Lade Inhalt...

Untersuchungen zu Luthers Rhetorik

Zum rhetorischen Aufbau und Stil von Martin Luthers Sendbrief vom Dolmetschen

Hausarbeit 2009 23 Seiten

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Rhetorik im Reformationszeitalter

3 Der Anlass für den Sendbrief vom Dolmetschen

4 Rede oder Brief?

5 Analyse des Sendbriefs vom Dolmetschen
5.1 Rhetorische Analyse des Aufbaus
5.2 Analyse des Stils
5.2.1 Die Schmähung der Gegner
5.2.1.1 Hieronymus Emser
5.2.1.2 Johann Faber und Johann Dobneck
5.2.2 Richtermetapher
5.2.3 Musik
5.2.4 „allein“
5.2.5 Sprichwort und Redensart
5.2.6 Autoritäten
5.2.7 Ad-hoc-Bildung

6 Schluss

7 Bibliographie

1 Einleitung

“«Nunquam mihi melius procedit orare, praedicare, scribere, quam cum irascor.» (Ich kann nie besser beten, predigen, schreiben, als wenn ich erzürnt bin.”[1]

Dieses Zitat Luthers gilt für seine Streitschriften, aber genauso für seinen Sendbrief vom Dolmetschen. Der Anlass für seinen Sendbrief war hauptsächlich die Kritik des Theologen Eck, der sich über seine Bibelübersetzung ausgelassen hatte. Wie scharfsinnig und durchdacht dieser Text Luthers ist, erkennt man bei genauerer Untersuchung seiner Rhetorik. Die Aufgabe dieser Arbeit war es, den Aufbau, sowie den Stil des Sendbriefs vom Dolmetschen genauer zu betrachten und dabei besondere Feinheiten und Vorgehensweisen Luthers in Augenschein zu nehmen.

Zunächst möchte ich allgemein auf die Behandlung der Rhetorik in der Reformationszeit eingehen und die literarischen Vorbilder Luthers aufzeigen. Danach soll kurz der Anlass zum Sendbrief erklärt werden. Des Weiteren muss vor der Analyse des Aufbaus bestimmt werden, ob es sich bei diesem Text wirklich um einen Brief oder doch eher um eine Rede handelt. Im Hauptteil befasse ich mich zunächst mit der Strukturierung des Textes und anschließend werde ich den Stil des Textes analysieren. Dabei gehe ich zunächst auf die Art und Weise ein, wie Luther seine Gegner schmäht. Dabei sollen einige Hintergrundinformationen zu den geschmähten Theologen Emser, Faber und Dobneck gegeben werden. Anschließend soll die Metapher des Richters ihre Funktionen im Text im Vordergrund stehen. Des Weiteren soll betrachtet werden, welchen Einfluss die Musik auf Luthers Text hat. Daraufhin wird der Mittelpunkt des Streits zwischen Luther und seinen Gegnern ins Zentrum gerückt, nämlich das Wort „allein“. Seine Verwendung im Text soll näher betrachtet werden. Wichtig für die Rhetorik Luthers ist, dass er sich der deutschen Sprache und ihren Phänomenen besonders annimmt und so muss auch auf die verwendeten Sprichwörter und Redewendungen besonders eingegangen werden. Anschließend sollen auch die im Text erwähnten Autoritäten zur Geltung kommen. Zum Schluss will ich noch auf eine Ad-hoc-Bildung Luthers in diesem Text eingehen.

Die Angaben zu den Zitaten aus dem Primärtext stelle ich zur besseren Übersicht direkt hinter die Zitate, wobei zuerst die Seitenzahl und anschließend die Zeile genannt wird.

