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Konzept zum selbstgesteuerten Lernen im Bildungsgang "Informationstechnische Assistenten FHR" durch den Einsatz der Lernplattform Moodle

Die Lernsituation "Unternehmensformen"

Examensarbeit 2010 44 Seiten

Pädagogik - Berufserziehung, Berufsbildung, Weiterbildung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Problemstellung
1.2. Ziele der Arbeit
1.3. Lehrerfunktionen

2. Theoretischer Bezugsrahmen
2.1. Das Ziel: Erwerb von Handlungskompetenz
2.2. Konstruktivismus
2.3. Begriffe
2.3.1. Selbst gesteuertes Lernen/Selbst organisiertes Lernen
2.3.2. Moodle
2.3.3. Sandwich-Prinzip
2.3.4. Advanced Organizer
2.4. Selbst gesteuertes Lernen/Selbst organisiertes Lernen (SOL)
2.4.1. Was ist SOL?
2.4.2. Didaktisch-methodische Grundlagen
2.4.3. Lehr- und Lernkultur
2.5. Merkmale selbst gesteuerten Lernens
2.6. E-Learning

3. Praktischer Teil: Umsetzung von SOL im Unterricht
3.1. Unterrichtsreihe und Kompetenzen
3.2. Didaktische Analyse
3.3. Lernausgangslage
3.4. SOL-basierter Unterrichtsentwurf mit Moodle
3.4.1. Veröffentlichung der Lernsituation
3.4.2. Methodisch-didaktischer Aufbau
3.4.2.1. Lernziele
3.4.2.2. Zeitplanung
3.4.2.3. Einteilung der Klasse in Stammgruppen mit Moodle
3.4.2.4. Das Lerntagebuch
3.4.2.5. Bildung und Arbeitsauftrag der Expertengruppen
3.4.2.6. Wissensvermittlung in der Stammgruppe
3.4.2.7. Übung und Feedback während der Unterrichtssequenz
3.4.2.8. Besprechung der Lösungen (Lerntempoduett)
3.4.2.9. Metakognition
3.5. Möglicher Ablauf der Unterrichtssequenz (Phasen)

4. Ergebnis

5. Ausblick

6. Literaturverzeichnis

7. Anhangverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Spannungsfeld des Selbstgesteuertes Lernen

Abbildung 2: Verortungsversuch des selbstgesteuerten Lernens

Abbildung 3: Prinzip zur Bildung von Expertengruppen

Abbildung 4: Stammgruppen

Abbildung 5: Merkmale und Zusammenhänge selbstgesteuerten Lernens

Abbildung 6: MindMap zur Visualisierung des Inhalts zur Unterrichtsreihe Rechtsformen

Abbildung 7: Die Wochensicht mit den Menüs "Arbeitsmaterial anlegen" und "Aktivität anlegen"

Abbildung 8: Dialog zum Anlegen automatisch erstellter Gruppen

Abbildung 9: Exemplarische Gruppeneinteilung

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Unterrichtsablauf, Methoden, Moodle-Unterstützung

Tabelle 2: Unterstützung der SOL-Merkmale durch Moodle

1. Einleitung

Das Konzept des selbstgesteuerten Lernens nimmt seit geraumer Zeit einen immer bedeutsameren Stellenwert in der pädagogischen Diskussion ein und findet in der beruflichen Bildung große Beachtung.[1] Dies mag unter anderem damit zusammen hängen, dass sich sowohl die Gesellschaft wie auch die Wirtschaft in einem permanenten, sich ständig beschleunigenden Strukturwandel befinden.[2] Die Arbeitswelt verändert sich rapide und ist durch ständig neue Anforderungen an die Bewältigung offener Handlungsvollzüge und die Strukturierung von Arbeitsabläufen geprägt. Die Anforderungen an die beteiligten Fachkräfte steigen und verlangen ein wachsendes Maß an Selbststeuerung und Eigenverantwortung. Vom einzelnen Mitarbeiter wird dabei eine immer größere Bereitschaft erwartet, sich den veränderten Konstellationen der Arbeitswelt selbstständig und eigenverantwortlich zu stellen, an den Veränderungen mitzuwirken, stärker Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen und sich selbstständig neues Wissen anzueignen, wenn dies erforderlich ist.[3]

