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Analyse des philosophischen Begriffs Emotion mit Hilfe eines Vergleiches der Texte von Sabine A. Döring und Holmer Steinfath

Hausarbeit 2010 23 Seiten

Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Über die Autoren Sabine A. Döring und Holmer Steinfath und deren Wertegänge
2.1 Sabine A. Döring
2.2 Holmer Steinfath

3. Gefühle bzw. Emotionen und ihre charakteristischen Merkmale
3.1 Dörings Definition von Emotionen
3.2 Steinfath im Vergleich zu Döring
3.3 Die Bedeutung der Motivation von Emotionen für normative Handlungsgründe in der internalistischen Theorie nach Döring

4. Die Bedeutung der affektiven und kognitiven Eigenschaftszuschreibung bei Steinfath und Döring
4.1 Definitionen von Affektivität bzw. Affekt und Kognitivismus
4.2 Dörings Verständnis von Affektivität in Bezug zum Kognitivismus
4.3 Steinfaths Affektivitäts- und Kognitivitätsverständnis
4.4 Zusammenfassender Vergleich Schlussfolgerung

5. Angemessenheit von Emotionen im Vergleich von Steinfath und Döring

6. Das Beziehungsverhältnis zwischen Werten und Emotionen
6.1 Dörings Gedanke zum Beziehungsverständnis von Werten und Emotionen
6.2 Die Werte nach Steinfath
6.3 Die Beziehung zwischen Werten und Emotionen nach Steinfath

7. Zusammenfassung

LITRATURVERZEICHNIS

1. Einleitung

Definieren lässt sich „[e]ine Emotion oder ein Gefühl [als] eine Erscheinungs- form eines geistigen Phänomens“.1lautet der erste Satz Richard Wollheims in seinem Buch „Emotionen. Eine Philosophie der Gefühle“. Er merkt dabei an, dass von dem Begriff „Gefühl“ in seinem Text nicht weiter Gebrauch gemacht wird, sondern nur der Begriff „Emotion“ Verwendung findet. Er begründet dies damit, dass dadurch die Begriffe „Empfindung“ und „Sinneswahrnehmung“ deutlicher abgegrenzt werden.2 Zum anderen werden die beiden Begriffe „Emo- tion“ und „Gefühl“ aber auch in der deutschen Alltagssprache synonym verwen- det, was ebenfalls in den Texten von Sabine A. Döring und Holmer Steinfath der Fall ist.3 Dies war mir zuerst unklar, denn meine Einstellung war es, bevor ich die Texte gelesen hatte, dass sich prinzipiell Unterscheidungsmerkmale zwischen Gefühl und Emotion finden lassen. Ich werde mich aber natürlich dem Verständnis der gleichen Bedeutung anschließen und in meiner Hausarbeit nur noch den Emotionsbegriff verwenden.

Die Philosophie setzt sich immer wieder intensiv mit dem Thema der Emotionen auseinander. Viele Philosophen haben Werke zu diesem Thema veröffentlicht und demzufolge enthält die Literatur auch die unterschiedlichsten Definitionen dieses Begriffs.

Ich möchte mich in meiner Hausarbeit zwei Begriffsverständnissen von Emoti- onen nähern und diese vergleichen. Einerseits dient mir der Text von Sabine A. Döring „Können Gefühle Gründe sein?“ als Grundlage, andererseits werde ich mich mit dem Text von Holmer Steinfath „Emotionen, Werte und Moral“ ausei- nandersetzen.

Zu Beginn möchte ich erst einmal kurz ein paar Sätze über die beiden Autoren Sabina A. Döring und Holmer Steinfath verlieren. Anschließend, um auf das eigentliche Thema einzugehen, soll geklärt werden, was Emotionen sind, was diese für die beiden Autoren darstellen. Folgend werden die jeweiligen Eigen- schaftszuschreibungen analysiert und miteinander verglichen. Im fünften Ab- schnitt werden die Ansichten zur Angemessenheit von Emotionen thematisiert. Dabei findet wieder ein Vergleich von Dörings und Steinfaths Auffassungen statt. Und zum Schluss soll es noch um die Beziehung zwischen Werten und Emotionen gehen, die abermals unter beiden Gesichtspunkten betrachtet wird. Anhand der verschiedenen Ansätze, die die Philosophie bietet, besteht die Möglichkeit, dass es sich um zwei völlig verschiedene Begriffsverständnisse von Emotionen handelt. Inwieweit sich diese beiden Autoren einig sind oder zwei völlig verschiedene Wege einschlagen und welche Ansätze sie jeweils als Grundlage haben, gilt es herauszufinden.

