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Chancen und Probleme reformpädagogischer Ansätze an Regelschulen

Seminararbeit 2009 14 Seiten

Pädagogik - Schulpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.) Einblick in aktuelle Problematiken an staatlichen Schulen

2.) Reaktion von Regelschulen auf neue Anforderungen und Problematiken
a) Lehrerinterviews
b) Zeitungsartikel

3.) Wichtige Themen der Reformpädagogik

4.) Darstellung reformpädagogischer Ansätze an staatlichen Schulen

5.) Wissenschaftliche Berechtigung ausgewählter Ideen und Methoden

6.) Probleme von staatlichen Schulen bei der Umsetzung neuer Strukturen

7.) Meine persönliche Bewertung

Literaturverzeichnis

Prolog

„Schulen verändern sich langsamer als Kirchen“. Von dieser Behauptung ausgehend, beginnt die Reflexion über die Chancen und Probleme reformpädagogischer Ansätze an Regelschulen, der unbewussten Annäherung beider Schulkonzeptionen und der wissenschaftlichen Untermauerung verschiedener Methoden und Theorien.

Ausgewählte Szenen des Dokumentarfilms „Schwere Last auf schmalen Schultern“ der ZDF-Dokumentarreihe „37 Grad“ geben einen Einblick in die momentane, stetig wachsende Belastung junger Menschen durch die Schule: „Ich denke an die Schule fast jede Minute, ich habe oft Kopfschmerzen und Bauchschmerzen“, „Schule und Hausaufgaben zusammen, das sind für mich eine Fünfzig-Stunden-Woche“, „Es geht schon auf die Psyche, ohne Medikamente gehts momentan gar nicht“, „Schule ist einfach zu viel Stress“, „Ich kann mir eigentlich gar nicht erlauben krank zu sein, weil ich dann so unter Zeitdruck stehe, das alles wieder nachzuholen“. Der Filmausschnitt endet mit dem Wunsch einer Mutter, „dass Schule nicht nur ein Lernort, sondern auch ein Lebensraum“ sein solle.

1.) Einblick in aktuelle Problematiken an staatlichen Schulen

Die derzeitigen Belastungen in den staatlichen Schulen für Schüler und für die Schule selbst lassen sich in drei Punkte aufgliedern: die Vorgaben und Rahmenbedingungen der Politik, die hohe Erwartungshaltung von Öffentlichkeit und Wirtschaft und der Entwicklung der Schule als „Sozialisationsinstitution“.

Der erste Aspekt bezieht sich auf das starke Einwirken der Politik auf das Konzept von Regelschulen. Diese verfügen nur über sehr begrenzte finanzielle Mittel der Solidargemeinschaft, die weiterhin nur für ausgewählte Zwecke verwendet werden dürfen und dadurch begrenzte Möglichkeiten zur Nutzung bieten. Abgesehen vom monetären Gesichtspunkt, sind die staatlichen Schulen in ihrem Konzept und Profil sehr stark an den vorgeschriebenen Lehrplan des jeweiligen Bundeslandes gebunden und sind in der Pflicht, diesen durch entsprechenden Unterricht zu erfüllen.

Durch die „empirische Wende“ in der Bildungspolitik – geprägt durch die Einführung vergleichender Ländertests wie PISA, Timms oder IGLU – entsteht ein sichtbarer internationaler Konkurrenzdruck auf die Schulsysteme der Bundesrepublik, vor allem weil Deutschland in besagten Untersuchungen nur im Mittelfeld liegt und teilweise unter dem OECD-Schnitt rangiert. Dies bereitet nicht nur Sorge um die adäquate und ausreichende Bildung des Nachwuchses der BRD, sondern stellt ebenso die Wertigkeit deutscher Abschlüsse im Ausland infrage.

Weiterhin werden von Vertretern der Wirtschaft in verstärktem Maße fehlende Qualifikationen und Kompetenzen bei Schulabgängern beobachtet und bemängelt. Um dieser Entwicklung entgegenzusteuern gibt es bereits Projekte an Schulen durch Träger der Wirtschaft, in denen Schüler mit herausragenden Fähigkeiten entsprechend gefördert werden (z. B. das Projekt SCHULE WIRTSCHAFT der Stiftung der Deutschen Wirtschaft).

