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Maria Sibylla Merian: War Sie eine Unternehmerin oder Wissensvermittlerin?

Hausarbeit 2010 17 Seiten

Pädagogik - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das außergewöhnliche Leben der Maria Sybilla Merian
2.1. Jugend in Frankfurt
2.2. Die Nürnberger Jahre
2.3. Veränderungen und Neuanfang in Amsterdam
2.4. Reise nach Surinam

3. Maria Sybilla Merian als Unternehmerin und Verlegerin
3.1. Das Gewerbe der Frühen Neuzeit
3.2. Das Unternehmen Maria Sybilla Merian

4. Vermittlerin wissenschaftlichen Wissens
4.1. Maria Sybilla Merians Werk vor dem Hintergrund ihrer Zeit
4.2. Die ganzheitliche Naturansicht: Maria Sybilla Merian

5. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Maria Sybilla Merian war eine ausgezeichnete Künstlerin, aber auch eine bemerkenswerte Naturforscherin in der Frühen Neuzeit. Sie führte ein selbstbewusstes, vielseitiges und für die damalige Zeit außergewöhnliches Leben. Sie war fasziniert von der Verwandlung der Schmetterlinge vom Ei bis zum prachtvollen Falter. Um diese zu beobachten, reiste sie zusammen mit ihrer Tochter zwischen 1699 und 1701 bis ins tropische Surinam und dies ohne männliche Begleitung.1 Dort studierte sie heimische Insekten, um ihre Ergebnisse in ihrem Werk Metamophoris insectorum Surinamensium zu veröffentlichen.2 Aus diesem Grund gehörte sie zu den ersten Forscherinnen, die Insekten systematisch beobachteten und etwas über deren tatsächliche Lebensumstände herausfand. Maria Sybilla Merian wurde somit zu einer der wichtigsten Naturforscherinnen der Frühen Neuzeit, sie hat es geschafft, ohne eine höhere Bildung wissenschaftliche Arbeit zu leisten, dafür Anerkennung zu bekommen und hat somit den Rahmen nicht nur damaliger weiblicher Lebensentwürfe gesprengt.

Im Zuge der Interdisziplinären Studienanteile (ISA) habe ich das ISA Modul „Historischer Wandel an einem epochenübergreifenden Thema“ belegt. In dem dazugehörigen Seminar „Wissensvermittlung und Unternehmertum von Argula von Grumbach bis Beate Uhse“ wurde sich zum Einen mit dem Thema der Frühen Neuzeit beschäftigt und zum Anderen erfuhr man Einblicke in faszinierende Frauenleben, die ihren eigenen Weg gefunden haben, auch ohne Männer. Dies konnten zum Beispiel Argula von Grumbach sein, eine Frau der Frühen Neuzeit oder Glikl von Hameln als Unternehmerin der Frühen Neuzeit. Aber auch die erfolgreichen Leben von Margarete Steiff, Helene Rubinstein oder Beate Uhse als Unternehmerin fielen in den Mittelpunkt der Betrachtung. Im Schwerpunkt habe ich mich mit Maria Sybilla Merian in Form eines Referates für dieses Seminar auseinandergesetzt. Daher soll in dieser Arbeit ein tiefgreifender Einblick über diese außergewöhnliche Frau erfolgen und es soll im Kontext des Seminars die Frage analysiert werden, ob Maria Sybilla Merian eine Unternehmerin in ihrer Zeit der Frühen Neuzeit darstellte und/oder inwieweit sie eine Vermittlerin wissenschaftlichen Wissens über ihre Zeit hinweg war. Die Hauptquelle der bibliographischen Daten stellt das Werk von Natalie Zemon Davis (1996) dar, da sie das Leben von Maria Sybilla Merian aus umfangreichen Quellen und Dokumenten rekonstruiert hat. Es gelingt ihr fortlaufend, Quellenangaben für wichtige Ereignisse darzulegen, beispielsweise verweist sie auf die Bücher des Standes- amts vom 16. Mai 1665.3 Bei keiner weiteren gesichteten Literatur über Maria Sybilla Merian erfolgte eine so genaue Auseinandersetzung von Primärquellen,wie in dem Werk von Davis. Es haben sich auch andere Autoren der Person Merian gewidmet, daher soll eine Betrachtung dieser Werke nicht außer Acht gelassen werden, jedoch wurde für den Lebenslauf parallel immer mit dem Werk von Natalie Zemon Davis gearbeitet. Am Anfang dieser Hausarbeit steht zunächst die kurze Betrachtung auf die bemerkenswerte Persönlich- keit der Maria Sybilla Merian. Dabei erfolgt eine Darstellung ihrer Lebensetappen, von Ihrer Jugend über die Nürnberger Jahre bis hin zu dem Neubeginn in Amsterdam und der wichtigen Expedition nach Surinam. Weiterhin wird analysiert, ob Sie eine Unternehmerin in ihrer Zeit darstellte. Im Kontext der Wissensvermittlung wird der Frage nachgegangen, ob sie eine Vermittlerin wissenschaftlichen Wissens war. Dazu erfolgen eine Ermittlung des wissenschaftlichen Kenntnisstandes ihrer Zeit und die ganzheitliche Naturansicht der Maria Sybilla Merian. Mit einer kurzen inhaltlichen Zusammenfassung sowie der persönlichen Meinung in Bezug auf das Thema soll diese Arbeit beendet werden.

