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Gentrifizierung in Europas Metropolen

Das Phänomen der Gentrifizierung in Berlin im Vergleich zu London

Seminararbeit 2010 12 Seiten

Politik - Sonstige Themen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Bedeutung der Gentrifizierung
2.1 Begriffsklärung und Definition
2.2 Das Invasions-Sukzessions-Zyklus-Modell

3 Gentrifizierung in Berlin
3.1 Kreislauf der Gentrifizierung
3.2 Verdrängung oder sozialer Aufstieg

4 London - Gentrifizierung als Chance

5 Schlussbetrachtung

1 Einleitung

Am 10. September war es nun soweit: Die Bar25 - Kultclub in Berlin und gleichzeitig eines von vielen inoffiziellen Wahrzeichen des oft zitierten „Berliner Lebensgefühls“ - schloss endgültig ihre Tore am Spreeufer. Viele Argumente und Register wurden in einem jahrelangen zähen Streit mit der Stadt und ihren Behörden und Betrieben gezogen um noch etwas länger feiern zu dürfen. Nun ist klar geworden, dass die Bar25 als Zwischenmieter eines brach liegenden Geländes zu den ersten Opfern des Mammutprojekts „Mediaspree“ gehören wird, das unter anderem neue Büro- und Wohnkomplexe am Spreeuferareal beinhaltet. Das Projekt ist eines der größten und umstrittensten investorengeführten Bauprojekte der Stadt Berlin seit der Wiedervereinigung und hat dadurch vor allem viel Gesprächsstoff im Bereich Städteplanung und Städtepolitik geliefert und in diesem Rahmen die Diskussion um das Thema „Gentrifizierung“ zu Tage gefördert. Die Bar25 ist allerdings nur ein Beispiel von vielen aktuell umkämpften Objekten in Berlin. Die Angst vor Verdrängung durch Bauprojekte, großangelegten Sanierungen oder Aufwertungen ganzer Stadtviertel ist also eine große und gerechtfertigte Sorge vieler Berliner Bürger - das Thema Gentrifizierung in Berlin dadurch höchstaktuell.

Das Phänomen der Gentrifizierung ist in Europa nicht unbekannt. Es gibt in Europas Großstädten viele Beispiele für bereits abgeschlossene Gentrifizierung. Stadtteile Londons wie das Stadtgebiet Notting Hill oder die Londoner Docklands sind Musterbeispiele, teilweise wurde hier in Fachkreisen auch von Supergentrifizierung gesprochen.

Auf Basis der aktuellen Entwicklungen der Stadt Berlin möchte ich in der vorliegenden Arbeit das Phänomen der Gentrifizierung detailliert und praxisnah erläutern. Der Leser soll dadurch einen Überblick über das Phänomen der Gentrifikation erhalten. Durch den Vergleich der Prozesse in Berlin mit der teilweise gewollten „Supergentrifizierung“ in London möchte ich in dieser Arbeit die Konsequenzen und Risiken, aber auch die Chancen und Notwendigkeiten der Umstrukturierungsprozesse in europäischen Städten darstellen.

2 Bedeutung der Gentrifizierung

2.1 Begriffsklärung und Definition

Der etymologische Ursprung des Wortes Gentrifizierung (auch unter Yuppisierung bekannt) leitet sich aus dem englischen „Gentry“ (deutsch: niederer Adel, Landeigentümer) ab und ist in entsprechender Fachliteratur nicht eindeutig definiert. Den meisten Definitionen liegt aber eine Gemeinsamkeit zugrunde, die sich vereinfacht durch den Prozess ausdrücken lässt, bei dem eine statusniedrige Bevölkerung durch eine statushöhere Bevölkerung ausgewechselt wird und vollzieht sich ausschließlich in großstädtischen Wohngebieten. „Die Veränderung innenstadtnaher Wohngebiete im Zuge eines ökonomischen Wandels, die insbesondere in großen Städten Gestalt annimmt, beschreibt die Soziologie mit demterminus technicusderGentrification.1 Das Phänomen der Gentrifizierung ist durch die Soziologie heraus entstanden und geprägt worden, aber kann, wie Meth beschreibt, auch aus anderen wissenschaftlichen Perspektiven heraus betrachtet werden, wie z. B. der Ethnologie. Daher lässt es sich gut nachvollziehen, dass es lediglich Definitionsansätze auf Basis des erwähnten Bevölkerungsaustausches in Großstädten gibt, wie es auch die britische Stadtsoziologin Ruth Glass als eine der ersten erkannte.

