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Jugendliche und Drogenmissbrauch

Ursachen und Prävention

Seminararbeit 2006 23 Seiten

Pädagogik - Schulpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Jugendliche und Drogen
1. Definitionen und Begriffsklärungen
1.1. Drogen
1.2. Drogenarten
1.2.1. Nüchternheits- / Leistungsdrogen
1.2.2. Hypnotika und Sedativa
1.2.3. Halluzinogene
1.2.4. Opiate
1.3. Drogengebrauch und Drogenmissbrauch
1.4. Abhängigkeit / Sucht
2. Daten und Fakten
2.1. Drogenkonsum Erwachsener
2.1.1. Nikotin
2.1.2. Alkohol
2.1.3. Illegale Drogen
2.2. Drogenkonsum Jugendlicher
2.2.1. Nikotin
2.2.2. Alkohol
2.2.3. Illegale Drogen
3. Ursachen des Drogenkonsums und -missbrauchs
3.1. Biologische Variablen
3.2. Soziokulturelle Variablen
3.3. Psychologische Variablen
4. Prävention
4.1. Allgemeine Suchtprävention
4.2. Schulische Suchtprävention
4.3. Projekte schulischer Suchtprävention

III. Schluss

Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Seit einigen Jahren bin ich in einem kleinen Streetwork-Team aktiv, das auf christlicher Basis speziell unter Drogenabhängigen in Saarbrücken arbeitet. Ziel unserer Tätigkeit ist es, drogenabhängigen Menschen – insbesondere auch durch das christliche Glaubenszeugnis – aus der Drogensucht zu helfen. Zusätzlich zu dem sozialpädagogischen Angebot des Drogenhilfezentrums in Saarbrücken bieten wir dort den Drogenabhängigen in einem zweiwöchigen Rhythmus die Möglichkeit, mit uns ins Gespräch zu kommen und in eine der christlichen, meist auf Spendenbasis arbeitenden Therapie-Einrichtungen in Deutschland vermittelt zu werden. Die Arbeit erfordert viel Ausdauer und ist rein quantitativ wenig erfolgreich[1]. Die Faktoren, welche die Menschen in ihrer Sucht festhalten, scheinen sehr stark zu sein, und es ist schwer, jemanden, der bereits eine Drogensucht entwickelt hat, von ihr zu befreien.

Als zukünftiger Gymnasiallehrer möchte ich mich aus diesem Grund als Pädagoge und Drogenberatungslehrer engagieren und die Gelegenheit nutzen, Kinder und Jugendliche davor zu bewahren, in eine Sucht zu geraten. Dafür werden das Kennen und Erkennen von Risikofaktoren bei den Schülern sowie Kenntnisse konkreter präventiver Maßnahmen notwendig sein. Um dieses Wissen zu erwerben, werde ich mich im Rahmen der vorliegenden Arbeit mit den Fragen beschäftigen, welche Ursachen von Drogenmissbrauch bei Jugendlichen (Kapitel II. 3) festgestellt wurden und welche Präventionsmaßnahmen zur Suchtvermeidung (Kapitel II. 4) denkbar sind. In zwei einführenden Abschnitten (II. 1, II. 2) werde ich zunächst wichtige grundlegende Begriffe wie Droge, Drogenmissbrauch und Abhängigkeit klären und auf allgemeine Fakten zum Thema Drogenkonsum in Deutschland eingehen.

II. Jugendliche und Drogen

1. Definitionen und Begriffsklärungen

1.1. Drogen

Eine einheitliche Verwendung bzw. allgemein anerkannte Definition des Begriffs „Drogen“ scheint derzeit in der Literatur nicht vorhanden zu sein. Dies ist sicherlich dadurch zu erklären, dass eine exakte Definition tatsächlich schwierig ist (Ditzel & Pallenbach, 2003). Beispielsweise verzichtet Silbereisen (1995) ganz auf eine genaue Begriffsbestimmung und nennt nur konkrete Substanzen, auf die er sich mit dem Begriff „Drogen“ bezieht. Alkohol grenzt er von Drogen ab und so spricht er stets von „Alkohol“ und „Drogen“.

Eine Definition, auf die ich mich im Folgenden stützen möchte, findet sich bei Stangl (2006b):

„Als Drogen bezeichnet man jene psychotropen Substanzen bzw. Stoffe, die durch ihre chemische Zusammensetzung auf das Zentralnervensystem einwirken und dadurch auf das Denken, Fühlen, die Wahrnehmung und das Verhalten Einfluss nehmen.“

Die Einteilung der Drogen in verschiedene Arten ist ebenfalls nicht leicht und wird nicht einheitlich vorgenommen.