Neben diesen Tendenzen in der Berufswelt können auch weitreichende Veränderungen in der Gesellschaft ausgemacht werden, die von einer Erhöhung der Mobilität, von schnellem und stetigem Wertewandel und Planungsunsicherheiten sowie von Veränderungen in der Familie, die in einer zunehmenden Individualisierung münden, geprägt sind. Zur erfolgreichen Gestaltung der eigenen Lebensführung sind in hohem Maße Fähigkeiten zur Selbstreflexivität und Selbstorganisation notwendig, die in den meisten Fällen von jungen Menschen erst noch erworben werden müssen.[4]

Außerdem werden lerntheoretische Begründungen des selbstgesteuerten Lernens angeführt, indem auf die vorhandene Unterschiedlichkeit der Lernvoraussetzungen, -fähigkeiten und -stile seitens der Schüler verwiesen wird. Diese Heterogenität macht individuelle Anregungen erforderlich, welche die Lernenden in die Lage versetzen, ihr Lernen selbst in die Hand zu nehmen. Hierzu muss zunächst eine hinreichende Lernkompetenz erworben werden, die es ermöglicht, gemäß dem vorliegenden Lerntyp geeignete Lernstrategien sowie Lern- und Arbeitstechniken anzuwenden.

Lernen ist unter der konstruktivistischen Sichtweise ein aktiver und konstruierender Prozess. Der Lernende erwirbt Wissen i.d.R. nicht, indem er eine hundert prozentige Kopie des Wissenstransfers speichert. Vielmehr fügen sich viele einzelne Wissensfragmente nach individueller Konstruktion zu einem neuen Ganzen zusammen. Unter dem lerntheoretischen Blickwinkel der konstruktivistischen Lerntheorie muss der Lernende immer eine aktive Rolle spielen und diese Rolle auch mit gestalten. Dies bedeutet eine Abkehr vom reinen "Lernkonsum" hin zu einem aktiven selbst organisierenden und selbst steuernden Lernverhalten.

Die Notwendigkeit lebensbegleitenden Lernens im beruflichen als auch im privaten Bereich gilt mittlerweile als unbestritten. Selbstgesteuertes Lernen wird in diesem Kontext oftmals als eine zentrale Schlüsselqualifikation genannt, die zur Bewältigung der Anforderungen lebensbegleitenden Lernens beitragen kann.[5] Eins der vornehmsten Ziele der Schul- und Berufsausbildung ist es, junge Menschen darauf vorbereiten und zu qualifizieren, dass die Befähigung zum selbstständigen Lernen sowie die Akzeptanz und Bereitschaft zu lebenslangen Lernen verinnerlicht und auch aktiv wahrgenommen wird.[6]

1.1. Problemstellung

Schüler lernen heute noch stark konsumorientiert.[7] Die Fähigkeit und Bereitschaft zum selbstgesteuerten Lernen ist deshalb gering ausgeprägt.

Lehrer unterrichten nach wie vor traditionell, weil sie in der eigenen Sozialisation genau diese Art von Unterricht kennen gelernt haben. Vielleicht besteht auch ein gewisses Misstrauen darin, sich die "Regie der Unterrichtsstunde" vermeintlich aus den Händen nehmen zu lassen. Dies darf getrost als Vorurteil bezeichnet werden, denn auch bei den neueren Lernformen darf der Lehrer die "Regie der Stunde" nicht aufgeben. Allerdings ist es richtig, dass dem Lernenden bei neueren Lernformen ein größerer "Regie-Anteil" in Form von gewissen Gestaltungs- und Durchführungsalternativen zugebilligt wird. Doch eben die Abgabe auch nur eines Teils der Unterrichtsregie stößt bei vielen Lehrkräften heute noch auf Unbehagen.

So sind Schüler bis heute überwiegend einen lehrerzentrierten Unterricht gewohnt, den sie auch nach langer Schulsozialisation als den einzig richtigen empfinden.[8]

Außerdem fehlen bis heute konkrete Konzepte für SOL an denen sich Lehrkräfte orientieren können. In der Literatur findet man vereinzelt Unterrichtsbeispiele[9] und die Idee des SOL ist keineswegs so neu, dass sie nicht auch in speziellen Weiterbildungen Einzug gehalten hat. Trotzdem besteht ein Nachholbedarf an SOL-basierten Unterrichtsentwürfen und Konzepten, die als Orientierung für Lehrkräfte dienen können.

