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Migrantenkinder und -jugendliche im deutschen Bildungssystem

Doppelt benachteiligt

Hausarbeit 2010 28 Seiten

Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Wer sind Migrantenkinder und -jugendliche?

3. Ein Zugang zur Bildungssituation in Deutschland
3.1. Der Stellenwert von Bildung in der modernen Wissensgesellschaft
3.2 Wie steht es um die Bildungssituation von Migrantenkinder und- jugendlichen?

4. Erklärungsansätze zur Ursache von Benachteiligung

5. Institutionelle Diskriminierung im Bildungssystem
5.1. Der Begriff der institutionellen Diskriminierung
5.2. DieUntersuchung von Diskriminierung inderSchule
5.3. MechanismeninstitutionalisierterDiskriminierung inderSchule

6. Migrantenkinder und -jugendliche im deutschen Bildungssystem: doppelt benachteiligt

7. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Die Bildung stellt einen zentralen Aspekt für die Lebenschancen und Zukunftsperspektiven eines jeden Menschen dar. Das Bildungssystem hat durch die Vermittlung von Wissen und die Vergabe von Zertifikaten einen entscheidenden Einfluss auf die soziale Platzierung. Der Bildung wird in der modernen Wissensgesellschaft eine immense Bedeutung zugesprochen. Angesichts dessen wirken sich Unterschiede im Erwerb von Bildung für das ganze spätere Leben aus. Auch ist Bildung eine wichtige Variable, um die Integration von Migranten in Deutschland auf annähernd allen relevanten Bereichen des Lebens zu erklären. Jedoch widmete sich die sozialwissenschaftliche Forschung erst in den letzten Jahren intensiver dem Verbleib und der Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund im Rahmen des deutschen Bildungssystems. Die Befunde dazu sind alarmierend: Migrantenkinder besuchen öfter eine Hauptschule und verlassen zahlreicher das Bildungs­system ohne einen Abschluss.[1] Kinder und Jugendliche aus Migrantenfamilien gehen drastisch häufiger auf Sonderschulen für Lernbehinderte (SOLB) als deutsche Schüler. Gleichzeitig besuchen deutlichen seltener Schüler mit einem Migrationshintergrund Realschulen oder Gymnasien und mehr als doppelt so viele Deutsche wie Migranten haben eine Fachhochschul- oder Hochschulausbildung.[2] Nach Kirsten (2006) erzielen Schüler aus Migrantenfamilien im deutschen Bildungssystem besonders nachteilige Bildungsergebnisse.[3] Somit liegt die Annahme nahe, dass diese Kinder und Jugendliche einer Benachteiligung im deutschen Bildungswesen ausgesetzt sind und vor allem schlechter gestellt sind.[4] Dabei lassen sich die Erklärungen für die Nachteile der Heranwachsenden aus Migrantenfamilien in der Bundesrepublik Deutschland grob auf zwei verschiedenen Ebenen verorten: Zunächst existieren Argumente, die sich auf die individuelle Ebene beziehen, das heißt die Nachteile der Kinder und Jugendlichen durch deren Eigenschaften oder diejenigen ihrer Familie oder durch deren Entscheidungen erklären.[5] Im Unterschied zu den Ansätzen, die davon ausgehen, dass die Ursache für die Benachteiligung in Defiziten der Kinder mit Migrationshintergrund und ihrer Eltern gesucht werden, bietet der Ansatz der institutionellen Diskriminierung eine weitere Ebene. Bei diesem Konzept wird davon ausgegangen, dass Ungleichheit durch Gesetze, Institutionen und Organisationen mit ihren Regeln, Verfahren und kollektiven Deutungsmustem routinemäßig hergestellt wird. Dabei spielen die Entscheidungstragenden, die sogenannten ,gate-keeper‘, die diese gestalten, vertreten und verteidigen, eine wichtige Rolle. Eine weitere Annahme dieser Theorie ist, dass die in Schlüsselpositionen sitzenden Entscheidungstragenden, die aus ihrer Sicht auffallenden bzw. störenden Menschen als hervorstehend konstruieren und somit beim Zugang zu Ressourcen systematisch benachteiligen oder den Zugang ganz ausschließen. Dabei entwickeln die Entscheidungs­tragenden bei der systematischen Herstellung dieser Art Benachteiligung kollektiv, aber auch individuell Diskurse der Legitimierung, welche die Ungleichheiten naturalisieren und/oder verwissenschaftlichen. Auf diese Weise kommt es zur Verfestigung und zur Reproduktion dieser Diskurse.[6] Daher soll im Zuge dieser Arbeit der Frage nachgegangen werden, auf welche Weise die deutsche Schule junge Menschen mit Migrationshintergrund diskriminiert und ob eine doppelte Benachteiligung für diese Kinder besteht. Dazu soll der Erklärungsansatz der institutionellen Diskriminierung näher analysiert werden.

