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Leistungssport in der DDR. Mittel zum Zweck

Seminararbeit 2002 22 Seiten

Sport - Sportgeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschichtliche Zusammenhänge und innerdeutsche Beziehungen
2.1. Geschichtlicher Überblick
2.2. Innerdeutsche Sportbeziehungen

3. Aufbau des Sportsystems
3.1. Staatliches Komitee für Körperkultur und Sport
3.2. Der DTSB und dessen Abteilungen
3.2.1 Das Nationale Olympische Komitee (NOK) der DDR
3.2.2. Die Leistungssportkommission (LSK)
3.2.3. Funktionsweise/Aufbau der Kaderpyramide

4. Innen- und außenpolitische Aufgaben des Sports

5. Internationale Sportbeziehungen der DDR
5.1. Brüderliche Zusammenarbeit mit den sozialistischen Ländern
5.2. Beziehungen zu Ländern der Dritten Welt
5.3. Bilaterale Beziehungen zu kapitalistischen Ländern

6. Doping – Mittel um die gesteckten Ziele zu erreichen

7. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Die DDR hatte in der ganzen Welt als „Wunderland des Sports“ großen Bekanntheitsgrad erlangt, das wird auch aus zahlreichen Literaturquellen ersichtlich. Der Sport spielte in der DDR eine bedeutende Rolle, er war „nicht Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck!“[1]. Um außenpolitisch auf sich aufmerksam zu machen und dadurch Einfluss auf wirtschaftliche Bereiche zu erhalten, nutzte das DDR-Regime die sportlichen Erfolge ihrer Athleten.

In der vorliegenden Arbeit wird die Bedeutung des DDR-Leistungssports detaillierter betrachtet und deren Auswirkungen auf die Beziehungen zu anderen Ländern. Eine der Hauptfragen, die im Zusammenhang mit dem Sportsystem der DDR von besonderem Interesse ist, ist folgende: Wie war es der DDR möglich, die gesteckten Leistungsziele zu erreichen und mit welchen Mitteln versuchte sie zum Erfolg zu gelangen? Um diese zwei Fragen zu erläutern, müssen mehrere Aspekte in Betracht gezogen werden. Dazu zählen unter anderem der Aufbau, die Gestaltung und die Organisation des Sportsystems.

Als Grundlage für diesen Aufsatz dienen hauptsächlich die Werke: „Diplomatie im Trainingsanzug – Sport als politisches Instrument der DDR in den innerdeutschen und internationalen Beziehungen“ von Gunter Holzweißig und „Sport – Medium der Politik?“ von Ulrich Pabst.

2. Geschichtliche Zusammenhänge und innerdeutsche Beziehungen

Um die Funktionsweise und den Aufbau des Sportsystems der DDR besser zu verstehen, müssen zuerst einige geschichtliche Fakten und auch der innerdeutsche Sportverkehr etwas näher betrachtet werden.

2.1. Geschichtlicher Überblick

Am 17. Dezember 1945 wurden aufgrund der Alliierten Kontrollratsdirektive Nr. 23 alle Sportvereine aufgelöst, um zu verhindern, dass Gruppierungen aus der Naziherrschaft Bestand haben konnten. Die Entwicklung des Sportsystems in der DDR war in vielerlei Hinsicht durch den Stalinismus geprägt. So entstanden in der SBZ nach sowjetischem Vorbild kommunale Sportorganisationen, an deren Aufbau auch bürgerliche und sozialdemokratische Sportfunktionäre teilnahmen. Sie hatten eine Mittlerrolle zwischen der sowjetischen Besatzungsmacht und den Parteifunktionären der Kommunistischen Partei einerseits und der „politisch oppositionell eingestellten Bevölkerung“[2] andererseits inne. In den neuen Sportorganisationen sollten jedoch traditionelle Werte der kommunistischen Arbeitersportvereine bewahrt werden. In der SED gab es eine Parteikommission, die Volkssportvereine nach traditionellen sportfördernden Prinzipien errichten wollte. Allerdings scheiterte dieses Vorhaben an der Parteiführung der SED, da diese fürchtete, den Einfluss auf die Sportorganisationen zu verlieren.

Am 7.März 1946 wurde die FDJ, und kurze Zeit später auch der FDGB, zum Hauptträger des Sports in der SBZ ernannt. Aber aufgrund von ineffizienten Entwicklungen wurde am 1.Oktober 1948 der Deutsche Sportausschuss (DSA) in Ost-Berlin gegründet, mit dem Ziel, eine einheitliche Sportbewegung aufzubauen sowie den internationalen und gesamtdeutschen Sportverkehr zu koordinieren. Als im Jahre 1949 die DDR und die BRD gegründet wurden, war damit gleichzeitig eine unterschiedliche Entwicklung der Systeme vorprogrammiert, was auch für den Sektor Sport galt. Konkurrenzbeziehungen untereinander wurden zu einem großen Teil im Sport ausgetragen. Mit Bildung des DSA wurden der FDJ und dem FDGB die Entscheidungsbefugnisse entzogen. Aber bereits fünf Jahre später, am 24.Juli 1952, wurde das „Staatliche Komitee für Körperkultur und Sport“ gegründet, dessen Aufgabenbereich sich auf alle Belange der Körperkultur und des Sports erstreckte. Damit wurde der DSA im Bereich Sport entmachtet und seine Aufgabe bestand nur noch in der „allgemeinen Agitation und Propaganda“[3].

