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Wie beeinflusst das Kapital den Menschen am Beispiel von Brechts Drama "Der gute Mensch von Sezuan"

Hausarbeit 2010 12 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsangabe

1. Einleitung

2. Das Kapital und sein Einfluss auf den Menschen
2.1 Die Gesellschaft und die Rolle des Geldes in Sezuan
2.2 Die Doppelrolle von Shen Te / Shui Ta
2.3 Die Besitzlosen und die Absteiger in der Gesellschaft
2.4 Die Besitzenden und die Aufsteiger in der Gesellschaft

3. Schluss

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Neben seinem großen Einfluss auf die moderne Dichtung gilt Bertold Brecht als einer der bedeutendsten Dramatiker des 20. Jahrhunderts. Zeit seines Lebens standen Dramen im Mittelpunkt seines künstlerischen Schaffens. Das moderne Drama verdankt seine Entwicklung unter anderem Brechts Wirken rund um das experimentelle Theater. Bertold Brechts Werke sind bekannt für seine sehr ausdrucksvolle Sprache und behandeln fast immer gesellschaftliche Fragen seiner Zeit.

So gestaltet „Der gute Mensch von Sezuan“ den Gegensatz von Markt und Menschlichkeit.[1] Entstanden ist das Stück im Wesentlichen im Exil zwischen den Jahren 1939 – 1941.

In seinem Drama, welches als Parabel angelegt ist, verarbeitet Brecht seine Erfahrungen mit dem aufkommenden Nationalsozialismus sowie der wirtschaftlichen Not in der Weimarer Republik. Kritiker Brechts sehen in dem Stück vor allem einen Angriff gegen die christliche Religion.[2]

Zu Beginn des Dramas kommen drei Götter auf die Erde, um den Klagen der Menschen an ihrer Weltordnung nachzugehen. In ihrem Beschluss heißt es, „die Welt kann bleiben, wie sie ist, wenn genügend gute Menschen gefunden werden, die ein menschenwürdiges Dasein leben können.“[3] Schnell wird deutlich, dass sie den Beschluss nicht erfüllen können, wodurch ihnen letztendlich ein Mensch genüge sein muss. In der Prostituierten Shen Te glauben die Götter ihren guten Menschen gefunden zu haben. Die Götter statten sie mit einem kleinen Kapital aus und ermahnen sie zum Gutsein. Doch gerade weil sie versucht, gut zu sein, droht sie zu scheitern. Nur dadurch, dass sie sich als ihr böser Vetter Shui Ta ausgibt, der mit Härte und unsauberen Mitteln agiert, gelingt es ihr, ihr Überleben zu sichern. Zum Ende des Dramas muss sie ihre Doppelrolle den Göttern preisgeben und bekennt:

Euer einstiger Befehl / Gut zu sein und doch zu leben / Zerriß mich wie ein Blitz in zwei Hälften. Ich / Weiß nicht, wie es kam: gut sein zu andern / Und zu mir konnte ich nicht zugleich / […] Für eure großen Pläne, ihr Götter / War ich armer Mensch zu klein.[4]

Das Drama spielt in der fiktiven Hauptstadt Sezuan, in der Arbeitslosigkeit und Verarmung allgegenwärtig sind. Bereits zu Beginn des Dramas wird die Stadt als halb europäisiert charakterisiert. Das erklärt auch, warum Rückständigkeit und Fortschritt nebeneinander existieren.

Zentrale Frage des Dramas ist es, ob Menschen in einer von Krieg und Geschäft dominierten Gesellschaft dennoch mit Freundlichkeit und Güte existieren können, oder ob ein Überleben nur durch Betrug, List und Anpassung möglich ist.

In „Der gute Mensch von Sezuan“ wird Ökonomie als ein wesentliches Thema von Brecht behandelt. In dieser Arbeit soll unter anderem geklärt werden, wie Menschen durch wirtschaftliche Abläufe bestimmt werden. Zudem soll aufgezeigt werden, wer in dieser Gesellschaft zu den Besitzenden bzw. zu den Besitzlosen zählt und wer von wem ökonomisch abhängig ist. Des Weiteren wird darauf eingegangen, wie sich die jeweilige wirtschaftliche Situation auf das Verhalten der Menschen auswirkt.

2. Das Kapital und sein Einfluss auf den Menschen

2.1 Die Gesellschaft und die Rolle des Geldes in Sezuan

Neben Naturkatastrophen verursacht auch der Mangel an Arbeitsplätzen Not und Elend in der Stadt Sezuan. „Hunger, Arbeitslosigkeit und Geldsorgen bestimmen das tägliche Leben.“[5] Obwohl sich Sezuan noch auf einem „vorindustriellen Entwicklungsstand“[6] befindet, zeugt das Bestehen einer Zementfabrik davon, dass es erste Anzeichen von einer Industrialisierung in der Stadt gibt. Die Arbeit in der Fabrik hilft den Menschen aber nicht aus ihrer Armut heraus bzw. die Lebensverhältnisse zu verbessern. Einzig die Gewinnerhöhung steht im Mittelpunkt, was bedeutet, dass sich die Arbeitsbedingungen dem unterordnen müssen.

In dieser Gesellschaft ist jeder auf seinen eigenen Vorteil bedacht. Daraus folgt, dass es kaum Solidarität untereinander gibt und jeder sich selbst am nächsten ist. Die Handlungen der Menschen sind nur darauf ausgerichtet, ihr tägliches Dasein zu sichern. Handel und Geschäft bestimmen den täglichen Umgang der Menschen miteinander. Alle Handlungen, die darauf ausgerichtet sind, an Geld zu kommen, „zielen nur auf die unmittelbare Gegenwart“[7] ab. Niemand hat Interesse daran, sich Gedanken um seine Zukunft zu machen, da die Probleme, welche die Gegenwart bestimmen, dafür keinen Raum lassen. Die Frage nach Geld, das die meisten nicht besitzen, ist allgegenwärtig.

[...]


[1] Grobe 2008, 5

[2] Payrhuber 2006, 7

[3] Brecht 1964, 10

[4] Ebd., 139, 140

[5] Grobe 2008, 48

[6] Ebd., 48

[7] Ebd., 48

Details

Seiten
12
Jahr
2010
ISBN (Buch)
9783640843923
Dateigröße
476 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v167835
Institution / Hochschule
Universität Potsdam
Note
2,3
Schlagworte
kapital menschen beispiel brechts drama mensch sezuan

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