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Ein multikulturelles Bildungssystem?

Multikulturalismus in der Bildungspolitik Kanadas

Hausarbeit 2009 21 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Sonstige Staaten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Multikulturalismus
2.1 Das ethnische Mosaik
2.2 Philosophie des Multikulturalismus
2.3 Multikulturalismus-Politik
2.4 Multikulturelle Leitthemen der Bildungspolitik

3. Das Bildungssystem
3.1 Organisation des Schulsystems
3.2 Lehrer-Professionalität
3.3 Steuerung des Schulsystems
3.4 Leistungstests
3.5 Integration von Schülern mit Migrationshintergrund
3.6 Beispiel: Firgrove Public School

4. Ein multikulturelles Schulsystem?

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Bevölkerungsentwicklung

Abbildung 2: Immigrantengruppen der letzten 20 Jahre

Abbildung 3: Das ethnische Mosaik

Abbildung 5: Das kanadische Schulsystem

Abbildung 6: Ausgaben für Bildungseinrichtungen als Prozentsatz des BIP

1. Einleitung

Es gibt keine andere vernünftige Erziehung, als Vorbild sein, wenn es nicht anders geht, ein abschreckendes.

- Albert Einstein (1879-1955)

Ziel dieser Arbeit ist es das Bildungssystem Kanadas in Bezug auf dessen multikulturellen Charakter hin zu untersuchen. Nachdem ein kurzer Überblick des Landes Kanada gegeben wird, ist als erstes der Multikulturalismus, dessen Heimatland Kanada sozusagen ist, zu diskutieren. Es folgt in einem zweiten Schritt die Diskussion über das kanadische Bildungssystem. Dabei sind Schüler mit Migrationsvergangenheit von größerer Bedeutung. Ein kurzes Beispiel einer Modellschule soll nicht fehlen, bevor zur abschließenden Diskussion übergegangen wird.

Kanada gilt als klassisches Einwanderungsland. Von 30 Millionen Einwohnern (Census 2001) sind 18,4 Prozent nicht in Kanada geboren.1 Dieser recht hohe Anteil an 'Ausländern' wird sich voraussichtlich weiter erhöhen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Bevölkerungsentwicklung2

Wie in Abbildung 1 zu erkennen ist, wird das Bevölkerungswachstum zwar insgesamt abnehmen, allerdings verschiebt sich das natürliche Wachstum stärker nach unten, während der Bevölkerungswachstum durch Migration zunimmt. Des Weiteren erhöht sich insbesondere der Anteil der sichtbaren Minderheiten. Während bis in den 1980er Jahren hauptsächlich Europäer und Lateinamerikaner einwanderten, so sind es seit den 1990er Jahren die Asiaten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Immigrantengruppen der letzten 20 Jahre3

Bei ansteigendem Ausländeranteil erscheint es als äußerst wichtig diese Gruppe gesellschaftlich zu integrieren. Das Bildungssystem als Ausgangspunkt für gesellschaftliche und auch marktwirtschaftliche Zukunftsgestaltung und Integration ist daher einer genaueren Betrachtung würdig. Aber zuerst sollte ein Blick auf die multikulturelle Geschichte und aktuelle Situation geworfen werden.

2. Der Multikulturalismus

Multum, non multi. - Viel, nicht vielerlei.

Kanada versteht sich seit 1971 als eine multikulturelle Gesellschaft. Beispiel der kanadischen multikulturellen Identität ist das Monument to Multiculturalism vor der Union Station in Toronto. Der Multikulturalismus von heute hat sich erst über einige Zeit entwickeln müssen, und ist eine Antwort auf die multiethnische Bevölkerungsstruktur des Landes.4

2.1 Das ethnische Mosaik

„Die multikulturelle Diversität ist in Kanada besonders stark ausgeprägt und blickt auf eine lange, bis ins 17. Jahrhundert zurückreichende Geschichte zurück.“5

Nach Rainer Geißler lassen sich vier Hauptgruppen der vielschichtigen Bevölkerungsstruktur Kanadas unterscheiden6:

- First Nations (Ureinwohner: Indianer, Inuit, Métis)
- Gründernationen (Anglo- und Frankokanadier)
- europäische Minderheiten
- sichtbare Minderheiten