2 Rhetorik im Reformationszeitalter

Die Wiederentdeckung vergessener oder verloren geglaubter Texte der antiken Rhetoriker, wie Cicero oder Quintillian, verhalfen der Rhetorik in der Renaissance zu neuer Blüte. Sie wurde zu einer der dominierenden Wissenschaften erhoben und war ein Bestandteil der schulischen Erziehung.[2] Im Mittelpunkt standen Ciceros Werk De oratore, Aristoteles Rhetoric, sowie das wiederentdeckte Lehrbuch Institutio oratoria Quintillians.[3] Luther empfahl ausdrücklich letztgenanntes Werk zum Studium und es wurde auch 1518 bei der Wittenberger Universitätsreform in den Lehrplan aufgenommen. Die Forschung und Lehre in Wittenberg bezog sich Anfang des 16. Jahrhunderts vor allem auf die italienischen Humanisten. Was diese vor allem von den Scholastikern unterschied, war nicht die Konzentration auf Cicero, sondern auf Quintillian, der die Hauptaufgabe der Rhetorik in der Erregung und der Dämpfung der Gefühle sieht. Cicero hingegen stellt den Verstand, die ratio, als wichtigsten Punkt in den Vordergrund. Luther war ein Befürworter des Rhetorikprofessors Laurentius Valla (1407-1457), der in seinem Lehrwerk De lingua latinae elegantia vor allen anderen Quintillian anpries. Luther teilte die Meinung Vallas, der die Ansicht vertrat, „nur wer die hebräischen und griechischen Bibeltexte lesen könne, habe ein Recht, sie zu interpretieren“[4]. Als weiterer Lehrmeister galt Augustinus‘ De doctrina christiana, das vor allem sehr nützlich für das Verfassen von Predigten war. In diesem Werk versah Luther vor allem die Stellen mit zahlreichen Randbemerkungen, die für die Interpretation der Bibel hilfreich waren. Besonderen Erfolg hatte die Schrift De duplici copia verborum et rerum des zeitgenössischen Autors Erasmus von Rotterdam. Dieses Traktat wurde noch zu Lebzeiten des Autors sechzigmal aufgelegt.[5]

Ein Schauplatz der Rhetorik waren die konfessionellen Streitgespräche und –schriften zwischen Katholiken und Protestanten. vor allem die Dispute zwischen Luther und seinen Gegnern beweisen hohes sprachliches Niveau. So standen den „geschulten protestantischen Kontoverstheologen die ebenso rhetorisch gebildeten Jesuiten gegenüber.“[6]

3 Der Anlass für den Sendbrief vom Dolmetschen

Luthers Sendbrief vom Dolmetschen ist eine Selbstverteidigung gegen die Angriffe seiner Gegner auf seine Übersetzung des Neuen Testaments. Vor allem die Kritik Ecks an der Übersetzung vom Röm. 3,28 und die damit verbundene Kritik an Luthers „sola fide“-Konzeption, veranlassten den Theologen zu einer Stellungnahme.

4 Brief oder Rede?

Die folgenden Informationen ziehe ich aus dem Studienbuch Rhetorik und werde, falls nicht anders angegeben, mich im Weiteren darauf beziehen.[7]

Der im Mittelalter entstandenen Briefschreibekunst liegen die Gliederungskriterien einer Rede zugrunde. Einem antiken Topos folgend, galt der Brief als Rede eines Abwesenden an einen Abwesenden (sermo absentis ad absentem). Das klassische Briefschema folgt dem Aufbau Ciceros, das vier Redeteile beinhaltet:

In den Brieflehren des Mittelalters trennte man die Einleitung (exordinum) in die Begrüßung (Salutatio) und die Gewinnung der Gunst des Lesers (captatio bebevolentiae). Die Begrüßung steht am Anfang und beinhaltet meist Namen, Titel oder das Verhältnis, indem man mit der Person steht. Die Gewinnung der Gunst war äußerst wichtig, da man in einer feudalen Gesellschaft durch Bittbriefe oder Gesuche an eine höher gestellte Person deren Gunst erwerben und sein Anliegen erfüllt wissen wollte. So sollte der Empfänger in eine günstige Haltung dem Bittsteller gegenüber versesetzt werden. In der Schilderung des Sachverhalts (narratio) legt man die Situation und seinen Standpunkt dar. Daraufhin folgt das Gesuch (Petitio), welches eine kurze Zusammenfassung des Inhalts enthält und gipfelt im Appell oder dem Ausdruck der Hoffnung, dass die Bitte erfüllt werde.

Luthers Rede umfasst aber auch die Teile, die in der klassischen Rede enthalten sind. So finden wir im Sendbrief vom Dolmetschen außerdem die Propositio, in der das Thema angespochen, umrissen und eingegrenzt wird und die Schwerpunkte gesetzt werden. Nach der Narratio folgt der Hauptteil (Argumentatio), in dem die Materien ausgebreitet und die Argumente klar strukturieret vorgestellt werden. Dabei gibt es eine Beweisführung, die induktiv durch Beispiele oder deduktiv durch die Anführung von Gründen erfolgt. Die genaue Abfolge bei Luther bis zum Ende der ersten Frage lautet daher:

Exordinum – Propositio – Narratio – Argumentatio – Perorartio. Anschließend wird das Schema bei der zweiten Frage wiederholt und anschließend noch eine Petitio und Conclusio angehängt.

