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Bilanzielle Behandlung von Internetauftritten nach HGB und IAS/IFRS

Seminararbeit 2010 18 Seiten

BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Gegenstand der Untersuchung
1.2 Zielsetzung der Arbeit

2 Charakteristika eines Internetauftritts

3 Bilanzielle Behandlung nach HGB
3.1 Abstrakte Bilanzierungsfähigkeit
3.2 Konkrete Bilanzierungsfähigkeit
3.3 Zugangs-/ Folgebewertung
3.4 Ergebnis

4 Bilanzielle Behandlung nach IAS/ IFRS
4.1 Abstrakte Bilanzierungsfähigkeit
4.2 Konkrete Bilanzierungsfähigkeit
4.3 Zugangs-/ Folgebewertung
4.4 Ergebnis

5 Vergleich HGB und IAS/ IFRS

6 Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis IV

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Die wirtschaftliche Bedeutung des Internets hat seit Mitte der neunziger Jahre immens zugenommen1. Ein möglichst innovativer Internetauftritt stellt für ein Unternehmen nicht nur die Schnittstelle zum Markt dar, er ist gewissermaßen die Visitenkarte, mit der sich das Unternehmen den Stakeholdern präsentiert2. Eine eigene attraktive Internetpräsenz ist regelmäßig mit hohen Kosten verbunden, und es stellt sich die Frage, wie diese bilanziell zu behandeln sind.

1.1 Gegenstand der Untersuchung

Die folgende Untersuchung bezieht sich auf Kapitalgesellschaften, die sowohl nach HGB als auch nach IAS/IFRS bilanzieren. Das Augenmerk dieser Arbeit richtet sich auf Internetauftritte, die von den bilanzierenden Unternehmen jeweils selbst genutzt werden. Es wird herausgearbeitet, ob und in welcher Form Internetauftritte und die damit einhergehenden Kosten sowohl nach handelsrechtlichen als auch nach internationalen Rechnungslegungsvorschriften zu bilanzieren sind.

1.2 Zielsetzung der Arbeit

Ziel der Untersuchung soll es zunächst sein, das Wesen eines Internetauftritts zu erläutern (Kapitel 2), bevor im Kapitel 3 die bilanzielle Behandlung nach HGB einer näheren Betrachtung unterzogen wird. Hier kommt dem im Jahr 2009 beschlossenen BilMoG große Bedeutung zu, da durch die damit einhergehende Reform des HGB eine Brücke zu den IAS/IFRS (Kapitel 4) geschlagen wird3. Die Arbeit soll verdeutlichen, inwieweit durch die Modernisierung des HGB die Angleichung von nationalen und internationalen Regelungen anhand des Beispiels „Internetauftritt“ realisiert werden konnte. Ein entsprechend zusammenfassender Vergleich zwischen den Bilanzierungsregeln nach HGB und IAS/IFRS wird im Kapitel 5 gezogen. Sowohl dieser Vergleich als auch der darauf folgende Ausblick sollen abbilden, welche Herausforderungen, Spielräume und ausstehenden Regelungen mit der bilanziellen Behandlung von Internetauftritten einhergehen.

2 Charakteristika eines Internetauftritts

Als Internetauftritt (Website, Homepage) ist ein Gefüge von Internetseiten zu verstehen, die in systematischer Weise miteinander verknüpft sind und inhaltlich eine Einheit bilden4.

Das Internet basiert auf Protokollen (z. B. HTTP), die dafür sorgen, dass Benutzer mithilfe Ihrer Rechner weltweit miteinander kommunizieren können5. Die Benutzer haben die Möglichkeit, aus dem Internet Informationen zu beziehen und diese untereinander auszutauschen6.

Für Unternehmen bietet das Internet also die Möglichkeit, sich mit einem möglichst attraktiven Internetauftritt seinen Kunden, Lieferanten, Bewerbern und sonstigen Stakeholdern jeglicher Couleur zu präsentieren. Mithilfe der Programmiersprache HTML werden Webdateien erstellt, die u. a. Texte, Bilder und Grafiken enthalten können. Verknüpft man diese Webdateien miteinander, entsteht schließlich die Website. Die Website wird auf einem zentralen Server gespeichert und über diesen in das WWW gestellt7.

Ein kommerziell genutzter Internetauftritt kann für verschiedene

Einsatzmöglichkeiten verwendet werden. So kann eine Website beispielsweise bei der Öffentlichkeitsarbeit, der Beschaffung und dem Vertrieb dienlich sein8. Dabei kann sich die damit verbundene Informationsvermittlung an Personen außerhalb des Unternehmens (Extranet) als auch innerhalb des Unternehmens (Intranet) richten9. Bei den externen Adressaten kann eine weitere Untergliederung in Kunden (Business-to-Consumer) und Geschäftspartnern (Business-to-Business) vorgenommen werden10. Unternehmensintern kann das Intranet für die Vernetzung von verschiedenen Abteilungen genutzt werden. Dies beschleunigt Arbeitsprozesse, so können beispielsweise Abschlüsse in der Buchhaltung innerhalb von wenigen Tagen erstellt werden11.

