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Der Vorabend des Peloponnesischen Krieges

Politik, Strategie und Einfluss der Antagonisten Athen und Sparta

Hausarbeit 2009 15 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Der Peloponnesische Krieg

2. Die Angst Spartas, athenische Expansion und erste militärische Auseinandersetzungen im „ersten Peloponnesischen Krieg“

3. Athens Konflikte mit Korinth und das „Megarische Psephisma“

4. Aggressive Innenpolitik Athens und die Kriegserklärung Spartas

5. Fazit

6. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Der Peloponnesische Krieg

Seit den Perserkriegen und dem damit verbundenen Aufstieg Athens in der griechischen Staatenwelt, entstand zusammen mit der einstigen, alleinigen Führungsmacht Sparta ein brisanter Dualismus, der letztendlich in einen verheerenden, bis dahin nicht gekannten Krieg führte. Für die antike Welt ist dieser Konflikt von weit reichender Bedeutung gewesen. Fast alle griechischen Stadtstaaten nahmen daran teil und die Kampfhandlungen umfassten die gesamte griechischsprachige Zivilisation.

Auch für die Geschichtsschreibung war dieser Konflikt bedeutend. Thukydides lieferte als erster Geschichtsschreiber eine zeitgenössische, umfassende und relativ objektive Darstellung dieses Krieges. Er war selbst Zeitzeuge, nahm den Krieg als Politiker, Stratege und Verbannter wahr. Seine Aufzeichnungen stehen für den Beginn der realen Geschichtsschreibung, sodass dieser Konflikt auch in der heutigen Geschichtslehre noch von Bedeutung ist.[1] Thukydides selbst spricht nicht vom Peloponnesischen Krieg sondern vom „Krieg der Peloponnesier und Athener“[2], in welchem sich der erste Attische Seebund und der Peloponnesische Bund mit ihren jeweiligen Führungsmächten Athen und Sparta gegenüberstanden. Er vermeldete in seinen Aufzeichnungen, dass „beide auf der vollen Höhe ihrer Machtmittel in den Kampf eintraten und dass er das ganze übrige Hellenentum Partei ergreifen sah.“[3] Daher wird dieser Krieg häufig auch als „antiker Weltkrieg“[4] bezeichnet. Oft jedoch waren es Kampfhandlungen mit nur wenigen hundert Kriegern erst mit Beginn der Sizilienexpedition wurde eine völlig neue Dimension erreicht, bei welcher Tausende von Hopliten und Ruderern eingesetzt wurden.

Der Peloponnesische Krieg begann im Jahre 431 v. Chr. mit ersten Auseinandersetzungen in Zentralgriechenland und dehnte sich im weiteren Verlauf bis nach Nordgriechenland aus. Zwischenzeitlich kam es zu einem Waffenstillstand, welcher im Nikias-Frieden beschlossen wurde. Zum Schluss wurde der Krieg in Sizilien und an der asiatischen Ägäisküste ausgetragen. Er endete nach 27 Jahren mit der Niederlage und Kapitulation der Athener 404 v. Chr. Jedoch war auch der vermeintliche Sieger Sparta, der am Ende durch Persien unterstützt wurde, stark geschwächt, sodass es zu einem Machtvakuum in der gesamten griechischen Welt kam, das erst mit den Expansionen Makedoniens unter Philipp II. und dessen Sohn Alexander beseitigt wurde. Der Peloponnesische Krieg bedeutete das Ende der griechischen Polis und stellt „sowohl in politischer wie in militärischer, in sozialer wie in wirtschaftlicher Hinsicht“[5] einen Wendepunkt in der griechischen Geschichte dar.

Zielsetzung der Hausarbeit ist es, aufzuzeigen wie es zu diesem „antiken Weltkrieg“ kommen konnte und wer an diesem Konflikt Schuld trägt. Um dies zu verstehen wird die athenisch-spartanische Auseinandersetzung seit dem Ende der Perserkriege und der Zeit der Pentekontaetie betrachtet. Des Weiteren wird die betriebene Politik, die in diesen Konflikt führte bei beiden Kriegsparteien erläutert. Dabei muss von Anfang an klargestellt werden, dass es hierbei nicht darum geht den Hauptschuldigen zu finden, denn das ist aufgrund der Komplexität der Entstehungsgeschichte ohnehin nicht möglich. Vielmehr geht es darum politische Einflüsse, Strategien und Entscheidungen auf beiden Seiten aufzuzeigen, sowie auf wirtschaftliche, militärische und ideologische Gegensätze einzugehen, die letztendlich bedeutend für den Ausbruch des Peloponnesischen Krieges waren. Als wesentlichste Quelle für die Entstehungsgeschichte und des Ausbruch des Konflikts, dient der Geschichtsschreiber Thukydides, der mit seiner präzisen und vor allem neutralen Schilderung unverzichtbar für die Bearbeitung ist.