2. Über die Autoren Sabine A. Döring und Holmer Steinfath und deren Werte- gänge

Bevor ich die Texte der beiden Professoren Sabine A. Döring und Holmer Steinfath interpretiere, möchte ich kurz ein paar Sätze über sie schreiben.

2.1 Sabine A. Döring

Sabine A. Döring ist Professorin für Philosophie mit dem Schwerpunkt Prakti- sche Philosophie an der Eberhard-Karls-Universität in Tübingen. Sabine Döring studierte an der Universität Göttingen deutsche Literatur, Lingu- istik, Psychologie und Philosophie. Vor ihrem Ruf nach Tübingen arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin für Philosophie an der Londoner King’s Col- lege und an der University of Manchester und vor diesem als Assistenzprofes- sorin an der Universität Duisburg-Essen. Außerdem stellte sie Forschungen in Projekten an der UC Berkeley und St. Andrews University an. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Ästhetik, (Meta-) Ethik wie auch Theorie der praktischen Vernunft. Ihren Schwerpunkt legt sie hierbei auf Emotionen. Sie stellt die Frage, welche Rolle Emotionen in der Theorie der Werte spielen. Sie interessiert sich ebenfalls für die Philosophie des Geistes und für die sozialwis- senschaftliche Philosophie, insbesondere die ökonomische Philosophie.4 Ihre Publikationen sind vielreich.schrieb sie unter anderem in dem Buch „Rationale Motivation“ von Erich Ammereller und Wilhelm Vossenkuhl von 2005 über das Thema „Können Gefühle Gründe sein?“, mit welchem ich mich in die- ser Hausarbeit näher befassen möchte.

2.2 Holmer Steinfath

Holmer Steinfath, geboren 1961, promovierte 1988 an der FU Berlin. Seine Arbeit ging über „die Substanztheorie des Aristoteles“. Nach Lehraufträgen an der Freien Universität Berlin und der Aufnahme eines rechtswissenschaftlichen Studiums von 1994-2000 war Steinfath wissenschaftlicher Assistent an der Uni- versität Konstanz. 2000 habilitierte er mit einer Arbeit „Orientierung am Guten. Praktisches Überlegen und die Konstitution von Personen“. Von 2000 bis 2002 war er dann Hochschuldozent in Konstanz und von 2001 bis 2002 Lehrstuhlver- treter an der Georg-August-Universität Göttingen. 2002 wurde Steinfath dann Professor für Praktische Philosophie an der RWTH Aachen und 2002 bis 2006 Professor für Philosophie an der Universität in Regensburg. Seit dem Sommer- semester 2006 ist Holmer Steinfath nun Professor für Philosophie an der Georg-August-Universität Göttingen.5

Auch von Herrn Steinfath gibt es viele Veröffentlichungen. Unter anderem schrieb er über „Emotionen, Werte und Moral" in dem Sammelband von Sabine

A. Döring und Verena Mayer als Herausgeber „Die Moralität der Gefühle“.

Auch auf diesen Text werde ich mich, im Vergleich zu dem Text von Döring, beziehen.

3. Gefühle bzw. Emotionen und ihre charakteristischen Merkmale

Bevor ich auf die Charaktere des Begriffs „Emotion“ nach Sabine A. Döring und Holmer Steinfath eingehe, möchte ich ihn mit Hilfe eines allgemeinen Philosophielexikons definieren.

