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Erfolgsstrategien international beliebter Sendekonzepte am Beispiel der Sendungen „Verliebt in Berlin“ und „Big Brother“

Hausarbeit 2009 11 Seiten

Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Verliebt in Berlin
2.1 Grundsätzliches zur Sendung
2.2 Mögliche Gründe für den Erfolg

3. Big Brother
3.1 Grundsätzliches zur Sendung
3.2 Mögliche Gründe für den Erfolg

4. Vergleich der beiden Sendungen und ihren internationalen Variationen

5. Fazit

Literaturverzeichnis:

1. Einleitung

Die Übernahme ausländischer Sendungen, Sendeformate und Konzepte ist schon lange ein wichtiger Bestandteil des deutschen und internationalen Fernsehmarktes. Hierbei lassen sich verschiedene Formen unterscheiden: zum Beispiel die direkte Übernahme einer Sendung, die gegebenenfalls synchronisiert oder untertitelt wird, oder die Na- chahmung einer erfolgreichen Sendung eines anderen Landes (in dieser Arbeit als „Übernahme des Konzepts“ bezeichnet) und der direkte Kauf eines Formates In dieser Arbeit soll der Frage nachgegangen werden, welche Kriterien ein Format oder ein Sendekonzept erfüllen muss, um international erfolgreich zu sein.

Als Beispiele hierfür werden zwei völlig unterschiedliche international erfolgreiche Sendekonzepte der letzten Jahre aufgeführt: die Reality-Soap Big Brother sowie die Telenovela Verliebt in Berlin und ihre internationalen Varianten. Beide Konzepte haben weltweit gute Quoten erzielt. Ein Unterschied ist nicht nur in den Genrezugehörigkei- ten, sonder auch darin zu sehen, dass bei Big Brother das Format insofern exportiert wurde, dass RTL II die Rechte für die Show in Deutschland von der holländischen Produktionsfirma Endemol für ca. 18 Millionen DM kaufte.1 Bei Verliebt in Berlin fand hingegen keine solche Transaktion statt, jedoch basiert zumindest das Grundkonzept der Serie auf einer kolumbianischen Telenovela und wurde in über 20 Ländern variiert aufgegriffen,2 so dass auch hier zumindest von der Adaption oder Variation eines ausländischen Sendeformates gesprochen werden kann.

Beide Formate werden hier getrennt betrachtet: zunächst bei Verliebt in Berlin und da- nach bei Big Brother wird zunächst das Sendekonzept an sich vorgestellt, mit Angaben zu Quoten und internationaler Verbreitung; danach wird versucht, zu ergründen, was den internationalen Erfolg und die Beliebtheit der Sendung ausmacht. Basierend darauf wird danach versucht, einen Vergleich zwischen beiden Sendungen zu ziehen und schließlich im Fazit allgemeinere Aussagen darüber zu treffen, welche Kriterien ein international erfolgreiches Sendekonzept erfüllen muss. Selbstverständlich können hier, da aufgrund des begrenzten Umfangs dieser Arbeit nur zwei Sendekonzepte betrachtet werden, nur bedingt allgemeingültige Schlüsse gezogen werden; trotzdem soll hier we- nigstens ansatzweise abstrahiert werden.

Der Kürze und Übersichtlichkeit halber wird in dieser Arbeit das generische Maskulinum verwendet und somit zum Beispiel von Kandidaten anstatt von KandidatInnen gesprochen; trotzdem sind damit beide Geschlechter gemeint.

2. Verliebt in Berlin

2.1 Grundsätzliches zur Sendung

Bei Verliebt in Berlin handelt es sich um eine sogenannte Telenovela, ein Genre, wel- ches ursprünglich aus Südamerika stammt. Dort bildet das Format bereits seit den fünf- ziger Jahren einen elementaren Bestandteil des Fernsehprogramms.3 Eine Telenovela unterscheidet sich von Daily Soaps nach amerikanischem Vorbild, deren charakteristi- sches Merkmal unter anderem die Endlosigkeit ist, hauptsächlich dadurch, dass sie im- mer mit einer finalen Auflösung endet.4 Alle Handlungsstränge werden zu einem Hap- py-End zusammengeführt.5 In Deutschland wurden zwischen 1986 und 1998 insgesamt 13 Telenovelas aus Brasilien, Mexiko und Venezuela ausgestrahlt, welche teilweise sehr erfolgreich waren.6 Trotzdem werden in Deutschland erst seit 2004 eigene Telenovelas produziert.7

Die Handlung und das Grundkonzept der Serie basieren auf der kolumbianischen Tele- novela Yo Soy Betty, La Fea, die in Kolumbien von 1999 bis 2001 extrem hohe Ein- schaltquoten von bis zu 66% erreichte und auch in anderen lateinamerikanischen Län- dern erfolgreich lief.8 Außer in Deutschland wurden auch in mittlerweile über 20 ande- ren Ländern Remakes der Serie produziert, zum Beispiel in Russland, Indien oder den Niederlanden.9