Dabei liegt dem Austausch zuerst immer eine Aufwertung der innenstadtnahen Bausubstanz zugrunde. Wohnungen und Infrastruktur werden saniert und modernisiert und ganze Stadtviertel dadurch qualitativ aufgewertet. Hier wird in entsprechenden Facharbeiten oft nach Smith zitiert: „’Gentrification ist ein Prozess, in dessen Verlauf zuvor verwahrloste und verfallene innerstädtische Arbeiterquartiere für Wohn- und Freizeitnutzung der Mittelklasse systematisch saniert und renoviert werden’ (Smith 1993: 183)“2Entsprechend ändern sich die Marktverhältnisse für Wohnungsmieten und Preise der Eigentumswohnungen. Die Folge ist also eine „sanfte bzw. indirekte Verdrängung“ über das Ansteigen des Mietspiegels. Die alten ursprünglichen Bewohner können aufgrund ihres sozialen Milieus die höheren Lebenshaltungskosten in ihrem Viertel nicht mehr aufbringen.

2.2 Das Invasions-Sukzessions-Zyklus-Modell

Es ist klar, dass Immobilieninhaber die Investitionen für eine systematische Sanierung und Aufwertung ganzer Wohngebiete nur mit entsprechender Motivation tätigen. Meist ist dies, wie angesprochen, die steigende Nachfrage nach Wohnraum in entsprechenden Wohnvierteln. Diese wiederum verspricht eine höhere Rendite für die Inhaber. Allerdings stellt sich hierbei die Frage, wie es zu einer steigenden Nachfrage in den sogenannten „Arbeitervierteln“ kommen kann. Ein Ansatz, der diesen Verlauf zu erklären versucht, ist der Doppelte InvasionsSukzessions-Zyklus nach Dangschat. Nach diesem Modell nehmen an einem Gentrifizierungsprozess vier soziale Gruppen teil3:

- Pioniere: jung (bis 35 Jahre), höhere Bildung, geringeres Einkommen, größtenteils kinderlos, meist Studierende mit alternativemLebensstil
- Gentrifier: mittleres Alter (26 - 45 Jahre), hohes Einkommen, gehobener Lebensstil
- Alteingesessene: mittleres Alter (26 - 45 Jahre), geringere Bildung, geringeres Einkommen
- Ältere: hohes Alter (45 Jahre und älter), geringe bis mittlere Bildung

Nach diesem Modell gibt es fünf Invasions-Phasen, in denen sich die Gentrifizierung einteilen lässt. In der ersten Phase siedeln sich die Pioniere auf der Suche nach innenstadtnahem und günstigem Wohnraum in den von sozial niedrigeren Schichten geprägten Wohnvierteln an. In der zweiten Invasions-Phase etablieren sich die Pioniere durch Gewerbe und Gastronomie und ihren alternativen Lebensstil und prägen somit das Stadtviertel erheblich. Dadurch ziehen sie auch erstmals das Interesse anderer Gewerbetreibender der Stadt auf sich. Die Nachfrage nach sanierter und modernisierter Bausubstanz steigt langsam an.

[...]


1Meth, S.: Aufwertung erwünscht. Gentrifizierung in Friedrichshain in Berliner Blätter, Sonderheft 32/2004, Münster, 2004,25

2 Arikas, D.: Gentrifikation - Die Aufwertung innenstadtnaher Wohngebiete, Frankfurt (Oder), 2002,3

3 Vgl. Windzio, M.: Empirische Stadtsoziologie - Gentrification, Bremen, 2006,1 f

Details

Seiten
12
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640842001
ISBN (Buch)
9783640840694
Dateigröße
589 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v167604
Institution / Hochschule
Hochschule der Medien Stuttgart
Note
1,0
Schlagworte
Gentrifizierung Vertreibung Verdrängung Berlin London Europa Invasions-Sukzessions-Zyklus-Modell Invasions Sukzessions Zyklus sozialer Aufstieg Städtepolitik Stadtplanung Supergentrifizierung Gentrification Yuppisierung ökonomischer Wandel Invasion Segregation Segregationsprozesse

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