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Der frühkeltische Fürstensitz Hohenasperg

Unter besonderer Berücksichtigung der Fürstengräber und Flachlandsiedlungen

Hausarbeit (Hauptseminar) 2010 39 Seiten

Archäologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Hohenasperg
2.1. Topographie
2.2. Geschichte und frühe Funde
2.3. Funde vom Hohenasperg
2.4. Datierung

3. Die Prunkgräber im Umfeld des Hohenasperg
3.1. Der Römerhügel, Kr. Ludwigsburg
3.2. Das Kleinaspergle, Kr. Ludwigsburg
3.3. Die Gruppe von Bad Cannstatt „Steinhaldenfeld“, Stadt Stuttgart
3.4. Das Grab von Ditzingen-Schöckingen, Kr. Ludwigsburg
3.5. Das Grab von Hirschlanden, Kr. Leonberg
3.6. Der Grafenbühl bei Asperg, Kr. Ludwigsburg
3.7. Der Grabhügel von Eberdingen-Hochdorf, Kr. Ludwigsburg
3.8. Ergebnisse

4. Die Siedlungsstellen um den Hohenasperg
4.1. Forschungsgeschichte
4.2. Siedlungen Ha C/D1
4.2.1.2. Stuttgart-Mühlhausen „Viesenhäuser Hof“
4.2.1.3. Remseck-Aldingen
4.3. Siedlungen Ha D2-3
4.3.1.1. Stuttgart-Stammheim
4.3.1.2. Fellbach-Schmiden
4.3.1.3. Kornwestheim
4.3.1.4. Walheim
4.4. Siedlungen FLT
4.4.1.1. Eberdingen-Hochdorf
4.5. Ergebnis

5. Zusammenfassung der Ergebnisse
5.1. Der Fürstensitz Hohenasperg
5.2. Der Hohenasperg als „komplexes Zentrum“
5.3. Vergleich zu anderen Fürstensitzen

6. Literaturverzeichnis 35

1. Einleitung

Der in Nordwürttemberg gelegene Hohenasperg stellt ein Teilprojekt des DFG- Schwerpunktprogramms 1171 „Frühe Zentralisierungs- und Urbanisierungsprozesse - Zur Entwicklung frühkeltischer Fürstensitze und ihres territorialen Umlandes“ dar. Ziel dieses SPP ist die Untersuchung der Entwicklungsprozesse, die zur Entstehung der Fürstensitze führten, und die Frage nach deren Funktion bezüglich ihrer umgebenden Landschaft. Obwohl die zu diesen vermeintlichen Machtzentren gehörenden Prunkgräber, wie beispielsweise der Hohmichele der Heuneburg oder das „Fürstinnengrab von Vix“ des Mont Lassois, aber auch das zum Hohenasperg gehörende Grab vom Kleinaspergle schon recht früh erforscht wurden, war doch bislang relativ wenig über die Fürstensitze selbst und noch weniger über die zugehörigen ländlichen Siedlungen bekannt. Dieser verhältnismäßig schlechte Forschungsstand konnte jedoch in den letzten Jahrzehnten deutlich verbessert werden, so dass mittlerweile einige siedlungsarchäologische Ergebnisse vorliegen, die Aussagen zu den jeweiligen Zentralorten und den für ihre Entstehung verantwortlichen Prozessen in der späten Hallstatt- und frühen Latènezeit erlauben1.

Inhalt dieser Arbeit ist es, einen Überblick über den Fürstensitz Hohenasperg zu geben. Dabei soll zum einen der heutige Kenntnisstand bezüglich der Siedlung selbst und den umgebenden reich ausgestatteten Grabhügel dargestellt, und zum anderen ein genauer Blick auf die bekannten ländlichen Siedlungsstellen, welche sich innerhalb des Machtbereichs des Hohenasperg befanden, geworfen werden. Anhand der durchaus imposanten Fürstengräber, die in der Reihe ihres forschungsgeschichtlichen Bekanntwerdens vorgestellt werden, wird sich aufzeigen lassen, wie sich die späthallstatt-/frühlatènezeitliche Elite im Grabkult darstellte. Es wird der Frage nachgegangen werden, ob sich möglicherweise innerhalb dieser Bestattungskultur eine soziale Hierarchie erkennen lässt. Die Betrachtung der Siedlungen erfolgt diachron, entlang ihrer Entwicklung im Laufe der Phasen Ha C und D1, bis in die Frühlatènezeit hinein. Ziel dieser Untersuchung ist es einerseits die siedlungsarchäologischen Prozesse darzustellen, die zur Herausbildung des Siedlungsgefüges in der Landschaft des Hohenasperg im Laufe der Späthallstattzeit führten, andererseits die Bedeutung des

Fürstensitzes für sein Umland, auch im Hinblick auf eine mögliche Funktion als Zentralort oder komplexes Zentrum, zu klären2.