Daher kann man durchaus behaupten, dass Luther hier zwar die Form des Briefes wählt, dies aber nur der Rahmen für eine schriftliche Rede ist. Natürlich ist Luther auch von der Form der Predigt beeinflusst. Dies kann aber in diesem Zusammenhang vernachlässigt werden, da der Inhalt eine Rechtfertigung und Diffamierung gegen seine Widersacher und seine Erläuterung für seine Befürworter darstellt.

5 Analyse des Sendbriefs vom Dolmetschen

5.1 Rhetorische Analyse des Aufbaus

Der Sendbrief beginnt mit einer Widmung: „Dem Erbarn und fursichtigen N., meinem gunstigen Herrn und freunde.“ (632) Damit wird sofort die Textgattung festgelegt, aber wir erfahren nicht, an wen Luther diesen Brief richtet. Er baut hier eine schriftstellerische Fiktion auf, mit der er selbst als Autor im Hintergrund bleiben kann. Luther hätte auch einen offenen Brief an seine Gegner verfassen können, aber die Genugtuung einer offenen Antwort wollte er Ihnen nicht geben. Wir werden auch später noch sehen, dass er Ihnen nicht einmal die Ehre zuteil werden lässt, sie namentlich zu erwähnen. Auf die Widmung folgt die salutatio, also der Eingangssegen und ein Gruß an den Freund.

Am Redeanfang, der exordium, steht die inventio (Auffindung des Gedankens). Es werden zwei fiktive Fragen des N. aufgeworfen, die Luther im Folgenden beantworten will. Zunächst dreht es sich um die heftig umstrittene Übersetzung des nicht vorhandenen „sola“ aus dem Paulusbrief „An die Römer“. Die zweite Frage behandelt die Fürbitte durch die Heiligen.

Im Hauptteil, der narratio, widmet sich der Autor zunächst der ersten Frage. Das prooemium ist zweiteilig und dient zur Rechtfertigung seiner Übersetzung. Dadurch will er das Wohlwollen des Lesers erlangen (captatio benevolentiae) und die minutio (Verringerung) der Gegner erreichen, indem er ihnen vorwirft, selbst keine guten Übersetzer zu sein und sich seiner Sprache wie „undankbare jünger“ (633,17) zu bedienen. Außerdem zwinge er ja niemanden dazu, seine Übersetzung zu lesen. Dem folgt attentum parare, die Erregung von Aufmerksamkeit. Luther beginnt hier den ersten von zwei Exkursen geschickt mit einem Sprichwort: „Wer am wege bauet, der hat viel meister.“ (633,32) und vergleicht sich selbst mit St. Hieronymus, dem Schöpfer der Vulgata, der für seine Arbeit auch nur von Unwürdigen kritisiert wurde. Mit dieser comparatio legitimiert er seine Übersetzung durch die Berufung auf eine kirchliche Autorität. Daraufhin folgt eine vituperatio (Schelte) auf Hieronymus Emser, der an Luthers Übersetzung des neuen Testaments einige Änderungen vorgenommen hatte und sie anschließend als sein eigenes Werk ausgab. In diesem Abschnitt ändert Luther die Anrede und spricht nicht mehr seinen Freund N an, sondern die „lieben kinder“ (634, 20). Damit sind wohl seine Befürworter gemeint, aber auch diejenigen, die noch unentschieden sind, auf welche Seite sie sich stellen sollten. Luther fordert diese zudem auf, beide Übersetzungen zur Hand zu nehmen und die Texte zu vergleichen. Spätestens an diesem Punkt hat Luther das Wohlwollen des Lesers erlangt, denn mit der rhetorischen Frage am Schluss des Absatzes, beweist er Humor:

„Mir ist nun des gnug, und bin fro, das meine erbeit (wie S. Paulus auch rühmet), muß auch durch meine feinde gefoddert, und des Luthers buch on Luthers namen, unter seiner feinde namen gelesen werden, Wie künd ich mich bas rechen?“ (655, 4ff)

Anschließend sind die beiden Exkurse beendet und Luther kommt wieder auf die erste Frage zurück und beansprucht für sich selbst die absolute Autorität mit einem lateinischen Zitat: „Sic volo, sic iubeo, sit pro ratione voluntas“ (635,11) Er vergleicht sich selbst mit den Theologen, die ihn kritisieren in einer enumeratio und setzt sie durch ihre vermeintliche Inkompetenz herab. Er erhebt sich selbst mit einer Selbstlaudatio als „Doctor uber alle Doctor im ganzen Bapstum“ (636, 2) und verspottet seine Kritiker. Sie sind es nicht einmal wert, ihnen eine Antwort auf die „Sola“-Frage zu geben. Doch seinen Befürwortern, die er hier direkt mit „Euch“ (S.636, Z.11) anspricht, stellt er im Folgenden durch sechs probationes artificiales (Beweisen) anhand von Beispielen dar, die er mit Hilfe einer auctoritas, nämlich der Heiligen Schrift, stützt.

