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Das Just-in-Time-Prinzip

Hausarbeit 2009 18 Seiten

BWL - Beschaffung, Produktion, Logistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

1. Problemstellung

2. Das Wesen des Just-in-Time-Konzeptes

3. Die geschichtliche Entwicklung des Just-in-Time-Konzeptes
3.1 Der Toyota - Weg
3.2 Klassische Massenproduktion versus schlanke JiT-Produktion
3.3. Einführung des Just-in-Time-Konzeptes in Deutschland

4. Die Einflussfaktoren für den allgemeinen Bedeutungszuwachs des Lieferservices

5. Vorteile und Nachteile von Just-in-Time aus Sicht des Abnehmers
5.1 Die Vorteile
5.2 Die Nachteile

6. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Architektur des Toyota Produktionssystems

Abbildung 2: Zulieferstruktur VW Golf

Abbildung 3: Entwicklung (Zu-/Abnahme) der Eigenleistung je Marke (in Summe)

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Vergleich General Motors-Montagefabrik Framingham und Toyota-Montagefabrik Takaoka, 1986

1. Problemstellung

Die aktuelle Finanzkrise hat längst ihre auf Banken, deren Kunden und Aktionäre begrenzten Auswirkungen auf die Realwirtschaft ausgeweitet. Besonders hart getroffen hat es dabei die Automobilhersteller, die aufgrund bereits bestehender Probleme, nun in eine noch stärkere Schieflage geraten sind. So hat sich aus der Struktur- und der Finanzkrise eine Absatzkrise für die Autobauer entwickelt, wobei laut Berechnungen zufolge, der Weltautomarkt im Gesamtjahr 2008 um vier bis fünf Prozent schrumpfen wird.1 Dies bedeutet für die Automobilproduzenten weniger Verkäufe von Autos, mit den Folgen, dass die Produktion zurückgeschraubt, Leiharbeiter abgebaut und Angestellte in Urlaub oder Kurzarbeit geschickt werden. Doch trifft diese Krise hier nicht nur die Hersteller selbst, sie tangiert zudem deren Zulieferbetriebe, da die Beziehungen zwischen Hersteller und Lieferant in den letzten Jahren immer enger geknüpft worden sind. Die Zulieferer erhielten ein Mehr an Verantwortung und erfuhren eine stetig wachsende Einbindung in Produktions- und Entwicklungsabläufe.2 So liefern sie nicht mehr nur einzelne Teile in ein Lager für die Automobilindustrie ab, sondern fabrizieren bereits einbaufertige Produkte, mit denen es den Hersteller zur rechten Zeit zu versorgen gilt.

Das weltweit erfolgreiche und über viele Branchen hinweg auftretende Konzept, das hinter dieser engen Verzahnung von Herstellern und Zulieferern steht, ist das des Just-in-Time3. Mit diesem Konzept befasst sich die vorliegende Hausarbeit, welche sich im Besonderen mit den Herstellern und ihrer Rolle als Kunden von Vorprodukten auseinandersetzt. Im Speziellen wird dabei stets das Beispiel der Automobilindustrie aufgegriffen.

Ziel ist es, das Just-in-Time-Konzept zu durchleuchten, die Entwicklung nachzuzeichnen, Einflüsse zu erläutern sowie die Bedeutung herauszustellen, um letztendlich ein in sich stimmiges Bild dieses Konzeptes zu skizzieren.

Dabei wird, nachdem in Kapitel 2 das Wesen von Just-in-Time dargelegt wurde, in Kapitel 3 der geschichtliche Fortschritt von der ersten Idee des Konzeptes bis hin zur Einführung in Deutschland beschrieben. In Kapitel 4 folgen die Einflussfaktoren, die für den allgemeinen Bedeutungszuwachs des Lieferservices verantwortlich sind und darauf aufbauend werden in Kapitel 5 die Vor- und Nachteile der Just-in-Time-Lieferung verdeutlicht. Im letzten Abschnitt erfolgt eine Schlussbetrachtung, die neben einem Fazit eine Prognose hinsichtlich der zukünftigen Entwicklung von Just-in-Time enthält.