Am Anfang dieser Hausarbeit steht zunächst die Beantwortung der Frage, wie die Begriffe der Migrantenkinder und -jugendliche definiert werden. Anschließend erfolgt ein Zugang zur Bildungssituation in Deutschland mit dem Schwerpunkt der Gegebenheiten für Migranten­kinder. Zum Einen wird der Stellenwert von Bildung in der modernen Wissensgesellschaft herausgearbeitet, um die Notwendigkeit von Bildung für das spätere Leben und den sozialen Status aufzuzeigen. Zum Anderen werden einige Grundinformationen über Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund in der deutschen Schule vorgestellt und es wird aufgezeigt, dass sie prozentual und relativ im deutschen Schulbildungssystem schlechter abschneiden als deutsche Schüler. Im Hauptteil dieser Arbeit richtet sich die Betrachtung auf die Ursachen für die Benachteiligung der Migrantenkinder. Es werden verschiedene Konzepte kurz vorgestellt, um dann einen Rahmen der zur Abgrenzung zum Ansatz der institutionellen Diskriminierung herzustellen. Somit liegt das Hauptaugenmerk bei der Erklärung für Ursachen der Bildungsbenachteiligung auf dem Ansatz der institutionellen Diskriminierung. Dabei soll zunächst der Begriff erläutert werden und anschließend werden Mechanismen institutioneller Diskriminierung aufgezeigt, um einen Erklärungsansatz für die Ursachen der Benachteiligung der Migrantenkinder aufzuzeigen und um somit nachzuweisen, dass Migrantenkinder im deutschen Bildungssystem doppelt benachteiligt sind. Mit einer kurzen inhaltlichen Zusammenfassung sowie der persönlichen Meinung in Bezug auf die Fragestellung soll diese Arbeit beendet werden.

2. Wer sind Migrantenkinder und -jugendliche?

Mit dem Begriff des Migrationshintergrunds wird stets auch auf einen geschichtlichen Aspekt verwiesen, weil bestimmte Generationen einer Familie (Eltern- oder Großelterngeneration, Urgroßelterngenerationen etc.) migriert sind. Bei dieser Betrachtung wird deutlich, dass eigentlich mehr oder weniger alle Menschen auf eine Migrationsgeschichte in der Familie zurückblicken können. Es stellt sich nur die Frage, wie lange die Migration zurückliegt.[7] Jedoch bildet die Definition der Gruppe der ,Migrantenkinder‘, ,Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund4 oder der ,Schüler mit Migrationsfamilien4 für die Diskussion der Benachteiligung eine unerlässliche Rolle. Ausgangspunkt der Begriffsbestimmung ist der Terminus der Migration. In der Literatur existiert eine Fülle von Definitionen. Der Term Migration stammt von dem lateinischen Wort ,migarere‘ und bedeutet wandern oder wegziehen.[8] Migration ist die „Wanderung, Bewegung von Individuen, Gruppen oder Gesellschaften im geografischen und sozialen Raum, die mit einem ständigen oder vorübergehenden Wechsel des Wohnsitzes verbunden ist“[9]. Der Begriff Migrant bezeichnet einen Menschen, der nach Deutschland eingewandert ist. Er kann eine ausländische Staatsbürgerschaft besitzen, dann ist er ein ,Ausländer‘, er kann aber auch die deutsche Staatsbürgerschaft durch Einbürgerung angenommen haben.[10] Nach dem Statistischen Bundesamt (2005) zählen zu den Menschen mit Migrationshintergrund „alle nach 1949 auf das heutige Gebiet der Bundesrepublik Deutschland Zugewanderten, sowie alle in Deutschland geborenen Ausländer und alle in Deutschland als Deutsche Geborenen mit zumindest einem zugewanderten oder als Ausländer in Deutschland geborenen Elternteil“[11]. In den nationalen Analysen zu Programme for International Student Assessment (PISA) 2006 werden Jugendliche in Abhängigkeit von ihrem Geburtsland und dem Geburtsland ihrer Eltern in vier Kategorien eingeteilt. Zum Einen gibt es die Jugendlichen ohne Migrations­hintergrund. In diese Kategorie fallen die Jugendlichen, bei denen beide Eltern im Inland geboren sind. Zum Anderen existiert die Gruppe der Kinder und Jugendlichen mit einem im Ausland geborenen Elternteil. Eine weitere Kategorisierung stellen Jugendliche der ersten und zweiten Generation bzw. Ordnung dar.[12] Auch nach Diefenbach (2010) können bei Migrantenkinder zwischen ,Migrantenkind erster Ordnungʻ und ,Migrantenkind zweiter Ordnungʻ unterschieden werden. Als ein Migrantenkind erster Ordnung werden Kinder und Jugendliche bezeichnet, die in einem anderen Land geboren und im Laufe ihres Lebens (mit ihren Eltern) nach Deutschland immigrierten. Zweiter Ordnung sind Kinder und Jugendliche, die in Deutschland bereits geboren wurden, dessen Eltern aber nach Deutschland immigrierten. Diese jungen Menschen sind nicht im direkten Sinne als Migranten zu bezeichnen, haben aber einen Migrationshintergrund. Bei dieser Betrachtung geht es nicht explizit um die Staatsangehörigkeit. Wäre diese präzise Differenzierung nicht gegeben, würde man nur diejenigen Kinder und Jugendliche im Bildungssystem als Migrantenkinder betrachten, die keinen deutschen Pass, sprich die deutsche Staatsbürgerschaft haben.[13] Nach Granato (2006) haben schätzungsweise rund ein Drittel der Jugendlichen in der Bundesrepublik Deutschland einen Migrationshintergrund.[14] Jedoch muss auch festgestellt werden, dass sich eine differenzierte Aussage über die Situation der Schülerschaft mit und ohne Migrationshintergrund an Schulen in Deutschland als teilweise äußerst schwierig darstellt. Beispielsweise wird ein beträchtlicher Teil der zugewanderten Jugendlichen in bundesweiten Statistiken nicht gesondert aufgeführt, sondern geht in die Schülerstatistik der Deutschen ein.[15] Daher ist eine kritische Auseinandersetzung mit den vorhandenen Daten differenziert zu betrachten und schränkt die Möglichkeit ein, zuverlässige Aussagen über die Situation der Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund zu treffen.

