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Der Zusammenhang von Korruption und Internationalisierungsentscheidungen

Hausarbeit 2009 21 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einführung

2 Theoretische Betrachtung der Wirkungsweise von Korruption
2.1 Wettbewerbsverzerrung und Ineffizienzen durch Korruption
2.2 Korruption und Wachstum

3 Empirische Befunde zum Zusammenhang zwischen Korruption und Internationalisierungsentscheidungen
3.1 Messung von Korruption
3.2 Korruption und Investitionen
3.3 Korruption und Wachstum

4 Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Übersicht der theoretischen und empirischen Erkenntnisse

Tabelle 2: Ausschnitt des CPI index 2008 der 20 ersten und letzten Länder

1 Einführung

Korruption ist in Deutschland, zumindest aus Sicht der Korruptionsexperten Britta Bannenberg und Wolfgang Schaupensteiner eine „Wachstumsbranche“. [1] In den letzten Jahren ist die Berichterstattung über Korruptionsskandale und Maßnahmen zur Korruptionseindämmung in den Medien stark angewachsen. Das Ausmaß und die Bedeutung der grenzüberschreitenden Korruption scheinen in der Vergangenheit wohl unterschätzt worden zu sein, wie unter anderem die in ihrer Tragweite noch immer nicht abschätzbare Korruptionsaffäre des größten europäischen Technologieunternehemens Siemens aufzeigt. Über eine Milliarde Euro an Bestechungsgeldern sollen unterschiedliche Sparten des Siemenskonzerns in den vergangenen Jahren zur Erlangung von Aufträgen im internationalen Geschäftsverkehr gezahlt haben.[2]

Das allgemeine Thema der Korruption in der Ökonomie sowie im öffentlichen Sektor wurde in zahlreichen Arbeiten behandelt. Aus der internationalen ökonomischen Perspektive wurde der Einfluss von Korruption jedoch bis jetzt nur spärlich aufgearbeitet. [3] Von internationale Organisationen wie der UN sowie von vielen Regierungen wird Korruption als the „abuse of public power for private benefit“[4] definiert. Eine gesetzliche sowie eine Definition im Strafgesetzbuch existiert jedoch nicht.

Für diese Arbeit möchte ich mich auf den Tatbestand der Bestechung im öffentlichen Sektor im Ausland beschränken.

In der themenspezifischen Diskussion überwiegt die Meinung, dass es ein negativer Zusammenhang zwischen Korruption und sowohl Investitionen, als auch Wachstum besteht, da laut einschlägiger Expertenmeinung Korruption die Unsicherheit von Auslands- investitionen erhöht, die Transaktionskosten steigert sowie zu Wettbewerbsverzerrungen führt.[5]

Korruption wird überwiegend durch die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes bedingt.[6] In Ländern, in denen der Verwaltungsapparat ein großes Ausmaß an willkürlicher Macht besitzt sowie Gesetzte und Prozesse intransparenter gestaltet sind, ist Korruption meist weit verbreitet.[7] Des Weiteren verstärken Einkommensungleichheiten und ökonomische Missstände Korruption.[8] Insgesamt behindert Korruption die Entwicklung eines fairen und effizienten Marktes.[9] Durch die Globalisierung haben aktuell die Geschäftsverbindungen zwischen Ländern mit geringem Korruptionsniveau und Ländern, in denen Korruption vorherrschend ist stark, zugenommen.[10]

In Bezug auf Internationalisierungsentscheidungen beschränkt sich diese Arbeit auf die ausländischen Direktinvestitionen (FDI) von Unternehmen. Diese werden vom Internationalen Währungsfond (IMF) und der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) wie folgt definiert:

„Foreign direct investment reflects the objective of obtaining a lasting interest by a resident entity in one economy (‘‘direct investor’’) in an entity resident in an economy other than that of the investor (‘‘direct investment enterprise’’). The lasting interest implies the existence of a long-term relationship between the direct investor and the enterprise and a significant degree of influence on the management of the enterprise. Direct investment involves both the initial transaction between the two entities and all subsequent capital transactions between them and among affiliated enterprises, both incorporated and unincorporated.“[11]

Das Ziel dieser Arbeit ist eine Analyse des Einflusses von Korruption auf Internationalisierungsentscheidung, die verdeutlichen wird, wie wichtig eine Beachtung des Korruptionsaspekts bei ausländischen Dirketinvestitionen ist.

