Lade Inhalt...

Bekämpfung von Jugendkriminalität und Jugendgewalt. Ursachen und Lösungsvorschläge

Inklusive Statistiken zur Entwicklung

Hausarbeit 2010 34 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition
2.1. Was versteht man unter dem Begriff Jugendkriminalität?
2.2. Wann ist ein Kind oder Jugendlicher strafbar? Jugendstrafrecht
2.2.1. § 19 StGB: Schuldunfähigkeit des Kindes
2.2.2. § 3 JGG: Verantwortlichkeit (Jugendliche)
2.2.3. § 105 JGG: Anwendung des Jugendstrafrechts auf Heranwachsende

3. Ursachen für Jugendkriminalität/Jugendgewalt
3.1. Warum werden Jugendliche kriminell
3.2. Anlagefaktoren
3.3. Das Elternhaus

4. Entwicklung der Jugendkriminalität/Ausmaß der Jugendkriminalität

5. Formen der Gewalt

6. Vergleich bei Mädchen und Jungen

7. „Ausländerkriminalität“

8. Bewältigung von Jugendgewalt
8.1. Gesetzliche Strafmaßnahmen
8 . 2. Lösungsvorschläge
8.2 . 1.Pädagogische Maßnahmen
8.2.2. Präventive und Korrektive Maßnahmen
8.2.3. Pädagogische Maßnahmen in der Schule
8.2.4.Die Kinder und Jugendhilfe

9. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Anteil der unter 21- Jährigen an den Tatverdächtigen der Gewaltkriminalität

Abb. 2: Gewaltkriminalität unter 21-jährigen Tatverdächtigen

Abb. 3: Formen der Gewalt

Abb. 4: Gewaltkriminalität weiblicher Tatverdächtiger

Abb. 5: Tatverdächtigenanteile nach Altersgruppe und Geschlech

Abb. 6: Zusammenhangsanalyse: Ausübung von Mobbing und Gewalt

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Durch die vielen gewalttätigen Vorfälle der letzten Jahre in der Öffentlichkeit, wie z.B. der brutale Angriff auf einen 50 jährigen Mann in einer Münchener S Bahn Station mit tödlichen Folgen, wird in Deutschland aktuell ausgiebig die Frage diskutiert, warum Jugendliche immer gewalttätiger werden.

Nach Angaben eines Polizeisprechers hatte der Mann noch in der S-Bahn versucht, eine Auseinandersetzung zwischen mehreren Jugendlichen zu schlichten. Daraufhin schlugen die Jugendlichen brutal auf den Mann ein. Dieser starb noch am selben Abend an seinen schweren Kopfverletzungen.

Die Medien reagieren auf solche Vorfälle immer sehr schnell mit verschiedenen Begründungen und Ursachen und stilisieren den Skandal in der Öffentlichkeit hoch.

Doch hinter den ganzen gewalttätigen Angriffen und Ausbrüchen der Jugendlichen stecken immer tiefere Ursachen als nur ein Faktor.

Auf den folgenden Seiten werden Jugendkriminalität und ihre Ursachen sowie Bekämpfungsmaßnahmen und Lösungsvorschläge erläutert. Anhand verschiedener Statistiken lässt sich die Entwicklung der Jugendkriminalität aufzeigen. Es wird deutlich, wie viele Ursachen wirklich hinter Jugendkriminalität stecken und was Jugendliche dazu bringt, ein solches Verhalten an die Öffentlichkeit zu legen.

2. Definition

2.1. Der Begriff Jugendkriminalität

Unter dem Begriff Jugendkriminalität versteht man die Gesetzesverstöße von Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren. Oft können jedoch dazu auch Heranwachsende zwischen 18 und 21 Jahren gezählt werden, da diese vom Gericht noch nach dem Jugendstrafrecht behandelt werden können.[1]

2.2. Wann ist ein Kind oder Jugendlicher strafbar?

Jugendstrafrecht

Es ist ein Sonderstrafrecht und Sonderstrafprozessrecht für junge Täter, die sich zur Zeit ihrer Tat in dem Übergangsstadium zwischen Kindheit und Erwachsenenalter befinden.