Ein abschließender Vergleich mit anderen Fürstensitzen, wie z. B. dem Mont Lassois in Burgund soll Möglichkeiten aufzeigen, wie man sich die einstige Besiedlung auf dem Plateau des Hohenasperg vorstellen könnte, aber auch welche die Unterschiede sind, die diesen Fürstensitz so besonders machen und welche Chancen sich daraus für die Untersuchung auch in Bezug auf andere Regionen ergeben.

2. Der Hohenasperg

2.1. Topographie

Der Hohenasperg befindet sich in Nordwürttemberg und liegt ca. 15 km nordwestlich von Stuttgart und ca. 5 km westlich des Neckars. Es handelt sich um einen Zeugenberg mit einer Höhe von 356 m.ü.N.N. und einem Plateauareal von 6 ha. Das topographische Umland des Hohenasperg ist, hydrographisch gesehen, geprägt durch die größeren Flüsse Neckar, Glems und Enz sowie deren zahlreichen Nebenflüssen. Der Hohenasperg liegt in einem Becken des mittleren Neckarlandes, das durch ein sommerwarmes und wintermildes Klima gekennzeichnet ist. Naturräumlich begrenzt wird diese fruchtbare Altsiedellandschaft durch die Höhenrücken des Keuperberglandes, namentlich im Süden der Schurwald und der Schönbuch; im Westen der Strom- und Heuchelberg und schließlich dem Schwarzwald; im Osten durch die Löwensteiner Berge und den Murrhardter Wald3. Landwirtschaftlich gesehen hat man es in der Region um den Hohenasperg mit Lößböden zu tun, auf denen ertragreiche Parabraunerde aufliegt. Die lößfreien Gebiete werden als Wald oder Obstwiesen genutzt4. Zahlreiche Fundstellen rund um den Hohenasperg bezeugen die Belegung dieser fruchtbaren Landschaft bereits in vorgeschichtlicher Zeit.

2.2. Geschichte und frühe Funde

Der Hohenasperg ist u. a. für zahlreiche und bemerkenswerte eisenzeitliche Grabfunde in seinem Umland bekannt, wie z. B. dem bedeutenden Grabhügel des sog. „Keltenfürsten von Hochdorf“, der in knapp 10 km Entfernung entdeckt wurde.

Aufgrund der herausragenden topographischen Lage und der reichen Grab- und Siedlungsfunde in seinem Umland wird davon ausgegangen, dass es sich um einen frühkeltischen Fürstensitz handelt. So bezeichnete auch Wolfgang Kimmig den Hohenasperg schon 1969 als Adelssitz vom „Typus Heuneburg und Mont Lassois“5, obwohl bis dahin weder hallstattzeitliche Siedlungsspuren, noch Importfunde bekannt waren. Ein unüberwindbares Problem bei der Erforschung des Hohenasperg stellt die heutige Überbauung dar, denn beginnend mit dem 10 Jh. kam es zu ständigen Bauaktivitäten auf dem Plateau. So befand sich dort eine Landesfestung des 16. Jh., ab dem 18. Jh. dann diente der Hohenasperg als Staatsgefängnis. Heute befindet sich dort die Hauptanstalt der „Sozialtherapeutischen Anstalt Baden-Württemberg“, bei der es sich um ein Justiz- vollzugskrankenhaus handelt6.

