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Robert Siodmak - Vom kleinen Schauspieler zum großen Regisseur

Seminararbeit 1999 9 Seiten

Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen

Leseprobe

Biographie:

Am 08.08 1900 wird Robert Siodmak in Dresden geboren. Eigenen1, falschen Angaben zufolge kommt er in Tennesse in den USA zur Welt. Tatsache dagegen ist, daß sein Vater in die Vereinigten Staaten ausgewandert war, dort als Kaufmann zu etwas Geld kam und 1899 als amerikanischer Staatsbürger nach Deutschland zurückging. Der Familienname Siodmak stammt aus dem galizischen Krakau (Polen)2. Robert Siodmak ist der Älteste der sogenannten „Siodmak Bros.“, bestehend aus den vier Brüdern Robert, Kurt (später Curt), Werner und Rolf.

Seine Schulzeit verbringt Robert Siodmak im Internat in Bad Koesen und danach an einem Gymnasium in Dresden. Währenddessen arbeitet er in kleineren Rollen am Staatlichen Schauspielhaus Dresden und nimmt Schauspielunterricht. Mit 18 Jahren verläßt er das Elternhaus und zieht mit einer Wanderbühne durch Norddeutschland.

1921 wird er Buchhalter bei verschiedenen Dresdner Banken, muß diesen Beruf aber kurz darauf infolge der aufkommenden Inflation wieder aufgeben. Drei Jahre später, 1924, gibt Robert als sein eigener Verleger die Illustrierte „Das Magazin“ heraus, deren Existenz allerdings nicht besonders lange währt. Im Jahr darauf kommt er dann erstmals mit dem Metier Film in Berührung, als er als Übersetzer von Zwischentiteln sein Geld verdient.

Von 1927 bis 1928 schließlich beginnt Robert Siodmak seine Karriere im Filmgeschäft. In dieser Zeit arbeitet er als Cutter bei Harry Piel und erstellt Schnittversionen von älteren Filmen. Daraufhin ist er als Assistent der Regisseure Kurt Bernhardt und Alfred Link in der Film-Firma „Nero-Film“ unter der Leitung seines Onkels Heinrich Nebenzahl tätig.

1929 führt Robert Siodmak dann die Co-Regie in dem Film MENSCHEN AM SONNTAG. Mit diesem soll ihm denn dann auch der große Durchbruch gelingen. So verkündet beispielsweise die Vossische Zeitung am 5.2.1930 „Der beste deutsche Spielfilm“. „Auf keiner der vielen Bestenlisten der Filmgeschichte fehlt er, bereits zu Lebzeiten Siodmaks war er zum Mythos geworden.“3 Robert Siodmaks weitere Zukunft findet einen ersten Ausdruck in der Frage des Kritikers Hanns G. Lustig in Tempo vom 5.2.1930: „Wird die Industrie diese höchst produktiven Studioleute unbeachtet lassen?“. Nicht umsonst wird hier von mehreren Personen gesprochen, denn an diesem Projekt arbeiteten auch spätere Berühmtheiten wie Billy Wilder (Buch), Edgar G. Ulmer (Regie) und Fred Zinnemann (Kamera) mit. Erstes Ergebnis dieses Erfolges ist die Anstellung als Regisseur bei der „Ufa“. Hier trifft der introvertierte und nicht immer ganz einfache Charakter auf sich immer mehr steigernden Widerstand gegen seine Arbeit. Sein Aufgabenfeld bei der „Ufa“ umfaßt dementsprechend auch „banalere“ Gebiete wie etwa die Wochenschau. Beachtenswert dabei ist, daß Robert Siodmak keinerlei Probleme mit der Umstellung auf die Tonfilmarbeit hat. Mit der Arbeit an Konfektionsware allerdings will man ihn zurechtbiegen und schließlich nimmt man ihn von der Arbeit am Projekt F.P.I. ANTWORTET NICHT nach dem Buch seines Bruders Kurt zurück. Letztendlich entschließt sich Robert Siodmak, die „Ufa“ zu verlassen.

Seine Tätigkeit beim Film setzt er dann 1932/33 bei „Tonal-Film“ und „Deutsche Universal“ fort. Bei der „Tonal-Film“ dreht Robert Siodmak 1932 dann auch seinen letzten Film vor seiner Flucht aus Deutschland. Er verfilmt dabei die Novelle BRENNENDES GEHEIMNIS von Stefan Zweig. Dieser Streifen kommt zwar noch in die deutschen Kinos (20.3.1933), wird aber wenig später von den regierenden Nationalsozialisten zurückgenommen. Kurioserweise fällt diese Zensur genau mit dem Brand des Berliner Reichstagsgebäudes zusammen. Einen Monat darauf beginnt für Robert Siodmak und seine (Noch-)Lebensgefährtin Bertha Odenheimer die lange Zeit des Exils, als er im April 1933 nach Paris geht. Hier ehelicht er auch im Jahr darauf seine Partnerin.