2. Das Wesen des Just-in-Time-Konzeptes

„Just in Time bedeutet, dass in einem Fließverfahren die richtigen Teile, die zur Montage benötigt werden, zur rechten Zeit und nur in der benötigten Menge am Fließband ankommen. Ein Unternehmen, dass diesen Teilefluss durchgehend praktiziert, kann sich einen Null Lagerbestand annähern.“4

Wörtlich übersetzt steht Just-in-Time für „gerade rechtzeitig“. Es ist eine Produktions- und Logistikstrategie, in der die Produktionsfaktoren zum richtigen Zeitpunkt, in der richtigen Qualität und richtigen Menge sowie zum richtigen Ort geliefert werden. Es ist nur das bereitzustellen, was auch wirklich benötigt wird.5 Das JiT-Konzept stellt eine tragende Säule des Toyota Produktionssystems dar, wie aus folgender Abbildung erkennbar wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Architektur des Toyota Produktionssystems

Quelle: Dr. Jörg Tautrim ENGINEERING (2008). Schlankes Produktionssystem, o.S.

Das Hauptziel des JiT-Konzeptes besteht, wie bei allen anderen Säulen auch, in der Verfolgung einer kundenorientierten und kostengünstigen Produktion. Um dies zu erreichen, sind Verfahren im Unternehmen zu implementieren, die eine flussorientierte Produktion realisieren, eine Verschwendung hinsichtlich Zeit, Lager und Abfall vermeiden sowie Probleme und Engpässe aufdecken.6 Dies trifft sowohl für die Produktion im Unternehmen als auch für die Beschaffung von Materialien zu, wobei sich das Hauptaugenmerk in dieser Hausarbeit auf letzteres richtet. Bei beiden Formen, der inner- sowie außerbetrieblichen, soll durch die Umsetzung des JiT-Konzeptes auf Zwischenlager verzichtet werden. Es versteht sich daher als Gegenmodell zur klassischen Materialwirtschaft, die anders als das JiT Schwankungen durch Vorratsbildung auf den Beschaffungsmärkten ausgleichen will. Doch aus welchen Gründen ist dieses Gegenmodell entstanden? Was grenzt es zur klassischen Materialwirtschaft ab und wie erfolgte die Einführung in Deutschland? Mit diesen Fragen setzt sich der nächste Abschnitt auseinander, wodurch ein weiterführendes Verständnis zum Just-in-Time-Konzept aufgebaut wird.

3. Die geschichtliche Entwicklung des Just-in-Time-Konzeptes

3.1. Der Toyota - Weg

Die Einführung der Fließbandproduktion durch Henry Ford ebnete den Weg für die Massenproduktion des Automobils und wurde weltweit übernommen. Allein Toyota aus Japan ging aufgrund Kapitalmangels und eines kleinen Absatzmarktes einen anderen Weg.7 Kiichiro Toyoda war für den Aufbau der Automobilsparte in Japan verantwortlich und nach intensiver Betrachtung des Produktionssystems von Ford führte auch er in Japan das Fließband ein. Allerdings war er aufgrund der oben genannten Gründe gezwungen seine Fabriken sehr flexibel und mit einem Minimum an Lager auszulegen. So kam Kiichiro 1937 erstmals auf den Gedanken der JiT-Produktion. Er wies seine Schichtleiter an, jeden Morgen Zettel an die Arbeiter zu verteilen, auf denen vermerkt war, wie viele Teile an diesem Tag zu bauen waren. Trotz allen konnte nicht gänzlich auf eine Lagerhaltung verzichtet werden.8 Einen nächsten Schritt dahingehend unternahm Taiichi Ohno, damaliger Produktionsmanager Toyotas, indem er versuchte das System der amerikanischen Supermärkte auf die Automobilindustrie zu übertragen. Hierbei konnte ein Kunde in einem Supermarkt zu dem von ihm gewünschten Zeitpunkt das kaufen, was er gerade brauchte und in der Menge, in der er es brauchte. Für die Automobilindustrie bedeutete dies, dass eine Arbeitsstation ihre benötigten Teile in der von ihr benötigten Menge aus dem vorgelagerten Arbeitsgang zu dem von ihr bestimmten Zeitpunkt entnimmt. Die abgebende Stelle produzierte folglich exakt die Menge, die nachgefragt wurde.9 Im Jahr 1960 war die JiT-Produktion bei den Toyota- Fabriken endgültig umgesetzt und wurde nun auf alle Zulieferer des Unternehmens ausgeweitet, um die Produktivität Toyotas weiter zu erhöhen. So wurde das Toyota- Produktionssystem eine feste Größe in der Wertschöpfungskette des Unternehmens und das Konzept von Just-in-Time war entstanden.10