Obwohl keine zusammenhängenden Siedlungsbefunde auf dem Hohenasperg untersucht werden können, traten doch etliche Funde zu Tage, die für eine Besiedlung des Plateaus während der Eisenzeit sprechen. Aus dem Aushub eines Gebäudes stammen drei Scherben, die zwar nicht feinchronologisch eingeordnet werden können, aber mit Sicherheit in die späte Hallstattzeit datieren. Desweiteren liegen Fundmitteilungen über Frühlatènescherben aus dem Aushub eines Küchengebäudes des heutigen Vollzugskrankenhauses vor7. Auch wenn vermutet wird, dass durchaus noch vorgeschichtliche Befunde auf dem Hohenasperg zu erwarten sein könnten8, muss diese Vermutung jedoch bislang unbestätigt bleiben.

2.3. Funde vom Hohenasperg

Im Vergleich zu den oben genannten frühen Funden stellen Keramiklesefunde vom Süd- und Osthang des Hohenaspergs aus den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts einen wesentlich sichereren Hinweis für eine vorgeschichtliche Besiedlung dar. Sie belegen, dass das Gipfelplateau möglicherweise schon zur Zeit des Mittel- und Jungneolithikums besiedelt wurde9. Funde aus der Bronzezeit bzw. Urnenfelderzeit konnten zwar bislang noch nicht gemacht werden, jedoch liegt ein relativ großer Lesefundkomplex, bestehend aus 65 späthallstatt- und frühlatènezeitlichen Scherben, vor10, der im Folgenden kurz vorgestellt werden soll.

Zu den Funden gehören u. a. die Bruchstücke feiner und grober Schalen mit leicht ausschwingenden, steilen oder unterschiedlichen stark einbiegenden Rändern; die Scherbe einer Schüssel mit ausschwingender Halszone; grob gearbeitete Töpfe mit unterschiedlich gearbeiteten Hälsen; die Scherbe eines Deckels; mehrere Spinnwirtel. Als Ver- zierungselemente tauchen Fingertupfenleisten, große und kleine Dellen, Kerben sowie Einstiche auf.

Vergleichbare Gefäß- und Zierformen sind auch aus anderen späthallstattzeitlichen Siedlungskontexten, wie beispielsweise der Heuneburg, in großer Zahl bekannt. Auch aus frühlatènezeitlichen Fundzusammenhängen bekannte Keramikformen konnten am Hohenasperg beobachtet werden. Dazu gehören die Scherben von Schalen mit einziehendem Rand, Bruchstücke von ausbiege]nden Töpfen sowie die Reste von Trichtergefäßen. Zwei feinkeramische Fragmente erlauben innerhalb der Späthallstattzeit eine genauere Datierung. Es handelt sich dabei zum einen um die Wandscherbe einer kegelförmigen Schüssel, die zur gerieften Drehscheibenkeramik gehört und zeitlich in den Übergang von Ha D2 zu D3 einzuordnen ist. Zum anderen liegt das Bruchstück einer lokalen Ha D1-zeitlichen Kelchform vor, deren Ursprung in der Mittelmeerwelt zu suchen ist11.

Ein weiteres Bruchstück einer Schüssel der späthallstattzeitlichen gerieften Drehscheibenkeramik stammt aus einer Baugrube südöstlich des Plateaus. Hier ließen sich auf einem heute zum größten Teil überbauten Gebiet zahlreiche Fundplätze mit Befunden der Späthallstatt-/Frühlatènezeit nachweisen, die einen Hinweis auf eine mit dem Fürstensitz zusammenhängende Siedlung darstellen könnten12.

2.4. Datierung

Zusammenfassend sprechen die bisher gemachten Lesefunde vom Hohenasperg von einer vermeintlich dünnen Besiedlung in Ha C/D1, die dann allem Anschein nach während der Phasen Ha D2/3 ausgebaut wurde und nach derzeitigem Kenntnisstand bis in die Frühlatènezeit hinein lief. Eine Besiedlungsgeschichte also, die durchaus Parallelen zu anderen Fürstensitzen wie z. B. der Heuneburg oder dem Mont Lassois, aufweist, auch wenn deren Belegung am Ende von Ha D3 abbricht13. Es darf jedoch nicht außer Acht gelassen werden, dass auf dem Plateau des Hohenasperg noch keine datierenden Befunde ergraben werden konnten, und dass somit die Aussagen zur Datierung bislang als rein hypothetisch betrachtet werden müssen.

