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Gewalt gegen Frauen in Tillie Olsens "Yonnondio" und Meridel Le Sueurs "The Girl"

Bachelorarbeit 2010 38 Seiten

Anglistik - Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Zeit der Grofien Depression in den Vereinigten Staaten von Amerika
2.1 AllgemeineHintergrundinformationen
2.2 Auswirkungen auf das mannliche Geschlecht
2.3 Auswirkungen auf das weibliche Geschlecht
2.4 Gewalt gegen Frauen

3 Gewalt gegen Frauen in Tillie Olsens Yonnondio und Meridel Le Sueurs The Girl
3.1 Proletarisch - Revolutionare US-amerikanische Schriftstellerinnen der 1930erJahre
3.2 Gewaltgegen Frauenin Yonnondio
3.3 Gewalt gegen Frauen in The Girl

4 Schluss

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

,,Sombody must say these things” schrieb Mary Austin (2007: 142) 1932 in ihrer Autobiographic Earth Horizon. In dieser thematisierte sie eines der schmerzlichsten Geheimnisse von Frauen - die Gewalthandlung durch einen Ehemann oder einen Geliebten. Dabei macht Austin deutlich, dass Vorfalle gewalttatiger Handlungen gegen Frauen erst dann ein Ende finden werden, wenn Frauen beginnen, uber diese Problematik zu sprechen und ihre Ursachen zu analysieren (vgl. Graulich 1987: 111). Jungsten Studien zufolge, werden jahrlich etwa 8 Millionen US-amerikanische Frauen zum Opfer intim partnerschaftlicher Gewalt (vlg. Jackson 2007: 61). Diese alarmierenden Zahlen verdeutlichen zum einen den gegenwartigen Fortbestand des Problems der Gewalt gegen Frauen. Zum anderen bekraftigen sie, so Melody Graulich (1987: 111f.), dass der Missbrauch von Frauen weitestgehend ein verborgenes, nicht artikuliertes Problem der US-amerikanischen Gesellschaft gewesen ist, welches folglich bis heute Bestand haben kann.

Ebenso reprasentieren die amerikanischen 1930er Jahre eine Zeit, in der Misshandlungen von Frauen in der Gesellschaft invisible” (ebd.: 122) waren, wie die einleitenden Worte Mary Austins uberaus deutlich aufzeigen. Im gleichen Mafie, wie die Problematik von der Gesellschaft verkannt wurde, war sie lange Zeit fernab des literarischen Kanons (vgl. ebd.: 122). Dennoch gab es vereinzelte Stimmen US- amerikanischer Schriftstellerinnen, welche sich in ihren literarischen Werken der Thematik zur Gewalt gegen Frauen in der Zeit der ,,Grofien Depression44 in den Vereinigten Staaten von Amerika widmeten und welche aufzeigen, dass intim partnerschaftliche Gewalthandlungen gegen Frauen zur gangigen Praxis im US- amerikanischen Westen der 1930er Jahre gehorten. Tillie Olsens Roman Yonnondio: From The Thirties (2004), welcher primar die Gewalt gegen Frauen im heterosexuellen ehelichen Verbund thematisiert, und Meridel Le Sueurs Roman The Girl (1982), welcher sich vorrangig dem Missbrauch von Frauen in zwischengeschlechtlichen Partnerschaften zuwendet, werden diesbezuglich als literarische Exempel dienen.

Die beiden Romane weckten mein Interesse im besonderen Mafie aufgrund der ungewohnlichen Differenz zwischen ihrer Entstehung in den 1930er Jahren und ihrer eigentlichen Veroffentlichung im Zuge der Frauenbewegung der 1970er Jahre.[1] Des Weiteren fesselten mich die Schicksale der Protagonistinnen Anna und Girl, welche sinnbildlich fur zahllose Frauen ihrer Generation stehen. Ich beabsichtigte, mehr uber diesen mir zuvor unbekannten Abschnitt weiblicher Geschichte zu erfahren, um das daraus resultierende Wissen im Weiteren an die Leserschaft zu ubermitteln, da ich aufgrund zahlreicher Unterredungen im studentischen Umfeld sowie im Freundes - und Familienkreis realisierte, dass die Romane The Girl und Yonnondio nahezu der Gesamtheit meiner Gesprachspartner unbekannt waren.