Die First Nations bilden die kleinste dieser vier Hauptgruppen mit 1,9 bzw. 4,5 Prozent (siehe Tabelle) der Bevölkerung. Die dominierende Gruppe, was die reine Anzahl aber auch das politische Gewicht angeht, stellen die sog. Gründernationen der Anglo- und Frankokanadier dar. Eine weitere relativ große Gruppe sind die europäischen Minderheiten, welche in zwei Wellen ins Land geholt wurden, um bei der Kolonisierung des Westens zu helfen und die in der boomenden Wirtschaft nach dem 2. Weltkrieg gebraucht wurden. Eine relativ neue Gruppe stellen die sog. Sichtbaren Minderheiten dar. Seit 1967 gibt es gibt es ein Punktesystem, welches die Einwanderungserlaubnis an individueller Qualifikation bindet. Als Folge sind neben Schwarzen, Latein-Amerikanern und Arabern vor allem Asiaten eingewandert. In den letzten zehn bis 20 Jahren sind in erster Linie Chinesen zugezogen, insbesondere von Hongkong.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Das ethnische Mosaik7

2.2 Philosophie des Multikulturalismus

Das Konzept des Multikulturalismus wurde in Kanada in den 1960er Jahren entwickelt, welches 1971 sogar zur Staatsideologie avancierte. Es lassen sich sieben Grundprinzipien des kanadischen Multikulturalismus festhalten:8

Das Prinzipielles Ja zur ethno-kulturellen Verschiedenheit (diversity)

Die ethno-kulturelle Vielfalt wird nicht nur als Wirklichkeit der Gesellschaft angesehen, man ist außerdem der Auffassung, dass diese vorteilhaft und produktiv ist. Somit stellt diese eine Bereicherung der kanadischen Gesellschaft dar

Das Recht auf kulturelle Differenz

Jeder Mensch und jede Gruppe hat das Recht (aber nicht die Pflicht) ihre kulturellen Besonderheiten zu erhalten und zu pflegen.

Das Prinzip der kulturellen Gleichwertigkeit und gegenseitigen Toleranz

Alle ethno-kulturellen Gruppen sind gleich, dies führt auch zur gegenseitigen Toleranz. Dabei soll die Identifikation mit der Gesamtgesellschaft primär sein. Also ist ein Kanadier an erster Stelle Kanadier und dann erst Engländer, Deutscher oder Chinese. Es soll eine hierarchisch strukturierte Doppelidentität stattfinden.

Die Sicherheits-Kontakt-Hypothese

„Die Verankerung in der Eigengruppe fördert das Selbstbewusstsein und die psychische Sicherheit der Individuen und schafft so die Voraussetzungen für die Offenheit gegenüber anderen ethno-kulturellen Gruppen, die Toleranz und interethnischen Kontakte erst ermöglichen.“9

Die Einheit in Verschiedenheit (unity within diversity)

Dieser Punkt setzt die gemeinsamen Grundwerte und -regeln, welche vom Staat durch Gesetzte verankert sind. Die Gesamtgesellschaft hat Vorrang vor den Teilkulturen. Es findet eine selektive Bewahrung der Kultur statt, da nur die Teile der jeweiligen Kultur bewahrt werden dürfen, die nicht im Gegenspruch zu verbindlichen gemeinsamen Regeln und Werten stehen. Da die Kernwerte aus dem westlichen Europa stammen verwundert es nicht, dass die Grenzen der gleichberechtigten Verschiedenheit in der politischen Diskussion stehen.

[...]


1 Statistics Canada

2 Canada Yearbook 2007,377

3 Canada Yearbook 2007,195

4 Geißler, Rainer (2003): Multikulturalismus in Kanada - Modell für Deutschland? In: Aus Politik und Zeitgeschichte, B 26/2003. bpb, Bonn.19-20

5 Bundesministerium für Bildung und Forschung (Hg.) (2007): Vertiefender Vergleich ausgewählter PISA-Teilnehmerstaaten. 3. Aufl.; BMBF, Bonn/Berlin.

6 Geißler, Rainer (2003): Multikulturalismus in Kanada - Modell für Deutschland? In: Aus Politik und Zeitgeschichte, B 26/2003. bpb, Bonn.19-20

7 Quelle: Aus Politik und Zeitgeschichte. B 26/2003.20

8 Geißler, Rainer (2003): Multikulturalismus in Kanada - Modell für Deutschland? In: Aus Politik und Zeitgeschichte, B 26/2003. bpb, Bonn,20-22

9 Ebd.,21

Details

Seiten
21
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640841615
ISBN (Buch)
9783640839599
Dateigröße
891 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v167532
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Politikwissenschaft
Note
2,0
Schlagworte
bildungssystem multikulturalismus bildungspolitik kanadas

Autor

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