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Der soziologische Blick auf das Kind

Wie ist Kindheit heute, angesichts des sozialen Wandels, zu sehen und zu verstehen?

Hausarbeit 2009 13 Seiten

Soziologie - Kinder und Jugend

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die soziale Definition von Kindheit

3. Kindheit in Phasen - Wandlungen von ihrer Entdeckung an bis in die Gegenwart hinein
3.1 Beeinflussung des Wandels durch neuere gesellschaftliche Entwicklungsprozesse

4. Mit dem sozialen Wandel einhergehende neue theoretische Überlegungen zur Kindheit
4.1 Ansätze der Kindheitssoziologie
4.2 Das Kind als Entwicklungswesen vs. sozialer Akteur – ein eigenständiges Individuum
4.2.1 Die Verrechtlichung der Kindheit
4.3 Das Kind in der generationalen Ordnung

5. Kindheit heute – ist sie „finster und negativ“ oder „glücklich und positiv“?
5.1 Öffentliche Debatten über Kindheit
5.1.1 Kindheit als „geschützter Bereich“ - Illusion oder Realität?

6.Schlusswort

Quellenverzeichnis

1. Einleitung

In der neueren Kindheitssoziologie gewinnt die Beschäftigung mit Kindern und Kindheit aufgrund von zahlreichen Gründen stark an Bedeutung. Durch beispielsweise Institution­alisierungs- und Individualisierungsprozesse steigt der Forschungsbedarf. Eine zentrale Fragestellung betrifft Veränderungen hinsichtlich Kindheit und Kindern, die auf den sozialen Wandel zurückzuführen sind. Der gestiegenen Bedeutung wegen und weil die Diskussion um die Frage, was „Kindheit“ ist, derzeit weder abgeschlossen ist noch ein Ende dieser rege diskutierten Frage in Sicht ist, soll auch in dieser Arbeit der Zustand der Kindheit heute, insbesondere die Veränderungen im Zuge des sozialen Wandels, abgehandelt werden. Angesichts neuer Erkenntnisse interessiert derzeit inwie­fern „Kindheit“, die Lebenslage von Kindern oder auch ihre Position in der generation­alen Gesellschaft Veränderungen erfahren haben.

Aktuell interessieren Themen wie: soziale Konstruktionsprozesse, die Funktion der Kindheit für die Gesellschaft oder die Bestimmung und Untersuchung des Wertewandels, insbesondere bezüglich der Auswirkungen auf das Kinderleben.

Zu Beginn (Punkt 2) werden einleitend, um ein grobes soziologisches Grundwissen über Kind­heit zu vermitteln, Definitionsmöglichkeiten, wie sie Soziologen formulieren, niedergeschrieben.

Kindheitssoziologische Ansichten und Ansätze wurzeln in geschichtlichen Kindheits-Entwicklungen. Es muss auf Vergangenes zurückgeblickt werden, um den gegenwärtigen Blick auf Kindheit nachvollziehen zu können. Kindheit als Produkt existiert angesichts vergangener Entwicklungsprozesse. Deshalb wird in Punkt 3 zunächst eine Übersicht darüber gegeben, wie Kindheit entstand. Es soll deutlich werden, wie Kinder zu früherer Zeit bet­rachtet wurden und was sich bis heute geändert hat, bezüglich Lage, Lebens­bedingungen, etc.

Bis in die 80er Jahre wurden Kinder in der Soziologie unter dem Aspekt der Sozialisation betrachtet. Seitdem kam es, insbesondere durch den sozialen Wandel, vermehrt zu theoretisch­en Überlegungen. Die unterschiedlichen Ansätze werden im nächsten Inhaltspunkt (4.) beschrieben und erklärt.

Ein weiterer Kernaspekt soziologischer Kindheitsforschung ist, dass Kinder als soziale Akteure betrachtet werden, und darüber hinaus noch als soziale Akteure im Generationen-Verhältnis. Wie sich das `Kind vom Entwicklungswesen´ hin zum ´Kind als Akteur´ gewandelt hat, soll dem Leser in Punkt 4.2 nahe gebracht werden. Weil das Generationenverhältnis momentan ein heiß begehrtes Thema ist, hierbei speziell die Stellung der Kinder, wird diesem Aspekt in Punkt 4.3 Aufmerksamkeit geschenkt. Die Konzentration liegt hauptsächlich darauf, wie Kinder in der Gesellschaft teilhaben und diese konstruieren.

Im letzten Punkt werden zusammenfassend relevante Aspekte angebracht, die zum besseren Verständnis des heutigen Blicks auf das Kind beitragen sollen. Themenpunkte, die in dieser Arbeit nur kurz oder gar nicht behandelt wurden, da eine zu detaillierte Ausführung den Rahmen dieser Seminararbeit sprengen würde, sollen hier zur Sprache gebracht werden.

Beispielsweise der Fakt, dass Kinder heute als eigenständige Individuen akzeptiert und dementsprechend behandelt werden, und der Blickwinkel auf das Kind von einer behüteten Kindheit zu einer Kindheit, in der Kinder als autonom und selbstbestimmungsfähig mutiert ist, mag durchaus Fragen aufwerfen, die einer Klärung bedürfen. Fraglich ist, inwiefern Erwachsene als Akteure den Kinderalltag mitbestimmen und ob Kinder tatsächlich keinem Schonraum bedürfen.