Zu etwa diesem Zeitpunkt trennt sich auch die Gruppe der sogenannten Siodmak Bros., denn Curt (Kurt) geht nach London, Werner nach Palästina und der Jüngste begeht Selbstmord.

In Frankreich arbeitet Robert Siodmak bei der wieder erstarkten „Nero-Film“ unter der Leitung seines Vetters Seymour Nebenzahl. Nach zwei mittelmäßigen Filmen kommt die Katastrophe mit dem Streifen LA VIE PARISIENNE, der Anfang 1936 in den Kinos völlig floppt und die Entzweiung der beiden Cousins zur Folge hat.

Erst 1937 schafft Robert Siodmak mit MOLLENARD (Kameramann ist Eugen Sch ü fftan) den künstlerischen Durchbruch und erhält glänzende Kritiken - Films in Review: „Siodmaks bester Film bis zu diesem Zeitpunkt“4.

Mit PIEGES (1939) für „Spèva-Film“ erreicht er erstmals die Stilrichtung des späteren Film Noir und beweist damit sein hohes künstlerisches Niveau sowie seine Publikumswirksamkeit.

Dies ist zugleich sein letzter Film in Europa bevor Robert Siodmak, vielleicht in weiser Vorahnung, einen Tag vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges ein Schiff nach Amerika besteigt.

Dort arbeitet er zunächst für „Paramount“ von 1940 bis 1943, wird allerdings teilweise auch bei „20th Century-Fox“ und „Republic“ tätig. Hier dreht Robert Siodmak auch seinen besten B-Movie SOMEONE TO REMEMBER. Über seinen schon eher nach Amerika gegangenen Bruder Curt (Kurt) bekommt Robert Siodmak Kontakt zu „Universal“ und unterschreibt dort 1943 einen Sieben- Jahres-Vertrag. Im Auftrag dieser Gesellschaft entstehen seine angesehensten Filme des Film Noir wie PHANTOM LADY, THE DARK MIRROR oder THE KILLERS sowie sein erster Farbfilm COBRA WOMAN. Bei „Universal“ gedeiht Robert Siodmak bis zum Ende seines Vertrages 1950 zum Spitzenregisseur. Parallel hierzu hat er auch Projekte bei anderen Gesellschaften u.a. „RKO“ (1945), „20th Century-Fox“ (1948), „Metro-Goldwyn-Mayer“ (1949), „Paramount“ (1949) und „Columbia“ (1950).

Schließlich kehrt Robert Siodmak 1951 nach Europa zurück und dreht 1953 in einer französisch-italienischen Co-Produktion von „Spèva-Film“ und „Rizzoli-Film“ seinen ersten Film auf europäischem Boden.

1954 endlich kommt Robert Siodmak wieder nach Deutschland und arbeitet unter Arthur Brauner bei „CCC“ von 1954-1956. Dort entsteht 1955 eine Adaption des Gerhart Hauptmann-Klassikers DIE RATTEN, einer seiner besten Filme nach seiner Rückkehr.

1957/58 dreht Robert Siodmak in Eigenproduktion für „Divina“ zwei Streifen, darunter NACHTS, WENN DER TEUFEL KAM für den er 10 Bundesfilmpreise erhielt und in Hollywood für den Oscar als besten ausländischen Film nominiert wurde.

[...]


1 „Robert Siodmak - Zwischen Berlin und Hollywood“ hsg. von Hans C. Blumenberg, München 1980 S. 20

2 „Robert Siodmak...“ a.a.O. S. 20

3 Karl Pr ü mm „Berliner Geschichten“ in: ´Universeller Erzähler. Realist des Unmittelbaren´ hsg von Wolfgang Jacobsen und Hans Helmut Prinzler (Auszug im Internet unter www.kinemathek.de/index)

4 „Robert Siodmak...“ a.a.O. S. 263

Details

Seiten
9
Jahr
1999
ISBN (eBook)
9783640838110
ISBN (Buch)
9783640838622
Dateigröße
387 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v167333
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
2
Schlagworte
Robert Siodmak Nationalsozialismus Medien Film Filmwissenschaft Medienwissenschaft Verfolgung Biographie Filmographie

Autor

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