rechtfertigung der Sklaverei, bei den theoretischen Untersuchungen der Politik nicht unbeachtet bleiben. Natürlich hat das Erbe des Aristoteles in Form seiner Lehrschriften vor allem aus diesem Grund nicht nur Verehrung, sondern auch zahlreichen Widerspruch gefordert.

Im Folgenden werde ich mich dem aristotelischen Werk „Politik“ widmen und anschließend bezugnehmend auf dessen Kernaussagen auch die Aktualität des Philosophen in unserer heutigen Zeit betrachten. Zu diesem Zweck werfe ich zunächst einen Blick auf das Leben und das Werk des Aristoteles, um danach seine Auffassung vom Menschen als „ zoon politikon “ und seine Theorie der Polis aufzuzeigen. Auch seine bekannte Verfassungstypologie und Aristoteles‘ Antwort auf die Frage nach der besten Verfassung spielen in meiner Betrachtung eine wichtige Rolle. Abschließend werde ich, bezugnehmend auf einige fundamentale Einwände gegen Aristoteles, die Bedeutung seiner politischen Lehre in unserer heutigen Zeit darlegen.

II. Aristoteles – Leben und Werk

384 v. Chr. in Stageira, einer Kleinstadt auf der Halbinsel Chalkidike, geboren, wuchs Aristoteles in die Welt einer griechischen Polis hinein. Er war der Sohn des Ioniers Nikomachos und der Phaistis aus Chalkis und gehörte wohl auf Grund des hohen Ansehens seines Vaters der Oberschicht seiner Polis an. Nach dem Tod seines Vaters, der einige Zeit als Leibarzt des Königs Amyntas III. von Makedonien (394-370) tätig war, zog es ihn bereits mit 17 Jahren nach Athen. Dort trat er in die platonische Akademie ein, der er bis zum Tod seines Lehrers angehörte. Danach wanderte er einige Jahre durch das griechische Festland und nach Kleinasien, bis er zum Erzieher von Alexander, dem Sohn Philipps II. von Makedonien, berufen wurde. 335 v. Chr. gründete er in Athen seine eigene Philosophenschule, die seinen wichtigsten Wirkungsort darstellte. Im Sommer 322 v. Chr. starb Aristoteles in Chalkis auf Euboia.

Die praktische Philosophie des Aristoteles, zu der Ethik und Politik gehören, umfasst 4 Lehrschriften. Während die „Große Ethik“ und die „Eudemische Ethik“ das menschliche Individuum an sich und dessen Tugenden zum Thema haben, geht es in der „Nikomachischen Ethik“ und in der „Politik“ primär um das menschliche Zusammenleben in der Gemeinschaft und die einzelnen Verfassungen (vgl. Gehrke 2006: 357f.). Ethik und Politik sind zwar eigenständig, trotz allem aber in vielen Punkten aufeinander bezogen. Auffallend charakteristisch ist der empirische Bezug in Aristoteles‘ politischen Schriften. Zur besseren Erfassung der politischen Wirklichkeit sammelte er zum Beispiel 158 verschiedene existierende Verfassungen der griechischen Poliswelt, die ihm als Grundlage seiner Verfassungstheorie dienten (vgl. Gehrke 2006: 360).

III. Hauptaussagen der „Politik“

1. Aristoteles‘ politische Anthropologie – Der Mensch als politisches Lebewesen

Bereits in der „Nikomachischen Ethik“ stellt Aristoteles seine Auffassung vom Menschen als ein „von seiner Natur her auf das Leben in der geordneten politischen Gemeinschaft angelegtes Lebewesen“ (Weber-Schäfer 1976: 38) dar. In der „Politik“ wird dieses Thema dann ausführlicher behandelt. Demnach ist der Mensch ein „von Natur politisches - also zum Zusammenleben in der polis fähiges und bestimmtes – Lebewesen“ (Weber-Schäfer 2000:13; Herv. im Orig.). Zwar seien auch Tiere politisch, aber der Mensch sei „im höheren Grade ein staatenbildendes Lebewesen […] als jede Biene oder sonst ein Herdentier“ (Aristoteles 2006: 12; Änd. d. Verf.), da er als einziges Lebewesen die Sprache (logos) besitzt. Diese ermöglicht ihm die Unterscheidung von Gutem und Schlechtem, sowie von Gerechtem und Ungerechtem. Der von Natur aus bestehende Drang des Menschen zum Leben in einer Gemeinschaft macht ihn zu einem politischen Lebewesen, das sich durch seine Fähigkeit zu Erkenntnis und Sittlichkeit von anderen staatenbildenden Lebewesen unterscheidet. Durch die Definition des Menschen als „ zoon politikon “ bildet das Leben in der Polis den naturgemäßen Zustand, denn nur dort ist die Natur des Menschen frei entfaltbar. Diese Aussage wird durch ein Negativbeispiel unterstützt, denn jeder, der „durch seine Natur und nicht bloß aus Zufall außerhalb des Staates leb[e], [sei] entweder schlecht oder höher als der Mensch“ (Aristoteles 2006: 12; Änd. d. Verf.).