Durch weitreichende gesellschaftliche Veränderungen wird den Schulen immer mehr die Rolle einer „Sozialisationsinstitution“ aufgezwungen. Instabile Familienverhältnisse bringen enorme Defizite in der Erziehung hervor, die in der Bildungsstätte Schule nicht kompensiert, aber auch nicht ignoriert werden können. Ohne ein grundlegendes Verständnis von Respekt im sozialen Umgang der Schüler untereinander und dem Lehrer gegenüber ist es nicht möglich einen effektiven Unterricht zu organisieren und Kompetenzen zu vermitteln. Durch Zukunftsangst, und auch durch Resignation, teils durch das vorgelebte Beispiel im Elternhaus, erkennt man bei einer wachsenden Anzahl von Schülern Passivität in der Schule und sogenanntes „Null-Bock-Verhalten“, die es dem Lehrer unmöglich machen, schülerorientierten Unterricht zu halten, der ja die Initiative der Schüler erfordert.

2.) Reaktion von Regelschulen auf neue Anforderungen und Problematiken

a) Lehrerinterviews Gestellte Fragen:

1. Verwenden Sie bewusst reformpädagogische Ansätze in Ihrem Unterricht?
2. Wie schätzen Sie die momentane Situation an Regelschulen ein?
3. Wie lautet ihre allgemeine Meinung zu Alternativschulen?

Das erste Lehrerinterview haben wir mit einem 45-jährigen Oberstudienrat aus Mittelhessen geführt, der an einem staatlichen Gymnasium die Fächer Mathematik und Physik unterrichtet.

Zu 1.: Die Verwendung reformpädagogischer Methoden wurde erst klar verneint. Nachdem jedoch einige Ansätze durch uns genannt wurden (fächerverbindender Unterricht, Gruppen- und Projektarbeit, außerschulische und außerunterrichtliche Unternehmungen, …), wurde die unbewusste Verwendung mancher Methoden klar.

Zu 2.: Die Situation an Regelschulen wurde als immer schlechter eingeschätzt. Die momentanen Klassen seien jetzt schon zu groß und es gebe immer noch die Tendenz, dass die Klassen jedes Jahr, vor allem in der Unterstufe, größer werden. Weiterhin sei ein sinkendes Leistungsniveau zu beobachten, welches in einem „großen Aussieben“ beispielsweise nach der fünften und der elften Klasse ausarte. Ein weiteres Problem sei vor allem, dass die Lehrer nicht adäquat auf die Umstellung auf G8 vorbereitet wurden.

Zu 3.: Es seien zwar teils sehr interessante und sinnvolle Ansätze in Reformschulen zu erkennen, jedoch könne man diese Ideologien nicht durchhalten, da sie sich zu sehr von der Praxis im Schulalltag unterschieden.

Abschließend erklärte der Befragte, dass er es sich nicht vorstellen könnte, an einer Alternativschule zu unterrichten.

Bei unserer zweiten Interviewpartnerin handelt es sich um eine 53-jährige Grundschullehrerin, die ihre Klasse in den Fächern Mathematik, Deutsch und Kunst unterrichtet.

Zu 1: Auch sie beantwortete die Frage nach der Verwendung reformpädagogischer Ansätze mit einem deutlichen „Nein“.

Ähnlich wie der Kollege vom Gymnasium fielen ihr nach einer Aufzählung unsererseits plötzlich eine Vielzahl von Maßnahmen ein, die sie seit Jahren anwendet und nie als „reformpädagogisch“, sondern schlicht als „unterrichtstauglich“ einschätzte.

Sie erzählte von der festen Integration von Freiarbeit, also Phasen des selbstständigen Arbeitens, Förderstunden im Bereich Rechtschreibung, Projekttagen oder außerschulischen Aktivitäten, wie Theater- oder Museumsbesuchen.

Zu 2: Auch hier wurde als erstes die Klassengröße bemängelt, die selbst nach vielen Jahren Berufserfahrung noch immer eine echte „Alltagsherausforderung“ darstelle. Allgemein sei es natürlich immer wieder die chronische Unterfinanzierung, die die Möglichkeiten einer jeden Schule stark einschränkt. Die Lehrerin wünscht sich hier mehr Freiheiten für Schulleiter, die in ihren Augen eine zu geringen Handlungsspielraum haben und zu sehr vom staatlichen Träger abhängig sind.