3.2. Klassische Massenproduktion versus schlanke JiT-Produktion

Das Toyota Produktionssystem, bestehend aus dem JiT-Konzept, ist ein schlankes Produktionssystem bei dem weniger Arbeitskraft, Lagerraum, Entwicklungszeit für die Entstehung eines neuen Produktes und Produktionsfläche eingesetzt wird.11 Es weist damit große Unterschiede zu der bisher bekannten Massenproduktion auf, welche auf hohe Fertigungstiefe, mittleres Qualitätsniveau, große Hierarchieebenen, hohe Lagerbestände und niedrig qualifizierte Mitarbeiter setzt.12

Verdeutlicht wird dies durch die in Tabelle 1 aufgeführten Ergebnisse einer Untersuchung von Womack et al. (1992), bei der das Montagewerk von General Motors mit Massenproduktion dem Montagewerk von Toyota mit JiT-System gegenübergestellt wurde.

Tabelle 1: Vergleich General Motors-Montagefabrik Framingham und Toyota-Montagefabrik Takaoka, 1986

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: IMVP- World Assembly Plant Survey in: Womack et al. (1992), Die Revolution in der Autoindustrie, S. 85

Der Vergleich spricht in allen Bereichen für das System von Toyota. Für das JiT-Konzept sind aber insbesondere die letzten beiden Punkte der Tabelle von Interesse. So kommt Toyota mit einer viel kleineren Fabrikfläche aus, die kaum Platz für Bestände einräumt und auch nicht notwendig macht, da zum Beispiel ein fehlerhaftes Produkt etikettiert und an die Qualitätskontrolle zurückgeschickt wird. Dadurch fällt der Bereich für Nacharbeiten am Ende des Bandes weg und die fertigen Autos können direkt zum Kunden geliefert werden. Im Gegensatz dazu benötigt das Werk in Framingham eine weitaus größere Produktions- fläche, da sich bereits am Band selbst Stapel von Teilen auf Vorrat befinden. Am Ende des Bandes ist eine große Fläche mit Mängelfahrzeugen zugestellt, die auf ihre Nachbearbeitung warten. Vor der Halle befinden sich weitere Pufferlager, zum Einen für einfache Fabrikate und zum Anderen für fast fertige Fahrzeuge.13 Diese Umstände erklären letztendlich den hohen Zeitunterschied, der bei den Teilelagerbeständen zu erkennen ist und ziehen auch hier eine deutliche Grenze zwischen der Massenproduktion und der JiT-Produktion.

[...]


1 Vgl. Spiegel Online (21.11.2008), www.spiegel.de

2 Vgl. Dalan, M. (21.11.2008), www.welt.de

3 Just-in-Time wird im Folgenden mit JiT abgekürzt

4 Vgl. Ohno, T.: 1993, S. 30

5 Vgl. Wildemann, H.: 1988, S. 11

6 Vgl. Wirtschaftsuniversität Wien (21.11.2008), http://prodman.wu-wien.ac.at

7 Vgl. Vahrenkamp, R.: 1998 S. 270

8 Vgl. Togo, Y./Wartman W.: 1995, S. 120

9 Vgl. Becker, H.: 2006, S. 270

10 Vgl. Becker, H.: 2006, S. 271

11 Vgl. Womack, J./Jones, D./ Roos, D.: 1992, S. 19

12 Vgl. Vahrenkamp, R.: 1998, S. 248

13 Vgl. Womack, J./Jones, D./ Roos, D.: 1992, S. 82

Details

Seiten
18
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640846849
ISBN (Buch)
9783640843145
Dateigröße
545 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v167718
Institution / Hochschule
SRH Hochschule Riedlingen
Note
1,3
Schlagworte
just-in-time-prinzip

Autor

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Titel: Das Just-in-Time-Prinzip