Das deutsche Jugendstrafrecht weicht in wesentlichen Grundsätzen vom allgemeinen Strafrecht ab. Im deutschen Jugendstrafrecht werden Personen unter 14 Jahren (Alter zur Tatzeit) wegen Strafunmündigkeit strafrechtlich nicht zur Verantwortung gezogen.
Die strafrechtliche Verantwortlichkeit beginnt mit der Vollendung des 14. Lebensjahres, wenn der Jugendliche zur Zeit der Tat nach seiner sittlichen und geistigen Entwicklung reif genug ist, das Unrecht der Tat einzusehen und nach dieser Einsicht zu handeln. Personen zwischen dem 18. und einschließlich 20. Lebensjahr (sog. Heranwachsende) können sowohl unter das Erwachsenenstrafrecht, als auch unter das Jugendstrafrecht fallen. Auf Heranwachsende wird das Jugendstrafrecht trotz zivilrechtlicher Volljährigkeit angewendet, wenn der Täter zur Zeit der Tat nach seiner sittlichen und geistigen Entwicklung noch einem Jugendlichen gleichstand oder es sich bei der Art der Tat um eine Jugendverfehlung handelt.

2.2.1. § 19 StGB: Schuldunfähigkeit des Kindes

„Schuldunfähig ist, wer bei der Begehung der Tat noch keine vierzehn Jahre alt ist.“

Durch diese Regelung können Kinder unter 14 Jahren noch nicht strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden. Die strafbaren Delikte werden trotzdem an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet. Es findet jedoch kein gerichtliches Verfahren statt sondern es kommt lediglich zu einem Vermerk in den Akten der Polizei.

Die Polizei oder die Staatsanwaltschaft benachrichtigt zunächst das zuständige Jugendamt, das wiederum die Erziehungsberechtigten aufsucht und diese über den Vorfall informiert.

Wird ein Kind daraufhin wiederholt straffällig, kann es bestimmten Erziehungsmaßnahmen unterworfen werden, die von dem zuständigen Jugendamt geregelt werden.[2]

2.2.2. § 3 JGG: Verantwortlichkeit (Jugendliche)

„Ein Jugendlicher ist strafrechtlich verantwortlich, wenn er zur Zeit der Tat nach seiner sittlichen und geistigen Entwicklung reif genug ist, das Unrecht der Tat einzusehen und nach dieser Einsicht zu handeln. Zur Erziehung eines Jugendlichen, der mangels Reife strafrechtlich nicht verantwortlich ist, kann der Richter dieselben Maßnahmen anordnen wie das Familiengericht.“[3]

Jugendlicher ist, wer zur Zeit der Tat vierzehn, aber noch nicht achtzehn Jahre alt ist. Jugendliche sind bedingt strafmündig. Laut JGG ist die Verantwortlichkeit der Täter von ihrem Grad und ihrer Einsicht etwas Falsches getan zu haben, abhängig.3

2.2.3. § 105 JGG: Anwendung des Jugendstrafrechts auf Heranwachsende

„(1) Begeht ein Heranwachsender eine Verfehlung, die nach den allgemeinen Vorschriften mit Strafe bedroht ist, so wendet der Richter die für einen Jugendlichen geltenden Vorschriften der §§ 4 bis 8, 9 Nr. 1, §§ 10, 11 und 13 bis 32 entsprechend an, wenn

1. die Gesamtwürdigung der Persönlichkeit des Täters bei Berücksichtigung auch der Umweltbedingungen ergibt, dass er zur Zeit der Tat nach seiner sittlichen und geistigen Entwicklung noch einem Jugendlichen gleichstand, oder
2. es sich nach der Art, den Umständen oder den Beweggründen der Tat um eine Jugendverfehlung handelt.

(2) § 31 Abs. 2 Satz 1, Abs. 3 ist auch dann anzuwenden, wenn der Heranwachsende wegen eines Teils der Straftaten bereits rechtskräftig nach allgemeinem Strafrecht verurteilt worden ist.