3. Ein Zugang zur Bildungssituation in Deutschland

3.1. Der Stellenwert von Bildung in der modernen Wissensgesellschaft

In modernen Gesellschaften spielen die Vermittlung, Institutionalisierung und der Erwerb von Bildung eine zentrale Rolle. Dabei bezieht sich dies sowohl auf die Gesellschaft als auch auf die Individuen und ihren eng mit der erworbenen Bildung zusammenhängenden sozialen Status. Die Wahl der Wege von Schule und Ausbildung gehört zu den wichtigsten Entscheidungen für die Lebensperspektive der Heranwachsenden. Damit sind wiederrum klare Unterschiede im Hinblick auf Einkommenschancen, Möglichkeiten des Aufstiegs und die Sicherheit der Beschäftigung im weiteren Berufsleben verbunden.[16] Dies hat einen entscheidenden Einfluss auf die soziale Platzierung der Individuen - je höher der erreichte Abschluss, desto größter die Chancen auf den erwünschten Ausbildungs- oder Studienplatz und damit im Allgemeinen auf die spätere berufliche Situation und Position. Nach wie vor ist das Bildungswesen eine Institution sozialer Selektion.[17] Nicht zuletzt ist Bildung nach Granato/Kalter (2002) ein hoch relevanter Faktor, bei der ein geringer Niveauunterschied am Anfang der Bildungskarriere in großen Ungleichheiten im weiteren Verlauf des Lebens enden kann.[18] Mit Blick auf eine erfolgreiche Integration von Migranten in Deutschland spielt die Partizipation an Institutionen der Aufnahmegesellschaft eine elementare Rolle. Hierbei ist der Bereich der Bildung von herausragender Wichtigkeit.[19] Die Migration in den Staaten der Organisation for Economic Co-operation and Development (OECD) hat in den vergangenen 20 Jahren zugenommen und somit gewinnt die Frage nach der Integration und dem gesellschaftlichen Erfolg der Zuwanderer stärker als früher an Bedeutung. Der Aspekt des Bildungserfolges von Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund ist daher ein wichtiger Faktor.[20]