1.2. Ziele der Arbeit

Diese Hausarbeit hat zum Ziel, einen theoriegestützten, in sich konsistent dargelegten und schlüssig begründeten Handlungsentwurf zum selbstgesteuerten Lernen im Wirtschaftslehreunterricht des Bildungsgangs „Informationstechnische Assistentinnen/Assistenten FHR“ zu entwickeln. Dabei liegt der Schwerpunkt darin, Handlungsoptionen zur Lösung eines Problems, zur Klärung einer Situation oder zur Bewältigung einer Aufgabe für selbstgesteuertes Lernen mit Hilfe der Lernplattform Moodle zu entwickeln.

Exemplarisch wird ein SOL-Konzept für die Unterrichtsreihe "Unternehmensformen" aus dem Lernfeld 1 "Der Betrieb und sein Umfeld" ausgearbeitet. Formal ist dieser Inhalt durch die Richtlinien und Lehrpläne der Anlage C1 APO-BK legitimiert.

Es wird im Verlauf der Arbeit herausgearbeitet, welche grundlegenden Eigenschaften und Merkmale selbstgesteuertes Lernen kennzeichnen, worin sich diese Merkmale zu konventionellem Unterricht unterscheiden und welche Lernwirkungen und Lernergebnisse daraus resultieren.

Der in dieser Arbeit vorgestellte Entwurf eines SOL-basierten Unterrichts nutzt als wesentliches Element die E-Learning-Plattform "Moodle". Das System Moodle wurde am Heinrich-Hertz-Europakolleg bereits im Jahre 2003 eingeführt und ist in den IT-Kursen bei allen Lehrern bereits heute fester Bestandteil des Unterrichts. Allerdings ist die Art und Weise der Nutzung sehr unterschiedlich. Mit dem in dieser Arbeit entwickeltem Konzept soll ein bisher noch nicht genutztes Potenzial der Lernplattform entwickelt und vorgestellt werden.

Das entwickelte Konzept hat den Anspruch, dass es in der Schule anwendbar sein muss. Aufgrund des eng umgrenzten Seitenumfangs dieser Arbeit kann das Konzept nur auszugsweise und exemplarisch beschrieben werden. Es wird jedoch sichergestellt, dass eine Übertragbarkeit und zumindest teilweise Nutzung auch für andere Lehrer, für andere Lernsituationen, Bildungsgänge und Schulformen gewährleistet ist.

1.3. Lehrerfunktionen

Im Rahmen dieser Arbeit werden im Wesentlichen die Lehrerfunktionen „Unterrichten“ und „Diagnostizieren“ gemäß der Rahmenvorgabe für die Lehrerausbildung in Schule und Studienseminar in Nordrhein-Westfalen angesprochen. In der Lehrerfunktion „Unterrichten“ geht es darum, den Lernprozess der Schüler sach- und adressatengerecht zu gestalten. Dabei ist es wichtig, die Inhalte und Methoden in der Art abzustimmen, dass sie am Wissen und den Vorerfahrungen der Schüler anknüpfen. Lehr- und Lernmethoden sowie Kommunikationsformen sind den Erfordernissen der konkreten Lernsituation und Zielgruppe anzupassen.

Um die Funktion „Unterrichten“ wirksam zu erfüllen, bedarf es zuvor der Lehrerfunktion „Diagnose“, da über die Lerngruppe und die Unterrichtsinhalte zuvor ein genauer Befund zu erstellen ist. Dieser Befund bildet die Basis in der Planung und Entwicklung sowie bei der Gestaltung selbstgesteuerten Unterrichts.

Neben den Lehrerfunktionen „Unterrichten“ und „Diagnostizieren“ kommt es im Rahmen selbstgesteuerten Lernens auch zu einer beratenden Funktion, in der Schülern Hilfen und Anregungen zu Lern- und Entwicklungsprozessen aufgezeigt werden. Die Funktion des Beraters gewinnt bei fortschreitender differenzierter Betrachtung von selbstgesteuertem Lernen immer stärker an Bedeutung.

Für die didaktische Ausgestaltung des SOL-basierten Unterrichts mit der Lernplattform sind organisatorische und technische Kenntnisse und Fähigkeiten unerlässlich.