(3) Das Höchstmaß der Jugendstrafe für Heranwachsende beträgt zehn Jahre.“[4]

Heranwachsender ist, wer zur Zeit der Tat achtzehn, aber noch nicht einundzwanzig Jahre alt ist. Folglich kann ein Heranwachsender je nach Reife- und Entwicklungsgrad nach dem Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht bestraft werden.

3. Ursachen für Jugendkriminalität/Jugendgewalt

Schon eine der ersten Kriminalitätstheorien in der Geschichte der Kriminologie vertrat einen biologischen Ansatz: Lombroso[5] ging 1876 davon aus, Kriminelle seien an ihrem Äußeren erkennbar, und es gebe geborene Verbrecher. Auch heute finden sich Aussagen wie „Wie der Vater so der Sohn“ oder „Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm“, insbesondere, wenn Kriminalität in einer Familie gehäuft aufzutreten scheint.

Wenngleich diese Zusammenhänge in verschiedenen späteren Untersuchungen, wie z.B. die Zwillingsstudie von Lange 1929, bestätigt wurden, wird nach wie vor bezweifelt, ob mit diesen Forschungsdesigns wirklich ein Beschränkung auf genetische Faktoren als Ursache von Kriminalität nachgewiesen ist.

3.1. Warum werden Jugendliche kriminell

Die Tatsache, warum Jugendliche kriminell werden können, hat viele verschiedene Ursachen und ist daher nicht nur durch einen einzelnen Grund zu erklären. Eine Erklärung für die Jugendkriminalität ist die Anomietheorie von Emil Durkheim.[6]

Unter Anomie wird im Allgemeinen ein Zustand von Gesetzlosigkeit, Regellosigkeit, mangelnder sozialer Ordnung und des Zusammenbruchs kultureller Ordnung bzw. mangelhafter gesellschaftlicher Integration verstanden.

In seinem Werk „La division du travail“ (1893) setzt sich Durkheim erstmalig mit dem Phänomen der Anomie als einem Zustand der sozialen Desintegration in einer zunehmend arbeitsteiligen Gesellschaft auseinander. Darüber hinaus untersucht er die Ursachen des Selbstmordes als eine Form abweichenden Verhaltens, die gegen soziale Normen verstößt, in seiner klassischen Studie „Der Suizid“ aus dem Jahre 1897, die von verschiedenen Autoren als „Urtext“ der Anomietheorie bezeichnet wird.[7] Er hat dabei eingehend das Verhältnis zwischen dem Menschen und seinen Bedürfnissen und Zielen diskutiert, die in stabilen Verhältnissen durch Normen und Regeln begrenzt sind. Er betont, dass erst dann, wenn die sozialen Regeln keine Beachtung mehr finden (wenn die kollektive Ordnung zerstört oder zerrissen wird) „werden menschliche Triebe übermächtig und laufen in Zustände der Anomie“ (Durkheim). Folgen sind etwa Phänomene wie Selbstmord und Kriminalität. Durkheim unterscheidet in Hinblick auf die Ursachen des Selbstmordes mehrere Typen, u.a.

- den egoistischen Selbstmord (Fehlen sozialer Kontrolle, Verlust von Gruppenkohäsion durch arbeitsteilige Gesellschaften)8
- den altruistischen Selbstmord (beruht auf starker Gruppenkohäsion: zu starke Integration des Individuums in die Gruppe, Vorrang der Gruppenwerte, starke Kontrolle, kann bei Normverstoß zu Suizid führen),8
- der anomische Selbstmord (kennzeichnend etwa in Phasen der Depressionen oder der Hochkonjunktur, da in beiden Fällen die Orientierung an dem gewohnten Verhältnis von gesellschaftlichen Zielen und den Mitteln zur Erreichung dieser Ziele gestört ist. Entweder sind die Ziele wegen wirtschaftlicher Not unerreichbar oder durch Wohlstand zu schnell erreicht, so dass sie ihre handlungsorientierte Wirkung verlieren, dies führt zu einer Desorientierung).[8]

In Bezug zum Phänomen Kriminalität gelangte Durkheim schon in seinen „Regeln der soziologischen Methode“ (1895) zu dem Ergebnis, dass Kriminalität kein pathologisches (krankhaftes) Phänomen ist, sondern als integrierter Bestandteil jedes gesunden Gemeinwesens eine normale (immer zu erwartende) Erscheinung darstellt.[9]