2. Die soziale Definition von Kindheit

„Kindheit

Ist (1) die Altersphase im individuellen Lebenslauf, die der Erwachsenenphase vorausgeht….Soz. betrachtet, ist K. (2) der Zusammenhang der gesellschaftlichen Praktiken, Diskurse, Strukturen und kulturellen Muster, in dem sich das aktuelle Leben derjenigen Menschen herstellt, die jeweils im Kindesalter sind“ (Zeiher 2006, S. 127).

Kindheit kann verstanden werden als „eine menschliche Seinsweise in einer bestimmten Lebensalterphase“ (dar), wobei dieses soziale Kindsein in die gesellschaftlichen Entwicklungen eingebunden ist. Kindheit wird aus dieser Perspektive in einem permanenten Prozess geschaffen bzw. konstruiert und erhält dabei ihre kulturspezifischen Merkmale, die das Leben von Kindern einer Gesellschaft prägen“ (Kränzl-Nagl, Mierendorff 2007, S. 8, zitiert nach Wilk 1994, 13).

Kindheit ist ein Konstrukt. Sie wird entworfen und ist gekoppelt mit Generationen­verhältnissen. Vor allem aber ist Kindheit ein historisches Phänomen und soziales Phänomen, das sich ständig umwandelt und vermutlich weiterhin Wandlungsprozessen ausgesetzt sein wird. Wenn die Gesellschaft sich verändert, dann löst dies logischerweise automatisch auch Veränderungen der Kindheit aus.

Aktuelle Kindheitsbilder entstanden durch einen langwierigen Prozess, dessen Ergebnis unser heutiges Verständnis über Kindheit und Kinder prägt (vgl. Kränzl – Nagel, Mierendorff 2007, S. 5).

3. Kindheit in Phasen - Wandlungen von ihrer Entdeckung an bis in die Gegenwart hinein

Erst nach der Entdeckung der Kindheit entwickeln sich Unterscheidungsmerkmale zwischen Kindern und Erwachsenen. Während Kinder vor dem 16. Jahrhundert als sogenannte „kleine Erwachsene“ an der Erwachsenenwelt genauso wie die Erwachsenen teilnahmen und Lernen sich durch Imitation und Gewöhnung vollzog, erfolgte im 16. Jahrhundert und zu Beginn des 17. Jahrhunderts, mit der Entdeckung der Kindheit, die Ausgliederung aus der Erwachsenenwelt. Kinder bekamen nun kindgerechte Kleidung, spezielles Spielzeug, ihre Erkundungsmöglichkeiten wurden nun an Institutionen verlagert. Kinder wurden also unter dem Gedanken der Schutzbedürftigkeit betrachtet. Der Schonraumgedanke entstand. „Fürsorge“ oder „Emotionen“ waren den Menschen ab da bekannt und im Alltag vorhanden. Das Vorhandensein dieser Gefühlszustände bei den Erwachsenen bildet die Basis dafür, das Kind als eigenständige Person wahrzunehmen. Im 18. Jahrhundert steht vor allem der Bildungsaspekt im Mittelpunkt. Daraus kann geschlossen werden, dass die Gestaltung der Kindheit an Bedeutung gewinnt. Das Kind wird als Entwicklungswesen gesehen. Es durchläuft bestimmte Entwicklungsstadien und ist erziehungsbedürftig. „Natur“ und „Vernunft“ sind im 17. Jahrhundert Leitbegriffe. Das von Natur aus rohe Kind, soll zum vernunftbegabten Menschen erzogen werden. Die im 18. und 19. Jahrhundert erfolgte Pädagogisierung der Kindheit und die damit einhergehende Strenge und Härte wurde von Wissenschaftlern kontrovers diskutiert, die Pädagogisierung wirkt nicht auf alle Kinder im gleichen Maße. Selbst im 19. Jahrhundert kann nicht für alle Kinder (die schließlich in derselben Zeitepoche leben) gesagt werden, dass sie eine „Kindheit“ haben. Die Kindheit der nicht-bürgerlichen Schichten gestaltete sich anders, als die der bürgerlichen Schichten. Während die zuletzt genannte Schicht Möglichkeiten zum Lernen und Spielen erhielt und frei von Arbeitszwang war, erlebten die anderen Kinder keine eigene Kindheit, ihr Lebensalltag war geprägt von früher und anstrengender Arbeit (vgl. Neumann 1981, S. 50-61). Es machte einen Unterschied, ob man als armes oder reiches Kind aufwuchs. Erst im 20. Jahrhundert wurde für alle Kinder der Schulbesuch zur Pflicht. Die damit einhergehende Ablösung der Kinder von ökonomischen Zwängen, führte dazu, dass Kinder nun zu Konsumenten wurden. Sie bekamen einen neuen Wert, der „emotionale Wert“ trat in den Vordergrund während das „Nützliche am Kind“ eher unwichtig wurde. Die Zeit bis Mitte des 20. Jahrhunderts ist charakteristisch für die modernen Kindheitszüge (vgl. Kränzl-Nagl, Mierendorff 2007, S.10f).

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Details

Seiten
13
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640847228
ISBN (Buch)
9783640844678
Dateigröße
486 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v167768
Institution / Hochschule
Universität Augsburg
Note
Schlagworte
blick kind kindheit wandels

Autor

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