2. Theoretischer Bezugsrahmen

2.1. Das Ziel: Erwerb von Handlungskompetenz

Seit Ende der 1990er Jahre stellt die Handlungsorientierung in der berufsbildenden Schule eines der zentralen Konzepte dar.[10] Schüler sollen während ihrer Schulzeit aufbauend auf einem fundierten Fachwissen umfassende Handlungskompetenzen erwerben. So bestimmte die Kultusministerkonferenz im Jahre 1999 den Begriff Handlungskompetenz als "Fähigkeit des Einzelnen, sich in beruflichen, gesellschaftlichen und privaten Situationen sachgerecht, durchdacht sowie individuell und sozial verantwortlich zu verhalten". Das Schulministerium NRW legte in der APO-BK in § 1 als übergeordnetes Ziel aller Bildungsgänge im Berufskolleg fest:

"Das Berufskolleg vermittelt den Schülerinnen und Schülern eine umfassende berufliche, gesellschaftliche und personale Handlungskompetenz und bereitet sie auf ein lebensbegleitendes Lernen vor."

Um Handlungskompetenz zu entwickeln, muss der Unterricht sowohl fachliche, als auch methodische, soziale und humane (personale) Kompetenzen vermitteln. Dieses Ziel stellt neue Anforderungen an Lehrkräfte und Schüler und erfordert von beiden Seiten viel Einsatz und Engagement. Der Aufbau und Erwerb von Handlungskompetenz ist ein langwieriger Prozess. Deshalb muss der Unterricht konsequent und dauerhaft darauf ausgerichtet werden. Zu dem ehemaligen Hauptziel der Schule ein fundiertes Fachwissen zu vermitteln kommt heute die Vermittlung überfachlicher Kompetenzen aus dem Bereich der Sozial- und Humankompetenz hinzu. Dies kann nur in einem gut kombinierten Unterricht gelingen, der sowohl fachlich fundiertes Fachwissen und soziale/personale Kompetenzen vermittelt. Da soziale und personale Kompetenzen nicht in einem lehrerzentrierten Unterricht gelernt werden können, kommt dem "nicht-lehrerzentrierten Unterricht" eine immer größere Bedeutung zu. Interessanterweise stößt die Abkehr vom lehrerzentrierten Unterricht gerade auch bei den Schülern selbst auf teilweise erbitterten Widerstand. Das ist durchaus nachvollziehbar, sind die Schüler doch in jahrelangem Training auf den lehrerzentrierten Unterricht in der Sekundarstufe I konditioniert worden. Der Paradigmenwechsel im beruflichen Teil der Sekundarstufe II und in der Berufsschule fordert nun von Schülern die Entwicklung eines eigenständigen Problemlösens, kooperativen Arbeitens oder sogar Phasen eines selbstorganisierten Arbeitens über längere Zeiträume hinweg.

Lehrkräfte müssen sich darüber im Klaren sein, dass sie den Schülern Kompetenzen vermitteln, die dazu helfen, Anforderungen der Zukunft zu meistern. Dies klingt profan, doch die Veränderungen der Arbeitswelt und der Gesellschaft vollzieht sich in immer kürzeren Zyklen. Es geht letztlich um den Erwerb einer "Anpassungskompetenz", die es den jungen Menschen ermöglicht, die zukünftigen Herausforderungen erfolgreich zu meistern. Aus diesem Bewusstsein von Verantwortung und dem Wissen um die rasanten Veränderungsprozesse entwickelten sich zahlreiche Vorschläge zur Neugestaltung von Unterricht. Eines dieser Konzepte ist das selbstgesteuerte bzw. selbstorganisierte Lernen (SOL).

2.2. Konstruktivismus

Traditionelle Lerntheorien beruhen darauf, das Wissen vom Lehrerkopf direkt in den Schülerkopf transferiert werden kann. Der Lernende befindet sich in einer eher passiven Rolle, da er die Lerninhalte nur in der vorgegebenen Form in sein Gehirn übernehmen muss. Es sieht so aus, als sei Wissenserwerb allein durch Konsum möglich. Nach diesen traditionellen Lerntheorien besteht die Hauptaufgabe des Lehrenden darin, den Konsum von Wissen möglichst einfach und gut strukturiert zu gestalten. Gelingt ihm das, so wird der Lernende erfolgreich Wissen erwerben.