Die Arbeit ist wie folgt aufgebaut. In Kapitel 2 werden zunächst theoretische Überlegungen einiger Autoren dargestellt. Die empirische Relevanz dieser Beiträge wird dann in Kapiteln 3 aufgezeigt. Kapitel 4 fasst zusammen und zieht ein Fazit.

2 Theoretische Betrachtung der Wirkungsweise von Korruption

In der theoretischen Betrachtung des Zusammenhanges zwischen Korruption und Inter- nationalisierungsentscheidungen greifen viele Studien auf das OLI-Modell von John Dunning zurück. Das OLI Modell analysiert den Erfolg von strategischen Auslandsinvestitionen anhand der Kategorien Eigentum, Internalisierung und Standort.[12] Durch die Erschließung von firm-spezifischen Ressourcen und Fähigkeiten sowie durch die Reduktion von Transaktionskosten entstehen Eigentums- und Internalisierungsvorteile. Die Standortwahl wird durch die Suche nach Märkten, Ressourcen, Effizienzen und strategischen Anlagen bedingt. Korruption wird in die Beschreibung der Attraktivität eines Standorts miteinbezogen, hat jedoch auch, wie später genauer erläutert, einen Einfluss auf die Transaktionskosten und somit auf die anderen zwei oben genannten Faktoren.[13] Fußend auf dem OLI Modell wurde von unterschiedlichen Autoren der Einfluss von Korruption auf ausländische Direktinvestitionen genauer analysiert. Die daraus entstandenen Annahmen wurden im Folgenden zusammengetragen.

2.1 Wettbewerbsverzerrung und Ineffizienzen durch Korruption

Leff, einer der wenigen Autoren, der einen positiven Einfluss in der Korruption sieht, stellt die Behauptung auf, dass die durch die Starrheit des Veraltungsapparates behinderten Investitionen und Wachstumsentscheidungen durch Korruption effizienter gestaltet werden können. Leff bezeichnet die gezahlten Bestechungsgelder als so genanntes „Speed Money“. Er argumentieren weiter, dass, indem es Unternehmen möglich sei durch Korruption Einfluss auf Entscheidungsträger auszuüben, Unsicherheit verringert werde. Somit „ölt“ Korruption die Marktmechanismen und macht Investitionen für Unternehmen unter Umständen attraktiver. Daraus wäre zu folgern, dass Korruption die Transaktionskosten mindert, indem zum Bespiel durch Bestechungsgelder der Zeitaufwand für Verhandlungen reduziert wird.[14] Laut Lui, ist die Wertschätzung der Zeit abhängig vom Einkommenslevel und der individuellen Opportunitätskosten. Die Firmen, die einen großen Wert auf Zeiteffizienz legen, seien bereit höhere Bestechungsgelder zu zahlen, um schneller zu einer Entscheidung zu kommen. Bei Vergabeverfahren würde Bestechung dazu führen, dass die Projekte an die effizientesten Firmen abgegeben werden. Somit fördere Korruption Allokations-Effizienz.[15] Rose-Ackerman ist im Gegensatz zu Leff der Meinung, dass gerade Korruption erst zu Unsicherheit in der Wirtschaftsumgebung führe und kein Mittel gegen die bestehende Unsicherheit sei. [16]