Da sich die zweite Staffel der Sendung deutlich von der Idee des südamerikanischen Originals wegbewegte und nur vergleichsweise niedrige Einschaltquoten vorweisen kann- die Zuschauerzahlen waren nicht einmal halb so hoch wie in der ersten Staffel-10 ist in dieser Arbeit, wenn von Verliebt in Berlin die Rede ist, ausschließlich die erste Staffel gemeint, die vom 28.02.2005 bis zum 12.10.2007 auf SAT.1 zu sehen war. Nach dem geringen Erfolg der zweiten Staffel wurden keine weiteren Staffeln produziert. Hauptfigur der Serie ist die 22jährige Lisa Plenske, welche aus bei einer Berliner Mode- firma zunächst im Catering arbeitet. Trotz ihres unscheinbaren Äußeren und den Prob- lemen, die sie dadurch in der auf Äußerlichkeiten fixierten Modewelt arbeitet sie sich schließlich bis an die Spitze der Firma hoch und heiratet im Serienfinale den Geschäftsführer David Seidel. In Nebenhandlungen werden unter anderem andere Liebesge- schichten und das Familienleben Seidels und Plenskes thematisiert.11

Die Sendung erzielte hervorragende Einschaltquoten: durchschnittlich wurde ein Marktanteil von 16,1% erreicht, in der werberelevanten Zielgruppe der 14-49jährigen waren es sogar 22,8%.12

2.2 Mögliche Gründe für den Erfolg

Der Erfolg der Serie könnte mit dem Grundthema verbunden sein, welches den Zus- chauern eine Projektionsfläche bietet. Dass der Eskapismus, das Sich-Hinaus-Träumen aus dem Alltag, ein menschliches Grundbedürfnis darstellt, zeigt unter anderem die Tat- sache, dass in den meisten Kulturkreisen Varianten des Märchens von Aschenputtel / Cinderella existieren;13 erste Versionen der Geschichte sind schon aus dem antiken Ägypten überliefert.14 Die Storyline von Verliebt in Berlin und seinen internationalen Varianten stellt letztendlich eine moderne Variation dieses Schemas dar. Stellvertretend für den Zuschauer erlebt die Hauptfigur eine Befreiung aus ihrem untergeordneten Da- sein- sie erhält die Anerkennung für ihre Leistungen, die sie verdient hat. Zum Erfolg beigetragen hat zudem der Zeitgeist- da die ökonomische Situation vieler Menschen sich in den letzten Jahren verschlechtert hat, entwickelte sich dieses Bedürfnis nach einer Flucht aus der Realität als Reaktion darauf möglicherweise noch stärker.15

Zudem ist der Mangel der Hauptfigur an körperlicher Attraktivität möglicherweise ein wichtiger Faktor. In einer Medienwelt, die permanent Körperidealen, die für die meisten Menschen unerreichbar sind, nachjagt, bietet das bewusst als Handlungselement einge- setzte unscheinbare Äußere der Protagonistin einen Kontrast und verstärkt zudem die Bereitschaft der Zuschauer, sich mit ihr zu identifizieren. Zusammenfassend könnte man demzufolge den Schluss ziehen. dass der internationale Erfolg des Konzepts daher rührt, dass Gefühle und Bedürfnisse der Zuschauer angesprochen werden, welche in allen Kulturkreisen eine Rolle spielen.

[...]


1 Kämpfer, Carmen: Big Brother- ein neues Fernseh-Format? Hamburg 2001, S. 13

2 http://ilovebettylafea.blogspot.com/search/label/Betty%20International [gesehen: 26.02.2009]

3 Hornung, Maren: Telenovelas und Werbung- Verliebt in Berlin. Hamburg 2006. S. 5

4 Hornung, S. 19

5 Hornung S. 7

6 Hornung, S. 13

7 Hornung, S. 5

8 Hornung, S. 21

9 http://www.webdelatele.com/novelas/las-versiones-de-la-telenovela-yo-soy-betty-la-fea.html [gese- hen: 20.02.2009]

10 Krasser, Senta: Das Comeback von Lisa Plenske. Morgenröte in tiefer Quotennacht. http://www.sueddeutsche.de/kultur/160/404938/text/ [gesehen: 26.02.2009]

11 Hornung, S. 23

12 Weis, Manuel: Quotencheck „Verliebt in Berlin”,

http://www.quotenmeter.de/cms/?p1=n&p2=16405&p3= [gesehen: 22.02.2009]

13 http://www.surlalunefairytales.com/cinderella/other.html [gesehen: 27.02.2009]

14 http://www.aldokkan.com/art/cinderella.htm [gesehen: 27.02. 2009]

15 http://www.epd.de/medien/medien_index_35772.html [gesehen: 21.02.2009]

Details

Seiten
11
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640831562
ISBN (Buch)
9783640830831
Dateigröße
461 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v166964
Institution / Hochschule
Universität Hamburg
Note
2,3
Schlagworte
erfolgsstrategien sendekonzepte beispiel sendungen berlin“ brother“

Autor

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