Didaktik, die der Lerntheorie des Konstruktivismus folgt, stellt den Schüler als ein aktives Element in den Mittelpunkt. Der zentrale Aspekt des Konstruktivismus ist, dass Menschen ihre Realität durch aktive Verarbeitungsprozesse ihrer Wahrnehmung selbst konstruieren müssen. Lernen ist nicht der Konsum von gut vorgebereitetem Unterrichtsstoff in Form einer passiven Absorption, sondern eine vom Schüler ausgehende aktive Konstruktion von Wissen. Der Schüler erzeugt quasi selbst sein individuelles Wissen. Ein wichtiger Aspekt dabei ist die Akzeptanz, dass der Lernende selbst entscheidet wie und was er konstruiert. Einfluss auf das Lernen nimmt auch das soziale und kulturelle Umfeld, weil es die Ansichten und Perspektiven des Einzelnen formt und bestimmt. Im Konstruktivismus findet Lernen immer in einem sozialen Kontext statt.

Die Lerntheorie des Konstruktivismus dient als Grundlage für handlungsorientierten Unterricht. Das soll aber nicht bedeuten, dass handlungsorientierter Unterricht unter rein konstruktivistischen Gesichtspunkten stattfindet. Phasen der Instruktion haben auch weiterhin durchaus ihre Berechtigung, aber nur in Kombination mit entsprechenden schülerzentrierten Unterrichtsformen. Die Schüler haben die Möglichkeit in bestimmten Phasen ihr Wissen selbst zu erarbeiten und anschließend gründlich zu reflektieren und zu evaluieren. Die Rolle des Lehrenden ändert sich ebenfalls. Die traditionelle Rolle vom Wissensvermittler wird durch die Rolle des Lernberaters und Lernbegleiters ergänzt. Eine wichtige Aufgabe der neuen Lehrerrolle ist es, vertrauensvolle, interessante und herausfordernde Lernumgebungen zu kreieren und schülerzentriert für möglichst differenzierte Anreizstrukturen und Anstöße von außen sorgen, sowie die notwendige soziale Verständigung moderieren.[11] Das Konzept des SOL baut auf diesen Überlegungen auf.

2.3. Begriffe

2.3.1. Selbst gesteuertes Lernen/Selbst organisiertes Lernen

Im Rahmen dieser Arbeit werden die Begriffe „Selbst organisiertes Lernen“ (SOL) und "selbstgesteuertes Lernen" verwendet. Es sei ausdrücklich darauf verwiesen, dass im Schrifttum die Begriffe "selbst organisiertes Lernen", "eigenverantwortliches Lernen", "selbst gesteuertes Lernen" und "selbstbestimmtes Lernen" synonym verwendet, teilweise aber auch unterschiedlich definiert werden.[12] Je nach Definition werden alle oder nur ausgewählte Merkmale einbezogen oder unterschiedlich gewichtet. Entscheidend und begriffsunabhängig ist jedoch das Merkmal, dass Schüler ihr Lernen in einem gewissen Umfang selbst organisieren können. Dies darf aber nicht so missverstanden werden, dass es sich um ein Lernen ohne Lehrer handelt. Die Schüler bedürfen auch bei dieser Lernform einer Lernberatung und einer Methodenschulung. Es geht um einen Ansatz, um mit den Schülern schrittweise selbständiges und eigenverantwortliches Lernen einzuüben.[13] Aufgrund der Uneinheitlichkeit bei der exakten Definition der Begriffe "Selbst gesteuertes Lernen" und "Selbst organisiertes Lernen", möchte ich im Folgenden beide Begriffe für den gleichen Sachverhalt verstanden wissen.

2.3.2. Moodle

Moodle ist eine E-Learning-Plattform, die als Open-Source-Software-Paket entwickelt wurde. Es handelt sich hierbei um ein fortlaufendes Softwareentwicklungsprojekt, das einen konstruktivistischen Lehr- und Lernansatz unterstützt. Moodle war ursprünglich ein Akronym für Modulare dynamische objekt-orientierte Lernumgebung (Modular Object-Oriented Dynamic Learning Environment). Moodle steht als Begriff jedoch auch für eine Tätigkeit, sich mit Dingen intuitiv zu beschäftigen, sich Dinge herauszupicken und dadurch auch zu neuen Einsichten zu kommen und neue Gedanken zu entwickeln. Mit Moodle verbinden sich zwei Dinge: die Art und Weise, in der es entwickelt wurde und die Art und Weise, in der Lehrende und Lernende miteinander interagieren.[14] Mit dieser Lernplattform lassen sich online-basierte Kurse konfektionieren und durchzuführen.