Im Rahmen meiner Arbeit verfolge ich das Ziel, mithilfe der Analyse der Werke der Autorinnen Tillie Olsen und Meridel Le Sueur den Einfluss der amerikanischen Depression der 1930er Jahre auf das partnerschaftliche Zusammenleben aufzuzeigen und somit ein wichtiges Kapitel amerikanischer Geschichte zu thematisieren, welches nicht in Vergessenheit geraten sollte. Das Bewusstsein um die Umstande der Frauen jener Zeit konnte uberdies die Sicht auf die gegenwartige Situation des weiblichen Geschlechts verscharfen und somit moglicherweise einen Beitrag zur weiteren Bekampfung von Gewaltakten gegen Frauen leisten.

Aufgrund dessen soll anhand der Romane Yonnondio und The Girl untersucht werden, wie sich die Umstande und Gegebenheiten der amerikanischen Depression der 1930er Jahre auf das Vorkommen und die Intensitat mannlicher Gewalt gegen Frauen in heterosexuellen Partnerschaften auswirken. Im Zuge dieser Themenstellung soll analysiert werden, welche Umstande ursachlich zu welchen Gewalthandlungen mit welchen Auswirkungen fur das Opfer fuhren.

Diesbezuglich werden zunachst die Umstande und Auswirkungen der Grofien Depression in den Vereinigten Staaten von Amerika allgemein beleuchtet, woraufhin im Weiteren der Fokus auf den Mann und folgend auf die Frau der 1930er Jahre gerichtet sein wird. Es folgen Untersuchungen zum Thema ,,Gewalt gegen Frauen“, wobei das Hauptaugenmerk - den Romanen entsprechend - auf Gewaltakten in der heterosexuellen Partnerschaft oder Ehe liegen wird. Im weiteren Verlauf soil die Thematik allgemein definiert werden und mogliche Ursachen fur Gewalttaten gegen die Intimpartnerin dargelegt werden, um daraufhin die Problematik im zeitlichen Rahmen der Grofien Depression zu betrachten. Die soeben aufgefuhrten Punkte dienen als theoretische Basis, um dem Leser ein allumfassendes Bild uber den zeitlichen Rahmen und das Thema der Arbeit zu vermitteln. Sie sind uberdies die Voraussetzung fur die Untersuchung der Romane The Girl und Yonnondio und folglich bedeutsam fur den weiteren Verlauf der Arbeit. Die Analyse der Romane wird durch die Darstellung weiblicher Autoren der 1930er eingeleitet, wobei explizit auf die beiden Schriftstellerinnen Meridel Le Sueur und Tillie Olsen eingegangen wird, um unter Umstanden die Sicht auf ihre Werke zu erleichtern. Daraufhin wird das Thema ,,Gewalt gegen Frauen“ unter Einbeziehung der Leitfrage zunachst an Olsens Roman Yonnondio und im Weiteren an Le Sueurs Roman The Girl untersucht werden. Diesbezuglich soll darauf hingewiesen werden, dass die Vorgehensweisen zur Analyse beider Romane variieren, worauf jedoch im Vorfeld der jeweiligen Auseinandersetzung hingewiesen wird.

2 Die Zeit der Grofien Depression in den Vereinigten Staaten von Amerika

Olsen und Le Sueur beschreiben in ihren Romanen das Leben der amerikanischen Arbeiterklasse der 20er beziehungsweise 30er Jahre des 20. Jahrhunderts. Um jedoch ein allumfassendes Bild der gesamten amerikanischen Gesellschaft der Grofien Depression zu erhalten und nicht nur einen Teil dieser darzustellen, beschreiben die folgenden Punkte der Arbeit nicht ausschliefilich die Arbeiterklasse dieser Zeit. Ebenso wird die Mittelklasse thematisiert, was daruber hinaus nicht nur die Unterschiede der Klassen, sondern auch die Ahnlichkeiten dieser verdeutlichen kann. Im Rahmen dieser Arbeit wird allerdings weitestgehend darauf verzichtet, eine explizite Differenzierung zwischen den Klassen vorzunehmen. Denn, wie Dobash/Dobash (1998: 20) anmerken, „[...] in every society there is evidence that men have used violence against women with whom they have intimate relations []”. Folglich stellen Gewalthandlungen durch Manner gegen weibliche Intimpartner kein Problem dar, welches einer spezifischen Schicht der Gesellschaft zuzuordnen ist. In Fallen, in denen die Sekundarliteratur ausdrucklich auf die Unterscheidung zwischen den Schichten der Arbeiterklasse und der Mittelklasse verweist, wird dies ebenso in der Arbeit deutlich markiert.