Im näheren Umfeld des Fürstensitzes konnten in den letzten Jahren allerdings zwei größere Siedlungsfundstellen entdeckt werden, die in die vermutete Blütezeit des Hohenasperg datieren, also in die späthallstattzeitlichen Stufen D2-3. Dabei handelt es sich um die 1999 bzw. 2004 aufgefundenen Siedlungsstellen „Lange Äcker“ und „Im Täschen“, südlich bzw. östlich des Hohenasperg. Zu den ergrabenen Befunden gehören sowohl Grubenhäuser, als auch Vorratsgruben. Die Untersuchungen lieferten jedoch nur wenige Funde in Form von einigen Keramikscherben14.

Damit ist das bis heute bekannte Wissen über die späthallstatt- und frühlatènezeitliche Besiedlungsgeschichte des Hohenasperg selbst bereits erschöpft. Für eine weitere Erforschung ist man auf das umgebende Umland angewiesen, welches aus diesem Grund nun eine genauere Betrachtung erfahren soll. Der Schwerpunkt liegt hierbei einerseits auf den schon länger bekannten Prunkgräbern und andererseits auf den, oftmals erst in jüngster Zeit erkannten Siedlungsfundstellen.

3. Die Prunkgräber im Umfeld des Hohenasperg

Das Umfeld des Hohenasperg war lange Zeit nicht für seine Siedlungsfundstellen, sondern wegen der Anhäufung eisenzeitlicher Prunkgräber bekannt. Nördlich der Alpen existiert bislang keine Landschaft, in der so viele reich ausgestattete Gräber der Hallstatt- und Latènezeit auftreten wie in dem Gebiet rund um den Hohenasperg15. Diese Prunkgräber sollen nun kurz vorgestellt werden, denn bis heute gelten die herausragenden Grabhügel als das Schlüsselelement für die Annahme eines Fürstensitzes auf dem Gipfelplateau des Hohenaspergs. Topographisch gesehen können die Gräber in drei Gruppen eingeordnet werden: Guppe I in unmittelbarer Nähe südlich und östlich des Plateaus, Gruppe II bei Bad Cannstatt östlich des Neckars und Gruppe III westlich des Flusses Glems16. Die acht hier zu behandelnden Beisetzungen sollen jedoch nicht nach ihrer Lage, sondern nach ihrem forschungsgeschichtlichen Auffinden betrachtet werden.

3.1. Der Römerhügel, Kr. Ludwigsburg

Forschungsgeschichtlich gesehen am Anfang steht der sog. Römerhügel von Ludwigsburg- Pflugfelden, der sich ungefähr 3 km südöstlich vom Hohenasperg befindet. Bereits 1877 wurden hier beim Einbau eines Wasserbehälters zwei durch Steinpackungen geschützte Grabkammern durch Oscar Fraas entdeckt. In Grab I, bei dem es sich vermutlich um eine S-N orientierte, aus Holzbohlen bestehende Nebenkammer der Zentralbestattung handelt, fanden sich die die Beisetzung eines männlichen, 40-60 Jahre alten Individuums und die Reste eines vierrädrigen Wagens mit Pferdegeschirr. Zu den Beigaben gehören u. a.: ein Gold- blechhalsreif in der Nähe des Kopfes; ein Eisendolch mit Bronzegriff in Höhe des Beckens; ein Goldblechstreifen, vermutlich von einem Trinkhornbeschlag, am rechten Fuß; sowie ein Bronzebecken, zwei Bronzeteller und eine Bronzeziste, die ebenfalls im Fußbereich lagen.

Die zweite Grabkammer, in der das eigentliche Zentralgrab vermutet wird, beinhaltete einen Goldblechstreifen mit Rippen- und Buckelverzierung, zwei keulenförmige Bernsteinplättchen und den mit Bernstein belegten Bronzegriff eines Dolches. Allerdings wurde diese Grabkammer nur angeschnitten und nicht komplett freigelegt, so dass noch weitere Gegenstände zu erwarten gewesen wären.

Bei einer Erweiterung des Wasserbehälters im Jahr 1926 konnten insgesamt 15 Nachbestattungen in Form von Körpergräbern festgestellt werden17. Die Grablegungen der beiden Grabkammern im Römerhügel datieren in eine späte Phase von Hallstatt D218, die Nachbestattungen sind z. T. jünger und reichen bis in die Frühlatènezeit hinein19.