Zu 3: Einige Aspekte aus dem Bereich der Alternativschulen hält unserer Gesprächspartnerin für durchaus interessant. So sieht sie besonders in der sechsjährigen Grundschule die Chance, den Kindern mehr Zeit zur individuellen Entfaltung und damit zur persönlichen Reifung zu geben.

Auch Lehrer hätten so die Gelegenheit ihre Schüler intensiver zu begleiten und eine noch zuverlässigere Empfehlung zur Wahl der weiterführenden Schule abzugeben.

Abschließend betont sie noch einmal, dass die Arbeit mit Kindern und die Anforderungen an Schulen sich im Laufe der Zeit zwar verändert haben, dass sie aber ganz sicher ist, dass auch staatliche Schulen in der Lage sind diesen neuen Herausforderungen gerecht zu werden.

b) Zeitungsausschnitte

Bei einer näheren Betrachtung der Vielzahl an Schwierigkeiten, stellt sich zwangsläufig die Frage: Wie gehen Schulen mit dieser neuen Situation um?

Der Problemdruck ist offenkundig so groß, dass sich Schulen zwangsläufig zu neuen pädagogischen Ufern aufmachen müssen.

Dass sie reagieren und eine Anpassung auf verschiedenste Art und Weise stattfindet, zeigen unter anderem aktuelle Beispiele aus der Region Marburg Biedenkopf.

„Stimmt der Rhythmus, ist Basis für den Erfolg gegeben – Die Schulleitung der Gesamtschule Niederwalgern sieht sich mit der Neugestaltung der Schultages auf dem richtigen Weg“

Einrichtungen wie die Gesamtschule Niederwalgern wollen keineswegs „das Rad neu erfinden“, sind aber dennoch bemüht ihren Schulalltag auf der Grundlage moderner Erkenntnisse aus dem Bereich der Schulforschung zu gestalten und sich so den aktuellen Anforderungen anzupassen.

Neben Umstellungen auf Pflichtstunden und Wahlpflichtangeboten, bildet mittlerweile das gemeinsame Mittagessen mit Lehrern und Schülern einen festen Bestandteil des täglichen Miteinanders.

Des Weiteren bewarb sich die Gesamtschule erfolgreich beim hessischen Kultusministerium um die Teilnahme am Pilotprojekt „hessen.education - Förderung des selbstständigen Lernens mit Neuen Medien“, dessen Zielsetzung darin besteht, neue Medien als festen Bestandteil modernen Lernens zu integrieren.

Dies hat zur Folge, dass in die Unterrichtsplanung regelmäßig Einheiten integriert werden, in denen mit interaktiven Übungsangeboten renommierter Schulbuchverlage wie Klett und Cornelsen gearbeitet wird (vgl.: Oberhessische Presse vom 13.11.2008).

„Schüler machen Theater für mehr Theater – Kinder der Grundschule Großseelheim demonstrierten gestern für „darstellendes Spiel“ als festes Unterrichtsfach“

Motiviert durch eine Vielzahl an Theaterprojekten, bei denen die Schüler den Spaß am Darstellen fanden und die betreuenden Lehrer den pädagogischen und erzieherischen Wert erkannten, wurde „darstellendes Spiel“ als fester Bestandteil des Unterrichts gefordert, da in der bisherigen Unterrichtszeit kaum Raum für entsprechende Projekte war.

Die Verbindung von Bewegung und Lernerfolg ist in vielen pädagogischen Strömungen, wie beispielsweise bei der Eurythmie in der Waldorf-Pädagogik, fester Bestandteil und neurodidaktisch nachgewiesen. Weiterhin fördert darstellendes Spiel das Selbstbewusstsein, das Gedächtnis, soziale Kompetenzen und die Kreativität des Lernenden (vgl.: Oberhessische Presse vom 28.11.2008).

[...]

Details

Seiten
14
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640835812
ISBN (Buch)
9783640836048
Dateigröße
465 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v167210
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg – Institut für Schulpädagogik
Note
1,0
Schlagworte
Reformpädagogische Ansätze Reformpädagogik Chancen und Probleme reformpädagogischer Ansätze an Regelschulen Aktuelle Probleme an staatlichen Schulen Lehrerinterviews Probleme von staatlichen Schulen bei der Umsetzung neuer Strukturen

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Titel: Chancen und Probleme reformpädagogischer Ansätze an Regelschulen