3.2. Wie steht es um die Bildungssituation von Migrantenkinder und- jugendlichen?

Bereits heute wächst ein erheblicher Teil der Kinder und Jugendlichen in Deutschland in Migrantenfamilien auf. Ungefähr 25 Prozent aller deutschen Schüler haben zumindest einen ausländischen Elternteil. In Großstätten verfügen ca. 40 Prozent aller Schüler über einen Migrationshintergrund.[21] Insgesamt betrug im Jahre 2005 die Struktur der Bevölkerung in Deutschland mit Migrationshintergrund im Alter von unter 18 Jahren mehr als ein Viertel.[22] Die OECD-Studien PISA 2000, PISA 2003 und PISA 2006 haben aufgezeigt, dass Schüler mit Migrationshintergrund in den meisten Staaten im Durchschnitt über geringere Kompetenzen verfügen als Kinder und Jugendliche ohne Migrationshintergrund. Deutschland und Belgien gehören zu denjenigen Gesellschaften, in denen diese Defizite am größten sind.[23] Auch wenn Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund überwiegend in Deutschland geboren und aufgewachsen sind, sind diese Personen der zweiten Generation im Schnitt im Bildungssystem wesentlich weniger konkurrenzfähig als Schüler ohne Migrationshinter­grund.[24] Nach Geißler/Weber-Menges (2008) gelingt es der Bundesrepublik Deutschland nicht, das Leistungspotenzial von jungen Menschen mit Migrationshintergrund so zu fördern und zu entwickeln, wie es in den meisten anderen Einwanderungsländern der Fall ist. Somit ist es nicht verwunderlich, dass diese Defizite in den Leistungen schlimme Folgen für die Bildungsbeteiligung haben. Die Probleme der Kinder und Jugendlichen mit Migrations­hintergrund beginnen bereits im vorschulischen Bereich. Im Jahre 2007 besuchten 90 Prozent aller Drei- bis Fünfjährigen in Deutschland eine Kindertageseinrichtung, aber nur 64 Prozent der Kinder mit Migrationshintergrund.[25] Auch bei den ausländischen Kindern besuchten lange Zeit deutlich weniger Kinder den Kindergarten, als deutsche Kinder.[26] Die Nachteile setzen sich bei der Einschulung und in der Grundschulzeit fort. Es werden in dieser Zeit etwa doppelt so viele Migrantenkinder zurückgestellt.[27] Schümer et al. (2002) stellen heraus, dass Kinder mit Migrationshintergrund ein zwei- bis dreimal so hohes Risiko wie Kinder deutscher Herkunft ausgesetzt sind, eine Klasse zu wiederholen.[28] Weiterhin ist zu betrachten, dass in allen Schulformen der Anteil der Sitzenbleiber unter den Migranten weit höher ist, als unter den Einheimischen. Die Hauptschule ist mit einem Sitzenbleiberanteil von 51 Prozent bei den Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund der Spitzenreiter. Wie bereits erwähnt ist auch auffällig, dass die Migrantenkinder zu einem sehr hohen Anteil bereits in der Grundschule sitzen geblieben sind.[29] Jedoch muss auch deutlich herausgestellt werden, dass insbesondere die Daten der amtlichen Schulstatistik nicht belegen, inwieweit ein Schüler mit Migrationshintergrund die Schule besucht. Es wird lediglich die Staatsangehörigkeit, nicht aber der Migrationshintergrund erfasst. Entsprechende Informationen über Heranwachsende mit Migrationshintergrund wurden dennoch für das Jahr 2001 im Rahmen von Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung (IGLU) und für das Jahr 2003 im Rahmen von PISA erhoben. Nach diesen Ergebnissen der Studien betrug der Anteil der Viertklässler (IGLU) bzw. der 15-Jährigen (PISA) mit Migrationshintergrund (mindestens ein Elternteil im Ausland geboren) jeweils 22 Prozent.[30] Wie bereits erwähnt lässt sich eine negative Bildungssituation der Schüler mit Migrationshintergrund bereits beim Eintritt in die Schule herausstellen. Auch am Ende der Grundschulzeit wird diese negative Sachlage der Schüler mit Migrationshintergrund deutlich: zwischen 1985 und 2006 wechselten zwei Drittel der ausländischen Schüler an die Hauptschule und nur neun Prozent auf ein Gymnasium.[31] Diese ungünstigen Muster der Bildungsbeteiligung sind nicht nur für ausländische Schüler von Bedeutung, sondern auch für die größere Gruppe der Schüler mit Migrationshintergrund zu beobachten. Dabei besuchten entsprechend der Daten aus PISA 2003 Schüler ohne Migrationshintergrund am häufigsten das Gymnasium, gefolgt von dem Schulbesuch auf einer Realschule. Eine besonders benachteiligte Situation ist für die bereits in Deutschland geborenen Jugendlichen (zweite Generation) zu erkennen. Aber selbst die zugewanderten Schüler der ersten Generation sind im Vergleich zu den Gleichaltrigen ohne Migrations­hintergrund deutlich weniger erfolgreich. Diese Jugendlichen sind häufiger an Hauptschulen und deutlich seltener an Gymnasien anzutreffen. Im Jahre 2003 betrug die Bildungs­beteiligung der Schüler ohne Migrationshintergrund an den Hauptschulen rund 19 Prozent, besuchten Schüler mit Migrationshintergrund in der ersten bzw. zweiten Generation hingegen die Hauptschule mit ca. 33 Prozent bzw. 44 Prozent.[32] Weiterhin ist der Trend zu verzeichnen, dass Migrantenkinder während ihrer schulischen Karriere insbesondere in den unteren Klassen erheblich öfter die Klasse wiederholen müssen. Sie müssen außerdem häufiger das Gymnasium wieder verlassen. Auch das Risiko, auf eine Sonderschule für Lernbehinderte versetzt zu werden, ist doppelt so hoch, wie bei Schülern ohne Migrationshintergrund.[33] Im Jahre 1993 waren noch 16,4 Prozent aller Schüler in Schulen für Lernbehinderte ausländischer Herkunft. Bereits ein Jahr später waren es 16,6 Prozent bei gleichgebliebener Quote von 9,1 Prozent aller ausländischen Schüler insgesamt.[34] Nach Kornmann (2006) sind ausländische Schüler an Sonderschulen für Lernbehinderte um mehr als das Doppelte überrepräsentiert. Dieser Trend hält weiter an.[35] Diese Probleme der Schüler mit Migrationshintergrund und den ausländischen Schülern schlagen sich auch in den Schulabschlüssen nieder: Im Jahre 2007 verließen elf Prozent der ausländischen Schüler das deutsche Bildungssystem ohne einen Hauptschulabschluss, 42 Prozent erwarben den Hauptschulabschluss, den Realschulabschluss absolvierten 31 Prozent der ausländischen Schüler, 1,5 Prozent die Fachhochschulreife und nur neun Prozent die allgemeine Hochschulreife. Auch unter den Studierenden machen diese jungen Leute nur acht Prozent aller Studenten aus.[36] Am dramatischsten ist die Situation in der Berufsausbildung. Die Jugendlichen mit Migrationshintergrund sind beim zunehmenden Kampf um die knappen Ausbildungsplätze seit Mitte der 1990er Jahre die Verlierer.