2.1 Allgemeine Hintergrundinformationen

Wenngleich tiefgrundigere Untersuchungen die 1920er Jahre als eine Dekade anhaltender Armut, niedriger Preise und geringer Lohne beschreiben, erscheinen sie oftmals als ein von Wachstum, Fortschritt und Prosperitat gepragtes Jahrzehnt, in welchem der industrielle und okonomische Aufschwung dazu beigetragen haben, eine Gesellschaft einzigartigen Wohlstands zu kreieren. So proklamierte der amerikanische Prasident Herbert Hoover 1928 am Tag seiner Amtseinfuhrung eine Zukunft "bright with hope' (Bedford [u.a.] 1985: 488).

Im starken Kontrast zu diesem weitlaufig verbreiteten Bild der 1920er Jahre steht das darauffolgende Jahrzehnt - die 1930er Jahre. Herbeigefuhrt durch den Borsenkrach im spaten Oktober 1929, begann eine Dekade wirtschaftlichen Ruins, welche die USA im besonderen Ausmafi traf, was das folgende Zitat Bedfords [u.a.] (1985: 491) illustriert: ,,The American depression began earlier, lasted longer, and was more severe than that in any European country”. Die Grofie Depression in Amerika markiert eine Periode, welche durch Bankenzusammenbruche, Wohnungsverlust tausender Amerikaner und eine beispiellos wachsende Anzahl Arbeitsloser gepragt ist (vgl. Dubois/Dumenil 2005: 496). Demnach waren 1930 in den Vereinigten Staaten durchschnittlich 4 Millionen Menschen ohne Beschaftigung. Im Jahre 1933 erreichte die Arbeitslosenquote ihren Hochststand von 14 Millionen (vgl. Goodwin 2002: 102). Ein Grofiteil der beschaftigten Amerikaner litt unter geringer Bezahlung oder minderwertigen Anstellungen, welche ihren Fahigkeiten oftmals nicht gerecht wurden (vgl. Cott 2000: 172). Die amerikanische Depression hatte gravierende Auswirkungen auf alle Schichten der Bevolkerung. Jedoch unterstreichen Dubois/Dumenil (2005: 498), dass Arbeiterfamilien und Familien, welche im landwirtschaftlichen Bereich tatig waren, besonders folgenschwer durch die Wirtschaftskrise erschuttert wurden, da sie unter anderem weniger Ressourcen und Mittel hatten, auf welche sie in schwierigen Zeiten zuruckgreifen hatten konnen (vgl. Dubois/Dumenil 2005: 497). Das Schicksal eines Schafers aus Oregon illustriert die Problematik der Zeit:

,,And then there was the Oregon sheepherder who killed his whole flock and left 3,000 sheep to rot in a canyon because it would cost him $1.10 to ship each one to market, where it would sell for $1.00. Since he could not afford to feed the animals through the winter, he slaughtered them.“ (Bedford [u.a.] 1985: 489).

Die Aussage des Schafers beschreibt das durch die Wirtschaftskrise hervorgerufene Dilemma, in welchem er sich befindet. So ist er gezwungen, seine Schafherde von 3,000 Schafen zu toten, da ihm die Zucht und der Verkauf der Tiere weniger Gewinn als Kosten bringen wurde. Dies wurde letztlich trotz Berufstatigkeit den finanziellen Ruin bedeuten. Aus diesem Grund akzeptiert der Schafer sowohl die Totung der Tiere als auch die damit verbundene Arbeitslosigkeit.

In den amerikanischen Stadten verdeutlichte die zunehmende Mangelernahrung die durch die Wirtschaftskrise hervorgerufene wachsende Verarmung und Verelendung der Bevolkerung. Bedford [u.a.] (1985: 490) zufolge litt ein Grofiteil der Amerikaner Hunger, und einige von ihnen fielen der Unterernahrung lebensgefahrlich zum Opfer. Des Weiteren zeigt Hawes (1997: 112) auf, dass in den Vereinigten Staaten in den Jahren 1932 bis 1934 die Kindersterblichkeitsrate von 57,6 auf 60,1 je 1,000 Geburten anstieg.

Zusammenfassend kann, den Worten Bedfords [u.a.] (1985: 511) nachgehend, festgehalten werden: ,,The depression was a trauma in the national experience perhaps comparable only to the Civil War, and few aspects of American life escaped change.”

2.2 Auswirkungen auf das mannliche Geschlecht

the Great Depression of the 1930s affected almost all aspects of life in the United States, including American notions of masculinity” (Stieglitz 2003: 195).