2. Die Angst Spartas, athenische Expansion und erste militärische Auseinandersetzungen im „ersten Peloponnesischen Krieg“

In der Zeit der Pentekontaetie hatte sich der von Athen angeführte Attische Seebund herausgebildet. Athen ging es darum mithilfe des Seebundes ökonomisch aber auch politisch an Bedeutung in der griechischen Welt zu gewinnen. Ausgelöst wurde dieser Prozess ursprünglich um Einflüssen der Perser zu entgegnen. Dies geschah zu einer Zeit, in der Sparta die bedeutendste Führungsmacht Griechenlands darstellte. Seit dem 6. Jahrhundert beherrschte Sparta die meisten Staaten der Peloponnes. Durch bilaterale Verträge mit ihnen verfügte Sparta zu jederzeit neben dem eigenen Heer auch über eine beachtliche Anzahl von verbündeten Armeen.[6] Die militärische Stärke Spartas lag bei den Kämpfen zu Lande. Die gut ausgestatteten Hoplitenphalanxen verbreiteten in ganz Griechenland Angst und Schrecken.

Der Kontrahent Athen verfügte hingegen über eine große Bevölkerung und besaß zu dem große Ressourcen wie etwa Silbervorkommen, durch welche der Aufbau einer großen Trierenflotte ermöglicht wurde.[7] Die militärische Stärke Athens lag demnach zu Wasser.[8]

Die Trieren hatten schon in den Perserkriegen die entscheidende Kriegswaffe dargestellt. Nach dem die Perser in diesen Schlachten besiegt wurden, gelang es den Athenern ionische Städte an der kleinasiatischen Küste zu befreien und unter ihre Obhut zu bringen. Daraus resultierend wurde, wie schon erwähnt, 478/477 v. Chr. der erste Attische Seebund, oft auch Delisch-Attischer Seebund genannt, gegründet. In der Folgezeit wurden weitere Gebiete von persischem Einfluss befreit und dem Seebund untergeordnet.[9]

Aus wirtschaftlicher Sicht gesehen waren die Spartaner den Athenern nicht gewachsen, auch, weil sie nicht auf Ressourcen und große Finanzreserven zurückgreifen konnten. Athen war der „Mittelpunkt von Handel und Gewerbe für die ganze griechische Welt“.[10] Begünstigt wurde dieser Status durch die vielen, weit reichenden Kolonien, welche diesen Handel erst ermöglichten und zudem noch finanzielle Abgaben, in Form von Tributen, an Athen zu leisten hatten.[11] Im Gegensatz zu Athen „hielt Sparta seine Verbündeten nicht abgabenpflichtig…während Athen mit der Zeit seinen Städten…die Schiffe wegnahm und allen eine Abgabe in Geld zumaß.“[12]

Auch durch den ideologischen Aspekt unterschieden sich Athen und Sparta. Während Athen sich in der Zeit der Pentekontaetie auf einem Höhepunkt seiner Blüte befand, oft auch „perikleisches goldenes Zeitalter“ genannt und ein demokratisches System bevorzugte, existierte in Sparta eine Oligarchie. Das politische System in Sparta war im Gegenteil zur Demokratie in Athen nicht auf eine Mitbestimmung des Volkes ausgerichtet und besaß zudem eine schlechtere, gesellschaftlichere Struktur.[13] Die militärischen Verhältnisse brachte Thukydides auf den Punkt: „ es herrschte die eine zu Lande, die andere mit ihren Schiffen.“[14]

Nach einiger Zeit sollten aus den einst Verbündeten in den Perserkriegen, erbitterte Rivalen werden. Auf beiden Seiten hatte man Misstrauen gegeneinander. Sparta hatte Befürchtungen, dass die Athener ihren Einfluss weiter ausbauen würden, auf anderer Seite ging man jedoch auch auf Konfrontation, indem man beispielsweiße „Lange Mauern“ rund um Athen bis hin zur Hafenstadt Piräus errichten ließ um somit einem eventuellen Einfall der Spartaner vorzubeugen.[15]

[...]


[1] Vgl. Schuller, Wolfgang, Griechische Geschichte, 3. überarb. u. erw. Aufl., München 1991.S. 42.

[2] Thuk. I 1.

[3] Thuk. I 1.

[4] Bleckmann,Bruno, Der Peloponnesische Krieg, München 2007, S.8.

[5] Austin, Michel/Vidal-Naquet,Pierre, Gesellschaft und Wirtschaft im alten Griechenland, München 1984, S.107.

[6] Vgl. Bleckmann, B., Der Peloponnesische Krieg, 21.

[7] Vgl. Bleckmann, B., Der Peloponnesische Krieg, 21.

[8] Vgl. Tarkiainen,Tuttu, Die athenische Demokratie, übers. von Rita Öhquist, Zürich 1966, S.169.

[9] Vgl. Bleckmann, B., Der Peloponnesische Krieg, 8.

[10] Gschnitzer, Fritz, Griechische Sozialgeschichte.Von der mykenischen bis zum Ausgang der klassischen Zeit, Wiesbaden 1981, S.110.

[11] Vgl. Gschnitzer, F., Griechische Sozialgeschichte,110ff.

[12] Thuk. I 19.

[13] Vgl. Hansen, Mogens Herman, Die Athenische Demokratie im Zeitalter des Demosthenes, Berlin 1995, S.38.

[14] Thuk. I 18.

[15] Vgl. Bleckmann, B., Der Peloponnesische Krieg, 22.

Details

Seiten
15
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640848973
ISBN (Buch)
9783640849093
Dateigröße
459 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v168050
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
Schlagworte
vorabend peloponnesischen krieges politik strategie einfluss antagonisten athen sparta

Autor

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