2. Das außergewöhnliche Leben der Maria Sybilla Merian

Die Bekanntheit der Maria Sybilla Merian zeigt sich darin, dass ihr Portrait auf der 500 DM Banknote abgedruckt war.4 Auch tragen ein Intercity Zug der Deutschen Bahn und ein Forschungsschiff ihren Namen. Ihr Leben und ihre Leistungen waren allerdings wenig bekannt und man kann wohl davon ausgehen, dass nur wenige Menschen Genaueres über das Leben der Frau Merian wissen.5 Sie führte ein aufsehenerregendes und ereignisreiches Leben zwischen ihrer Geburtsstadt Frankfurt am Main, Nürnberg, Amsterdam und der niederländischen Kolonie Surinam.6

2.1. Jugend in Frankfurt

Im vorletzten Jahr des Dreißigjährigen Krieges wurde Maria Sybilla Merian 1647 als jüngste Tochter von Matthäus Merian und seiner zweiten Frau Johanna Catharina Sybilla Heim geboren. Ihr Vater war in ganz Europa als erfolgreicher Kupferstecher, Verleger und topographischer Künstler bekannt.7 „Er war schon zu Lebzeiten eine berühmte Persönlich- keit, ein Universalgenie, dem es in Texten und Bildern gelang, das Wissen der damals fassbaren Welt der wissenshungrigen Bevölkerung zugänglich zu machen“8. Jedoch ver- starb er als Maria Sybilla drei Jahre alt war. Ihre Mutter heirate bald darauf Jacob Marell, einen Blumenmaler, Kupferstecher und Bilderhändler. „Fast alle Künstlerinnen der frühen Neuzeit waren in eine Künstlerfamilie hineingeboren worden“9, so auch Maria Sybilla Merian. Sie wuchs in einer von Kunst und Naturstudien geprägten Umgebung auf. Von ihrem Stiefvater erlernte sie das Malen, Zeichnen und Kupferstechen, so dass aus ihr eine begabte Aquarell- und Ölmalerin wurde, die auch die Stoffmalerei beherrschte und äußerst exakte Kupferstiche anfertigte.10 Nach Wettengl (1997) ist anzunehmen, dass sich Merian schon als kleines Kind mit künstlerischen Techniken vertraut machen konnte und als Jugendliche eine inoffizielle Lehrausbildung bei Marell erhielt. Sie lernte in seiner Werkstatt zeichnen, die Zubereitung von Farben, die Aquarellmalerei, das Stechen von Kupferplatten und auch das Drucken.11 Bereits im Alter von dreizehn Jahren entwickelte sich ihr Interesse für die Entomologie, der Insektenkunde und sie sammelte alle Raupen, die sie finden konnte. Sie beobachtete, notierte und zeichnete die Besonderheiten, die mit der Metamorphose der Schmetterline einhergingen.12 Eine ungewöhnliche Leidenschaft für eine junge Frau, bedenkt man, dass die Auseinandersetzung mit Insekten im 17. Jahrhundert noch als ein anrüchiges Thema nur geringes Ansehen genoss, da diese Tiere weithin als Teufelsgetier betrachtet wurden. Jedoch war sie fasziniert von den kleinen Tierchen und deren Metamorphose - eine Faszination, die sie ihr Leben lang nicht mehr loslassen wird.13

2.2. Die Nürnberger Jahre

Im Alter von 18 Jahren heiratete sie 1665 Johann Andreas Graff, einen Schüler ihres Stiefvaters und zog fünf Jahre später mit ihm in seine Heimatstadt Nürnberg. Aus dieser Ehe gingen zwei Kinder hervor. Die erste Tochter Johanna Helena wurde 1668 geboren, Dorothea Maria Henriette im Jahre 1678.

[...]


1 vgl. Schümann 2009, S. 6

2 vgl. Owens 2008, S. 140

3 vgl. Davis 1996, S. 338, Anm. 20

4 vgl. Faulstich 2008, S. 25

5 vgl. Schmidt-Loske 2007, S. 19

6 vgl. Heeg 2006, S. 12

7 vgl. Davis 1996, S. 170

8 Schmidt-Loske 2007, S. 19

9 Davis 1996, S. 171

10 vgl. Heeg 2006, S. 14

11 vgl. Wettengl 1997, S. 16

12 vgl. Schmidt-Loske 2007, S. 19

13 vgl. Heeg 2006, S. 15

Details

Seiten
17
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640848737
ISBN (Buch)
9783640845439
Dateigröße
471 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v168007
Institution / Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
1,3
Schlagworte
Maria Sybilla Merian Maria Sibylla Merian Frühe Neuzeit Metamophoris insectorum Surinamensium Argula von Grumbach

Autor

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