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Konzept zur Ausstellung "New York Dada" im Haus der Kunst in München

Hausarbeit 2007 22 Seiten

Kulturwissenschaften - Allgemeines und Begriffe

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Ausgangssituation
2.1 Das Haus der Kunst
2.2 Die Zielgruppe

3. Die Ausstellung
3.1 Thema der Ausstellung
3.2 Exponate
3.3 Leihverkehr
3.4 Versicherung
3.5 Transport
3.6 Aufbau und Hängung

4. Zeitplan

5. Ausblick

6. Literaturverzeichnis

7. Anhang
7.1 Exponatsliste
7.2 Raumplan
7.3 Zeitplan

1. Einleitung

"New York Dada? So etwas gab es nicht und ich würde ganz und gar davon abraten"1 resümierte Marcel Duchamp zwar in den siebziger Jahren, und widerspricht sich in gewissen Sinne selbst, wenn er auch sagt, dass ganz New York Dada ist. Nicht abzusprechen ist aus heutiger Sicht eine Dada-Gruppe in New York und diese soll Thema der geplanten Ausstellung und somit dieser Arbeit sein.

Die Ausstellung soll ab Oktober 2008 im Haus der Kunst in München stattfinden.

Die Literaturlage zum Thema Dadaismus ist umfassend. Es gibt viele Ausstellungskataloge und Werke zu verschiedenen Dada-Gruppierungen und zum Dadaismus an sich und natürlich auch viele Monographien zu den Protagonisten der Bewegung, zu New York Dada gibt es allerdings gerade im deutschsprachigen Raum kaum ausführlichere Darstellungen, abgesehen von ein paar mehrseitigen Erläuterungen in Schriften zur Gesamtbewegung. Eines der wenigen Werke, welches sich ausschließlich mit New York Dada befasst ist das Werk von Francis M. Naumann, auf das ich mich gerade bei der Bildrecherche hauptsächlich bezogen habe.

Zum Aufbau der Arbeit: Nach der Analyse der Ausgangslage, hier vor allem des Ausstellungsortes Haus der Kunst und der Zielgruppe, wird auf die Ausstellung an sich eingegangen. Erläutert werden das Thema der Ausstellung, die Auswahl der Exponate, der Leihverkehr, Versicherung, Transport, Aufbau und Hängung. Als Abschluss wurde ein Zeitplan erstellt, der den reibungslosen Ablauf der Ausstellungsorganisation gewährleisten soll.

Mangels halbwegs reeller Zahlen und auch aus Platzgründen wurde auf eine Kalkulation vollständig verzichtet, die normalerweise natürlich spätestens mit dem Grobkonzept einer Ausstellung zu erstellen ist.

2. Ausgangssituation

2.1 Das Haus der Kunst

Das heutige Haus der Kunst ist im Gebäude des ehemaligen Haus der Deutschen Kunst in München untergebracht. Der erste repräsentativen Monumentalbau des "Dritten Reiches" wurde von Paul Ludwig Troost entworfen. Zur Eröffnung 1937 wurde im Galeriegebäude am Hofgarten eine Auswahl beschlagnahmter Werke in entehrender Weise in der Ausstellung Entartete Kunst präsentiert. Bis 1944 wurde jährlich die Große Deutsche Kunstausstellung gezeigt, eine kommerziell ausgerichtete Kunstmesse, bei der Hitler als Hauptkäufer auftrat und sich als Kunst-Mäzen darstellte. Nach dem Krieg diente das Gebäude der amerikanischen Militärregierung als Offizierskasino und entwickelte sich seit den 1950er Jahren zu einem international renommierten Ausstellungsinstitut.2

Heute hat sich das Haus der Kunst unter Direktor Chris Dercon als Ausstellungshalle für moderne und vor allem zeitgenössische Kunst etabliert.

Bereits in der Ausstellung Entartete Kunst wurde eine Wand des Dadaismus "gewidmet". Werke von Kurt Schwitters, Wassily Kandinsky und Paul Klee wurden gezeigt. Eine ernsthafte Würdigung und Auseinandersetzung mit dem Thema Dadaismus fand danach durch eine Dada-Ausstellung nicht statt, aber die Ausstellung Grotesk - 130 Jahre Kunst der Frechheit, behandelte das Thema natürlich. Und auch in der großen Retrospektive zu Max Ernst, dem Dada-Max, 1999 und die Ausstellung Aller Anfang ist Merz - von Kurt Schwitters bis heute spielte der Dadaismus eine große Rolle.