[...]


[1] vgl. von Below 2005,98

[2] vgl. Diefenbach 2005,113

[3] vgl. Kristen 2006,79

[4] vgl. Alba/Handl/Müller 1994, S.211

[5] vgl. Diefenbach 2010,89

[6] vgl. Flam 2009,240-241

[7] vgl. Heidemeier et al. 2006,255-256

[8] vgl. Hausotter/Schouler-Ocak 2007,2

[9] Fuchs-Heinritz et al. 2007,430

[10] vgl. Keim 2003,1

[11] Statistisches Bundesamt 2005,6

[12] vgl. Taskinen/Walter 2007,345

[13] vgl. Diefenbach 2010,22/24

[14] vgl. Granato 2006,104

[15] vgl. Karakasoglu-Aydin 2001,280

[16] vgl. Mayer 2000,395-396

[17] vgl. von Below 2005,98

[18] vgl. Katler/Granato 2002,204

[19] vgl. von Below 2005,97

[20] vgl. Taskinen/Walter 2007,337

[21] vgl. BBMFI 2005,37-38

[22] vgl. Stanat 2008,695

[23] vgl. Taskinen/Walter 2007,338

[24] vgl. BBMFI 2005,37

[25] vgl. Geißler/Weber-Menges 2008,15-16

[26] vgl. Stanat 2008,691

[27] vgl. Konsortium Bildungsberichterstattung S.151

[28] vgl. Schümer/Tillmann/Weiß 2002,207

[29] vgl. Krohne/Meier/Tillmann 2004,382

[30] vgl. Stanat 2008,695

[31] vgl. KonsortiumBildungsberichterstattung S.151

[32] vgl. Stanat 2008,702-703

[33] vgl. Konsortium Bildungsberichterstattung152; vgl. auch Krohne/Meier/Tillmann 2005,385

[34] vgl. Kornmann/Klingele 1997,204

[35] vgl. Kornmann 2006,72-73; vgl. auch Kornmann/Klingele 1997,206

[36] vgl. Geißler/Weber-Menges 2008,16

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Titel: Migrantenkinder und -jugendliche im deutschen Bildungssystem