Im Amerika des fruhen zwanzigsten Jahrhunderts zeichnet sich Mannlichkeit in allen Klassen der Gesellschaft vorrangig durch die Fahigkeit zur Versorgung der Frau oder Familie aus. Besonders der Mann der Mittelklasse verkorperte die Rolle des alleinigen Ernahrers. Die Voraussetzung, einer derartigen Position gerecht werden zu konnen, liegt vor allem in der Erwerbstatigkeit des Mannes, wodurch ihm notwendige finanzielle Mittel zur Verfugung stehen, vgl. Jabour (2003: 288).

Die Grofie Depression in Amerika fuhrte zu einem immensen Anstieg der Arbeitslosigkeit, wodurch, verschiedensten Quellen wie Banner (1974: 193) und Dubois/Dumenil (2005: 498 ff.) zufolge, vorwiegend die Arbeiterklasse der Gesellschaft sowie der mannliche Teil der ubrigen Bevolkerung betroffen waren. Durch den Verlust des Arbeitsplatzes fuhlten sich viele Manner beschamt, erniedrigt oder gedemutigt. Denn wie Kimmel (1996: 193) betont, reprasentierte der Arbeitsplatz „[the] reliable arena for the demonstration and proof of one's manhood”. Daruber hinaus sahen sie ihre traditionelle Rolle als Oberhaupt der Familie gefahrdet. Dies liegt unter anderem darin begrundet, dass das patriarchale Bild einer Partnerschaft oder Ehe auf der traditionellen Vorstellung vom Mann als Versorger und der Frau als untergeordnete Person der Beziehung basiert. Folglich wird ersichtlich, in welchem Ausmafi die allgemeine Ansicht der Bevolkerung das individuelle Empfinden des Mannes beeinflusste. Er scheint den Anspruchen der Gesellschaft bezuglich des vorherrschenden Konzepts von Mannlichkeit nicht mehr gerecht werden zu konnen. Arbeitslosigkeit und geringere Lohne beeinflussen das Ansehen des Mannes und wirken sich nachteilig auf seinen Status innerhalb der partnerschaftlichen Gemeinschaft aus. So wird von Fallen berichtet, in denen die Frau stetig den Respekt vor ihrem Mann verliert oder personlich beschamt ist uber den Verlust der ursprunglichen Position ihres Mannes. Dies verdeutlicht, dass die Frau im gleichen Mafie den gangigen Ansichten der Gesellschaft unterliegen kann, vgl. Komarovsky (1971: 37-60).

Wie dargestellt wurde, barg die Grofie Depression die Gefahr des Verlustes der bestehenden patriarchalen Ordnung innerhalb der Familie oder Partnerschaft. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, war das Hauptaugenmerk des offentlichen Interesses auf den Mann gerichtet. Seine Position als Versorger und somit Oberhaupt der Familie zu sichern oder vielmehr wiederherzustellen, unterlag oberster Prioritat (vgl. Cott 2000: 172; Stieglitz 2003: 195). Diese Zielsetzung kann anhand eines Zitats Prasident Roosevelts verdeutlicht werden: 'The right of a willing man to work and live by his labor is paramount. There is nothing else important.' (Filene 1988: 159).

In diesem Sinne verhalf die amerikanische Depression in einigen Fallen dazu, Arbeit als eines der wichtigsten Aspekte von Mannlichkeit hervorzuheben. Uberdies wird deutlich, dass die Krise erneut das bestehende Geschlechterverhaltnis in Amerika, welche den Mann als Ernahrer und die Frau als Hausfrau beschreibt, bekraftigt. Somit blieben der berufliche Erfolg und die Bestandigkeit der Partnerschaft oder Ehe bedeutende Mafistabe mannlicher Identitat. Jedoch sind ebenso Beispiele zu finden, welche aufzeigen, dass die Depression zu einer Modernisierung der amerikanischen Vorstellung von Mannlichkeit fuhrte, welche bereits in den 1920er Jahren ihren Ursprung findet, allerdings durch den Borsenkrach von 1929 einen Grofiteil ihrer Wirkung einbufit. Dieses moderne Konzept von Mannlichkeit spricht sich far gleichberechtigte Partnerschaften aus und fordert die Rolle des Vaters in der Familie, vgl. Stieglitz (2003; 195f.).

Im Allgemeinen ist zu sagen, dass dem Mann der Arbeiterklasse die Bewaltigung und der Umgang mit der Krise leichter fielen als dem Mann der Mittelklasse. Die Ursache dafur liegt unter anderem darin begrundet, dass die traditionelle Arbeiterfamilie bereits vor der Grofien Depression auf die Mithilfe der arbeitenden Frau und der Kinder angewiesen war, um den Lebensunterhalt zu sichern, vgl. Stieglitz (2003: 195f.).