Er rechtfertigt seine „Sola“-Übersetzung mit drei Argumenten: Er veranschaulicht, dass Verdeutschen eine schwierige Aufgabe sei, dass „solum“ wirklich nicht in der Bibel stehe, aber es im Deutschen Sinn mache ein „allein“ zur Verstärkung der Aussage zu setzen und zuletzt zeigt er, dass Deutsch eben anders funktioniere als Latein oder Griechisch.

Daraufhin folgen weitere 5 Beweisführungen durch Übersetzungsbeispiele aus der Bibel. Hierbei ist die Wiederholung der Sentenz im vierten und fünften Exemplum sehr auffällig. Luther will seine Übersetzung so und nicht anders haben und seine Kritiker sollen ihm sein Dolmetschen in Frieden lassen (vgl. 639, 31f). Der Text wird an dieser Stelle sehr aggressiv und am Ende des fünften Exemplums droht Luther sogar mit Redeabbruch: „und habe um ein gut Jahr“ (639, 32f). Anschließend ändert er aber seinen Tonfall und versucht sich nun einzuschmeicheln (insinuatio), denn er tat es mit bestem Wissen und Gewissen und wollte allein Christus dienen. Beim sechsten Exemplum zeigt Luther, dass er sich bei seiner Übersetzung sehr wohl auch buchstabengetreu an die Vorlage gehalten hat und führt dabei seine Rhetorik des Herzens ins Feld. Zum Übersetzen gehöre demnach nicht nur Handwerk, sondern auch „ein recht, frum, treu, vleissig, forchtsam Christlich, geleret, erfarn, geübet herz“ (640, 27f) und setzt damit die Übersetzungen der Täufer Ludwig Hetzer und Hans Denk herab. Nach diesen sechs Beispielen, steigert und verstärkt Luther nun seine Argumente. Zunächst beruft er sich auf die Autorität St.Paulus, in dessen Brief das „solum“ sinngemäß gefordert werde. Luther geht dabei über das Übersetzen hinaus und zeigt die Hauptstücke des christlichen Glaubens auf, nämlich dass der Mensch nur durch den Glauben und nicht durch Werke gerecht werde. (vgl. 641) Hier wird beim exemplum die biblische Autorität Abraham eingeführt, der völlig ohne Werke gerecht geworden ist. Dabei wirft Luther die Frage auf (subiectio), ob man demzufolge keine guten Werke braucht und beantwortet sie wiederum mit einem exemplum, nämlich mit Paulus Worten „on des gesetzes werk“ (641, 18). Er hebt aber zugleich hervor, dass man die Worte Paulus hier missverständlich seien, denn man könne den Umkehrschluss ziehen, dass man durch böse Werke erlöst werde. Somit stellt er die Verdrehung seiner Lehre dar und führt die falsche Auffassung vor. Seine Argumentio lautet, dass man nicht durch die guten Werke fromm werde, sondern durch die Heilsgeschichte allein. Beim zweiten Argument führt Luther vor, dass es nicht ketzerisch sei, sich auf den Glauben zu berufen und setzt dabei wieder seine Gegner herab, die er als „toll, töricht und unsinig“ bezeichnet. Im letzten Argument beruft sich der Autor auf die Kirchenväter Ambrosius und Augustinus und sagt, dass er nicht der erste und einzige sei, der behaupte, allein der Glaube mache gerecht. Er stützt also an dieser Stelle seine These wieder mit unangefochtenen Autoritäten der Kirchengeschichte und sichert sich somit ab. Im Redeschluss der ersten Frage fasst Luther seinen „sola fide“ Gedanken nochmals zusammen und bekräftigt ihn. Er unterstreicht nochmals die Sentenz, nämlich dass er bei seiner Übersetzung bleiben werde und nicht davon abrücken wolle. Außerdem verweist er hier auf eines seiner anderen Werke De iustificatione („Von der Rechtfertigung“), in dem er weiter von diesem Thema sprechen wolle.