Die Ineffizienz des Verwaltungsapparates, so Bardhan, würde teilweise von Beamten vorsätzlich geschaffen werden, um weitere Möglichkeiten für die Abschöpfung des „Speed Moneys“ zu schaffen. So verstärkt das „Speed Money“, welches manche Unternehmen als Lösung sehen, um schneller an Ihr Ziel zu gelangen, die gesamte Verwaltungsbürokratie.[17] Daniel Kaufmann und Shang-Jin Wei [18] sowie Vito Tanzi [19] begegnen diesen positiven Meinungen über Korruption mit dem Argument, dass sich die angeblichen positiven Effekte durch den Zeitaufwand, der mit Bestechung verbunden ist nicht materialisieren würden. Der zusätzliche Zeitaufwand, bedingt durch die Verhandlungen sowie das Sicherstellen der Geheimhaltung und durch die Überwachung der Leistung versprochener Unterschriften und Genehmigungen würde den nach Leff durch Bestechung eingesparten Aufwand weit übersteigen. Die Transaktionskosten würden somit insgesamt durch Korruption ansteigen. In einer weiteren Arbeit vergleicht Shang-Jin Wei den Einfluss von Korruption mit den Folgen von Steuern. Beide Faktoren hätten, so Wei, einen signifikant negativen Einfluss auf den Zufluss von ausländischen Direktinvestitionen. [20]

Mohsin Habib und Leon Zurawicki unterstreichen, dass durch Korruption der Marktzugang nicht für alle Wettbewerber gleich zugänglich sei. Die Haupteinflussgrößen der offenen Marktwirtschaft - Preis und Qualität - verlieren durch die Möglichkeit bzw. die Nötigkeit der Bestechung an Bedeutung. Da die Bestechungsgelder keinen Marktgegenwert haben, erhöhen sie die Kosten der Güter im Vergleich zum freien Wettbewerb. Außerdem wirke Korruption auf viele Unternehmen abschreckend und eine Investition an diesem Standort weniger attraktiv, was wiederum andere zu ihrem Vorteil nutzen. Moralisch richtig agierende Firmen sind so im Wettbewerb benachteiligt. [21]

Einen Vergleich mit Besteuerung stellten bereits Shleifer and Vishny an. Sie sind der Ansicht, dass die Anstrengung, die mit der Geheimhaltung und der möglichen Bestrafung durch Bestechungshandlung entsteht neben den ursprünglichen Zahlungen eine zusätzliche finanzielle Belastung darstelle.[22]

Peter Rodriguez, Klaus Uhlenbruck und Lorraine Eden stimmen der ablehnenden Haltung gegen Korruption auf langfristige Sicht zu. Jedoch merken sie an, dass es nötig sei Korruption, zweidimensional zu betrachten. Nur so wäre es Unternehmen möglich ist, die Herausforderungen, die sich ihnen durch Korruption stellen, zu verstehen und ihre Vorgehensweise bei ausländischen Direktinvestitionen dahingehend anzupassen. Tritt Korruption willkürlich im Verwaltungswesen auf, stimmen sie zu, dass dies die Unsicherheit erhöht.[23] Laut Yiu und Makino treffen Unternehmen die Wahl der Markteintrittsstrategie auf Basis der Transaktionskosten. Um der willkürlichen Korruption entgegenzutreten und die Transaktionskosten zu minimieren, so Yiu und Makino, arbeiten Unternehmen stärker mit lokalen Partnern zusammen. Wenn der Staat nicht den Schutz der Eigentumsrechte gewährleistet, behelfen sich die Unternehmen, indem sie soziale Netzwerke aufbauen, die diese Aufgabe des Staates weitestgehend ersetzen.[24]

Herrscht jedoch eine systematische Korruption, wird der Verwaltungsapparat als weniger komplex von den Firmen wahrgenommen wird, die Unsicherheit ist geringer. Auf kurze Sicht kommt in diesem Fall dem Unternehmen die Möglichkeit der Bestechung zugute, um die typischen Herausforderungen des Markteintritts zu überwinden und nach dem Eintritt auftretende operative und strategische Probleme schneller zu lösen. Laut Boddewyn und Brewer kann ein Unternehmen somit durch Beteiligung an lokaler Korruption einen Wettbewerbsvorteil erzielen. [25] In diesem Konvex führt Suchmann an, dass die Vielfältigkeit an Umgebungen Unternehmen die Möglichkeit biete, unter den korrupten Gebieten den Standort auszuwählen, welcher ihren Motiven und Anforderungen bei einer Investition entgegenkomme und ihnen somit am attraktivsten erscheine. [26]