Eine Ausstellung zu New York Dada hat es bisher also im Haus der Kunst noch nicht gegeben. Und soweit die Recherchen belegen war dieses Thema zumindest in Deutschland noch nie explizit Gegenstand einer Ausstellung.

2.2 Die Zielgruppe

Die Ausstellung soll sich an Kunstinteressierte verschiedenen Alters richten. Das Grundkonzept des Dadaismus ist den Besuchern bereits geläufig und muss nur noch kurz erwähnt werden, die Besonderheiten von New York Dada sollen hervorgehoben werden.

3. Die Ausstellung

Die Ausstellung findet vom Mittwoch, den 8. Oktober 2008 bis zum Donnerstag, den 15. Januar 2009 in den Räumen Saal 1, 2, 8, 9, 10, 11, 12 und 13 im Erdgeschoss des

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Räume der Ausstellung im Erdgeschoss des Haus der Kunst München

Haus der Kunst statt. Die genaue Aufteilung der Räume ist unter Punkt 3.7 Aufbau und Hängung erläutert.

3.1 Thema der Ausstellung

Das Thema der Ausstellung ist, wie der Titel bereits sagt "New York Dada", also die Ausprägungen des Dadaismus in New York. Entstanden ist die Bewegung durch Gründung des Cabaret Voltaire im Februar 1916 in Zürich durch Hugo Ball, Emmy Hennings, Hans Arp, Marcel Janco und Tristan Tzara.3 Im Mai desselben Jahres erscheint die gleichnamige Zeitschrift und Dada wird als Name und Programm verkündet. Mit Manifesten, Gedichten, Bildern, Plastiken, Theateraufführungen, Tourneen und fiktiven Weltkongressen sollten Verwirrung, Untergrabung, Umsturz und Vernichtung erreicht werden.4 Allerdings war der Dadaismus von Anfang an international ausgerichtet5. Man Ray selbst, Hauptvertreter von Dada New York, sagt über den Dadaismus: „Dada ist eine Geisteshaltung, die weitgehend aus Negation besteht.“6 Er beschreibt damit sehr treffend was den Dadaismus rund um den Globus, ausmacht: Eine Antihaltung gegen Krieg, den 1. Weltkrieg im Speziellen, gegen überkommene Instanzen, konventionelle Moral und Gesellschaft, Bürgerlichkeit im Allgemeinen, aber auch gegen die etablierte Literatur, Poesie und Kunst.7

Die Ausstellung soll die Aktivitäten der Dadaisten um Man Ray, Marcel Duchamp und Francis Picabia in New York zeigen. Themenschwerpunkte der ersten Räume werden die Armory Show und die gemeinsam vom Man Ray, Marcel Duchamp und Katherine Dreier gegründete Soci é t é Anonyme.8 Sozusagen als Einzug der modernen Kunst in den USA und Vorläuferaktivität der späteren Dadaisten soll das zum Verständnis von Dada New York beitragen.

Auf die oben bereits genannten Künstler, Man Ray, Marcel Duchamp und Francis Picabia soll in den weiteren Räumen besonders eingegangen werden. Ein spezielles Augenmerk wird hier auf die Rayographien von Man Ray gelegt, da Tristan Tzara 1921 als er sie entdeckte, sie für „vollkommene Dada-Schöpfungen" hielt9. Obwohl die Dadaisten die abstrakte Malerei ablehnten, nahmen sie die abstrakte Fotografie in Form der Rayographien begeistert auf.10 Durch den Zufall und die fehlende Vorhersehbarkeit des Ergebnisses, durch eingefügte, aber aus dem Zusammenhang gerissene Wörter, durch Alltagsgegenstände in völlig neuen Beziehungen und durch Schatten verzerrte Proportionen werden die Rayographien zu Dada.11 Aber auch die anderen Künstler, die sich bei Walter Arensberg zuhause und in Alfred Stieglitz Galerie 291 trafen und zu den New Yorker Dadaisten gezählt werden können, wie Albert Gleizes, Juliette Roche, Jean und Yvonne Crotti, Henri-Pierre Roché, Beatrice Wood, Clara Tice, Charles Sheeler, Morton Schamberg, Charles Demuth, John Covert, Joseph Stella, die Settheimer Schwestern und Katherine S. Dreier sollen ihren Platz finden.12