3 Bilanzielle Behandlung nach HGB

Um zu überprüfen, ob ein Internetauftritt in handelsrechtlicher Sicht aktivierungsfähig ist, muss zunächst geklärt werden, ob es sich um einen Vermögensgegenstand handelt12. Da im HGB der Begriff „Vermögensgegenstand“ jedoch nicht definiert ist, sollte auf die herrschende Meinung in Literatur und Rechtsprechung zurückgegriffen werden. Hier besteht allgemeiner Konsens dahingehend, dass unter „Vermögensgegenstand“ bzw. dem aus steuerrechtlicher Sicht deckungsgleichen Begriff „Wirtschaftsgut“13 ein greifbares Gut zu verstehen ist, welches dem Bilanzierenden wirtschaftliches Nutzungspotential verspricht. Darüber hinaus muss das Gut verkehrsfähig und selbstständig bewertbar sein14.

3.1 Abstrakte Bilanzierungsfähigkeit

Bilanzierungsfähig kann ein Internetauftritt nur sein, wenn er dem bilanzierenden Unternehmen von wirtschaftlichem Nutzen ist, sprich dem Geschäftsbetrieb dauerhaft dient15. Ein Internetauftritt kann von dem bilanzierenden Unternehmen nicht nur als kontinuierliches Werbemittel16, sondern beispielsweise auch als Instrument zum Zwecke des Vertriebs eingesetzt werden17, was einen betrieblichen Vorteil mit sich bringt und somit das Kriterium der Greifbarkeit erfüllt18.

Um einen Internetauftritt als verkehrsfähig einzustufen, muss festgestellt werden, inwieweit er durch das Urheberrecht geschützt ist. Das Urheberrecht liegt nach § 2 UrhG bei dem Schöpfer des Werkes und ist nach § 29 UrhG nicht übertragbar. Jedoch ist es nach § 31 UrhG möglich, dass der Schöpfer einem Dritten ein Nutzungsrecht einräumt, was diesen wiederum zu einer wirtschaftlichen Verwertung des Internetauftritts legitimiert19.

Letztlich muss ein Vermögensgegenstand gem. §§ 240 Abs. 1 und 252 Abs. 1 Nr. 3 HGB vom Unternehmen zum Abschlussstichtag einzeln bewertet werden.

Ein Vermögensgegenstand gilt dann als einzeln bewertbar, wenn er bei einer fiktiven Veräußerung des Unternehmens werterhöhend wirken und ihm vom jeweiligen Käufer ein eigenständiger Wert beigemessen würde20. Dies träfe auf einen Internetauftritt zu, da der angesprochene Käufer bei der Nichtexistenz einer Website die Kosten für deren Erstellung einplanen müsste21. Zuletzt sei festgestellt, dass die Bewertung für eine Website im Ganzen vorgenommen würde, statt eine Untergliederung in funktionale Einheiten vorzunehmen. Eine exakte Bewertbarkeit jener Einheiten gestaltet sich mitunter schwierig, so dass diese als unselbstständige Bestandteile des Vermögensgegenstands „Internetauftritt“ betrachtet werden können22.

3.2 Konkrete Bilanzierungsfähigkeit

Nachdem die abstrakte Bilanzierungsfähigkeit eines Internetauftritts festgestellt werden konnte, muss im Weiteren zunächst überprüft werden, ob es sich bei die- sem Sachverhalt um einen materiellen oder immateriellen Vermögensgegenstand handelt, welcher entweder dem Umlauf- oder dem Anlagevermögen zuzuordnen ist. Nach herrschender Meinung ist ein urheberrechtlich geschützter Internetauftritt als immaterieller Vermögensgegenstand einzuordnen, da es sich hier um ein Wirt- schaftsgut handelt, dessen geistiger und schöpferischer Gehalt im Vordergrund steht23, und die körperliche Substanz, beispielsweise in Form eines Datenträgers, weniger Bedeutung innehat24. Des Weiteren ist eine Website im Anlagevermögen zu aktivieren, sofern sie dem Geschäftsbetrieb des bilanzierenden Unternehmens dauerhaft dient (§ 247 Abs. 2 HGB) und nicht, wie am Beispiel einer Internet- agentur, zur umgehenden Übertragung auf einen Dritten bestimmt ist25.

Um dem Internetauftritt letztlich die konkrete Bilanzierungsfähigkeit attestieren zu können, sind die Neuregelungen des BilMoG vom 29.05.2009 zu berücksichtigen. Dieses Gesetz greift grundsätzlich bei Geschäftsjahren, die ab dem 01.01.2010 beginnen, wobei es freiwillig schon ab 2009 angewendet werden kann.