Wenn beide Formen der Korruption in einem Land vorherrschen, die willkürliche sowie die systematische, dominiert, laut Rodriguez, Uhlenbruck und Eden der Einfluss der willkürlichen Korruption bei der Wahl der Markteintrittsstrategie. Auch wenn die Unternehmen die Vorteile der systematischen Korruption vollkommen internalisieren können, so reduzieren die aus der Willkürlichkeit resultierenden Unsicherheiten die Wahrscheinlichkeit, diese Vorteile effektiv ausnutzen zu können. [27]

Beata K. Smarzynska und Shang-Jin Wei schließen sich der Beobachtung der Verlagerung der Eigentumsstruktur durch Korruption an. Sie argumentieren, dass auf der einen Seite Korruption den Wert mit einem lokalen Partner zu arbeiten steigert, da dieser möglicherweise die, durch Korruption erhöhten Transaktionskosten wiederum reduziert bzw. umgehen kann. Auf der anderen Seite sind sie jedoch im Gegensatz zu D. Yiu und Makino der Meinung, dass Korruption den effektiven Schutz der immateriellen Firmenwerte des ausländischen Unternehmens reduziert und diesem nicht durch den Beitritt zu Netzwerken entgegengewirkt werden kann. Die Bedeutung des Schutzes der Firmenwerte steigt mit der technologischen Expertise, welche die Präferenz eines Joint Ventures in einem korrupten Land vermindert und die Attraktivität des Standortes reduziert. [28]

Auch der Unterschied im Korruptionsniveau zwischen Heimat- und Gastland ist laut Mohsin Habib und Leon Zurawicki von Bedeutung. Die Unfähigkeit mit Korruption umzugehen, ist eine größere Herausforderung für Unternehmen aus weniger korrupten Ländern.

[...]


[1] Vgl. Bannenberg und Schaupensteiner (2004), S. 46.

[2] Vgl. Schubert und Miller (2008), S. 1.

[3] Vgl. Habib und Zurawicki (2002), S. 291-292.

[4] Vgl. Tanzi (1998), S. 564.

[5] Vgl. Habib und Zurawicki (2002), S. 292.

[6] Vgl. Husted (1999), S. 354.

[7] Vgl. Tanzi (1998), S. 575.

[8] Vgl. Alam (1995), S. 430.

[9] Vgl. Boatright, (2000), S. 3.

[10] Vgl. Tanzi (1998), S. 561.

[11] Vgl. IMF (1993), S. 86

[12] Vgl. Dunning (1988), S. 13.

[13] Vgl. Habib und Zurawicki (2002), S. 292.

[14] Vgl. Leff (1964), S. 11.

[15] Vgl. Lui (1985), S. 761.

[16] Vgl. Rose-Ackerman (1999), S. 44.

[17] Vgl. Bardhan (1997), S. 1323.

[18] Vgl. Kaufmann und Wei (1999), S. 7f.

[19] Vgl. Tanzi (1998), S. 567.

[20] Vgl. Wei (2000), S. 2.

[21] Vgl. Habib und Zurawicki (2002), S. 295.

[22] Vgl. Shleifer und Vishniy (1993), S. 611.

[23] Vgl. Rodriguez, Uhlenbruck und Eden ( 2005), S. 385.

[24] Vgl. Yiu und Makino (2002), S. 668-671.

[25] Vgl. Boddewyn und Brewer (1994), S. 127.

[26] Vgl. Suchman (1995), S. 590.

[27] Vgl. Rodriguez, Uhlenbruck und Eden (2005), S. 389.

[28] Vgl. Wei und Smarzynska (2002): S. 3.

Details

Seiten
21
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640839148
ISBN (Buch)
9783640839032
Dateigröße
476 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v167291
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – Institut für Strategische Unternehmensführung
Schlagworte
Korruption Internationalisierungsentscheidungen multinationale Unternehmungen Corruption Perceptions Index Transparency International Internationalisierung CPI FDI OLI-Modell Dunning Habib Zurawicki Kaufmann Wei Lambsdorff Leff Mauro Rose-Ackerman Tanzi Makino Lui

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Titel: Der Zusammenhang von Korruption und Internationalisierungsentscheidungen