3.2. Das Kleinaspergle, Kr. Ludwigsburg

Zwei Jahre nach der Entdeckung des Römerhügels im Jahr 1879, untersuchte Oscar Fraas den Grabhügel Kleinaspergle, etwa 900 m südlich des Hohenasperg. Fraas trieb bei seiner Grabung einen Grabungstollen von der Seite in den Hügel hinein und stieß schließlich auf die 3 x 4 m messende Zentralkammer des Tumulus, die jedoch bereits antik ausgeraubt worden war. Aber es konnte noch eine zweite, glücklicherweise ungestörte, Grabkammer dokumentiert werden, die sich mit 2 x 3 m Größe etwas kleiner als das Hauptgrab darstellte. Diese Nebenbestattung wies eine reiche Ausstattung der Stufe Lt A auf. Unter den Funden waren eine Bronzeschnabelkanne, ein etruskischer Stamnos, eine norditalische Rippenziste und ein einheimisches Bronzebecken. Desweiteren gab es auch Goldfunde, darunter Goldblechbeschläge eines kleinen Löffels und zwei goldplattierte Widderkopfenden von Trinkhörnern. Zwei attische Ringfußschalen befanden sich ebenfalls unter den Funden, sie wurden in einer attischen Werkstatt im Kerameikos um 450 v. Chr. hergestellt20 und nachträglich, in lokaler Arbeit mit Goldblechen verziert. Bei der Nebenkammer vom Kleinaspergle handelt es sich um das bislang jüngste „Fürstengrab“ im Umland des Hohenaspergs. Für eine Datierung des Grabhügels in Lt A sprechen sowohl die attischen Trinkschalen, als auch die Verzierung der Mündung und der Griffattachen der Schnabelkanne im Maskenstil der frühen Latènezeit21. Ob es sich bei der Bestattung um einen Mann oder eine Frau handelte, kann nicht mehr hundertprozentig geklärt werden, da keine Leichenreste aufzufinden waren. Da es sich bei dem Befund lediglich um eine Nebenkammer des Grabhügels handelt, ist davon auszugehen, dass das Zentralgrab noch wesentlich prunkvoller gewesen ist22. In der näheren Umgebung des Kleinaspergle befinden sich noch weitere Grabhügel23, die jedoch nur wenige Funde lieferten und keinesfalls mit dem reich ausgestatteten, oben beschriebenen Grab zu vergleichen sind, auch wenn einige davon noch nicht untersucht worden sind.

3.3. Die Gruppe von Bad Cannstatt „Steinhaldenfeld“, Stadt Stuttgart

In den Jahren 1934 und 1937 wurden von Oscar Paret anlässlich der Entstehung eines Neubaugebietes in Bad Cannstatt, 12 km südöstlich vom Hohenasperg, zwei ungefähr 125 m voneinander entfernte Prunkgräber entdeckt. Obwohl die einstigen Grabhügel nahezu komplett verschliffen waren, konnte doch festgestellt werden, dass es sich einstmals um Tumulusbestattungen in Holzkammern gehandelt hat. Im 1934 freigelegten Grab I fanden sich die Beigaben eines fast vollständig vergangenen männlichen Toten. Die reiche Ausstattung beinhaltete einen goldenen Halsreif, ähnlich dem aus dem Römerhügel von Ludwigsburg; ein goldenes Armband und einen Ring; zwei kleine Gold- und ein Bronzeringchen; das Bruchstück eines Gürtelblechs sowie zwei Paukenfibeln und eine Kniefibel. Das sonstige Inventar des Grabes bestand aus Lanzenspitzen; den Resten eines vierrädrigen Wagens, dessen Wagenkasten mit Bronzeblech beschlagen war, und zwei Bronzebecken, eines davon mit einer goldenen Schale im Inneren24.

Die Ausstattung von Grab II ist ähnlich der von Grab I, allerdings gehörte kein Wagen zu den Beigaben. Auch hier fand sich ein Goldhalsreif; ein kleines Goldringchen; zwei Fibeln, möglicherweise Paukenfibeln; ein Gürtelblech; ein Goldarmring; zwei Lanzen sowie ein Bronzebecken25.

Die Bestattungen lassen sich in die Phase Ha D2 einordnen26, wofür auch die gefundenen Paukenfibeln sprechen27. Somit entstanden die Grabhügel von Bad Cannstatt etwa zur selben Zeit wie der Römerhügel, nämlich zwischen den Jahren 530 und 490 v. Chr.