Als weitere Stufe der Zentralisierung und Intensivierung der sportlichen Förderung und Entwicklung gründete die SED am 22. Oktober 1950 in Leipzig die „Deutsche Hochschule für Körperkultur“ (DHfK), als zentrale Lehr- und Forschungsstätte des Sports in der DDR. Hier wurden zahlreiche Sportfunktionäre, Trainer, Sportmediziner und auch Spitzensportler ausgebildet.

Um auch in sportwissenschaftlicher Hinsicht an vorderster Position zu rangieren, wurde im März 1952 der Wissenschaftliche Rat des DSA gebildet, der als wichtiges Gremium in Beratungs- und Koordinierungsfragen[4] diente.

Im Laufe der Jahre folgten immer wieder neue Beschlüsse und auch Neugründungen von Institutionen, um den Sport der politischen Linie anzupassen und ihn noch besser koordinieren zu können.

2.2. Innerdeutsche Sportbeziehungen

Wenn von innerdeutschen Sportbeziehungen die Rede war, standen stets politische sowie sportliche Ziele und Absichten im Vordergrund. Der Sport stellte für die Bevölkerung eine Verbindung zwischen beiden Teilen Deutschlands dar und diente ihr als Symbol für die Wiedervereinigungsbestrebungen. Von Seiten der Regierung wurde die BRD allerdings als unmittelbarer politischer Gegner gesehen mit dem es keine gemeinsamen Interessen, in Bezug auf den unvereinbaren Gegensatz zwischen Sozialismus und Kapitalismus gab. Im Bereich Sport sollte aber die Überlegenheit des gesamten sozialistischen Systems zum Ausdruck kommen. Mit dessen Hilfe versuchte die DDR ihre politischen Ideologien zu transferieren, was jedoch nicht von Erfolg gekrönt war. Die innerdeutschen Beziehungen dienten als Mittel der Anerkennungs- und Abgrenzungspolitik, während für die BRD die „Durchsetzung ihres nationalen Alleinvertretungsanspruch“[5] im Vordergrund stand. Aufgrund unterschiedlicher Ideologieauffassungen konnte kein gemeinsamer Nenner gefunden werden. „Die Bundesrepublik wollte Sport ohne Politik, die DDR mochte ohne Politik keinen Sport“.[6] In der Phase der Nichtanerkennungspolitik durch die BRD versuchten westdeutsche Funktionäre mit allen Mitteln die um Gleichberechtigung und Anerkennung ringenden DDR-Sportverbände aus internationalen Fachverbänden fernzuhalten. Anfangs waren die Verbindungen zwischen der BRD und der DDR noch recht gut. Es wurde sogar am 24. September 1949 ein gemeinsames Nationales Olympisches Komitee (NOK) für Deutschland in Bonn gegründet. Aber nicht einmal zwei Jahre später gründete die DDR ihr eigenes NOK, da sie bei Olympischen Spielen als eigenständige Mannschaft an den Start gehen wollte. Dieser Schritt der SED-Führung verdeutlicht den eingeschlagenen politischen Kurs der Partei, dem Ziel des eigenständigen Auftritts bei internationalen Wettbewerben näher zu kommen. Ständig kam es zu Kontroversen und Konfrontationen zwischen beiden Sportsystemen, sowohl auf nationaler als auch internationaler Ebene. Wenn es dann mal zu gesamtdeutschen Veranstaltungen im Sport kam, bevorzugte die DDR eine Austragung auf ostdeutschem Boden, um westlichen Einflüssen vorzubeugen. Bei Zusammenkünften dieser Art betrieben die ostdeutschen Gastgeber sehr geschickt kommunistische Propaganda[7].

[...]


[1] Ausspruch Honeckers, vgl. Pabst, S.81

[2] Holzweißig, S. 13

[3] vgl. Spitzer, Teichler, Reinartz, S.20

[4] vgl. Pabst, S.134

[5] Pabst, S.41

[6] ebd.: S.110

[7] ebd.: S. 130

Details

Seiten
22
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638215367
ISBN (Buch)
9783638691482
Dateigröße
558 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v16804
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena – Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät
Note
1,7
Schlagworte
Leistungssport Mittel Zweck Wirtschaftsbezogene Kulturgeschichte Deutschlands

Autor

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Titel: Leistungssport in der DDR. Mittel zum Zweck