Das BilMoG sorgt für die weitgehende Aufhebung des § 248 Abs. 2 HGB, sprich des Aktivierungsverbots für nicht entgeltlich erworbene immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens26. Ein entgeltlicher Erwerb und damit die Aktivierbarkeit des Vermögensgegenstands liegt beispielsweise dann vor, wenn der Internetauftritt durch einen Webdesigner auf Grundlage eines Werkvertrages erstellt wurde und der Webdesigner dafür ein Entgelt erhalten hat27. Oben genannter Paragraph wurde im Zuge des BilMoG dahingehend modifiziert, dass selbst geschaffene immaterielle Vermögensgegenstände nunmehr aktiviert werden dürfen. Dieses Wahlrecht trifft jedoch nur auf Internetauftritte zu, mit deren Entwicklung in solchen Geschäftsjahren angefangen wurde, die nach dem 31.12.2009 begonnen haben28.

3.3 Zugangs-/ Folgebewertung

Ein Vermögensgegenstand ist gem. § 252 Abs. 1 HGB mit seinen Anschaffungsoder Herstellungskosten zu aktivieren.

Wurde die Website entgeltlich erworben, so entsprechen die Anschaffungskosten dem an den Urheber der Website gezahlten Entgelt29. Darüber hinaus definiert § 255 Abs. 1 „Anschaffungskosten“ als solche Aufwendungen, die anfallen, um den Vermögensgegenstand in einen betriebsbereiten Zustand zu versetzen. In Bezug auf einen erworbenen Internetauftritt bedeutet dies, dass sämtliche Kosten, die bis zum Einstellen in das WWW für die Einrichtung und Anpassung der Website anfallen, zu aktivieren sind30.

Für selbst geschaffene immaterielle Vermögensgegenstände sieht das BilMoG vor, dass allein deren Entwicklungskosten zu aktivieren sind (§ 255 Abs. 2a HGB). Bis zum Inkrafttreten des BilMoG galt hierfür ein Aktivierungsverbot. Die Entwicklung meint nach genanntem Paragraphen u. a. die Anwendung von Forschungs- ergebnissen. Können Entwicklung und Forschung nicht verlässlich voneinander un- terschieden werden, so gilt hier ein Aktivierungsverbot nach § 255 Abs. 2a Satz 4 HGB.

[...]


1 Vgl. Horváth (2010), S. 47.

2 Vgl. Schneider/ Pflaumer (2001), S. 162.

3 Vgl. Prinz (2010), S. 26.

4 Vgl. Scharfenberg/ Marquardt (2004), S. 32.

5 Vgl. Schick/ Nolte (2002), S. 542.

6 Vgl. Musciano/ Kennedy, S. 1.

7 Vgl. Siegler (2001), S.10-15.

8 Vgl. Scharfenberg/ Marquardt (2004), S. 32.

9 Vgl. Siegler (2001), S. 17.

10 Vgl. Kessler( 1998), S. 1341.

11 Vgl. Castells (2005), S. 81f.

12 Vgl. Scharfenberg/ Marquardt (2004), S. 32.

13 Vgl. Schick/ Nolte (2002), S. 542.

14 Vgl. BFH (1990). Das Urteil bezieht sich auf den Begriff „Wirtschaftsgut“.

15 Vgl. Riesenbeck-Müller/ Szük (2007), S. 75.

16 Vgl. Siegler (2001), S. 85.

17 Vgl. Scharfenberg/ Marquardt (2004), S. 32.

18 Vgl. Siegler (2001), S. 85.

19 Vgl. Scharfenberg/ Marquardt (2004), S. 33.

20 Vgl. Wüstemann (2009), S. 21.

21 Vgl. Scharfenberg/ Marquardt (2004), S. 33.

22 Vgl. Schick/ Nolte (2002), S. 545.

23 Vgl. Kessler (1998), S.1350.

24 Vgl. Siegler (2001), S. 125.

25 Vgl. Schick/ Nolte (2002), S. 545.

26 Vgl. Kessler/ Leinen/ Strickmann (2008), S. 57.

27 Vgl. Scharfenberg/ Marquardt (2004), S. 34.

28 Vgl. Haas (2010), S. 12.

29 Vgl. Schick/ Nolte (2002), S. 546.

30 Vgl. Siegler (2001), S. 145.

Details

Seiten
18
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640847020
ISBN (Buch)
9783640844579
Dateigröße
491 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v167743
Institution / Hochschule
FOM Essen, Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Hochschulleitung Essen früher Fachhochschule
Note
1,7
Schlagworte
bilanzielle behandlung internetauftritten ias/ifrs

Autor

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Titel: Bilanzielle Behandlung von Internetauftritten nach HGB und IAS/IFRS