3.4. Das Grab von Ditzingen-Schöckingen, Kr. Ludwigsburg

Einige Jahre nach der Entdeckung der Gräber von Bad Cannstatt wurde 1951, ebenfalls von Oscar Paret, ein reiches Frauengrab im Ortskern von Ditzingen-Schöckingen, 10 km südwestlich vom Hohenasperg, ergraben. Dabei konnten die Reste eines weiblichen Skeletts im Inneren einer Steinsetzung, nur knapp 0,5 bis 1 m unter dem heutigen Bodenniveau, freigelegt werden. Anthropologische Untersuchungen an den schlecht erhaltenen Knochenresten ergaben, dass es sich bei der Toten um eine 20-40 Jahre alte Frau handelte. Dem Leichnam wurden etliche Beigaben mit ins Grab gelegt. Dazu gehören neun goldene Ohrringe aus der Nähe des Kopfes; sechs Bronzenadeln mit goldplattierten Köpfen; vier Korallenkopfnadeln; eine Kette aus Korallenperlen und eine aus Einzelteilen zusammengefügte Korallenkugel.

[...]


1 Zum DFG-SPP 1171 allgemein D. Krausse, Frühe Zentralisierungs- und Urbanisierungsprozesse. Zur Genese und Entwicklung frühkeltischer Fürstensitze und ihres territorialen Umlandes. Ein Schwerpunkt-programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Arch. Nachrbl. 9/4, 2004, 359-374; ders. in: D. Krausse (Hrsg.), Frühe Zentralisierungs- und Urbanisierungsprozesse. Zur Genese und Entwicklung frühkeltischer Fürstensitze und ihres territorialen Umlandes. Kolloquium des DFG-Schwerpunktprogrammes 1171 (Blaubeuren, 9.-11. Oktober). Forschungen und Berichte zur Vor- und Frühgeschichte in Baden-Württemberg 101 (Stuttgart 2008) 1-8.

2 Zum derzeitigen Forschungsstand bezüglich des Hohenasperg und seiner Umgebung I. Balzer, Die Erforschung der Siedlungsdynamik im Umfeld des frühkeltischen Fürstensitzes Hohenasperg, Kr. Ludwigsburg, auf archäologischen und naturwissenschaftlichen Grundlagen. Mit einem Nachtrag "Zu den Anfängen des Projektes" von Jörg Biel. In: D. Krause (Hrsg.), Frühe Zentralisierungs- und Urbanisierungsprozesse. Zur Genese und Entwicklung frühkeltischer Fürstensitze und ihres territorialen Umlandes. Kolloquium des DFGSchwerpunktprogrammes 1171 (Blaubeuren, 9.-11. Oktober). Forschungen und Berichte zur Vor- und Frühgeschichte in Baden-Württemberg 101 (Stuttgart 2008) 143-161.

3 K. Schatz/H.-P. Stika, Hochdorf VII. Archäobiologische Untersuchungen zur frühen Eisenzeit im mittleren Neckarraum. Forschungen und Berichte zur Vor- und Frühgeschichte in Baden-Württemberg 107 (Stuttgart 2009) 13.

4 Balzer (Anm. 2) 143.

5 W. Kimmig, Zum Problem späthallstättischer Adelssitze. In: K.-H. Otto/J. Herrmann (Hrsg.), Siedlung, Burg und Stadt. Studien zu ihren Anfängen [Festschrift P. Grimm] Dt. Akad. Wiss. Berlin, Schr. Sektion Vor- u. Frühgesch 25 (Berlin 1969) 109.

6 Balzer (Anm. 2) 143.

7 F. Fischer, Alte und neue Funde der Laténe-Periode aus Württemberg. Fundber. Schwaben 18/1, 1967, 81-82.

8 P. Menzel, Archäologische Untersuchungen an eisenzeitlichen Höhensiedlungen im mittleren Neckarland. Arch. Ausgr. Baden-Württemberg 1995, 1996, 112-114; R. Rademacher, Funde der Späthallstatt-/Frühlatènezeit vom Hohenasperg, Gemeinde Asperg, Kreis Ludwigsburg - Resultat eines Surveys. In: Fürstensitze, Höhenburgen, Talsiedlungen: Bemerkungen zum frühkeltischen Siedlungswesen in Baden-Württemberg. Arch. Inf. Baden-Württemberg 28 (Stuttgart 1995) 26.