2. Polisordnung

a) Formen der menschlichen Gemeinschaft

Aristoteles unterscheidet in der „Politik“ mehrere Formen des menschlichen Zusammenlebens. Die Grundbeziehungen zwischen Mann und Frau, sowie Herrschenden und Beherrschten bilden den Haushalt (oikos). Dabei besteht die Ehe als erste menschliche Gemeinschaft um der Fortpflanzung willen und ist bereits durch Hierarchie geprägt, die durch eine geschlechtliche Differenz der praktischen Vernünftigkeit entsteht (vgl. Kamp 1990: 80). Die Beziehung zwischen Sklaven und Herrn zielt auf die Lebenserhaltung ab und besteht ebenso wie die Ehe von Natur aus. Diese Annahme resultiert aus dem antiken Verständnis, dass Sklaven kein Denkvermögen (nous) besäßen und somit die Sklaverei für solche Menschen von Natur aus das Beste sei (vgl. Gutschker 2002: 107).

Aus mehreren Haushalten entsteht die „auf Arbeitsteilung beruhende […] Dorfgemeinschaft (kome), die der Sicherung der ökonomischen Lebensbasis dient“ (Weber-Schäfer 1976: 55).

Eine Ansammlung von Dörfern bildet schließlich die Polis als vollendete menschliche Gemeinschaft.

b) Charakteristik der Polis

Aristoteles‘ Ausgangspunkt bildet die Annahme, dass jeder Mensch von Natur aus in einer politischen Gemeinschaft (koinonia politike) lebt.

Dabei bezeichnet er den Staat als ein „naturgemäßes Gebilde“ (Aristoteles 2006: 11) und betont, dass dieser „dem Wesen nach früher“ als Ehe, Haus und Dorf sei (vgl. Kamp 1990: 83). Im Gegensatz zum oikos als „eine Gemeinschaft von wesentlich Ungleichen“ (Kamp 1990: 80) ist die Polis als ein Zusammenschluss „freier und gleicher Bürger“ (Braun 1984: 26) charakterisiert. Sie beinhaltet alle Formen des menschlichen Zusammenlebens, grenzt sich jedoch auf Grund ihrer politischen, und nicht häuslich-ökonomischen Bestimmung, als Ganzes von ihren Teilen ab (vgl. Braun 1984: 27). Dabei wird Aristoteles‘ strikte Differenzierung zwischen der privaten und gemeinschaftlichen Sphäre deutlich. Politik und Polis beziehen sich dabei immer auf das Gemeinsame der Bürger, nicht auf den Einzelnen (vgl. Engi 2006: 238). Bezugnehmend auf die bereits angesprochenen unterschiedlichen Gemeinschaftsformen des Menschen unterscheidet Aristoteles in diesem Zusammenhang die politische und die despotische Herrschaft. Die politische Herrschaft als Regierung von Freien über Freie, findet sich in der Polis wieder. Die despotische Herrschaft als Macht über Unfreie gehört nur in den Bereich des Häuslichen, zum Beispiel als Herrschaft über Sklaven (vgl. Engi 2006: 250).

Da einige Fähigkeiten des Menschen nur in der politischen Gemeinschaft voll entfaltet werden können (vgl. Allan 1972: 432) fungiert die Polis als Lebensgrundlage ihrer Bürger. Auf Grund dessen bleibt sie auch bestehen, wenn ihre Mitglieder beschließen, sich anderswo niederzulassen (vgl. Trapp 1988: 212f.).

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Details

Seiten
9
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640849949
ISBN (Buch)
9783640850259
Dateigröße
415 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v168074
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden – Politikwissenschaft
Note
2,0
Schlagworte
aristoteles mensch lebewesen

Autor

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Titel: Aristoteles: Ist der Mensch ein politisches Lebewesen?