Im Metzler Lexikon Philosophie von Peter Prechtl und Franz-Peter Burkard ist anstelle des Emotionsbegriffes nur der Gefühlsbegriff zu finden. Darin heißt es, dass der Gefühlsbegriff häufig sehr unspezifisch verwendet wird. Von einer weitgefassten Bedeutung her fallen unter diesen Begriff seelische und körperli- che Empfindungen. Gefühle sind immer subjektiv. Das bedeutet, sie sind nie wahr oder falsch, sonder maximal angemessen oder unangemessen. Geht man von einem enger gefassten Bedeutungsumfang aus, so werden Gefühle im psychologischen Sprachgebrauch als Ich-Zustände verstanden. Diese werden häufig über drei Qualitäten bestimmt: Lust - Unlust, Spannung - Lösung und Erregung - Beruhigung (Intensität). Allerdings lassen sich nicht alle Gefühle in diesen genannten Dimensionen fassen. Gefühle sind universal. Das bedeutet, dass sie nicht an bestimmte Sinnesorgane gebunden sind. Nur im Körper kön- nen sich Gefühle ausdrücken und sie differenzieren sich nach diesem engeren Verständnis hierin von den körperlichen Empfindungen. In der Ästhetik kann unter Gefühlen auch das subjektive Empfinden von Schönem, das ästhetische Bewusstsein verstanden werden. Dann bedeutet Gefühl die fühlende Weltver- gegenwärtigung und dem Gefühl wird sinnliche Erkenntnis zugesprochen. Die Kriterien der Subjektivität und Undeutlichkeit kommen dem gefühlsbedingten Geschmacksurteil zu.6

3.1 Dörings Definition von Emotionen

Sabine A. Döring, Vertreterin der praktischen Rationalität, stellt keine großartige Unterscheidung zwischen Gefühl und Emotion auf und bezeichnet sie deshalb als vergleichbar. Sie spricht Emotionen lediglich mehr Genauigkeit als Gefühlen zu. Döring definiert Emotionen folgendermaßen: "Emotionen sind affektive Wahrnehmungen, die nicht-inferentiell Überzeugungen (beliefs) und, auf dem Weg über diese, Handlungen rechtfertigen können."7 Im ersten Teil des Satzes, in dem sie sagt, dass Emotionen affektive Wahrnehmungen sind, spricht sie von allgemeinen Empfindungs- und Gefühlszuständen der Seele, welche wahr- genommen werden. Der zweite charakterisierende Teil der Emotionsdefinition gibt zu verstehen, dass diese Wahrnehmungen zwar mit Überzeugungen und deren folgenden Handlungen gerechtfertigt werden können, diese aber wiede- rum nicht auf Schlussfolgerungen beruhen. Als Voraussetzung, dass Gefühle Handlungen rechtfertigen, müssen Korrektheitsbedingungen erfüllt sein, wie sie im ersten Absatz ihres Textes zu verstehen gibt: „Dies setzt voraus, daß Gefüh- le Korrektheitsbedingungen unterliegen […]“8 Nach Döring ist darunter zu ver- stehen, dass Gefühle einen intentionalen und repräsentationalen Inhalt haben. Das heißt, dass der Inhalt der Emotionen auf ein Objekt gerichtet ist und sich als tatsächlich bestehend repräsentiert.9 Als weiteres charakterisierendes Merkmal von Emotionen nennt die Autorin noch die motivierende Kraft, die ih- nen aufgrund ihrer Affektivität zugrunde liegt: „Kraft ihrer Affektivität haben Emotionen zugleich motivierende Kraft, die sich im Fall einer emotional gerecht- fertigten Überzeugung notwendig auf die Überzeugung überträgt.“10 Das bedeu- tet, dass sich nach Meinung der Autorin diese motivierende Kraft sogar auf die Überzeugung überträgt, wenn sie emotional gerechtfertigt ist. Dass diese Über- tragung geleistet werden kann, beruht auf der Rechtfertigungsbeziehung zwi- schen dem Inhalt der Emotion und dem Inhalt der Überzeugung.11