Andere Akzente setzt Merton[10] (zuerst 1938) bei den Merkmalen seines Anomiebegriffes. Er stellt nicht nur auf die Limitierungen zur Regelung der Bedürfnisse und Wünsche des Einzelnen und der Gruppen ab, sondern hebt vielmehr die Störung der Beziehungen zwischen den Zielen einerseits und den legitimen Mitteln zur Erreichung dieser Ziele andererseits hervor. Wie Durkheim entwickelt Merton auch die Grundlage für eine völlige Neubewertung der Armut in Bezug auf abweichendes soziales Verhalten.

Er ging bei der Entwicklung seiner Anomietheorie von der Beobachtung aus, dass es in der amerikanischen Gesellschaft ganz bestimmte Gruppen (vor allem untere soziale Schichten, die farbige Bevölkerung sowie neu eingewanderte ethnische Minderheiten) gibt, die hohe Kriminalitätsraten haben, da sie sich kriminell betätigen.

Anomie nach Merton resultiert so vor allem aus einem Widerspruch von Sozial- und Kulturstruktur: aus dem Auseinanderklaffen der als legitim anerkannten gesellschaftlichen Ziele und den Zugangsmöglichkeiten zu den zur Erreichung dieser Ziele erlaubten Mittel.9 Diese Diskrepanz fällt schichtspezifisch unterschiedlich aus. Auf der einen Seite die von allen sozialen Schichten verinnerlichten Ansprüche der Gesellschaft bzw. Kultur, auf der anderen Seite die chancenlose Realität der Unterschichtsangehörigen, denen es an Ressourcen (Erbe, Einkommen, berufliche Stellung, politische Verfügungsmacht) mangelt, sich solche Ansprüche erfüllen zu können. Die Erklärung für diese spezifische Verteilung abweichenden Verhaltens lautet: Die Gleichheit der durch die Gesellschaft festgelegten Interessen (an einem hohen Einkommen, sozialem Ansehen, Besitz) aller in dieser Gesellschaft lebenden Personen führt bei gesellschaftlich verursachter Ungleichheit der verfügbaren Mittel dazu, dass von denjenigen Gruppen, die nicht über ausreichende konforme Mittel verfügen, auch „unerlaubte“ Mittel in Form abweichender oder krimineller Handlungen eingesetzt werden, um diese kulturell festgelegten Ziele zu verwirklichen.[11]

[...]


[1] Quelle: Wahl/Hees (2009): Täter oder Opfer S. 13

[2] Strafgesetzbuch in der Fassung der Bekanntmachung vom 13. November 1998

[3] Jugendgerichtsgesetz in der Fassung der Bekanntmachung vom 11 Dezember 1974

[4] Jugendgerichtsgesetz in der Fassung der Bekanntmachung vom 11 Dezember 1974

[5] Cesare Lombroso (1835-1909) war ein italienischer Arzt, Professor der gerichtlichen Medizin und Psychiatrie.

[6] Emil Durkheim (1858-1917) war ein französischer Soziologe und Ethnologe

[7] Lüdemann/Ohlemacher (2002): Soziologie der Kriminalität

[8] Lüdemann/Ohlemacher (2002): Soziologie der Kriminalität

[9] Herbert Willems Lehrbuch der Soziologie Band 1 (2008) S.210 ff.

[10] Robert King Merton (1910-2003) war ein US-amerikanischer Soziologe.

[11] Herbert Willems Lehrbuch der Soziologie Band 1 (2008) S.210 ff.,

Lüdemann/Ohlemacher (2002): Soziologie der Kriminalität

Details

Seiten
34
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640835010
ISBN (Buch)
9783640834785
Dateigröße
1.9 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v167055
Institution / Hochschule
Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach – Soziale Arbeit - Entwicklung der Jugend
Note
1,0
Schlagworte
Jugendkriminalität

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Bekämpfung von Jugendkriminalität  und Jugendgewalt. Ursachen und Lösungsvorschläge