2.3 Auswirkungen auf das weibliche Geschlecht

,,The depression's effects on women, men and children varied greatly.” (McElvaine2003: 101)

Das Zitat McElvaines verdeutlicht die unterschiedlichen Auswirkungen der Depression auf die Geschlechter. Wahrend der mannliche Teil der Bevolkerung im grofien Ausmafi von Arbeitslosigkeit betroffen war, konnte eine Vielzahl an Frauen im Allgemeinen ihre berufliche Anstellung bewahren. Primar ist dies auf die traditionelle geschlechtliche Segregation des Arbeitsplatzes zuruckzufuhren, welche auch nach dem ersten Weltkrieg fortbestand. Frauen wurden ublicherweise von bestimmten Berufen, wie der Beschaftigung in der Schwerindustrie oder dem Handelswesen, ausgeschlossen. Diese Bereiche der Wirtschaft waren im besonderen MaBe den Einflussen der GroBen Depression ausgesetzt. Jedoch merken Goodwin (2002: 102-103) und McElvaine (2003: 101-102) an, dass Frauen der Arbeiterklasse ebenso unter den Auswirkungen der Krise zu leiden hatten, da ihre Dienste, welche unter anderem die Unterstutzung im Haushalt und Waschhilfen umfassten, fur den Arbeitgeber oftmals finanziell untragbar wurden. Daruber hinaus verweisen die Autoren auf die Rolle der amerikanischen Hausfrauen, welche von der Wirtschaftskrise keinesfalls unberuhrt blieben. Wohnstatten waren uberlaufen, da sich viele verarmte Familien gezwungen sahen, eine Wohneinheit zu teilen. Somit oblag es der Hausfrau, eine weitaus groBere Gemeinschaft zu versorgen.

Die GroBe Depression markiert eine Periode herben Ruckschlags fur die feministische Bewegung. Das nationale Interesse beschrankte sich vorrangig auf den okonomischen Zusammenbruch und die Wiederbelebung der amerikanischen Wirtschaft. Die Errungenschaften der amerikanischen Frauenrechtlerinnen ruckten neben der gravierendsten Katastrophe Amerikas in den Hintergrund. Der Kampf der Bevolkerung galt der Armut, nicht dem Sexismus: „The problems of food and shelter were too overwhelmingly immediate for them to see solutions in any 'ism'.” (Filene 1988: 149). Daruber hinaus sah eine Vielzahl der Amerikaner die traditionelle Rollenverteilung innerhalb der Familie, welche den Mann als Versorger und die Frau als Hausfrau versteht, als ,,only remnant of stability” (Coiner 1995: 39) in einer Zeit reich an Ungewissheit. Die berufstatige Frau schien zum einen diesem Idealbild einer Familie oder Partnerschaft entgegenzuwirken. Zum anderen wurde sie sowohl von mannlicher Seite als auch aus den eigenen Reihen fur die Arbeitslosigkeit des Mannes zur Verantwortung gezogen. Insbesondere verheiratete Frauen waren im hohen MaBe Diskriminierungen innerhalb der Bevolkerung ausgesetzt. So proklamierte eine Burgergruppe in Chicago: 'Married women workers [...] are holding jobs that rightfully belong to the God-intended providers of the household.' (Filene 1988: 150). Mit dieser Einstellung ging der Journalist Norman Cousins konform, indem er in den spaten 1930er Jahren formulierte:

'There are approximately 10,000,000 people out of work in the United States today' [...] 'There are also 10,000,000 or more women, married and single, who arejobholders. Simply fire the women, who shouldn't be working anyway, and hire the men. Presto! No unemployment. No relief rolls. No depression.' (Cousins 1939; zitiert nach Kessler-Harris 1982: 256)

[...]


[1] Olsen hatte die Arbeit an ihrem Werk in den 1930ern unter anderem aufgrund familiarer und beruflicher Verpflichtungen einstellen mussen. Erst in den 1970ern stiefi sie auf Notizen und Fragmente ihres unvollstandigen Romans, welche sie daraufhin - ohne Anderung des Inhalts - zusammensetzte, vgl. (vgl. Stimpson 1994: 23); Der Roman The Girl wurde in den 1930ern von einem New Yorker Verleger mangels Authentizitat abgelehnt.

Details

Seiten
38
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640847143
ISBN (Buch)
9783640843077
Dateigröße
551 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v167759
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin – Anglistik/ Amerikanistik
Note
1,7
Schlagworte
Gewalt gegen Frauen Große Depression in Amerika Yonnondio Tillie Olsen Meridel Le Sueur The Girl 1930er Jahre

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