2.3.3. Sandwich-Prinzip

Hierunter versteht man den geplanten Wechsel von kollektiven (mit Partnern oder in der Gruppe) und individuellen Arbeitsphasen (Alleinarbeit), um möglichst vielen Lernbedürfnissen, Lerntypen und Lernwegen gerecht zu werden. Der Begriff basiert auf der Assoziation zu einem belegten Brötchen mit mehreren abwechselnden Schichten (Brötchen, Butter, Käse, Tomate, Brötchen). Das Sandwich-Prinzip stellt einen möglichen Organisationsrahmen für SOL dar.

2.3.4. Advanced Organizer

Der Advanced Organizer kann als "Lernlandkarte" interpretiert werden. Er dient als vorbereitende Lernhilfe und soll bildhaft eine gedankliche Struktur des Themengebiets widergeben. Verbindungen und Verknüpfungen beim Fachwissen werden visualisiert und sollen mit dem bereits vorhandenen Wissen kombiniert werden. Es wird empfohlen, den Advanced Organizer während der gesamten Unterrichtsreihe gut sichtbar, z.B. als Plakat zu platzieren, um als Orientierung während der Unterrichtsreihe zu dienen.

2.4. Selbst gesteuertes Lernen/Selbst organisiertes Lernen (SOL)

2.4.1. Was ist SOL?

Die PISA-Studie hat verdeutlicht, dass nicht Systemfragen die Qualität und Leistungsfähigkeit eines Bildungssystems bestimmen, sondern die Prozesse im und die Wirksamkeit des Unterrichts.[15] Als Konsequenz wird eine andere Art und eine andere Qualität des Unterrichts gefordert, denn deutsche Schülerinnen und Schüler haben kein Wissens- sondern ein Könnensdefizit. Aus dieser Forderung heraus, kann SOL als Möglichkeit gesehen werden, Unterricht "anders" zu gestalten.

"Das Konzept des SOL stellt einen didaktisch und methodisch systematisch begründeten Rahmen bereit, welcher sich aus verschiedenen pädagogischen, lern- und sozialpsychologischen Quellen speist. Im Konzept SOL vereinigen und bereichern sich die Ansprüche an die fachlichen Kompetenzen sowie Potenziale einer sozialen, methodischen und didaktischen Struktur des Lernens."[16]

SOL steht für selbst organisiertes Lernen mit folgenden Zielen:

- Stärkung der individuellen Selbständigkeit durch den systematischen Aufbau von Methoden- und Lernkompetenzen;
- Schaffung einer sozialen Lernstruktur durch die Abstimmung von Einzel- und Gruppenarbeit;
- Vertiefung des Wissens und Könnens durch Vernetzung fachlicher und überfachlicher Kompetenzen
- Erhöhung der Verantwortung für das eigene Leben;

SOL ist ein Ansatz, in dem verschiedene Methoden kombiniert und in ein definiertes Unterrichtskonzept integriert werden. SOL kann somit als konkretes praktisch anwendbares Modell verstanden werden, welches die oben beschriebenen Ziele erfüllt. Es handelt sich hierbei auch nicht um ein rein wissenschaftliches Konzept, sondern setzt an der Schulrealität an. Schülerinnen und Schülern wird die Möglichkeit gegeben, sich schrittweise an die neue schülerzentrierte Unterrichtsform zu gewöhnen und nach und nach mehr Lernverantwortung zu übernehmen. Dabei befindet sich das selbstgesteuerte Lernen in einem Spannungsfeld zwischen autodidaktischem Lernen und dem Lernen nach einem festgelegten Bildungsangebot (siehe Abbildung 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Spannungsfeld des Selbstgesteuertes Lernen[17]

Selbstgesteuertes Lernen bedeutet nicht, dass die Lernenden sich in einem Zustand absoluter Autonomie befinden und den Lernprozess vollständig autonom gestalten können. Würde man alle möglichen Lernformen auf einer Geraden anordnen, deren Pole einerseits vollständige Autonomie beim Lernen kennzeichnet, der andere Pol die vollständige Fremdsteuerung, so würde man selbstgesteuerte Lernen eher in Richtung "Autonomie" verorten. Das selbstgesteuerte Lernen befindet sich "näher" an der (Lern-) Autonomie, als an einem Zustand der vollständigen Fremdbestimmung. Die Abbildung 2 soll dieses Bild verdeutlichen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Verortungsversuch des selbstgesteuerten Lernens[18]