9 R. Rademacher/A. Schwarzkopf, Ein vorgeschichtlicher Lesefundkomplex vom Hohenasperg bei Asperg, Kreis Ludwigsburg. Arch Korrbl. 25, 1995, 375.

10 Zusammenfassend vorgestellt bei Rademacher (Anm. 8) 28-29.

11 Umfassend dargestellt bei Rademacher/Scharzkopf (Anm. 9) 377-382, 384-387.

12 Rademacher (Anm. 8) 29.

13 Balzer (Anm. 2) 146.

14 Balzer (Anm. 2) 147.

15 Balzer (Anm. 2) 147.

16 W. Kimmig, Das Kleinaspergle. Studien zu einem Fürstengrab der frühen Latènezeit bei Stuttgart. Forsch. u. Ber. Vor und Frühgesch. Baden-Württemberg 30 (Stuttgart 1988) 24.

17 Zum „Römerhügel“ von Ludwigsburg-Pflugfelden L. Pauli, Untersuchungen zur Späthallstattkultur in Nordwürttemberg. Analyse eines Kleinraumes im Grenzbereich zweier Kulturen. Hamburger Beitr. Arch. 2,1, 1972, 102-104; J. Biel in: K. Bittel/W. Kimmig/S. Schiek (Hrsg.), Die Kelten in Baden-Württemberg (Stuttgart 1981) 393-394; F. Fischer/J. Biel, Frühkeltische Fürstengräber in Mitteleuropa. AW 13, Sondernummer 1982, 39-40; H. Zürn, Hallstattzeitliche Grabfunde in Württemberg und Hohenzollern. Forsch. u. Ber. Vor- und Frühgesch. Baden-Württemberg 25 (Stuttgart 1987) 98-101; Kimmig (Anm. 16) 26-27.

18 L. Hansen, Die Goldfunde und Trachtbeigaben des späthallstattzeitlichen Fürstengrabes von Eber-dingen- Hochdorf (Kr. Ludwigsburg) (ungedr. Diss.) 235, 308.

19 Biel in: Bittel u. a. (Anm. 17) 394.

20 E. Böhr, Die griechischen Schalen. In: Kimmig (Anm. 16) 176-184.

21 Biel in: Bittel u. a. (Anm. 17) 393.

22 Zum Kleinaspergle Pauli (Anm. 17) 97-98; Biel in: Bittel u. a. (Anm. 17) 393; Fischer/Biel (Anm. 17) 43; Kimmig (Anm. 16) 24-25.

23 H. Zürn, Grabungen beim und am Kleinaspergle auf Markung Asperg (Kr. Ludwigsburg). Fundber. Schwaben NF. 17, 1965, 194-198; Kimmig (Anm. 16) 25-26.

24 Zu Grab I von Bad Cannstatt O. Paret, Das Fürstengrab der Hallstattzeit von Bad Cannstatt (6. Jh. v. Chr.). Fundber. Schwaben NF. 8, 1935, Anhang 1; Pauli (Anm. 17) 104-105; Biel in: Bittel u. a. (Anm. 17) 478-479; Fischer/Biel (Anm. 17) 40-41; Kimmig (Anm. 16) 27.

25 Zu Grab II von Bad Cannstatt O. Paret, Ein zweites Fürstengrab der Hallstattzeit von Stuttgart-Bad Cannstatt. Funber. Schwaben NF. 9, 1938, 55-60; Pauli (Anm. 17) 105-106; Biel in: Bittel u. a. (Anm. 17) 479; Kimmig (Anm. 16) 27-28.

26 Pauli (Anm. 16) 106; Hansen (Anm. 18) 311-312.

27 Pauli (Anm. 16) 106; Kimmig (Anm. 16) 28.

Details

Seiten
39
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640849932
ISBN (Buch)
9783640850518
Dateigröße
571 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v168072
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Institut für Vor- und Frühgeschichte
Note
1,3
Schlagworte
Hohenasperg Siedlungsarchäologie Hallstattzeit Latènezeit Eisenzeit Eliten Grabhügel Hochdorf

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