1.2. Drogenarten

Ditzel und Pallenbach (2003) systematisieren die illegalen Drogen in vier Untergruppen: sedierende Drogen, halluzinogene Drogen, synthetische Drogen und „Schnüffelstoffe“ und stimulierende Drogen, wobei sie zur Vermeidung einer weiteren „Zergliederung“ und „Verwirrung“ einzelne legale Substanzen (z.B. Coffein) zu den illegalen Drogen nehmen[2]. Eine pragmatische Einteilung von Drogen in vier verschiedene Gruppen bietet Stangl (2006b), auf den ich mich deshalb in den folgenden Ausführungen beziehe.

1.2.1. Nüchternheits- / Leistungsdrogen

Das Merkmal dieser Drogenart ist ihre anregende Wirkung auf den Organismus durch die Ausschüttung von Stresshormonen wie Dopamin. Diese führen beispielsweise zu erhöhtem Blutdruck, weniger Schlafbedürfnis und geringerem Hunger. Leichte Anregungszustände wie auch Omnipotenzgefühle gehören zu den Wirkungen der Leistungsdrogen. Die Nachwirkungen können körperliches Ausgelaugtsein und depressive Verstimmung sein. Thein, Koffein, Nikotin und Kokain stellen Beispiele für Leistungsdrogen dar.

1.2.2. Hypnotika und Sedativa

Hypnotika und Sedativa sind Schlaf- und Beruhigungsmittel, die zu verminderter geistiger und körperlicher Aktivität führen. Sie bewirken eine Verlangsamung des Stoffwechsels, wodurch Angst und Depression weniger wahrgenommen werden. Müdigkeit, Benommenheit oder Kreislaufschwäche auch nach Abklingen ihrer Wirkung können die Folge sein. Zu dieser Gruppe werden Barbiturate, Benzodiazepine (z.B. Valium) und Alkohol gerechnet.

1.2.3. Halluzinogene

Halluzinogene Drogen haben „bewusstseinserweiternde Wirkung“. Sie rufen eine Reizüberflutung hervor, bei der emotionale, akustische oder optische Halluzinationen auftreten. So genannte „Horror-Trips“ führen zu Angstzuständen und Panikattacken. Halluzinogene Stoffe sind z.B. Cannabis, Meskalin, Psilocybin und LSD.

1.2.4. Opiate

Diese Drogenart versetzt den Menschen in Glückszustände, da das Opium und seine Derivate den Endorphinen („Glückshormonen“) ähnelt. Diese Zustände des Wohlbefindens sind sehr stark und führen rasch zu einem Verlangen nach erneuter Opiat-Zufuhr. Entzugserscheinungen sind beispielsweise Depressionen, Magenkrämpfe, Schwitzen sowie Muskelzittern. Zu den Opiaten gehören Opium, Morphin oder Heroin.

1.3. Drogengebrauch und Drogenmissbrauch

Nicht jede Einnahme von Drogen (Drogengebrauch, -konsum) wird als Missbrauch bezeichnet. Missbrauch ist gemäß internationaler Klassifikationen von Erkrankungen (z. B. ICD-10[3], DSM-III-R[4] ) „(...) eine Form des Drogenkonsums mit nachweisbaren Schäden für die Person im körperlichen, psychischen oder sozialen Bereich“ (John 1999, S. 4).

Stangl (2006d) verschärft die Definition von Drogenmissbrauch, indem er jeden Gebrauch einer psychoaktiven Substanz, der nicht ihrem Zweck entspricht, und jeden Drogenkonsum mit dem Ziel, „(...) einen unliebsamen Gefühlszustand zum Verschwinden zu bringen (...)“ als Missbrauch bezeichnet.

Ein sehr differenziertes Schema zur Unterscheidung von Drogenmissbrauch und -gebrauch, liefern Newcomb und Bentler (1989, dargestellt in Silbereisen, 1995). Anhand der vier Kriterien Substanz- und Konsumumstände, Person, Reaktion und Konsequenzen des Drogengebrauchs kann ein Missbrauch identifiziert werden. Beispielsweise ist dann von Missbrauch zu sprechen, wenn Drogen am Arbeits- / Ausbildungsplatz (Konsumumstand Ort) eingenommen werden. Kinder vor der Pubertät (Person) missbrauchen Drogen bei jedem regelmäßigen Gebrauch. Missbrauch liegt auch jedes Mal vor, wenn Personen, denen Wissens- und Entscheidungsgrundlagen zum Gebrauch von Substanzen fehlen, Stoffe mit bekannten Risiken konsumieren. Körperliche Entzugserscheinungen (Reaktion) weisen stets auf Missbrauch hin, wie auch Beschaffungskriminalität (Konsequenz). Die Grenzen zwischen Drogenmissbrauch und –gebrauch können allerdings fließend sein (Silbereisen, 1995).