Auch die Lehrkräfte können sich allmählich von ihrer traditionellen Rolle als den Unterricht dominierende Wissensvermittler in Richtung Lernberater verändern. Diese Veränderung ist das Ergebnis eines langwierigen Prozesses. Anfangs wird dieser Lernprozess noch durch eine starke Steuerung und klare Vorgaben bestimmt, erst später und durch stetige Anwendung entwickelt sich im Idealfall ein Regelkreis mit zunehmender Selbständigkeit und Selbstverantwortung bei den Schülerinnen und Schüler. Daher ist SOL ungeeignet als einmalige methodische Abwechslung. Wirksam wird es erst in der dauerhaften Anwendung und mit dem Ziel einer grundsätzlichen Umgestaltung des Unterrichts.[19]

2.4.2. Didaktisch-methodische Grundlagen

Als methodischer Einstieg in SOL eignet sich das Gruppenpuzzle, weil dabei der Wechsel zwischen Wissensverarbeitung in themengleichen Expertengruppen und der Wissensvermittlung in Stammgruppen stattfindet. Wichtig ist, dass das zu bearbeitende Thema in geeignete Unterthemen aufgeteilt werden kann.

Grundgedanke und Ziel dieser Methode liegt darin, ein komplexes Gesamtgefüge zunächst in gleichgewichtige Teilaspekte zu zerlegen, die arbeitsteilig in Kleingruppen, den sog. Expertengruppen, aufbereitet werden. Danach werden diese Teilaspekte in der Stammgruppe wieder zu einem Ganzen zusammengefügt. Die Methode des Gruppenpuzzles eignet sich deshalb immer dann, wenn sich ein Thema in "inhaltlich gleichwertige" Teile zerlegen lässt.

[...]


[1] vgl. LANG/ PÄTZOLD 2009

[2] vgl. BLK 2004, 5ff.; KMK 2001

[3] vgl. Pätzold 2008

[4] vgl. KONRAD/ TRAUB 1999, S. 23

[5] vgl. hierzu auch die Konzeption des BLK-Modellversuchsprogramms „Lebenslanges Lernen“, BLK 2003

[6] vgl. Pätzold, G. 2008

[7] vgl. Eberlein, W., Kaiser, H. 2009, S. 20

[8] vgl. ebenda

[9] Unterrichtsbeispiele für SOL findet man z.B. Herold, M., Landherr, B. 2005 oder Schmieg, C. 2006

[10] Hinweis: Bereits in den 1980er Jahren erfolgte die Ausrichtung auf Handlungsorientierung als Leitbild der Ausbildung. So wurde bereits 1986 in der Neuordnung der industriellen Metall- und Elektroberufe die Handlungskompetenz berücksichtigt. Aber erst mit der Reform des Berufsausbildungsgesetzes im Jahre 2005 wurde die Handlungsorientierung ausdrücklich in das Ziel der Berufsausbildung (§ 1) aufgenommen.

[11] vgl. Bovet, G.; Huwendiek, V. 2008, S. 59

[12] vgl. Dohmen, G. 1999 oder Klein, R. 2000

[13] vgl. Herold, M.; Landherr, B. (Hrsg.) 2005

[14] Aus der öffentlichen Benutzeranleitung, zu finden unter: http://docs.moodle.org/de/Was_ist_Moodle%3F

[15] Bovet; Huwendiek 2008, S. 539 ff.

[16] Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg 2003, S. 26

[17] Quelle: http://www.uni-ulm.de/LiLL/praesentationen/nkt-lill-senet.pdf

[18] Quelle: http://www.bag-metalltechnik.de/pages/HT2008/paetzold080312.pdf

[19] vgl. Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg 2003, S. 4

Details

Seiten
44
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640841660
ISBN (Buch)
9783640839971
Dateigröße
2.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v167543
Institution / Hochschule
Studienseminar für Lehrämter an Schulen Arnsberg
Note
2,3
Schlagworte
SOL selbstgesteuertes Lernen Unternehmensformen Lehramt Staatsexamen Hausarbeit Staatsarbeit Moodle

Autor

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Titel: Konzept zum selbstgesteuerten Lernen im Bildungsgang "Informationstechnische Assistenten FHR" durch den Einsatz der Lernplattform Moodle