Anschließend geht Luther auf die zweite Frage von N. ein. In der Einleitung will Luther nur kurz antworten und erzeugt dadurch geschickt die Aufmerksamkeit des Lesers. Er verweist darauf, dass er später ausführlich im „Sermon von den lieben Engeln“ darauf eingehen wolle. In dieser narratio führt er in seiner Argumentation vier Beweise aus. Zunächst setzt er die Lehre des Papsttums herab, nach der Gott müßig sein müsse, weil die Heiligen ja alle möglichen Aufgaben übernehmen. In der zweiten Beweisführung legt Luther dar, dass die Anbetung von Engeln und Heiligen nicht in der Bibel stehe, beweist sogar mit einem Bespiel das Gegenteil, nämlich dass sich der Engel in der Apokalypse von Johannes nicht anbeten lassen wollte. (vgl. 644, 1ff) Luther erklärt, dass es auch ihm schwer gefallen sei, sich von den Heiligen abzuwenden und schafft so eine Identifikationsmöglichkeit für den Leser. Doch ermahnt der Autor auch, dass nun, da die Bibel übersetzt ist, niemand mehr „entschuldigt ist, wo er um finsternis bleibt“ (644, 13f) und sich der Lehre Luthers verwehrt. Die Abwendung von Christus durch die Heiligenverehrung ist das nächste Argument. diese sei Abgötterei und mit dem Dienst an den Heiligen verstoße man gegen das erste Gebot und gegen die Taufe. Der vierte Beweis sagt aus, dass Gott sicher nicht „zurnet“ (644, 27), wenn man die Heiligen nicht anruft, denn er habe es ja nicht geboten. Luther wirft hier wieder eine Frage auf, die er dann selbst beantwortet, nämlich ob alle Christen verdammt sind, die bisher Heilige verehrt haben. Er greift somit den Gedanken der Gegner auf, bezeichnet sie indirekt als Lügner und schmäht sie, indem er ihren Gedanken als unwichtig abtut und ihn nicht verhandeln will. Er lenkt den Blick allein auf Gottes Wort, welches das einzig wichtige sei. Damit erfolgt eine starke Herabsetzung der Gegner, weil Luther es für absolut unwichtig hält, sich dieser Frage anzunehmen. Doch im nächsten Absatz geht Luther dann doch auf die Frage ein, denn seinen Anhängern ist er sehr wohl bereit eine Antwort zu geben. Er zieht eine Parallele zum Propheten Eliä und verweist darauf, dass obwohl das Volk ungläubig war, er siebentausend von Ihnen gerettet habe. Er spricht den Christen Unschuld zu, da sie von den Geistlichen und vor allem vom Papst zu solchen Sünden gezwungen worden seien. Er bezeichnet die Papisten als „bößwichter und verrether“ (646, 1) und „Erzmörder“ (646, 2). Plötzlich bricht seine Rede jedoch ab. Er verweist auf eine Fortsetzung, bittet um Wohlwollen der Leser und spricht den Ausgangssegen. Zum Schluss gibt er sowohl Orts- als auch Datumsangabe bekannt, sowie seinen vollen Namen und eine Einschmeichelung „Eur guter freundt“ (.646, 15) und wiederholt nochmals die Anrede bzw. Widmung an N.

[...]


[1] Ueding, Gert (Hg.): Historisches Wörterbuch der Rhetorik. Bd 5 L-Musi. Tübingen: Max Niemeyer 2001, Sp. 686.

[2] vgl. Kolmer, Lothar und Carmen Rob-Santer: Studienbuch Rhetorik. Paderborn: Ferdinand Schöningh 2002, S. 28.

[3] vgl. Stolt, Birgit: Martin Luthers Rhetorik des Herzens. Tübingen: Mohr Siebeck 2000, S. 42.

[4] Stolt, S. 43.

[5] Stolt, S. 44.

[6] Komer, S.29.

[7] Kolmer, S. 46.

Details

Seiten
23
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640837328
ISBN (Buch)
9783640837724
Dateigröße
591 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v167278
Institution / Hochschule
Universität Wien – Institut für deutsche Philologie
Note
2,0
Schlagworte
untersuchungen luthers rhetorik aufbau stil martin sendbrief dolmetschen

Autor

Zurück

Titel: Untersuchungen zu Luthers Rhetorik