Für den Zweck wissenschaftlicher Arbeit halte ich den Ansatz von Newcomb und Bentler (1989) für sinnvoll. Wird im Folgenden also von Drogenmissbrauch gesprochen, so ist zumindest eines der vier genannten Kriterien erfüllt.

1.4. Abhängigkeit / Sucht

Die Begriffe der „Abhängigkeit“ bzw. „Sucht“ werden bei Stangl (2006d) und anderen Autoren synonym verwendet, wobei Schmidt (1999) darauf hinweist, dass laut Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation WHO von 1964 die Bezeichnung „Sucht“ durch „Abhängigkeit“ zu ersetzen sei[5]. Sowohl Stangl (2006d) als auch Gastpar et al. (1999) beziehen sich in ihren Werken auf die Definition der ICD-10.

Derzufolge handelt es sich beim „Abhängigkeitssyndrom“ „um eine Gruppe körperlicher, Verhaltens- und kognitiver Phänomene, bei denen der Konsum einer Substanz oder einer Substanzklasse für die betroffene Person Vorrang hat gegenüber anderen Verhaltensweisen, die von ihr früher höher bewertet wurden. Als ein entscheidendes Charakteristikum der Abhängigkeit wird der oft starke, gelegentlich übermächtige Wunsch angesehen, Substanzen oder Medikamente (...), Alkohol oder Tabak zu konsumieren“ (Schmidt, 1999, S. 71).

In der ICD-10 werden konkrete Kriterien genannt, die eine Abhängigkeit charakterisieren. Sind drei davon innerhalb eines Jahres erfüllt, so liegt das Abhängigkeitssyndrom vor. Gleiches gilt für die Kriterien des DSM-IV für die „Substanzabhängigkeit“ (Davison & Neale, 1998). Die Begriffe „Abhängigkeitssyndrom“ und „Substanzabhängigkeit“ sind inhaltlich fast völlig identisch (Schmidt, 1999)[6].

Zu den sieben Merkmalen von Abhängigkeit gehören nach dem DSM-IV (Davison & Neale, 1998): Toleranzentwicklung gegenüber der eingenommenen Substanz, Entzugssymptome beim Absetzen der Droge, mengenmäßig größerer oder häufigerer Konsum als ursprünglich beabsichtigt, erfolgloses Absetzen der Substanz, Aufgabe oder Reduzierung anderer Aktivitäten aufgrund des Drogenkonsums (z.B. Arbeit, Erholung) und großer Zeitaufwand für die Substanzbeschaffung bzw. Erholung von deren Konsum.

[...]


[1] Beispielsweise wurden vom sozialpädagogischen Dienst des Drogenhilfezentrums Saarbrücken bei bis zu 300 Konsumenten pro Tag laut Vermittlungsstatistik im Jahr 2004 nur 13 Personen in eine Langzeittherapie vermittelt (Drogenhilfezentrum Saarbrücken, 2006). Dabei muss berücksichtigt werden, dass die große Mehrheit der Drogenabhängigen ihre Therapie vorzeitig abbricht. Die Vermittlungsquote unseres Teams liegt bei 3-4 Personen pro Jahr.

[2] Diese Vorgehensweise bewirkt meiner Meinung nach das Gegenteil.

[3] ICD steht für International Classification of Diseases (Dorsch, 1998).

[4] DSM bedeutet Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (Dorsch, 1998).

[5] Begründung: „Abhängigkeit“ kann im Gegensatz zu „Sucht“ in psychische und physische Abhängigkeit spezifiziert werden (Schmidt, 1999).

[6] Abhängigkeiten ohne Substanz (z.B. Spielsucht usw.) werden in der vorliegenden Arbeit aus Platzgründen nicht thematisiert.

Details

Seiten
23
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640831524
ISBN (Buch)
9783640830947
Dateigröße
386 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v166953
Institution / Hochschule
Universität des Saarlandes – Erziehungswissenschaft
Note
1,7
Schlagworte
Drogen; Drogenprävention; Sucht

Autor

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