3.2 Steinfath im Vergleich zu Döring

Holmer Steinfath „[…] betrachte[t] Phänomene wie Furcht, Zorn, Scham, Ab- scheu, Freude, Trauer, Empörung, Bewunderung und Neid als typische Emoti- onen.“12 Unter der Annahme, dass Emotionen aktuale Zustände oder Einstel- lungen sind, nennt er zwei charakteristische Merkmale. Als erstes Merkmal führt er an, dass Emotionen Qualia bzw. wesentlich damit verknüpft sind.13 Anders ausgedrückt bedeutet das, dass Emotionen wesentliches Merkmal einiger men- taler Phänomene, und zwar der Empfindungs- und Gefühlszustände, sind, qua- si subjektive Erlebnisqualitäten darstellen.14 Er bezeichnet die Empfindungssei- te von Emotionen als ihre Affektivität. Das bedeutet, dass er durch die Zu- schreibung einer affektiven Empfindungsseite auf Emotionen der Definition von Döring gleich kommt. Zwar steht die Aussage von Steinfath, dass Emotionen einen repräsentationale Gehalt haben ebenso im Einklang mit der Auffassung Dörings, jedoch begründet sich diese meines Erachtens aus unterschiedlichen Herangehensweisen. Bei Döring ergibt sich diese Auffassung aus dem Grund, dass Emotionen Überzeugungen und folglich Handlungen rechtfertigen kön- nen. Dabei nennt sie den repräsentationalen Inhalt von Emotionen als Voraus- setzung für solch eine Rechtfertigung.15 Im Gegensatz dazu besitzen nach Steinfath Emotionen einen repräsentationalen Gehalt aufgrund der Auffassung, dass Emotionen kognitive Implikationen haben.16 Der Fakt, dass bei Steinfath Implikationen ins Spiel kommen, weist in meinen Augen einen Unterschied zu Döring auf, weil Döring Schlussfolgerungen im Zusammenhang mit Emotionen ausschließt und Implikationen in meinem Verständnis Schlussfolgerungen sind. Als weiteren Unterschied wäre zu nennen, dass Döring die Motivation als Merkmal von Emotionen besonders hervorhebt. „Kraft ihrer Affektivität haben Emotionen zugleich motivierende Kraft, die sich im Fall einer emotional gerecht- fertigten Überzeugung überträgt.“17 Steinfath misst der motivationalen Seite von Emotionen keine besondere Bedeutung zu. Er legt seinen Schwerpunkt für die Charakterisierung von Emotionen auf die kognitiv-affektiven Strukturen.

Gemeinsamkeiten bei den beiden Autoren lassen sich dahingehend finden, dass sie besonders auf die kognitiv- affektiven Eigenschaften von Emotionen eingehen. Doch bevor auf diese näher eingegangen wird, soll an dieser Stelle Dörings Hervorheben der Motivation thematisiert werden.

3.3 Die Bedeutung der Motivation von Emotionen für normative Handlungs- gründe in der internalistischen Theorie nach Döring

An dieser Stelle kann kein Vergleich angeführt werden, da Steinfath zwar sagt, dass Emotionen eine motivationale Seite haben, ihnen aber keine großartige Bedeutung beimisst.18 Aus diesem Grund enthält dieser Abschnitt ausschließ- lich Äußerungen von Döring über die Bedeutung der Motivation in Bezug auf Handlungen.

Sabine A. Döring, Vertreterin des Internalismus, klärt vorerst die Bedeutung der Motivation für jegliche Handlungen. Sie ist der Meinung, dass es unsinnig ist, normative Handlungsgründe einzufordern, wenn die Person diese gar nicht ver- innerlicht hat.kann beispielsweise von einem Menschen mit geringem Intel- lekt nicht erwartet werden, dass er sich stets Norm gerecht verhält, wenn er diese nicht verinnerlicht hat.

[...]


1 Wollheim 2001,15

2 vgl. ebd.

3 vgl. Völz 2002,1

4 vgl. Döring

5 vgl. Steinfath

6 vgl. Prechtl; Burkard 2008,197

7 Döring 2005,184

8 ebd.

9 vgl. ebd., S.192

10 ebd.,184

11 vgl. ebd.,185

12 Steinfath 2002,106

13 vgl. ebd.

14 vgl. Prechtl; Burkard 2008,497

15 vgl. Döring 2005,184

16 vgl. Steinfath 2002, S.106

17 Döring 2005,184

18 vgl. Steinfath 2002,107

Details

Seiten
23
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640841608
ISBN (Buch)
9783640839926
Dateigröße
445 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v167527
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden
Note
1
Schlagworte
Werte Theorien und Begriffsanalysen Analyse des Begriffs Emotion Sabine A. Döring Holmer Steinfath

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Titel: Analyse des philosophischen Begriffs Emotion mit Hilfe eines Vergleiches der Texte von Sabine A. Döring und Holmer Steinfath