3.2 Exponate

Das wichtigste einer Ausstellung sind die Exponate. Durch ausführliche Recherchen in Werkverzeichnissen, aktuellen Ausstellungskatalogen, Sammlungskatalogen und neuerer kunsthistorischer Literatur, besonders wichtig sind aber auch Kontakte zu Sammlern, Galerien und Kunsthistorikern, wird eine Wunschliste der Exponate erstellt.13 Die Wunschliste sollte etwas ausführlicher ausfallen, da eine Reihe von Exponaten mit Sicherheit nicht ausgeliehen werden können. Es sollte also neben einer Optimallösung auch eine zweite und dritte Auswahl14 von anzufragenden Werken vorbereitet werden. Natürlich muss die Anzahl der gewünschten Exponate in Bezug auf den zur Verfügung stehenden Raum und den Umfang der Ausstellung reflektiert werden. Mit der Auswahl der Exponate wird eine Ausstellungsidee konkret. Es muss also an dieser Stelle sehr genau hinterfragt werden, was das Ziel der Ausstellung sein soll und wo Schwerpunkte gesetzt werden.15

Zu jedem der oben genannten Themenschwerpunkte gibt es eine Reihe von Exponaten, die nicht fehlen dürfen. Dazu gehört von Marcel Duchamp das Gemälde Nude Descending a Staircase / Nu descendant un Escalier, als heftig diskutiertes Werk der Armory Show, aber natürlich auch seine Readymades, wie Fountain von 1917 mit denen er den bis dahin gültigen Kunstbegriff in Frage stellte. Aber auch Arbeiten zu seinem selbst erfundenen weiblichen Alter Ego Rrose Sélavy, und die ebenfalls mit den Grenzen zwischen Männlichem und Weiblichem spielende Persiflage auf da Vincis Mona Lisa, L.H.O.O.Q., von 1919.

Von Man Ray sollen neben einer Auswahl an Aerographien und der bereits erwähnten Rayographien auch das Geschenk von 1921 und einige weitere Fotografien, wie der Kleiderständer von 1920 gezeigt werden.

[...]


1 Meyer, Raimund / Hossli, Judith, u.a.: Dada global, Zürich, 1994, S.89.

2 http://www.hausderkunst.de/

3 Meyer, / Hossli, Dada global, S.7.

4 Senft, Michael, Dada - Man Ray - Rayographien, in: Kicken, Rudolf (Hrsg.): Man Ray: 1890 - 1976, München, 1996, S.29.

5 Meyer, Raimund, in: „Dada ist die Weltenseele, Dada ist der Clou“. Kleine Dada-Kosmologie, in: Meyer, Raimund / Hossli, Judith, u.a., Dada global, Zürich, 1994, S.13.

6 Man Ray, in: The New York Evening Journal, 29.Januar 1921

7 Senft, Michael, Dada - Man Ray - Rayographien, S.29.

8 Heiting, Manfred, Man Ray. 1890 - 1976, S. 245.

9 Man Ray, Man Ray. Selbstportrait. Eine illustrierte Autobiographie, München 1982 2, S.85.

10 De l’Ecotais, Man Ray, der Erfinder der surrealistischen Fotografie, S.118.

11 Senft, Michael, Dada - Man Ray - Rayographien, S.31.

12 Naumann, Francis M., New York Dada. 1915 - 1923, New York 1994, S.5.

13 Krempel, Ulrich, Ausstellungsmanagement "Die Welt als Marktplatz". Die Kunstausstellung. Ihre Planung, Organisation und Durchführung, Hagen 1993, S.50.

14 Krempel, Ausstellungsmanagement, S.49.

15 Krempel, Ausstellungsmanagement, S.49.

Details

Seiten
22
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640831432
ISBN (Buch)
9783640830633
Dateigröße
737 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v166918
Institution / Hochschule
Hochschule für Musik und Theater Hamburg – Institut für Kulturmanagement
Note
1,3
Schlagworte
Ausstellungsmanagement Kunst Dadaismus Kulturmanagement Museumsmanagement

Autor

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